- Die Europäische Union wollte unter dem Vorwand des Kinderschutzes eine umfassende Überwachung aller EU-Bürger einführen
- Dieser Gesetzentwurf, auch als „Chat Control“ bekannt, war mit US-Technologieunternehmen und Sicherheitsdiensten verknüpft
- Nun ist mit der Initiative „Going Dark“ ein neuer Anlauf aufgetaucht, doch das Ziel ist dasselbe:
- „Staatstrojaner auf allen Mobiltelefonen und Computern in Europa zu installieren“
Hintergrund
- Datum und Person: Am 11. Mai 2022 schlug die EU-Kommissarin Ylva Johansson den Gesetzentwurf „Verordnung zur Prävention und Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs von Kindern“ vor.
- Behauptung des Gesetzentwurfs: Johansson erklärte, dies sei ihr Vorschlag, und ohne sie wäre das europäische Justizsystem bei der Verfolgung von sexuellem Kindesmissbrauch „blind“ geworden.
Der Gesetzentwurf zu Chat Control
- Inhalt: Er bedeutet die Überwachung der Kommunikation aller EU-Bürger, die in Echtzeit durch künstliche Intelligenz (AI) gefiltert und anschließend von dem neu geschaffenen EU-Zentrum in Zusammenarbeit mit Europol überprüft wird.
- Rechtliche Probleme: Der Entwurf kollidierte mit der Europäischen Menschenrechtskonvention, der EU-Grundrechtecharta und der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der UN und wurde daher von mehreren Gesetzgebungsorganen abgelehnt.
- Kritik: Der UN-Menschenrechtsrat und 465 Forschende warnten vor den Folgen dieses Entwurfs.
Auswirkungen des Gesetzentwurfs
- Datenschutz: Alle Messaging-Dienste, auch verschlüsselte, müssten Bilder der Nutzer scannen; das wäre ein gravierendes Problem für politische Gegner, Whistleblower, Journalisten und andere.
- Technische Unmöglichkeit: Die von Johansson behaupteten digitalen Spürhunde existieren nicht; Fachleute betonten, dass sich Inhalte verschlüsselter Kommunikation nicht prüfen lassen, ohne sie einzusehen.
Beteiligung von US-Technologieunternehmen und Sicherheitsdiensten
- Recherche: Im September 2023 deckten drei Journalisten auf, dass das US-Unternehmen Thorn und die Europäische Kommission eng zusammenarbeiteten. Thorn entwickelt Werkzeuge zum Scannen von Material mit Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs.
- Lobbyarbeit: Thorns CEO Julie Cordua und Ashton Kutcher arbeiteten eng mit der Europäischen Kommission zusammen, um den Entwurf durchzubringen.
Mangelnde Transparenz
- EU-Transparenzregister: Thorn war als Wohltätigkeitsorganisation registriert, war tatsächlich jedoch ein Unternehmen, das Technologie verkauft.
- Gründung von Organisationen: Die Europäische Kommission arbeitete mit mehreren Lobbygruppen zusammen, um Unterstützung für den Gesetzentwurf zu gewinnen.
Fazit
- Reaktion des Europäischen Parlaments: Im November 2023 lehnte das Europäische Parlament den Entwurf mit überwältigender Mehrheit ab.
- Neuer Anlauf: Die Initiative „Going Dark“ ist ein neuer Versuch mit ähnlichen Zielen; Strafverfolgungsbehörden sollen dadurch Zugang zu Daten erhalten.
- Herausforderung: Europäische und US-Sicherheitsbehörden versuchen weiterhin, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zu brechen.
Zusammenfassung
- Die Europäische Union, US-Technologieunternehmen und Sicherheitsdienste trieben gemeinsam einen Gesetzentwurf voran, der unter dem Vorwand des Kinderschutzes eine umfassende Überwachung der Kommunikation von EU-Bürgern ermöglichen sollte.
- Der Entwurf wurde wegen Konflikten mit mehreren Menschenrechtsnormen abgelehnt, doch mit der Initiative „Going Dark“ gibt es nun einen neuen Versuch.
- Sowohl der Gesetzentwurf als auch die Initiative stellen eine ernsthafte Bedrohung für den Datenschutz und die Sicherheit verschlüsselter Kommunikation dar.
- Das Europäische Parlament hat den Entwurf zwar abgelehnt, die Versuche der Sicherheitsbehörden gehen jedoch weiter.
Meinung von GN⁺
- Bedeutung von Verschlüsselung: Verschlüsselung ist ein entscheidendes Mittel zum Schutz der Privatsphäre und Sicherheit des Einzelnen. Versuche, sie auszuhebeln, können die persönliche Freiheit verletzen.
- Technische Grenzen: Echtzeit-Scans mit AI können hohe Fehlerraten haben und dadurch Unschuldige in Gefahr bringen.
- Mangelnde Transparenz: Die fehlende Transparenz der Europäischen Kommission kann das Vertrauen in demokratische Verfahren untergraben.
- Alternative Technologien: Sichere Messaging-Dienste wie Signal bleiben wichtige Alternativen. Nutzer können mit ihnen ihre Privatsphäre schützen.
- Rechtliche Probleme: Solche Gesetzentwürfe werden sehr wahrscheinlich rechtlich angefochten und könnten sich vor Gericht als kaum haltbar erweisen.
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