- In einem integrierten Photonik-Chip wurde eine Struktur umgesetzt, die eine einzelne Laserfarbe in verschiedene sichtbare und infrarote Wellenlängen umwandelt und allein durch das Schaltungsdesign unterschiedliche spezifische Wellenlängen erzeugt
- Durch die 3D-Stapelung von Lithiumniobat und Tantala auf einem Silizium-Wafer wurde ein Ansatz realisiert, der Farbwandlung des Lichts und elektrische Steuerung gemeinsam auf einem Chip verarbeitet
- Quantenuhren und Quantencomputer benötigen je nach Atomart bestimmte Laserfarben, doch Volumen, Kosten und Stromverbrauch bestehender Geräte stellen eine große Hürde für den Praxiseinsatz dar
- Auf einem Wafer wurden etwa 50 fingernagelgroße Chips und insgesamt 10.000 photonische Schaltungen integriert; jede Schaltung gibt eine andere Farbe aus, und im Labor wurde die Umwandlung von Infrarot in sichtbares Licht bestätigt
- Mit einem Fertigungsweg zu günstigen und tragbaren photonischen Systemen rücken nicht nur Quantentechnologien, sondern auch Anwendungen wie Chip-zu-Chip-Kommunikation für AI und Virtual-Reality-Displays in den Blick
Fortschritte bei integrierten photonischen Schaltungen
- Auf einem Silizium-Wafer wurden komplexe Muster aus Spezialmaterialien gestapelt, um Photonik-Chips zu realisieren, die Licht ähnlich wie elektronische Chips transportieren und Informationen verarbeiten
- Diese Chips nutzen optische Bauelemente wie Laser, Wellenleiter, Filter und Schalter, um Licht innerhalb der Schaltung zu übertragen und zu verarbeiten
- Sie können aufkommende Technologien wie künstliche Intelligenz, Quantencomputer und optische Atomuhren unterstützen
- Schaltungen, die statt Elektronen Photonen verwenden, besitzen bei Informationsübertragung und -verarbeitung andere Eigenschaften als elektrische Systeme
- Photonen bewegen sich beim Durchlaufen der Schaltung deutlich schneller als Elektronen
- Laserlicht ist ein unverzichtbarer Bestandteil zur Steuerung von Quantentechnologien wie optischen Atomuhren und Quantencomputern
- Eines der größten Hindernisse für die Verbreitung integrierter Photonik ist die Begrenzung der Laserwellenlängen
- Hochwertige, kompakte und hocheffiziente Laser gibt es nur für wenige Wellenlängen
- Halbleiterlaser eignen sich besonders gut zur Erzeugung von 980 Nanometer Infrarot, einer Farbe knapp außerhalb des menschlichen Sichtbereichs
- Optische Atomuhren und Quantencomputer benötigen viele andere Laserfarben
- Die vorhandenen Laser für diese Farben sind groß, teuer und stromhungrig, was diese Quantentechnologien faktisch auf einige wenige Speziallabore beschränkt
- Die Integration von Lasern in Chip-Schaltungen weckt die Erwartung eines Übergangs zu günstigeren und tragbaren Quantentechnologien
- Dadurch könnten reale Anwendungen außerhalb des Labors möglich werden
Mehrschichtiger Stapelansatz
- Der neue Photonik-Chip wurde in einer schichtweise aufgebauten Struktur gefertigt
- Ausgangspunkt ist ein Standard-Silizium-Wafer mit Silizium, Siliziumdioxid (Glas) und einer Beschichtung aus Lithiumniobat, das die Farbe des eingehenden Lichts verändern kann
- Durch das Hinzufügen von Metallstrukturen lässt sich elektrisch steuern, wie die Schaltung Licht einer Farbe in eine andere umwandelt
- Über eine separate Metall-Lithiumniobat-Schnittstelle wurde die Funktion realisiert, Licht innerhalb der Schaltung schnell ein- und auszuschalten
- Diese Fähigkeit ist ein Kernelement für Datenverarbeitung und Hochgeschwindigkeits-Routing
- In der obersten Schicht wurde ein zweites nichtlineares Material eingesetzt: Tantalpentoxid (Tantala)
- Tantala kann eine einzelne Laserfarbe aufnehmen und in das gesamte sichtbare Farbspektrum sowie in einen breiten Bereich infraroter Wellenlängen umwandeln
- Über Jahre wurde eine Technik entwickelt, mit der dieses Material ohne Erhitzen zu Schaltungen verarbeitet und ohne Beschädigung auf andere Materialien abgeschieden werden kann
- Durch das 3D-Stapeln und Strukturieren verschiedener Materialien entstand ein einzelner Chip, der Licht zwischen den Schichten effizient routen kann
- So werden die Lichtumwandlungsfähigkeit von Tantala und die Steuerbarkeit von Lithiumniobat kombiniert
- Eine zentrale Stärke ist, dass sich Tantala zu bestehenden Schaltungen hinzufügen lässt
- Auf einem Wafer wurden rund 50 Chips in Fingernagelgröße mit insgesamt 10.000 photonischen Schaltungen integriert
- Jede Schaltung erzeugt eine andere spezifische Farbe
- Unterschiedliche Farben lassen sich allein über das Schaltungsdesign erzeugen
Bedarf an maßgeschneiderten Lasern je Wellenlänge
- Quantenuhren und Quantencomputer nutzen oft Atomanordnungen, um Informationen zu speichern und zu verarbeiten
- Je nach Atomsorte wird ein Laser benötigt, der zu den internen Quantenenergieniveaus des Atoms passt
- Rubidium-Atome reagieren auf rotes Licht bei 780 Nanometern
- Das ist ein häufig genutztes Atom in Quantencomputern und Uhren
