Aus Angst vor KI den Beruf wechseln: Wie junge Menschen in den USA ihre Karriere neu ausrichten
(wsj.com)Durch den Fortschritt der KI-Technologie verändert die Sorge um Arbeitsplätze die tatsächlichen Karriereentscheidungen junger Menschen in den USA massiv.
Vor allem in der jüngeren Generation, deren Karrierewege noch flexibel sind, nimmt die Zahl der Fälle stark zu, in denen Menschen aus Angst vor einer Ersetzung ihres Berufs durch KI einen Karrierewechsel (Pivot) vollziehen.
Wichtige Beispiele
- 28 Jahre alt, 3,5 Jahre bei einer Versicherung gearbeitet → bereitet sich auf die Prüfung zur Feuerwehrkraft vor
- 22 Jahre alt, Studium der Informatik → Studienabbruch und Anmeldung an einer Fachschule für Elektrotechnik
- 25 Jahre alt, sechsstelliges Jahresgehalt bei Amazon → verließ das KI-Team und gründete ein Startup
- 25 Jahre alt, arbeitete bei einem KI-Startup → gründete mit der Begründung „Am Ende trainiere ich damit nur die KI“ ein EdTech-Startup
- 25 Jahre alt, Student → gründete ein Acai-Bowl-Geschäft („eine Arbeit, die KI mir nicht wegnehmen kann“, davon überzeugt)
KI-Sorgen in Zahlen
- Harvard-Umfrage: Unter US-Amerikanern zwischen 18 und 29 Jahren sehen 59 % KI als Bedrohung bei der Jobsuche; 41 % antworteten, dass sie Arbeit „weniger sinnvoll“ mache.
- Stanford-Studie (Ende 2022 bis September 2025): In Berufen mit hoher KI-Exposition wie Softwareentwicklung und Kundenservice sank die Beschäftigung der 22- bis 25-Jährigen im Vergleich zu anderen Berufsgruppen um 16 %.
- Tätigkeiten vor Ort wie Landwirtschaft und Bau werden als vergleichsweise sicher eingeschätzt.
- Umfrage von Jobs for the Future: Unter den 16- bis 34-Jährigen ziehen 44 % wegen KI einen Karrierewechsel in Betracht (bei den über 55-Jährigen sind es nur 4 %).
Drei zentrale Reaktionsmuster junger Menschen
- Pivot in Blue-Collar-Berufe — statt CS und White-Collar-Jobs Wechsel in schwer durch KI ersetzbare praktische Berufe wie Elektriker oder Feuerwehrkraft (die Einschreibungen an berufsorientierten Community Colleges sind seit 2020 um 20 % gestiegen).
- Direkter Einstieg in die KI-Branche — Gründung von KI-Startups (z. B. ein 21-jähriger kanadischer Student, der über Y Combinator 4 Millionen US-Dollar Finanzierung einwarb).
- Gründung und Selbstständigkeit — eigenes Geschäft starten, um der KI-bedingten Unsicherheit zu entkommen.
Die paradoxe Seite
61 % der 18- bis 34-Jährigen haben eine negative Sicht auf KI (15 Prozentpunkte mehr als der Gesamtdurchschnitt), zugleich ist dies die Generation, die KI am aktivsten nutzt.
Fazit
- Die tatsächlichen Auswirkungen von KI auf den Ersatz von Arbeitsplätzen sind zwar noch Gegenstand wirtschaftswissenschaftlicher Forschung, doch bereits die Unsicherheit an sich verändert in Echtzeit die Karrierepläne von Hunderttausenden jungen Menschen in den USA.
- Besonders auffällig ist, dass die junge Generation entweder KI meidet oder sie aktiv nutzt, um neue Wege zu suchen.
8 Kommentare
Ich hoffe, dass die gesellschaftlich prägenden Generationen die durch KI verursachten negativen Folgen gut auffangen und den Betroffenen gute Chancen eröffnen. In letzter Zeit heißt es zwar, seit Seniors mit Claude Code arbeiten, Juniors seien überflüssig, aber sollte das mit der Zeit am Ende nicht doch an gut ausgebildete und etablierte Juniors übergehen?
Das ist wohl die größte Sorge.
Wie viele Entwickler wird es wohl in 10, 20 oder 30 Jahren noch geben, die man als Senior bezeichnet?.......
Die junge Generation macht sich wegen AI eindeutig große Sorgen. Und es gibt offenbar auch Menschen, die eine Abneigung gegen AI entwickelt haben. Wenn man sich diese Ablehnung genauer ansieht, wirkt es auf mich, als entspringe sie nicht zuletzt der Angst. Früher begeisterte neue Technologie eher die junge Generation, während die ältere ihr mit größerer Ablehnung begegnete. Jetzt scheint es umgekehrt zu sein: Die ältere Generation findet mehr Gefallen daran, während die junge Ablehnung ausdrückt.
