2 Punkte von GN⁺ 4 시간 전 | 2 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • Am 23. April 2026 erreichte Googles IPv6-Statistik erstmals 50 %, womit nun die Hälfte aller Zugriffe auf Google-Dienste über IPv6 erfolgt
  • Am selben Tag lag die weltweite IPv6 capability von APNIC Labs mit 42 % niedriger; beide Werte müssen zusammen mit den Unterschieden bei Messmethode und Gewichtungsmodell betrachtet werden
  • APNIC summiert die auf Google Ads basierenden Messdaten nicht einfach auf, sondern wendet Gewichtungen an, die die Größe der Internetnutzerschaft je Volkswirtschaft berücksichtigen
  • Es gibt Volkswirtschaften wie India, Viet Nam und Saudi Arabia, deren Adoptionskurven stark voneinander abweichen, sodass sich die regionale Realität nicht allein durch den globalen Durchschnitt erklären lässt
  • IPv6 ist inzwischen ein Bestandteil des Internetbetriebs, der täglich in Festnetzen, Mobilfunknetzen, auf Endgeräten und in Rechenzentrumsdiensten genutzt wird

Der Meilenstein von 50 % in Googles IPv6-Statistik

  • Googles IPv6-Statistik verzeichnete am 23. April 2026 erstmals 50 %
    • Diese Statistik bildet den Anteil der Nutzer ab, die Google-Dienste über IPv6 erreichen
    • Sie ist ein Indikator, der fortlaufend die IPv6-Konnektivität von Google-Nutzern beobachtet
  • IPv6 erreicht 50 %: {p:50}
  • Dieser Wert kann als Meilenstein dafür gesehen werden, dass sich IPv6 zu einem reifen Protokoll entwickelt hat, das in realen Netzwerken weltweit eingesetzt wird

Regionale Unterschiede, die im globalen Durchschnitt unsichtbar bleiben

  • Die IPv6-Einführung unterscheidet sich stark nach Region und Volkswirtschaft, sodass sie sich nicht allein anhand einer einzigen globalen Trendlinie beurteilen lässt
  • Google veröffentlicht keine regionalen IPv6-Statistiken und beschränkt auch die Daten nach Volkswirtschaft auf Gesamtsummen
  • In den Daten von APNIC Labs können die Adoptionskurven einzelner Volkswirtschaften stark vom globalen Durchschnitt abweichen

Der Messwert von APNIC Labs liegt bei 42 %

  • APNICs eigene Messung verzeichnete zum 23. April 2026 eine weltweite IPv6 capability von 42 %
    • Globale Messung von APNIC Labs: Source
  • APNIC IPv6 capability: {p:42}
  • Zwischen Googles 50 % und APNICs 42 % besteht ein deutlicher Unterschied
  • Auf Ebene einzelner Volkswirtschaften stimmen die Messungen von APNIC Labs im Allgemeinen mit Daten von Google, Cloudflare, Akamai, Cisco und anderen überein
  • Der große Unterschied auf globaler Ebene dürfte eher aus APNICs Gewichtungsmodell als aus der eigentlichen Basismessung resultieren
  • In der Praxis fallen die APNIC-Messwerte tendenziell niedriger aus als die von Google
  • Betrachtet man beide Datensätze zusammen, lassen sie sich als Werte interpretieren, die die tatsächliche Bandbreite der IPv6 capability zu einem bestimmten Zeitpunkt von beiden Seiten eingrenzen

APNICs werbebasiertes Messverfahren

  • Das Messprogramm von APNIC wird von APNIC Labs betrieben und nutzt Online-Werbung, die über Google Ads an Webbrowser, Spiele und Apps von Endnutzern ausgeliefert wird
  • Es werden keine bestimmten Nutzer gezielt ausgewählt; stattdessen wird in allen Volkswirtschaften rund um die Uhr eine möglichst breite Abdeckung angestrebt
  • APNIC Labs kombiniert herkömmliche Werbe-Tracking-Systeme mit eigener Logik, um eine einzigartige Testsuite auszuführen
    • Dabei werden IP, BGP-Routing, DNS und weitere technische Merkmale gemessen
  • PII von Endnutzern wird nicht gespeichert
  • Rohmesswerte werden nicht geteilt; veröffentlicht werden nur Aggregationen auf ISP-, Volkswirtschafts- und Regionalebene
  • Diese Messarbeit wird mit Finanzierung und Unterstützung von Google Research, ICANN und weiteren Organisationen durchgeführt

