Developer-Advocacy-Handbuch
(developer-advocacy.com)Die neueste Version des „Developer Evangelist Handbook“, das Christian Heilmann vor 15 Jahren veröffentlicht hat.
- Was ist Developer Advocacy / Evangelism?
→ Definieren
→ Die richtige Denkweise: jemand, der bei Entwicklerinnen und Entwicklern Veränderung bewirkt
→ Die Rolle und ihre Stärken ausspielen
- Mit dem eigenen Unternehmen zusammenarbeiten
→ Auf Vorurteile vorbereitet sein: eine einzigartige Rolle über mehrere Funktionen hinweg. Nicht entmutigen lassen
→ Mit Veränderungen im Unternehmen umgehen: rechtliche Prozesse einhalten. Es gibt kein „off the record“. Nicht emotional handeln oder Vermutungen anstellen
→ Den internen Entwicklern nah sein: zuhören
→ Mit PR und Marketing zusammenarbeiten: keine Konkurrenz, kontinuierlich kommunizieren
→ Als externer Kanal wahrgenommen werden: den Teammitgliedern mitteilen, mit welchen Kanälen man verbunden ist
→ Andere Advocates und Entwickler schulen: interne Schulungen und Vorträge halten und externes Feedback teilen
→ Nützliche Technologien teilen: intern über neu kennengelernte Technologien kommunizieren
→ Die Balance zwischen persönlichen und offiziellen Kanälen halten
→ Die Marke herausnehmen: sich von der Unternehmensmarke lösen. Sich nur darauf konzentrieren, dass Entwickler mit dem Produkt spielen können
- Mit Wettbewerbern zusammenarbeiten
→ Bei der Zusammenarbeit mit Wettbewerbern:
✓ unabhängig bleiben bei Dingen, die interessant sind, egal von welchem Unternehmen das Produkt ist
✓ sich immer an Neues gewöhnen
→ Wettbewerber respektieren: Man kann kein großartiger DA und gleichzeitig ein Streithahn sein.
→ Anerkennen, wenn das Produkt eines Wettbewerbers besser ist: jemand sein, der gute Technologie wertschätzt, Konkurrenz nicht fürchtet, sondern begrüßt, und dem internen Team Feedback geben kann
→ Wettbewerber kennen: Wenn man vergleichend sprechen will, muss man sie zuerst kennen
→ Beispiele mit Konkurrenzprodukten erstellen und nutzen: so kann man vergleichen und Unterschiede erkennen
- Outreach vorbereiten
→ Exakte Fakten klären: das Produktteam detailliert nach genauen Spezifikationen, Funktionen und Nicht-Funktionen fragen
→ Das Publikum und seine Anforderungen kennen
→ Fachleute als Backup bereithalten:
✓ Fragen, die man nicht beantworten kann, notieren und nachfassen
✓ nichts versprechen, bei dem man nicht sicher ist, ob das Produktteam es liefern kann
→ Das passende Medium auswählen: Präsentationsunterlagen, Video, Audio, Live-Coding, Online-Schritt-für-Schritt-Beispiele …
→ Auf Fehlschläge vorbereitet sein:
✓ lokale und Online-Kopien der Präsentation.
✓ separat auf einem USB-Stick speichern.
✓ so vorbereitet sein, dass man bei ausfallenden Slides mit Q&A fortfahren kann
✓ online ist nicht immer verfügbar, also lokal oder mit Hotspot vorsorgen
- Gelegenheiten zum Sprechen finden
→ An Podcasts teilnehmen
→ Als Panelist teilnehmen: Expertin oder Experte für ein bestimmtes Thema werden oder Mitglied einer Gruppe sein
→ Barcamps/Meetups besuchen: kurze Vorträge
→ Artikel für Online-Magazine usw. schreiben
→ Brown-Bag-Sessions veranstalten: Seminare zur Mittagszeit
→ Auf Konferenzen Fragen stellen
→ Zu einer Sprecherin oder einem Sprecher werden, den man einladen möchte: die eigenen Vortragsthemen öffentlich machen und veröffentlichen
✓ persönliche Informationen, aktuelle Kurzbiografie, aktuelle Vortragsfolien/-videos
✓ Themen, über die ich sprechen möchte, und Technologien, die ich nutze
✓ was ich mir von Konferenzorganisatoren wünsche usw.
- Dienstreisen und Konferenzteilnahme
→ Reisetipps: einen Puffer von einem Tag einplanen, günstig reisen
→ Wer bezahlt die Kosten?