Wenn ich mich in meinem Umfeld umschaue, sehe ich immer wieder junge Leute, die aus Angst und Sorge wegen AI tatsächlich ihr Studienfach gewechselt haben. Auch unabhängig von AI gibt es viele, die wegen der allgemeinen gesellschaftlichen Stimmung und der Unsicherheit über die Zukunft ihr Fach wechseln. Der Grund, warum sie ihr Studienfach oder ihren Beruf wechseln, ist wohl die große Angst vor der Zukunft, und AI scheint das noch weiter zu verschärfen. Neulich habe ich irgendwo gelesen, dass der Traum der Kinder heutzutage darin besteht, „reich zu werden“. Gemeint ist damit aber offenbar nicht Reichtum im Sinne der vorherigen Generation, sondern der Wunsch nach einer sicheren und abgesicherten Zukunft; als ich direkt nachfragte, wurde mir genau das bestätigt. Ich denke, dass auch Covid dazu beigetragen hat, dass es so geworden ist — damals herrschte schließlich eine Stimmung, als würde das Ende der Welt bevorstehen; welchen enormen Einfluss muss das auf kleine Kinder gehabt haben?
Wie immer gibt es zwar eine kleine Zahl junger Menschen, die sehr gut mit AI umgehen, sich erfolgreich anpassen und eine vielversprechende Zukunft vor sich haben, aber die meisten schaffen das nicht. Und durch ihre Ablehnung scheinen sie noch weiter zurückzufallen.
Krisen hat es immer wieder gegeben, und es gab stets Menschen, die daraus Erfolg geschlagen oder sich angepasst haben, und andere, denen das nicht gelang. Wenn man jedoch auf die vergangene Zeit zurückblickt, scheint mir die Mehrheit zu denen zu gehören, denen es nicht gelungen ist. Erst wenn eine Generation vergangen ist, zeigt sich das wahre Ausmaß, und erst eine neue Generation kann ihr Leben nach den Regeln einer neuen Welt gestalten. Aber die heutige junge Generation steht noch ganz am Anfang, und die Welt verändert sich so rasant — wie schwer muss das für sie sein. Das ist traurig und bedrückend.
Die Ablehnung von AI in der jungen Generation entspringt zwar Angst, aber die eigentlichen Gründe sind größer.
Es gibt inzwischen sehr viele Accounts, die Urheberrecht und Ethik ignorieren und Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen mit ragebaitartigen Beiträgen nach dem Muster „Ihr werdet ohnehin abgehängt“ angreifen. Dass man sein Studienfach oder seinen beruflichen Weg ändert, ist in gewisser Weise nur natürlich. Wenn Medien aller Art und selbst das Bildungswesen von Aussagen nach dem Muster „Ihr werdet von AI ersetzt“ überflutet werden, ist es nur selbstverständlich, darauf zu reagieren. Auch Unternehmen sind nur damit beschäftigt, den aktuellen AI-Trend für Investoren auszuschlachten, statt sich wirklich darum zu kümmern, was Nutzer wollen. (Ein typisches Beispiel wäre wohl MS.)
Das ist ein Ausdruck der Ohnmacht einer jungen Generation in einer Gegenwart, in der am Ende nur wenige profitieren werden. Die heutige junge Generation sieht das nicht als etwas, das zyklisch wiederkehrt, sondern als das letzte Mal. Neue Arbeitsplätze wird es nicht geben. (Der eigentliche Grund für die Einführung von AI ist schließlich Personalabbau — warum sollte man dann überhaupt neue Stellen besetzen?) Überleben werden am Ende wohl nur diejenigen, die bereits Kapital haben. Wenn man in einer Zeit lebt, in der Arbeitsplätze selbst weggenommen werden, und unter älteren Generationen, die das einfach akzeptieren, mit welcher Anstrengung soll man dann überhaupt noch seinen Lebensunterhalt verdienen..
Tjaaaaaaa haha
Wenn ich mir die MZ-Generation anschaue, tut sie mir schon ein bisschen leid. Das denke ich zwar schon seit vor AI, aber durch AI scheint die Unsicherheit viel zu groß geworden zu sein.
Archivierter Artikel – https://archive.is/DymUm
Ich habe das Gefühl, dass sich durch KI verschiedene Strukturen verändern, einschließlich des Arbeitsmarkts, und dass gesellschaftlich eine implizite AX im Gange ist. Man spricht nicht offen darüber, aber wenn man die Realität betrachtet, sieht man, dass durch KI ein Wandel erzwungen wird 👀