Warum die Rohstichproben nicht einfach aufsummiert werden

  • APNIC wendet auf die erhobenen Daten statistische Gewichtungen an und modelliert die Internetnutzung je Volkswirtschaft mithilfe externer Quellen wie World-Bank-Statistiken
  • Die Zahl der Messstichproben, die APNIC Labs täglich erhält, ist nicht gleichmäßig verteilt
  • Da die Ausspielung von Google Ads auf maximale Reichweite und Erlöse optimiert ist, können an einzelnen Tagen in manchen Volkswirtschaften mehr Anzeigen und damit auch mehr Messstichproben anfallen
    • Beispielsweise können an Tagen mit hoher Werbenachfrage in nordafrikanischen Volkswirtschaften wie Egypt oder Tunisia mehr Messungen aus dieser Region gesammelt werden
    • Am selben Tag können aus South America oder Asia vergleichsweise weniger Stichproben vorliegen
  • APNIC Labs summiert die Zahl der Rohstichproben nicht einfach auf
    • Zunächst wird die gemessene IPv6 capability jeder Volkswirtschaft aggregiert
    • Anschließend wird sie anhand der geschätzten Zahl der Internetnutzer in dieser Volkswirtschaft gewichtet
  • Volkswirtschaften mit großer Internetbevölkerung wie India, China, Indonesia und andere große Märkte haben im globalen Ergebnis mehr Gewicht, unabhängig von der Zahl der Rohstichproben an einem bestimmten Tag
  • Ziel dieses Verfahrens ist es, dass der endgültige Messwert die weltweite Internetnutzung besser abbildet als die täglichen Muster der Werbeausspielung

Warum der Übergang zu IPv6 so lange dauerte

  • Manche sehen darin, dass das 50-%-Adoptionsziel bei IPv6 so lange auf sich warten ließ, einen Beleg für ein systemisches Scheitern von IPv6
  • Die Einführung von IPv6 erforderte erheblichen technischen Aufwand und große Investitionen
  • Unterschiede im Fortschritt zwischen Regionen und Volkswirtschaften spiegeln die jeweiligen Entscheidungen von ISPs und Volkswirtschaften wider, wie sie Netzwerkwachstum, Nutzererwartungen und die betrieblichen Realitäten der Internetinfrastruktur gegeneinander abgewogen haben
  • Das globale Internet ist keine Planwirtschaft, sondern entwickelt sich unter marktwirtschaftlichen Bedingungen durch Zusammenarbeit und Kooperation weiter
  • Viele Anbieter haben in der Vergangenheit stark in IPv4 investiert und wollten die Rendite dieser Investitionen maximieren
    • Dabei entstanden IPv4-basierte Netze, die innerhalb des bestehenden Dienstumfangs nachhaltig und wirtschaftlich tragfähig waren
  • Für neue Marktteilnehmer war es oft sinnvoller, IPv6 als Standardprotokoll zu übernehmen
    • IPv6 kann die Total Cost of Ownership (TCO) senken
    • Dieses Muster ist besonders im Mobilfunkbereich auffällig
    • Das Reliance Jio network in India wird als Beispiel für einen großflächigen IPv6-Rollout genannt

Das heutige Internet mit IPv4 und IPv6 nebeneinander

  • Das globale Internet arbeitet derzeit in zwei Protokollwelten
  • Der Betrieb mit nur einem Protokoll wäre logistisch einfacher gewesen, doch die Realität hat sich anders entwickelt
  • Im heutigen Internet existieren mehrere Verbindungsformen nebeneinander
    • direkte IPv4-Verbindungen
    • IPv4 über Heimnetz-NAT oder Carrier-Grade NAT (CGNAT)
    • IPv6
  • Das Management der Adressübersetzung per NAT ist nicht grundsätzlich weniger komplex als Protokollübersetzung, IPv4-over-IPv6-Kapselung oder andere Übergangs- und Proxy-Mechanismen
  • Die Aussage „IPv4 is working fine“ blendet leicht aus, dass moderne IPv4-Netze bereits auf mehrere Ebenen betrieblicher Komplexität angewiesen sind
  • Ein IPv4-only-Ansatz ist weder inhärent günstiger noch einfacher

Wo die Interoperabilität zwischen IPv4 und IPv6 tatsächlich stattfindet

  • Dass es keine direkte Interoperabilität zwischen IPv4 und IPv6 gibt, wurde von Anfang an als zu lösendes Problem verstanden
  • Anfangs wurden Protokollideen untersucht, die IPv4 unverändert einbinden und direkte Verbindungen zwischen beiden Welten ermöglichen sollten, doch sie erwiesen sich nicht als praktikabel
  • Interoperabilität entsteht auf höheren Ebenen über Transportprotokolle wie TCP, UDP und QUIC, die unabhängig von der IP-Version arbeiten
  • Dieses Modell erfordert in irgendeiner Form einen Vermittler in der Mitte
  • Diese Struktur zeigt sich etwa darin, wie große Content- und Caching-Anbieter wie Cloudflare Dual-Stack-Dienste bereitstellen, unabhängig davon, ob ihre Backend-Systeme beide Protokolle unterstützen

