2 Punkte von GN⁺ 2026-01-26 | 1 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • Deutsche Telekom soll die Internetgeschwindigkeit bestimmter Dienste künstlich begrenzen
  • Epicenter.works, die Gesellschaft für Freiheitsrechte, Verbraucherverbände und Prof. Barbara van Schewick von der Stanford University haben bei der Bundesnetzagentur offiziell Beschwerde wegen unlauterer Praktiken eingereicht
  • Der Vorwurf lautet, dass die Telekom zahlenden Diensten schnelle Verbindungen und nicht zahlenden Diensten langsame Verbindungen bereitstellt und damit gegen die Netzneutralität verstößt
  • Viele Nutzer berichten von massiven Geschwindigkeitseinbrüchen und Paketverlusten bei Cloudflare, GitHub, YouTube, Discord, Hochschulnetzwerken und weiteren Diensten
  • Das Thema entwickelt sich zu einer zentralen Debatte über Fairness und Zugänglichkeit der Internetinfrastruktur in Deutschland

Kontroverse um die Drosselung der Internetgeschwindigkeit durch Deutsche Telekom

  • Mehrere zivilgesellschaftliche Organisationen und Fachleute behaupten, dass Deutsche Telekom an Netz-Übergabepunkten künstliche Engpässe erzeugt
    • Finanzstärkere Dienste können sich durch Zahlungen an die Telekom schnelle Verbindungen sichern
    • Dienste, die nicht zahlen können, hätten dagegen niedrigere Geschwindigkeiten oder instabile Verbindungen
  • Dieses Vorgehen wird als Verstoß gegen das Prinzip der Netzneutralität kritisiert, und bei der Bundesnetzagentur wurde offiziell Beschwerde eingereicht
  • Die Kampagne läuft unter dem Namen „Netzbremse“ und sammelt Berichte von Nutzern sowie Messdaten

Konkrete Fälle betroffener Nutzer

  • Viele Telekom-Kunden berichten, beim Zugriff auf bestimmte Websites oder Dienste massive Geschwindigkeitseinbrüche erlebt zu haben
    • Wiederkehrende Probleme wurden unter anderem bei Cloudflare, GitHub, YouTube, Discord, Reddit, Steam, Microsoft Flight Simulator und FTP-Servern von Hochschulen gemeldet
    • Einige Nutzer berichten, dass sich mit VPN wieder normale Geschwindigkeiten herstellen lassen, was auf mögliche Einschränkungen innerhalb des Telekom-Netzes hindeutet
  • Beispiele:
    • Ein Nutzer erklärte, dass wissenschaftliche Daten einer Universität nur mit 30KB/s heruntergeladen werden konnten, wodurch Arbeiten praktisch unmöglich wurden
    • Ein anderer meldete fehlgeschlagene GitHub-Zugriffe, YouTube nur in 360p sowie Timeouts bei Cloudflare-basierten Websites
    • Viele teilen die Erfahrung, dass sich die Probleme durch die Nutzung eines VPN beheben lassen

Organisationen und Aufruf zur Beteiligung

  • Epicenter.works bittet Betroffene und Fachleute darum, Messdaten und Erfahrungen zu teilen
    • Vertrauliche Meldungen sind per E-Mail (netbremse@epicenter.works) oder über Signal und Threema möglich
  • Auch Personen mit Erfahrung bei Interconnection-Verträgen mit der Telekom werden um Unterstützung gebeten
  • Ziel der Kampagne ist es, durch Spenden und Beteiligung ein freies Internet zu verteidigen

Medienberichte und gesellschaftliche Resonanz

  • Große Medien wie Tagesschau, Heise, Spiegel, Tagesspiegel, Netzpolitik.org, Golem, Teltarif, t3n und Computerbild berichten über das Thema
    • Gemeinsam ist den Berichten die Darstellung des Vorwurfs von Verbraucherschützern, die Telekom erziele zusätzliche Einnahmen durch bezahlte bevorzugte Verbindungen
    • Die Telekom weist alle Vorwürfe zurück
  • Einige Artikel verweisen auf einen möglichen Verstoß gegen die EU-Regeln zur Netzneutralität und fordern ein Eingreifen der Regulierungsbehörden

