- OpenAI hat kürzlich den Ausdruck „safely“ aus seiner Missionsformulierung entfernt und stattdessen ein neues Ziel festgelegt: sicherzustellen, dass künstliche Intelligenz der gesamten Menschheit zugutekommt
- Diese Änderung erfolgte zeitgleich mit dem Wechsel von einer Non-Profit-Struktur zu einer stärker gewinnorientierten Struktur; zugleich wurden große Investitionen von Microsoft, SoftBank und anderen eingeworben
- Die neue Struktur ist in die gemeinnützige Stiftung (OpenAI Foundation) und das gewinnorientierte Public-Benefit-Unternehmen (OpenAI Group) aufgeteilt; erstere hält rund 26 % an letzterer
- Da jedoch der Verweis auf Sicherheit aus der Mission verschwunden ist und beide Organisationen keine ausdrücklich formulierte Sicherheitsverantwortung haben, werden Bedenken über eine geschwächte Rechenschaftspflicht des Vorstands geäußert
- Die Veränderung gilt als Testfall dafür, ob AI dem Nutzen der gesamten Gesellschaft oder den Interessen der Aktionäre den Vorrang gibt
Änderung der OpenAI-Mission und Umbau der Struktur
- OpenAI formulierte bis 2023 als Ziel die „Entwicklung von AI, die der Menschheit sicher zugutekommt“, änderte dies aber im IRS-Bericht 2024 zu „Sicherstellung künstlicher Intelligenz, die der gesamten Menschheit zugutekommt“
- Sowohl „safely“ als auch die Formulierung „ohne durch die Notwendigkeit der Erzielung finanzieller Rendite eingeschränkt zu sein (unconstrained by a need to generate financial return)“ wurden gestrichen
- Laut einem Bericht von Platformer wurde auch das „mission alignment team“ aufgelöst
- OpenAI erwähnt auf seiner Website weiterhin die gleichzeitige Weiterentwicklung von Sicherheit, Fähigkeiten und positivem Einfluss, in der offiziellen Mission fehlt jedoch jede sicherheitsbezogene Formulierung
Vom Non-Profit zum For-Profit
- OpenAI wurde 2015 als gemeinnütziges Forschungslabor gegründet, veröffentlichte Forschungsergebnisse offen und stellte sie lizenzgebührenfrei bereit
- 2019 wurde unter Führung von Sam Altman eine gewinnorientierte Tochtergesellschaft gegründet; Microsoft investierte zunächst 1 Milliarde US-Dollar
- Bis 2024 belief sich die kumulierte Investition von Microsoft auf 13,8 Milliarden US-Dollar
- Bei einer zusätzlichen Finanzierung über 6,6 Milliarden US-Dollar Ende 2024 wurde die Bedingung festgelegt, dass die Mittel in Schulden umgewandelt werden, falls keine Umwandlung in ein traditionelles gewinnorientiertes Unternehmen erfolgt
Neue Rechtsstruktur und Interessenlagen
- Im Oktober 2025 wurde OpenAI nach einer Einigung mit den Generalstaatsanwälten von Kalifornien und Delaware in die Form einer Public Benefit Corporation umstrukturiert
- Aufspaltung in die OpenAI Foundation (gemeinnützig) und die OpenAI Group (gewinnorientiert)
- Die Foundation hält etwa ein Viertel an der Group, Microsoft hält 27 %
- Eine Public Benefit Corporation muss soziale und ökologische Interessen berücksichtigen, doch die Abwägung zwischen Gewinn und Gemeinwohl liegt im Ermessen des Vorstands
- SoftBank schloss Ende 2025 eine Investition von 41 Milliarden US-Dollar ab und verhandelt anschließend über weitere 30 Milliarden US-Dollar
Sicherheitsbezogene Klauseln und ihre Grenzen
- Die Umstrukturierungsvereinbarung umfasst die Einrichtung eines Sicherheits- und Sicherheitsausschusses, die Befugnis, Produktveröffentlichungen auszusetzen, sowie Kontrolle über die Zusammensetzung des Vorstands
- Der Vorstand der OpenAI Group soll bei sicherheitsbezogenen Fragen die Mission vor finanzielle Interessen stellen
- Da jedoch Sicherheit in der Mission nicht ausdrücklich genannt wird, ist die rechtliche Grundlage dafür schwach, dass der Vorstand Sicherheit tatsächlich priorisieren muss
- Da die Vorstandsmitglieder beider Organisationen größtenteils identisch sind, besteht das Problem einer faktisch doppelten, aber nicht wirklich unabhängigen Aufsicht
Alternative Modelle und Regulierungsdebatte
- Bei der Umwandlung von Health Net in ein gewinnorientiertes Unternehmen im Jahr 1992 gab es einen Präzedenzfall, bei dem 80 % der Vermögenswerte auf eine gemeinnützige Stiftung übertragen werden mussten
- Der Philadelphia Inquirer wurde 2016 in eine Public Benefit Corporation unter Eigentum des gemeinnützigen Lenfest Institute überführt, um das Ziel des lokalen Journalismus zu erhalten
- Einige kalifornische Non-Profit-Organisationen argumentieren, sämtliche Vermögenswerte von OpenAI müssten auf eine unabhängige Non-Profit-Organisation übertragen werden
- Der Text kritisiert, dass der Vorstand von OpenAI die Sicherheitsmission aufgegeben habe und dass die Bundesstaaten dies zugelassen hätten, als Versagen der Governance
Wachsende Investitionen und Marktbewertung
- OpenAI könnte Anfang 2026 von Amazon, Nvidia, Microsoft und anderen Investitionen von bis zu 60 Milliarden US-Dollar einwerben
- Die Unternehmensbewertung stieg von 300 Milliarden US-Dollar im März 2025 auf mehr als 500 Milliarden US-Dollar im Oktober 2025
- Auch ein möglicher IPO (Börsengang) wird erwähnt, was den Druck zur Maximierung der Aktionärsrendite weiter verstärken dürfte
- Das Vermögen der OpenAI Foundation wird auf rund 130 Milliarden US-Dollar geschätzt, basiert jedoch auf einer Schätzung des Marktwerts eines nicht börsennotierten Unternehmens
Gesellschaftliche Bedeutung
- Die Änderung der OpenAI-Mission und der strukturelle Umbau werden als Testfall dafür dargestellt, ob AI-Unternehmen dem Gemeinwohl oder der Gewinnerzielung den Vorrang geben
- Die Streichung sicherheitsbezogener Formulierungen kann als Rückschritt bei gesellschaftlicher Verantwortung und Risikomanagement von AI interpretiert werden
- Künftig werden die Wirksamkeit des Public-Benefit-Modells und die Rolle staatlicher Aufsicht zu zentralen Streitpunkten
Noch keine Kommentare.