Warum einige Dienste kein Dual Stack haben

  • Dass einige Dienste keine native Dual-Stack capability besitzen, wird oft als großes Hindernis für den IPv6-Fortschritt gesehen
  • Als Beispiele werden bestimmte Git-Plattformen oder landesweite TV-Sender genannt
  • Solche Situationen spiegeln möglicherweise weniger Widerstand gegen IPv6 als vielmehr betriebliche Komplexität wider
  • Bei landesweiten Rundfunkanstalten können praktische Einschränkungen wie rechtliche und regulatorische Anforderungen an Datenzugriff und Geolokalisierung eine Rolle spielen

IPv6 ist Teil des Alltagsbetriebs

  • IPv6 ist inzwischen weltweit ausgerollt
  • Rund die Hälfte der Internetnutzer, die Google sieht, greift bereits über IPv6 auf Google-Dienste zu
  • In Industrieländern und Entwicklungsländern, in Festnetz- und Mobilfunknetzen, auf kleinen persönlichen Endgeräten und in großen Rechenzentrumsdiensten wird IPv6 täglich und rund um die Uhr genutzt
  • IPv6 ist keine experimentelle oder randständige Technologie mehr, sondern Teil des alltäglichen Betriebs des Internets

2 Kommentare

 
purely4959 4 시간 전

Wann wird IPv6 im koreanischen Heim-Internet eingeführt?

 
GN⁺ 4 시간 전
Hacker-News-Kommentare
  • Um noch ein weiteres Beispiel für „ISPs machen es immer noch nicht“ hinzuzufügen: Virgin Media, ein großer ISP in Großbritannien, sagte am World IPv6 Day 2011 öffentlich, dass man IPv6 bis Ende 2012 vollständig unterstützen werde, aber auch 15 Jahre später wurde der Schalter noch nicht umgelegt
    https://havevirginmediaenabledipv6yet.co.uk/
    Ankündigung damals: https://ispreview.co.uk/story/2011/06/08/uk-isp-fluidata-hai...

    • Die Art, wie man Druck auf einen ISP ausüben kann, IPv6 zu unterstützen, ist albern, könnte aber wirksam sein. Vergleichsportale könnten ISPs ohne IPv6-Unterstützung mit einer großen roten Warnung versehen, und Websites könnten ein Banner anzeigen wie „Ihr ISP unterstützt nicht die normale Internetverbindung, die diese Website verwendet“
      Verbraucher wissen vielleicht nicht, was IPv6 ist, aber große rote Warnungen und nervige Banner verstehen sie
    • Ich habe Virgin Media einmal gefragt, ob man auf einer 1Gb-DIA-Leitung IPv6 aktivieren könne, und als Antwort kam: „Wir können die Leitung auf IPv6 umstellen, aber dann müssen Sie auf IPv4 verzichten“
      Danach hatte ich keine Lust mehr, noch einmal nachzufragen
    • Rein aus Geschäftssicht hat VM keinen wirklichen Grund dazu. Es gibt genug IPv4-Adressen, und abgesehen von einer sehr kleinen Gruppe technischer Nutzer spüren Kunden die Vorteile von IPv6 nicht
      Wenn man dann noch sieht, dass die IPv6-Implementierungen anderer ISPs zufällig irgendetwas kaputtmachen, versteht man auch, warum sie es nicht tun
    • In den Niederlanden gibt es Seiten wie https://heeftodidoipv6.nl
      Dieser ISP hat IPv6 im Kernnetz, bietet es Kunden aber nicht an, und hat trotzdem 17 % Marktanteil im niederländischen Telekommunikationsmarkt
    • In den USA kommt man immerhin endlich näher heran. Die führenden ASNs haben mehr als 75 % IPv6-Fähigkeit
      Allerdings ziehen Optimum Communications und Frontier mit jeweils ungefähr 15 % die Zahlen stark nach unten; Frontier verbessert sich sehr langsam, aber bei Optimum gibt es kaum Anzeichen für Veränderungen
  • Schon vor zwei Monaten gab es einen Thread mit 626 Kommentaren: https://news.ycombinator.com/item?id=47777894

  • Als ich einen „reinen“ IPv6-Server eingerichtet habe, war ich überrascht, dass GitHub kein IPv6 unterstützt. Ohne die freiwilligen NAT64-Betreiber auf https://nat64.xyz/ kommt man aus einer IPv6-Umgebung nicht zu GitHub