→ Auf der Konferenz verschiedene Events besuchen und mit anderen Sprecherinnen und Sprechern Kontakte knüpfen
→ Bei Events Social Media nutzen:
✓ Social-Media-Kontaktdaten auf den Präsentationsunterlagen hinterlassen
✓ die Konferenzteilnahme mit Hashtags usw. sichtbar machen
✓ interessante Inhalte oder gute Vorträge teilen
✓ Neuigkeiten der Konferenzorganisatoren weiterverbreiten
✓ Präsentationsunterlagen online stellen und Menschen darauf hinweisen
→ Über Events ein Netzwerk aufbauen
→ Einen Kalender anlegen und pflegen, um Event-Teilnahmen nachzuverfolgen
→ Den Konferenz-Buzz nutzen
→ Teil der Konferenz werden, auf der man spricht
→ Vorträge und zugehörige Materialien sofort veröffentlichen
→ Über die Konferenz schreiben
- Vorträge und Workshops durchführen
→ Sei du selbst: dein größtes Kapital ist der Glaube an dich selbst.
→ Zur Kommunikation einladen
→ Materialien vorbereiten, die Teilnehmende mitnehmen können (takeaways)
→ Die Q&A-Session vorbereiten und vollständig kontrollieren
→ Ehrlich sein und nur Wahres sagen: nicht raten, wenn man die Antwort nicht kennt
→ Nach dem Vortrag in der Kommunikation nachfassen
- Präsentationstipps: Zeit einhalten und mehr
→ Wie passt man das alles in X Minuten?
→ Less is More: mit einer wichtigen Sache beginnen (Insight, Forschungsergebnis, aktueller Stand von X, neue Funktion von Produkt X). Woran sollen sich die Leute nach diesem Vortrag erinnern?
→ Dein Vortrag ist nur für dich selbst extrem wichtig
✓ dein Vortrag ist nur einer von vielen
✓ dein Vortrag wird aufgezeichnet und überall verbreitet werden
✓ Menschen erinnern sich nicht an den gesamten Inhalt eines Vortrags
✓ Menschen brauchen dich nicht, um an Informationen zu kommen. Diese Informationen sind online leicht zu finden
→ Zusätzliche Informationen ordnen
→ Live-Coding? Worauf man achten sollte
→ Fragen vermeiden
→ Was man kürzen sollte: Agenda-Slides, Firmeninfos, persönliche Vorstellung, Witze und Memes
→ Was man als Füllmaterial während des Vortrags einbauen kann: wo die Materialien liegen, wie man Kontakt aufnimmt, Kolleginnen, Kollegen und Fachleute, die man statt meiner kontaktieren kann …
→ Eine Vortragszusammenfassung vorbereiten
- Was man auf der Bühne nicht sagen sollte – und Alternativen
→ „Das ist einfach“: „Dafür müssen Sie nur ein paar Schritte durchlaufen“, „Diese Tools sind gut dokumentiert, also können auch Sie …“
→ „Für alle, die es vielleicht nicht wissen, kurz wiederholt“: „Anders gesagt: X ist …“, „Wie Sie wissen, ist X …“
→ „Das kann jeder“: „Wenn Sie das so machen, wird der Rest der Arbeit angenehmer“, „Es ist sehr effektiv, probieren Sie es aus und erzählen Sie anderen davon“
→ „X wird dieses Problem lösen, also machen Sie sich keine Sorgen“: „X löst Probleme rund um Y, sodass Sie Z bauen können“
„X wurde entwickelt, um Y einfacher zu machen, und wird bereits in der Praxis eingesetzt. Die Ergebnisse sind ermutigend.“
→ „Wie alle wissen“: „Darüber wurde in letzter Zeit viel gesprochen, und X (Link) erklärt es gut“ …
→ „Wie wir in der Schule gelernt haben“: „Das war Teil des Informatik-Curriculums, und das aus gutem Grund“
→ „Y (unser Produkt) ist viel besser als X (Wettbewerber).“: „So macht man das mit X. Wir haben einen anderen Ansatz gewählt, und zwar aus folgenden Gründen.“
„Es gibt mehrere Lösungen für dieses Problem. Uns ist bewusst, dass X einige Funktionen fehlen, die es effizienter machen könnten …“
→ „Das geht mit nur ein paar Zeilen Code“: „Wie Sie sehen, kann man mit ein paar Zeilen Code starten. Ich habe es zur Demonstration vereinfacht, und der Source Code liegt unter X“
→ „Wenn Sie ein Experte (Professional) werden wollen, machen Sie X“: „Die Stärke von X liegt in Y, deshalb ist es ein professionelles Tool für den Einsatz.“
→ Sehen Sie sich außerdem Ihre eigenen Vorträge/Videos an und überlegen Sie: „Wenn ich das nicht wüsste, wie würde es sich anhören, das zu hören?“ – dann streichen oder formulieren Sie Inhalte neu
- Gute Texte und Artikel schreiben
→ Simple is not stupid: verständlich und einfach zu schreiben ist sehr schwer. Verwenden Sie einfache Wörter, Begriffe, die ein breites Publikum leicht versteht, und prägnante Sätze
→ Kommen Sie auf den Punkt. Nichts beschönigen
→ Die Länge ist wichtig. Technische Online-Texte sollten kurz sein und nur das Wesentliche vermitteln. Wenn es zu lang wird, teilen Sie es in mehrere Beiträge auf
→ Fügen Sie verschiedene passende Medien hinzu: Video, Audio, Slides, Bilder usw.
