Die Kreativsoftware-Branche erklärt Adobe den Krieg
(theverge.com)- Adobe Creative Cloud, jahrzehntelang als Branchenstandard angesehen, gerät nach der flächendeckenden Einführung generativer KI und dem Wechsel zu teuren, komplexen Abo-Modellen ins Visier des Preiswettbewerbs
- Konkurrenten setzen weniger auf Funktionsvorsprünge als auf Preissenkungen und gehen inzwischen über günstigere Angebote als Adobe hinaus bis hin zu kostenloser Bereitstellung
- Autograph von Maxon und Cavalry von Canva kündigten in derselben Woche den Wechsel zu kostenlosen Angeboten an und treten damit als Alternativen zu After Effects hervor
- Mit dem Update von DaVinci Resolve 21 kamen Fotobearbeitungsfunktionen hinzu, wodurch nun auch die Bereiche von Premiere Pro und Lightroom unter Druck geraten
- Apples Creator Studio bietet für 12,99 US-Dollar im Monat ein Bündel aus Schnitt-Apps wie Final Cut Pro und sichert sich damit gegenüber Adobes Creative Cloud für 69,99 US-Dollar im Monat eine überwältigende Preisposition
- Einschließlich bestehender Alternativen wie Procreate, Blender und Figma wird der Ausstieg aus dem Adobe-Ökosystem zu einer realistischen Option
Frontstellung gegen Adobe
- Adobe Creative Cloud galt jahrzehntelang als Branchenstandard, steht nun jedoch nach der flächendeckenden Einführung generativer KI und der Abschaffung klassischer Software-Lizenzen zugunsten teurer, komplexer Abo-Modelle vor Gegenwind von Nutzerinnen und Nutzern
- Die Konkurrenz setzt statt auf einen reinen Funktionsvergleich vor allem auf Preissenkungen; manche Alternativen gehen inzwischen über günstigere Preise als Adobe hinaus bis hin zur kostenlosen Bereitstellung
- Im Mittelpunkt steht dabei meist weniger Adobes eigentlicher Funktionsvorsprung als vielmehr der Widerstand gegen die Preispolitik und die Attraktivität kostenloser Zugänglichkeit
Kostenlos gewordene Konkurrenzprodukte
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Autograph: Kostenlose Wende bei der After-Effects-Alternative
- Die vom Cinema-4D-Entwickler Maxon übernommene Motion-Design-Software Autograph wurde mit kostenlosem Zugang für Privatnutzer neu aufgelegt
- Beim Start im Jahr 2023 kostete sie noch 1.795 US-Dollar als Dauerlizenz oder 59 US-Dollar monatlich im Abo; nun ist sie kostenlos und steht damit dem eigenständigen Abo von Adobe After Effects für 34,49 US-Dollar pro Monat gegenüber
- Ein direkter 1:1-Vergleich mit After Effects ist zwar schwierig, doch die Software bietet ein ähnliches Paket an Animations- und VFX-Tools
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Canvas Cavalry und Affinity werden kostenlos
- Canva veröffentlichte in derselben Woche auch die Vollversion von Cavalry, einer im Februar übernommenen Motion-Graphics-Software, kostenlos und setzt damit After Effects weiter unter Druck
- Zuvor hatte Canva bereits die drei übernommenen Affinity-Apps (Designer 2, Photo 2, Publisher 2) in einer einzigen vollständig kostenlosen App zusammengeführt
- Die Affinity-Apps bieten ähnliche Funktionen wie Adobes Illustrator, Photoshop und InDesign
- Früher kosteten sie einzeln 69,99 US-Dollar oder als Dreierpaket 169,99 US-Dollar, nun sind sie vollständig kostenlos
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DaVinci Resolve 21: Ausbau bis in die Fotobearbeitung
- Das Update der kostenlosen Allzweck-Postproduktionssoftware DaVinci Resolve 21 ergänzt nun Fotobearbeitungsfunktionen
- darunter Farbkorrektur, Maskierungswerkzeuge sowie Unterstützung für den Import von Apple Photos und Lightroom Catalog-Dateien
- Hinzu kommt Unterstützung für das .af-Dateiformat von Affinity, was die Anbindung an eine weitere kostenlose App vereinfacht
- Schon bisher galt DaVinci Resolve als Konkurrent von Premiere Pro; mit diesem Update dehnt es sein Revier weiter aus
- Das Update der kostenlosen Allzweck-Postproduktionssoftware DaVinci Resolve 21 ergänzt nun Fotobearbeitungsfunktionen
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Apple Creator Studio: Überragende Preisposition
- Apples im Januar eingeführtes Creator Studio ist ein Paket aus Schnitt-Apps mit Final Cut Pro, Logic Pro, Pixelmator Pro, Motion, Compressor und MainStage
- Für 12,99 US-Dollar im Monat ist es deutlich günstiger als Adobe Creative Cloud Pro mit 69,99 US-Dollar im Monat
- Apple erzwingt kein Abo; im App Store lassen sich die einzelnen Apps weiterhin auch als Einmallizenz kaufen
- In den Kommentaren wurde hervorgehoben, dass das Angebot für Apple-Verhältnisse überraschend günstig sei; mit einer Lightroom-Alternative wäre es perfekt, wobei DaVinci Resolve genau diese Lücke zu schließen beginnt
Bestehende kostenlose und nicht abonnierte Alternativen
- Procreate vertritt klar eine Anti-KI-Haltung und bietet seine Software für digitale Illustration und Animation auf dem iPad als Einmalkauf an
- Eine Mac-Desktop-Version ist ebenfalls geplant
- Blender ist kostenlose Open-Source-3D-Grafiksoftware, baut seine Funktionen kontinuierlich aus und wurde sogar bei der Produktion eines oscarprämierten Langfilms eingesetzt
- Figma bietet einen kostenlosen Tarif; Adobe stellte sein eigenes Produktdesign-Tool XD ein und versuchte, Figma zu übernehmen, scheiterte jedoch mit der geplatzten Übernahme
Die zentrale Rolle des Preiswettbewerbs
- Wenn es schwer ist, Adobe funktional zu schlagen, ist es eine realistische Strategie, beim Preis darunter zu liegen
- Die Reaktionen auf kostenlose Produkte gehen über reine Branchenstrategie hinaus und spiegeln Nutzerpräferenzen wider; im Text heißt es kurz: „People love free“
Der Abschied vom Adobe-Ökosystem wird real
- Nimmt man die Ankündigungen dieser Woche zusammen mit bestehenden kostenlosen und nicht abonnementbasierten Programmen, ist Freiheit vom Adobe-App-Ökosystem inzwischen in greifbare Nähe gerückt
- Entscheidend ist, dass diese Freiheit zunehmend kostenlos angeboten wird
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