    • Dass GitHub kein IPv6 unterstützt, ist wirklich völlig unentschuldbar
    • Das Internet umgeht das Problem mal wieder. Ein gutes Beispiel dafür, dass es selbst in den 2020ern praktisch nicht mehrere Internets gibt, sondern nur ein einziges Internet
  • Nein, mein /22-IPv4-Subnetz ist wie ein privater 401k, das muss ich als Altersvorsorge nutzen

    • Klingt wie ein Witz, aber genau so betrachtet die Gesellschaft Wohnraum ja auch
    • Ist es Zeit, das jetzt zu Geld zu machen?
    • Um 2100 herum könnte das wirklich unerquicklich werden
  • T-Mobile/Odido in den Niederlanden verspricht seit Jahren, daran zu arbeiten, unterstützt aber immer noch kein IPv6
    Auch beim Ubiquiti-Gateway scheint die Unterstützung leider schwach zu sein; Funktionen wie Hurricane-Electric-Tunneling wären wünschenswert

    • Hier funktioniert der Zugriff über das Ubiquiti-Gateway auf die IPv6-Adresse 2606:7100:1:67::26 von news.ycombinator.com problemlos
    • HE-Tunnel-Adressbereiche werden inzwischen bei Nicht-Wohn- und Nicht-Büroadressen ziemlich stark benachteiligt, sodass ich es am Ende abschalten musste
      YouTube scheint zum Beispiel nicht eingeloggte Nutzer aus HE-Bereichen weitgehend zu blockieren, und ich bin auch ständig auf CAPTCHAs gestoßen
    • Interessant ist, dass T-Mobile in den USA genau das Gegenteil macht: Dort wird IPv4 nicht unterstützt, stattdessen wird nur IPv6 vergeben und für IPv4 ein „Fake-NAT“ über 464XLAT bereitgestellt
    • T-Mobile US ist seit etwa 2018 nur IPv6: https://www.youtube.com/watch?v=d6oBCYHzrTA
    • Alle ISPs sollten die Kosten für Hurricane-Electric-Tunnel übernehmen, damit es für Nutzer kostenlos ist. Wenn genug Leute HE-Tunnel nutzen, werden ISPs schon natives IPv6 anbieten
      In der Praxis wird man aber leicht von jeder besuchten Website blockiert, und wenn man hinter CGNAT sitzt oder der Heimrouter kein DMZ hat, ist die Nutzung ohnehin schwierig
  • Ich möchte für AWS keine Kosten für öffentliche IPv4-Adressen mehr zahlen, aber weil viele Kunden-ISPs das nicht unterstützen, ist eine vollständige Umstellung auf IPv6 unmöglich.
    Derzeit gibt es keinen Druckfaktor, der ISPs zu einem Umstieg auf IPv6 bewegen würde — eher im Gegenteil. ISPs kassieren gern Gebühren für feste IPs.

    • Fairerweise muss man sagen: Wenn Google die IPv4-Unterstützung einstellen würde, wäre das ein ziemlich starker Anreiz dafür, dass ISPs nachziehen.
  • Wenn der IPv6-Anteil besonders am Wochenende steigt, wirkt das wie ein Signal, dass Unternehmens-/Business-Netzwerke die Umsetzung aufschieben.

    • Der echte Meilenstein ist immer der Zeitpunkt, an dem es dauerhaft über 50 % geht.
    • Man sagt leicht „zu lästig, deshalb macht man es nicht“, aber IPv6 ist nichts, was mit einem einzigen Häkchen erledigt wäre.
      Warum sollte man dafür die Organisation umbauen und alle möglichen Arbeiten anstoßen? Nur um ein paar Zahlen zu ändern? Wenn IPv4 funktioniert, warum dann?
  • Dass Googles IPv6-Anteil 50 % erreicht hat, ist in Bezug auf Website-Zugriffe sehr gut.
    Aber mein TP-Link-Router blockiert eingehende IPv6-Verbindungen standardmäßig, und es gibt nicht einmal eine Einstellungsoption dafür — für reines bidirektionales IPv6-Streaming, Gaming und Home-Network-Services ist das also weiterhin schlecht.