→ Strukturieren Sie Inhalte mit Überschriftenebenen usw.
→ Auch Inhalte brauchen ein Verfallsdatum.
→ Zitieren Sie andere Quellen als Beleg
→ Pre-emptive Writing – sorgen Sie dafür, dass Ihr Produkt bei Entwicklerinnen und Entwicklern Interesse weckt. „Verkaufen“ macht das Vertriebsteam
- Hervorragende Codebeispiele schreiben
→ Probleme mit Beispielen lösen
→ Funktionierende Beispiele zeigen
→ Die benötigte Umgebung erklären
→ Code schreiben, der per Copy & Paste funktioniert
→ Downloads der Beispiele anbieten
→ Saubere und clevere Beispiele schreiben
→ Code und Demos hosten
✓ Versionskontrolle ist dein Freund
✓ automatisches Hosting einrichten
✓ Code-Sandboxes verwenden
✓ Live-Coding-Umgebung
- Hervorragende Präsentationsunterlagen vorbereiten
→ Klar wissen, was man weiß
→ Nicht mit den Slides anfangen, sondern mit dem eigentlichen Inhalt
→ In einem portablen Textformat mit dem Schreiben beginnen
→ Tipps für schnelles Erstellen von Präsentationsunterlagen: Bullets auseinandernehmen
→ Ein gutes Präsentationstool auswählen und vorbereiten
✓ muss unabhängig von 16:9 oder 4:3 anpassbar sein
✓ Bilder müssen sich leicht zuschneiden und skalieren lassen
✓ Objekte frei auf dem Bildschirm verschiebbar
✓ Fernsteuerung möglich
✓ flüssiger Wechsel zu anderen Präsentationen
✓ Vollbildunterstützung
✓ Elemente einzeln einblenden können
- Gute Slides für Vorträge erstellen
→ Nicht protokollieren, was du sagst, sondern mit kurzen Sätzen/Bildern/Screenshots/Grafiken erklären
→ Gute Bilder finden und verwenden
→ Codebeispiele gut lesbar machen
→ Tipps zum Einsatz von Sound und Video
→ Animationen nur dort einsetzen, wo sie nötig sind (nicht zu flashy)
→ Prägnant bleiben – möglichst nur ein Thema pro Vortrag abdecken
→ Das Publikum berücksichtigen
→ Falls es Vorlagen des Unternehmens oder der Konferenz gibt
→ Alle Materialien personalisieren und verinnerlichen: Nutzen Sie keine von anderen erhaltenen Materialien unverändert weiter
→ Teilen und Spaß daran haben
→ Zusätzliche Vortragstipps
✓ Selbstvorstellung: warum ich die richtige Person für diesen Vortrag bin und warum/was ich erzählen möchte
✓ Humor einsetzen: darauf achten, niemanden anzugreifen
✓ Eine Verbindung zur Realität herstellen
✓ Nicht zu schnell sprechen: kurze Pausen sind gut für das Publikum
✓ „Hello World“ vermeiden
✓ Wenn möglich neue Präsentationsunterlagen verwenden. Auf dem neuesten Stand halten
- Checkliste für verständlichere, zugänglichere und handlungsorientierte Vorträge
→ Präsentationsunterlagen
✓ HTML/PPTX/PDF?
✓ Ist der Code online?
✓ Lassen sich eingebettete Videos/Audio betriebssystemunabhängig abspielen, auch offline?
→ Format
✓ Unterstützen eingebettete Medien die Barrierefreiheit? (Untertitel, Alt-Text, Transkript usw.)
✓ Ist die Schrift groß genug?
✓ Passt das Format zur Konferenz? 16x9, 4x3
✓ Ist der Kontrast hoch genug, damit es auch bei einem schlechten Projektor gut sichtbar ist?
✓ Gibt es einen ausreichenden Sicherheitsrand, falls der Projektor etwas abschneidet?
✓ Braucht man Ersatzschriften, wenn man nicht auf dem eigenen Computer präsentiert?
→ Inhalte
✓ Gibt es aggressive oder potenziell triggernde Inhalte?
✓ Ist alles auch ohne speziellen Hintergrund verständlich?
