- Prokrastination sollte nicht als Faulheit oder mangelnde Willenskraft verstanden werden, sondern als Signal des Gehirns
- Die Neurowissenschaftlerin Anne-Laure Le Cunff betont, Prokrastination nicht mit Scham, sondern mit Neugier zu begegnen
- Mit ihrem selbst entwickelten "triple-check"-System prüft sie, ob das Problem vom Kopf, vom Herzen oder von der Hand ausgeht
- Für jede Ursache nennt sie konkrete Lösungen: Aufgabe neu definieren, Umgebung verändern, Hilfe anfordern
- Entscheidend ist der Wechsel von vagem Selbstvorwurf hin zu einer Haltung, das Problem wie ein Wissenschaftler oder Detektiv als Rätsel zu lösen
Eine neue Perspektive auf Prokrastination
- Viele Menschen verbinden Prokrastination mit Faulheit oder fehlender Willenskraft und kritisieren sich jedes Mal selbst, wenn sie etwas aufschieben
- Diese negativen Gefühle machen es oft noch schwerer, wieder mit der Arbeit zu beginnen
- Anne-Laure Le Cunff, Autorin von "Tiny Experiments: How to Live Freely in a Goal-Obsessed World", definiert Prokrastination als "ein Signal des Gehirns, dass gerade etwas nicht richtig funktioniert"
- Statt dieses Signal zu ignorieren, sich dazu zu zwingen weiterzumachen und sich selbst Vorwürfe zu machen, braucht es einen Ansatz, der auf dieses Signal hört
- Sie empfiehlt, der eigentlichen Ursache des Aufschiebens mit Neugier zu begegnen (get curious)
Das Problem erkennen – das Triple-Check-System
- Le Cunff entwickelte das "triple-check"-System, um zu bewerten, warum sie bestimmte Aufgaben vermeidet
- Dabei wird geprüft, ob die Ursache des Problems im Kopf (head), Herzen (heart) oder in der Hand (hand) liegt
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Probleme aus dem Kopf (Head)
- Auf rationaler Ebene fehlt die ausreichende Überzeugung, dass diese Aufgabe erledigt werden sollte
- Es bestehen grundsätzliche Zweifel an der Notwendigkeit der Arbeit selbst
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Probleme aus dem Herzen (Heart)
- Auf emotionaler Ebene wirkt die Aufgabe nicht interessant oder spannend genug
- Es fehlt an emotionaler Motivation für die Arbeit
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Probleme aus der Hand (Hand)
- Auf praktischer Ebene entsteht das Gefühl, nicht über die geeigneten Tools, Fähigkeiten oder ein unterstützendes Netzwerk zu verfügen, um die Arbeit abzuschließen
- Es fehlt an Vertrauen in die eigene Umsetzungsfähigkeit
- Sobald der Grund für das Vermeiden erkannt ist, lässt sich systematisch ein Weg aus der Blockade finden
Wie man aufhört, Dinge aufzuschieben
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Lösungen für Probleme aus dem Kopf (Head)
- Einen Schritt zurücktreten und prüfen, was sich unstimmig anfühlt
- Wenn unklar ist, ob die Aufgabe zu den strategischen Zielen des Projekts passt, sollte man zum Ausgangspunkt zurückkehren, die Aufgabe neu definieren und überprüfen, ob der gewählte Ansatz richtig ist
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Lösungen für Probleme aus dem Herzen (Heart)
- Wenn die Aufgabe nicht interessant oder anregend genug ist, sollte man die Umgebung angenehmer gestalten
- Beispiel: eine Coworking-Session mit einem geschätzten Kollegen oder Arbeit in einem Lieblingscafé
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Lösungen für Probleme aus der Hand (Hand)
- Wenn man sich überfordert oder unzureichend vorbereitet fühlt, sollte man vertrauenswürdige Freunde oder Kollegen um Rat bitten
- "Hand heben und um Hilfe bitten (raise your hand, ask for help)"
- Mittel zur Beschaffung nötiger Ressourcen wie Coaching, Mentoring oder vom Unternehmen finanzierte Online-Kurse sollten aktiv genutzt werden
Die Bedeutung des Triple-Check-Systems
- Es hilft dabei, das mit Prokrastination verbundene Element der Scham (shame) zu umgehen
- Es ermöglicht den Wechsel weg von diffuser Angst und Selbstvorwürfen hin zu einer Haltung, das Problem wie ein Wissenschaftler oder Detektiv als zu lösendes Rätsel zu betrachten
- Ein Ansatz, der statt auf Selbstanklage auf strukturelle Diagnose und Lösungen setzt
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