    • Wenn man OpenWRT auf das Gerät spielt, kann man es so einrichten, wie man will. Statt Port-Forwarding-Regeln für IPv4 hat man dann das Vergnügen, IPv6-Zugriffsregeln für fast dieselben Ports anzulegen.
    • Ich selfhoste Web und E-Mail über ein WireGuard VPN auf einem kostenlosen VPS. Bei OCI ging das kostenlos, und bei AWS Lightsail war es ebenfalls günstig.
      Man kann auch Lösungen mit einfacher Einrichtung wie Tailscale nutzen, und so muss man das Heimnetz nicht direkt dem Internet aussetzen.
    • Hersteller von Consumer-Routern sind insgesamt meist alle ziemlich schlecht, daher sind die Unterschiede nicht riesig, aber TP-Link ist wirklich übel. Von dieser Hardware würde ich dringend abraten.
    • Solche Systeme spiegeln die Zeit wider, in der sie entworfen wurden. IPv6 ist eine 30 Jahre alte Technologie, und viele der heutigen Bedrohungen gab es damals noch nicht.
      Zum Beispiel beruhte die Festlegung des Standards auf einen /64-Block auf der Annahme, dass man Teile einer 48-Bit-MAC-Adresse verwenden würde. Heute weiß man, dass das ein Albtraum für die Privatsphäre ist, und niemand macht das mehr. Trotzdem sind wir immer noch an das daraus entstandene 128-Bit-Adressschema gebunden.
      IPv6 sollte NAT durch ausreichend viele Adressen ersetzen, aber interessanterweise entstand dadurch ein Problem bei der Ausdrucksform von Absicht. Bei NAT zeigte sich die Absicht des Service-Eigentümers, wenn ein Dienst auf einem Rechner einen Port für eingehende Verbindungen anforderte; bei IPv6 fehlt ein solches Absichtssignal. Deshalb bleibt Router-Herstellern für Heimnetze praktisch nichts anderes übrig, als Adressen standardmäßig zu blockieren, denn sonst könnten PCs von außen gescannt werden und unbeabsichtigte Dienste würden im öffentlichen Internet landen.
      Ein größerer Adressraum mag technisch besser sein, aber Standardwerte und Nutzerabsicht müssen mitbedacht werden. Selbst eine gute technische Lösung kann an diesem Punkt zu einer schlechten Lösung werden oder unzählige Probleme erzeugen.
  • Bei Cloudflare liegt IPv6 offenbar bei über 40 %, ist aber trotz wachsenden Gesamtverkehrs im letzten Jahr nicht stark gestiegen. Wie in dem APNIC-Artikel beobachtet, dürfte die tatsächliche Gesamtadoption irgendwo zwischen Google und Cloudflare liegen.
    https://radar.cloudflare.com/adoption-and-usage#ipv4-vs-ipv6
    Das bildet allerdings die Adoption auf der Client-Seite ab. Selbst unter bekannten Diensten gibt es noch viele, die nur IPv4 unterstützen, daher könnte der tatsächliche IPv6-Anteil im öffentlichen Internet deutlich niedriger sein.
    Da neue IPv4-Zuteilungen schon vor langer Zeit erschöpft waren, scheint inzwischen ein anderer Migrationsanreiz nötig zu sein.

    • Nach Verkehrsanteil betrachtet laufen die bandbreitenintensiven großen Dienste — also Video-Streaming-Sites und CDNs — größtenteils bereits über IPv6. Die lange Schwanzmenge von Diensten, die nur IPv4 anbieten, verbraucht meist weniger Bandbreite.
    • Heutzutage kann Rate Limiting ein großer Gegenanreiz sein. Bei IPv4 sind Bereichssperren einigermaßen wirksam, bei IPv6 deutlich weniger.
      Deshalb hat HE Tunnelbroker derzeit auch einen schlechten Ruf. Discord-Musikbots haben zwischen Tunnelbroker-IPs lastverteilt, um YouTube-Audiodaten zu holen, und selbst wenn man ein /64 sperrte, konnten sie über /48 oder mehr ausweichen. Ich denke, einer der Hauptgründe, warum Discord IPv6 deaktiviert hat, waren IP-basierte Sperren und API-Rate-Limits.
  • Die Werte nach Ländern sind interessant. Frankreich scheint auf 85 % gestiegen zu sein.
    https://www.google.com/intl/en/ipv6/statistics.html#tab=per-...

    • Je mehr mobiler Traffic, desto höher ist auch der IPv6-Anteil. Indien zeigt, dass nicht alle einfach Glasfaseranschlüsse nutzen, bei denen ohnehin alles über IPv6 läuft.
    • Ich frage mich, warum in diesem Diagramm über dem Langzeittrend ein hochfrequentes Signal liegt.
      https://www.google.com/intl/en/ipv6/statistics.html#tab=per-...
    • Dass Indien bei 75 % liegt, ist wirklich eine gute Nachricht. Sonst wäre der Preisdruck bei IPv4-Adressen absurd stark geworden.