✓ Gibt es Begriffe, die Dolmetscherinnen und Dolmetscher bzw. Übersetzerinnen und Übersetzer vorher kennen sollten?
✓ Gibt es etwas, das missverstanden werden könnte, wenn nur ein Teil oder eine einzelne Folie geteilt wird?
✓ Sind für alle Medien und Materialien die Quellen angegeben und die Urheberrechte geprüft?
→ Tracking
✓ Kann man erkennen, wer die Präsentationsunterlagen heruntergeladen hat?
✓ Gibt es am Ende der Slides einen Call-to-Action und einen downloadbaren Link?
→ Absicherung
✓ Sind alle Materialien offline und unabhängig vom Computer zugänglich? (Präsentation/Beispiele/Medien komplett auf USB-Stick)
✓ Gibt es vorbereitete Erklärmaterialien für den Fall, dass Video/Audio nicht korrekt funktioniert?
- Alles dokumentieren
→ Jeden Vortrag als Audio aufzeichnen
→ Wenn möglich auch als Video aufzeichnen
→ Alle im Vortrag verwendeten Links an einem Ort sammeln und dokumentieren
→ Eine Liste aller Konferenzen führen, auf denen ich war oder sein werde: inklusive Slides/Blog/Links/Videolinks
- Das (soziale) Web kennen und nutzen
→ Gute Webinhalte finden
→ Webinhalte weiterverbreiten: Blogposts schreiben, in Social-Bookmarking-Seiten speichern, in Präsentationen verwenden, in Mailinglisten oder Foren zitieren, auf Twitter posten
✓ unbedingt die ursprünglichen Ersteller korrekt nennen
→ Sich im Web sichtbar machen
→ Leistungsfähige Social-Websites und Produkte nutzen: Flickr, YouTube, Vimeo, Archive.org, GitHub, LinkedIn, Facebook, Meetup, Twitter
→ Das Web als Archiv, Distributionskanal und Cross-Promotion-Tool nutzen
→ Hinweise auf das Produkt geben, teasern und Previews veröffentlichen
→ Wirkung messen: Telemetry in Doku/Blog einbauen, Kommentar-Feeds abonnieren, trackbare URL-Shortener verwenden
→ Netzwerke aufbauen
→ Einen Newsletter erstellen oder daran mitwirken
→ Einen Podcast erstellen oder daran teilnehmen
- Auf meinem Computer arbeiten
→ Ausrüstung: externes Mikrofon, Monitor, Kamera, Beleuchtung
→ Screencasts und Screenshots erstellen
→ Streaming
→ An Live-Online-Chats teilnehmen
→ Hinweise und Tipps für die Teilnahme an Live-Online-Events
- Tipps zum Aufzeichnen meiner Online-Präsentationen
4 Kommentare
Der Titel einer früheren Version war „Developer Evangelist Handbook“, aber da man heutzutage eher das Wort Advocacy als Evangelist/Evangelism verwendet, habe ich das entsprechend angepasst.
Für mich ist es auch ein Buch, auf das ich 2010, als ich als Developer Evangelist gearbeitet habe, fast wie auf eine Bibel zurückgegriffen habe.
Der Autor hat 20 Jahre lang als Entwickler gearbeitet und ist ein Veteran, der diese Tätigkeit in den vergangenen gut 10 Jahren bei Yahoo, Mozilla und Microsoft ausgeübt hat.
Es gibt verschiedene Bezeichnungen wie Developer Advocate/Evangelist/Relations, aber ich denke, dass es für alle, die in diesem Bereich arbeiten, sowie auch für Entwickler, die häufig externe Vorträge halten, eine gute Referenz sein kann.
Beim Erstellen von Präsentationsunterlagen ist „Nicht ohne Personalisierung wiederverwenden – Don't reuse without personalising“ ebenfalls etwas, das ich sehr stark betone.
Wenn man Bilder/Grafiken von irgendwoher übernimmt, gibt es oft viele Stellen, die nicht richtig passen, und nicht selten versteht man die jeweilige Grafik am Ende selbst nicht vollständig.
Wenn möglich, empfehle ich, sie entsprechend der eigenen Interpretation und passend zum Konzept der eigenen Präsentationsunterlagen neu zu zeichnen und zu verwenden.
Vielen Dank für die gute Zusammenfassung. „Nicht personalisieren und nicht wiederverwenden – Don't reuse without personalising“ wirkt wie eine sehr wörtliche Übersetzung; im von Ihnen beschriebenen Kontext wäre etwas wie „verinnerlichen und wiederverwenden“ vielleicht leichter verständlich.
Wenn ich es mir so ansehe, stimmt das ^^; ich habe es leicht angepasst. Vielen Dank
@_@)b