Die Krise der intellektuellen Fettleibigkeit (2022)
(gurwinder.blog)Informationssucht lässt unser Gehirn verrotten
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Informationssucht: Wenn Informationen im Übermaß vorhanden sind, verliert unsere Neugier den Fokus und wird zerstreut. Das führt zu intellektueller Fettleibigkeit und füllt unseren Geist mit nutzlosen Informationen.
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Information und Dopamin: Laut einer Berkeley-Studie aus dem Jahr 2019 wirken Informationen wie Nahrung auf das Dopamin-Belohnungssystem des Gehirns. Das Gehirn betrachtet Informationen selbst als Belohnung und verlangt danach und ist damit zufrieden, unabhängig von ihrer Genauigkeit oder Nützlichkeit.
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Aufmerksamkeitsökonomie: Die moderne Gesellschaft produziert in Massen minderwertige „Junk-Informationen“, um Aufmerksamkeit zu gewinnen. Wie Fast Food sind sie billig und befriedigend, aber nährstoffarm und süchtig machend.
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Das Problem mit Junk-Informationen: Junk-Informationen haben keinen praktischen Nutzen und verbessern weder unser Leben noch unser Verständnis. Dazu gehören etwa bedeutungslose Fotos in sozialen Medien oder Artikel, die emotionale Empörung auslösen.
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Die Verbreitung von Junk-Informationen: Informationen, die Emotionen anstacheln, insbesondere Wut auslösende Inhalte, verbreiten sich am weitesten. Das ist eine Strategie, die Journalist:innen oder Kommentator:innen nutzen, um Aufmerksamkeit zu erregen.
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Die Auswirkungen von Junk-Informationen: Junk-Informationen verschlechtern unser Verständnisvermögen. Menschen, die durch soziale Medien scrollen, erleben eine „normative Dissoziation“, wodurch ihre Fähigkeit zur Informationsverarbeitung sinkt.
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Intellektuelle Fettleibigkeit: Wenn wir von nutzlosen Informationen abhängig werden, wird unser Bewusstseinsstrom blockiert, und es fällt uns schwer, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Das behindert Lernen, Konzentration und Denken.
Lösungsansätze
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Meta-Wahrnehmung: Es ist wichtig, die Gewohnheit zu entwickeln, darauf zu achten, wohin sich die eigene Aufmerksamkeit richtet. Hilfreich ist die „10-10-10-Regel“: Nach dem Konsum von Informationen darüber nachdenken, wie man sich 10 Minuten, 10 Monate und 10 Jahre später damit fühlen wird.
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Veränderung des Lebensstils: Um Junk-Informationen zu vermeiden, ist es nötig, den eigenen Lebensstil neu auszurichten. Zum Beispiel kann Schreiben helfen, schlechte Informationen herauszufiltern und sich Zeit zu nehmen, den eigenen Gedanken zu begegnen.
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Individuell angepasste Informationsdiät: Man sollte eine Informationsdiät finden, die zu einem selbst passt. Zielloses Surfen im Web sollte reduziert werden, damit am Ende keine Reue über das eigene Leben bleibt.
Meinung von GN⁺
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Qualität von Informationen: Wichtiger als die Menge ist die Qualität von Informationen. Minderwertige Informationen verschwenden unsere Zeit und helfen tatsächlich überhaupt nicht.
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Das Problem der Aufmerksamkeitsökonomie: Reizvolle, provokative Informationen zu produzieren, nur um Aufmerksamkeit zu gewinnen, ist gesellschaftlich ein großes Problem. Es kann die Gefühle von Menschen manipulieren und soziale Konflikte auslösen.
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Digital Detox: Um sich von Junk-Informationen zu lösen, ist ein Digital Detox nötig. Es kann helfen, für eine gewisse Zeit keine digitalen Geräte zu nutzen oder soziale Medien ganz wegzulassen.
