4 Punkte von GN⁺ 2026-02-14 | Noch keine Kommentare. | Auf WhatsApp teilen
  • Die Europäische Kommission beanstandet das süchtig machende Design von TikTok und fordert unter anderem die Deaktivierung von Infinite Scrolling sowie Einstellungen für Bildschirmzeitlimits
  • Dies ist der erste Fall unter dem Digital Services Act (DSA), in dem das Design selbst von Social-Media-Plattformen zum Regulierungsgegenstand gemacht wird
  • Die Kommission ist zu dem Schluss gekommen, dass das Design von TikTok insbesondere ein Risiko für die psychische Gesundheit von Kindern darstellt; bei Nichtbefolgung drohen Geldbußen von bis zu 6 % des weltweiten Umsatzes
  • Aus demselben Grund werden auch Meta mit Facebook und Instagram untersucht; die jetzige Maßnahme könnte auch für andere Plattformen als neuer Designmaßstab wirken
  • Sie gilt als Wendepunkt, an dem die EU beginnt, das „süchtig machende Design“ von Plattformen als rechtliches Risiko zu betrachten

Regulierungsmaßnahme der EU gegen das Design von TikTok

  • Die Europäische Kommission fordert von TikTok die Deaktivierung von Infinite Scrolling, die Einführung von Bildschirmzeitlimits und Änderungen am Empfehlungsalgorithmus
    • Die Kommission bewertet das Servicedesign von TikTok als suchtfördernd für Nutzerinnen und Nutzer, insbesondere für Kinder
    • TikTok bezeichnete die Entscheidung als „völlig unbegründete Darstellung“ und kündigte an, sich mit allen rechtlichen Mitteln dagegen zu wehren
  • Die polnische Bürgerrechtsorganisation Panoptykon Foundation bewertet die Maßnahme als erhebliche Herausforderung für überwachungs- und werbebasierte Geschäftsmodelle
  • Falls TikTok die Anforderungen der Kommission nicht erfüllt, könnten Geldbußen in Höhe von 6 % des weltweiten Jahresumsatzes verhängt werden

Der Digital Services Act (DSA) und neue Maßstäbe

  • Die Entscheidung ist seit Inkrafttreten des DSA der erste Fall, in dem das Plattformdesign selbst beanstandet wird, und der erste, der die Haltung der Kommission klar erkennen lässt
  • Der DSA verpflichtet Plattformen dazu, systemische Risiken für Nutzerinnen und Nutzer zu bewerten und zu mindern, doch die Definition dieser Risiken war vage, weshalb die Anwendung bislang unklar blieb
  • Die Kommission stellt ausdrücklich fest, dass das Design von TikTok Risiken für die psychische Gesundheit verursacht, und stuft süchtig machendes Design als rechtliches Risiko ein
  • EU-Tech-Kommissarin Henna Virkkunen erklärte, die Maßnahme bedeute den Eintritt in eine reifere Phase des Managements systemischer Risiken

Mögliche Ausweitung auf andere Plattformen

  • Facebook und Instagram stehen seit Mai 2024 ebenfalls wegen süchtig machenden Designs und Risiken für Kinder unter EU-Untersuchung
  • Jan Penfrat von der Bürgerrechtsorganisation EDRi sagte, der Fall TikTok werde mit hoher Wahrscheinlichkeit auch auf andere Unternehmen angewendet
  • Meta wird in Kalifornien in den USA wegen eines auf Nutzersucht ausgelegten Designs verklagt; TikTok und Snap haben dasselbe Verfahren durch Vergleiche beendet

Reaktion auf die Regulierung und weiteres Verfahren

  • TikTok erhält Gelegenheit, die Belege der Kommission zu prüfen und sich zu verteidigen; der Abstimmungsprozess mit den Regulierungsbehörden wird fortgesetzt
  • Beim früheren Fall von Transparenzverstößen durch X (ehemals Twitter) dauerte es mehr als ein Jahr bis zur endgültigen Entscheidung
  • Experte Peter Chapman erklärt, dass sich Risikoprofile und Nutzungsmuster je nach Plattform unterscheiden, weshalb auch die Änderungen plattformindividuell ausfallen werden
    • Zum Beispiel unterscheiden sich auch Benachrichtigungen (notifications) in ihrem Suchtpotenzial, etwa zwischen Nachrichtenbenachrichtigungen und Benachrichtigungen zu Live-Streams

Die Bedeutung der Regulierung von Plattformdesign

  • Die Maßnahme gilt als erster Versuch, rechtliche Maßstäbe für die Suchtwirkung von Plattformen zu setzen
  • Die Kommission betrachtet süchtig machendes Design als durchsetzbares Risiko, was künftig Einfluss auf globale Standards für Plattformdesign haben könnte
  • Die einzelnen Plattformen werden voraussichtlich verschiedene Anpassungen prüfen müssen, etwa Änderungen an Standardeinstellungen, Verbote bestimmter Funktionen und stärkere Nutzerkontrolle
  • Der Fall TikTok zeigt, dass die EU die Regulierung inzwischen bis in die Gestaltung der User Experience von Tech-Unternehmen ausweitet

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