- Strontium-Atome reagieren auf blaues Licht bei 461 Nanometern
- Bei Bestrahlung mit anderen Farben zeigen sie keinerlei Reaktion
- Größe, Kosten und Komplexität bestehender Laser für solche maßgeschneiderten Farben sind ein wesentliches Hindernis für den Feldeinsatz von Quantencomputern und optischen Uhren
- Sie erschweren den Transfer aus dem Labor in reale Einsatzumgebungen erheblich
Anwendungsmöglichkeiten
- Günstige, stromsparende und tragbare optische Uhren könnten in vielen Bereichen genutzt werden
- Sie könnten bei der Vorhersage von Vulkanausbrüchen und Erdbeben helfen
- Sie könnten eine Alternative zu GPS für Positionsbestimmung und Navigation bieten
- Sie könnten die Erforschung wissenschaftlicher Rätsel wie der Natur der Dunklen Materie unterstützen
- Quantencomputer könnten neue Ansätze für die Erforschung der Physik und Chemie von Medikamenten und Materialien eröffnen
- Der Einsatz integrierter photonischer Schaltungen ist nicht auf Quantentechnologien beschränkt
- Sie könnten helfen, Signale effizient zwischen Spezialchips zu übertragen, wie sie von Technologieunternehmen verwendet werden
- Sie könnten dazu beitragen, AI-basierte Werkzeuge leistungsfähiger und effizienter zu machen
- Technologieunternehmen interessieren sich auch dafür, Photonik zur Verbesserung von Virtual-Reality-Displays einzusetzen
Weg zur Kommerzialisierung
- Der aktuelle Chip ist noch nicht bereit für die Massenproduktion
- Die Fertigungstechnik selbst weist jedoch einen Weg für die Zukunft
- Für die Skalierung der Technologie arbeitet das Team mit Octave Photonics zusammen
- Ein Startup mit Sitz in Louisville im US-Bundesstaat Colorado
- Es wurde von ehemaligen NIST-Forschern gegründet und arbeitet an der Skalierung der Technologie
Visuelle und experimentelle Merkmale
- In einem kleinen rechteckigen Chip in Fingernagelgröße sind zahlreiche Schaltungen zur Veränderung der Farbe von Laserlicht integriert
- Auf dem Foto wird eine Schaltung gezeigt, die unsichtbares Infrarot in sichtbares blaues Licht umwandelt
- Zum Größenvergleich wurde eine dime-Münze verwendet
- Der auf nichtlinearer Optik basierende Chip kann Laser in Dutzenden von Farben enthalten
- Im Labor wurde bestätigt, dass der Chip unsichtbares Licht aufnimmt und viele sichtbare Lichtfarben erzeugt
- Das zeigt anschaulich das Potenzial vielfältiger Anwendungen innerhalb eines einzigen integrierten Chips
1 Kommentare
Hacker-News-Kommentare
Statt nur über Magenta oder Braun zu reden: Man kann illusorische Farben auch ohne Laser sofort sehen. Wenn man diesem Artikel folgt, erlebt man etwas, das wie eine Art Hyper-Türkis wirkt
Ich finde, die Formulierung im Artikel, dass „Photonen durch Schaltkreise viel schneller laufen als Elektronen“, kann etwas irreführend sein. Elektronen selbst bewegen sich zwar nicht mit Lichtgeschwindigkeit, aber elektrische Informationsübertragung findet ohnehin bereits nahe der Lichtgeschwindigkeit statt. Deshalb dürfte der eigentliche Hebel für mehr Rechenleistung eher bei der Bandbreite als bei der Latenz liegen
Ich hätte gern, dass mir jemand leicht verständlich erklärt, ob hinter photonic computing hier wirklich Substanz steckt
Wenn die Endkosten stimmen, ist das für Ionenfallen-Quantencomputing meiner Meinung nach ganz klar eine gute Nachricht. Die benötigten Laserwellenlängen zum Einfangen von Ionen hängen vom gewählten Molekül oder der jeweiligen Spezies ab, und aktuelle Systeme sind teuer, empfindlich und schwer zu kalibrieren; mit Farbstofflasern wird es zudem ziemlich umständlich
Ich fände es großartig, wenn es künftig neue Displays gäbe, die nicht mehr im Farbdreieck der RGB-Primärfarben gefangen sind, sondern deren Primärfarben sich dynamisch ändern und dadurch fast jede Farbe darstellen können
Ich wollte nur teilen, dass das Original-Paper hier zu finden ist
Ich habe das Gefühl, dass der Titel etwas missverständlich ist. Das wirkt weniger wie ein echter Universalrechner, sondern eher wie eine Art Rechnen in integrierter Optik, bei dem verschiedene nichtlineare optische Effekte in Bezug auf die Frequenz des Lasereingangs genutzt werden
Wenn man bedenkt, dass Elektronen etwa 60 Jahre gebraucht haben, um vom Chip bis ins Smart Device zu kommen, dann haben wir bei Photonen, falls sie einen ähnlichen Weg nehmen, vielleicht gerade erst das Startsignal abgefeuert. Besonders spannend finde ich, dass tantala aus einer einzigen Laserfarbe nahezu den ganzen Regenbogen auffächert
Mich erinnerte das daran, dass die US Navy seit Langem an dem, was beinahe wie ein heiliger Gral wirkt, dem free electron laser, forscht. Ein verwandtes Beispiel gibt es in dieser Boeing-Pressemitteilung
Wenn ich von einem „Laser für wirklich jede beliebige Wellenlänge“ höre, denke ich am Ende natürlich auch an Dinge wie einen gamma-ray laser. In der Realität ist das alles andere als einfach, aber der Wunsch danach ist definitiv da