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Gewohnheiten beim Informationskonsum: Es ist wichtig, die eigenen Gewohnheiten beim Informationskonsum zu verbessern. Informationen sollten aus vertrauenswürdigen Quellen bezogen werden, und man muss die Fähigkeit entwickeln, bedeutungslose Informationen auszusortieren.
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Alternativen aufzeigen: Empfohlen werden Plattformen oder Projekte, die statt Junk-Informationen nützliche Inhalte bieten. Zum Beispiel kann es sinnvoll sein, Websites oder Apps mit Bildungsinhalten zu nutzen.
6 Kommentare
> Schach und das Leben: Gut Schach zu spielen könnte bedeuten, sein Leben zu verschwenden. Schach erfordert viel Auswendiglernen und Strategie, und es ist wichtig, es zum Vergnügen zu spielen.
Das ist irgendwie ähnlich wie das, was Erwachsene früher gesagt haben: Man solle nicht Go lernen ... haha
Die Idee einer personalisierten Informationsdiät ist wirklich beeindruckend. Vielen Dank für den guten Beitrag.
Dass es so viele Junk-Daten gibt, kann ich wirklich gut nachvollziehen.
Das betrifft nicht nur Fachwissen, sondern fällt mir auch im Alltag oft auf.
Es gibt unzählige reißerische Themen, und die Menschen wenden sich immer wieder neuen Themen zu. Bei mir ist das genauso.
Man müsste nutzlosen Dingen einfach keine Aufmerksamkeit schenken, aber selbst wenn man es weiß, ist das nicht leicht.
Ich empfehle GeekNews ohne Informationsmüll ;)
:+1:
Hacker-News-Kommentare
Das Gehirn betrachtet Informationen als Belohnung: Welche Informationen jemand als nützlich empfindet, ist von Person zu Person unterschiedlich, und das Gehirn sortiert nützliche Informationen und belohnt sie. Zum Beispiel ist TikTok für manche Menschen nicht nützlich.
Schach und das Leben: Gut in Schach zu sein, kann eine Verschwendung des Lebens sein. Schach erfordert viel Auswendiglernen und Strategie, und wichtig ist, es zum Vergnügen zu tun.
Informationskonsum begrenzen: Der Konsum von Informationen auf Plattformen wie YouTube sollte zeitlich begrenzt werden. Zu viele Informationen wirken zwar interessant, sind aber mental auszehrend.
Die Metapher von Information und Fettleibigkeit: Übermäßiger Informationskonsum ist nicht dasselbe wie Fettleibigkeit. Informationen über Politik und Technologie sind wichtig, aber wenn man zu viele Informationen konsumiert, nimmt die Angst zu.
Hacker News und Informationsüberfluss: Dass man auf Hacker News viele Informationen konsumiert, liegt an FOMO (der Angst, etwas zu verpassen). Vielleicht ist eine Informationsdiät nötig.
Der wahre Zweck von Social Media: Social Media wird nicht einfach nur genutzt, um nutzlose Inhalte zu konsumieren, sondern auch aus Gründen wie beruflichem Statusgewinn, dem Aufbau eines Publikums oder dem Lernen nützlicher Informationen.
Fehlende Definition von „nutzlosen Informationen“: Die Definition von „nutzlosen Informationen“ ist nicht eindeutig. Zum Beispiel lässt sich ein Wikipedia-Artikel zu einem wissenschaftlichen Thema vielleicht nicht praktisch anwenden, bereitet aber trotzdem Freude.
Der Unterschied zwischen „Information“ und „Content“: Wenn man beim Lesen des Artikels „Information“ durch „Content“ ersetzt, sagt dieser Artikel letztlich nur etwas über die Gefahr des „Doomscrolling“ (sinnlosen Informationskonsums).
Der Wert der meisten Online-Inhalte: Die meisten Online-Inhalte verbessern das Verständnis der Welt nicht. Man muss lernen, Clickbait zu vermeiden und zu anderen Aktivitäten zu wechseln.