Hintergrund und Bedeutung des Projekts

  • Die Netzbremse-Kampagne will fairen Internetzugang in Deutschland sicherstellen
    • Sie betont, dass jeder das Recht auf Internetnutzung mit derselben Geschwindigkeit haben sollte
    • Dafür formiert sich ein Bündnis aus Bürgern, Verbraucherschützern und Rechtsexperten zum Schutz der Netzneutralität
  • Der Fall weitet sich zu einer internationalen Debatte über Transparenz beim Netzbetrieb von ISP und den Erhalt des Internets als öffentliches Gut aus

1 Kommentare

 
GN⁺ 2026-01-26
Meinungen auf Hacker News
  • Ich kommentiere anonym mit einem anderen Account. Ich habe über zehn Jahre bei mehreren großen Streaming-Unternehmen gearbeitet, und DTAG (Deutsche Telekom) war dabei der schlimmste ISP.
    Alles ist politisch gesteuert, und sie „vergessen“ regelmäßig, die PNI-Bandbreite zu erweitern, bis ein Treffen mit der deutschen Regulierungsbehörde angesetzt wird.
    Die meisten ISPs treiben PNI-Erweiterungen aktiv voran, um ihre Kunden zufriedenzustellen, aber DTAG verlangt immer bedingte Vereinbarungen und komplizierte Verträge.
    Deutsche Nutzer scheinen kaum zu wissen, wie sehr DTAG die Internetqualität verschlechtert (was noch problematischer ist, weil es ein Staatsunternehmen ist).
    • Deutsche, die HN nicht lesen, merken wahrscheinlich nur, dass ihr Internet nach 17 Uhr langsamer wird.
      Ich weiß auch sehr gut, wie miserabel DTAG ist, und trotzdem musste ich für einen Glasfaseranschluss einen Zweijahresvertrag abschließen.
  • Der ISP ist wirklich das Letzte.
    In Ungarn nutze ich Telekom 5G als Heim-Internet, weil in unserer Straße nur dieses Unternehmen Kabel hat.
    Trotzdem verkauft es kein Festnetz-Internet mit der Begründung, „die Schächte zum Hochziehen der Erdkabel seien ausgelastet“.
    Früher hatte ich 4G von yettel/telenor, aber der Router war kaputt und es gab starken Paketverlust. Repariert wurde nichts, und dazu kam noch CGNAT.
    Jetzt nutze ich Telekom 5G, aber IPv4 läuft über CGNAT, für IPv6 gibt es nur ein einziges /64, und alle 24 Stunden wird die Verbindung zwangsweise getrennt. Eine stabile Verbindung ist praktisch illegal.
    • DTAG ist nicht einfach nur ein Consumer-ISP, sondern ein globaler Tier-1-Carrier.
      Dadurch wirkt dieses Verhalten noch gravierender.
    • Ich habe eine Website gefunden, die zeigt, wie schlecht die Routing-Qualität von Telekom Ungarn zu Game-Servern ist.
      mtpeering.pages.dev
    • Wie wäre es, Starlink auszuprobieren?
    • Ich empfehle auch Starlink. Wegen Elon Musk zögere ich zwar etwas, aber aktuell funktioniert es gut.
  • Telekom ist wirklich ein seltsames Unternehmen.
    Von meinem privaten Mailserver konnte ich keine E-Mails an die Telekom-Adresse meines Vaters schicken. Es stellte sich heraus, dass mein Server blockiert war.
    Auf Nachfrage hieß es, ich solle den Mailserver registrieren und angeben, welche Mails ich mit welchem Inhalt verschicken wolle.
    Einen Server, der zehn Jahre lang problemlos lief, mit solchen Forderungen zu belegen, ist absurd.
    Die entsprechende Richtlinie steht in der offiziellen Dokumentation.
    • Diese Richtlinie gibt es schon lange. Seltsamerweise verwenden sie auch weder DMARC noch DKIM. Das wirkt wie ein System von vor 40 Jahren.
    • Diese Richtlinie gilt auch für Domains. Es kommt vor, dass sogar Antworten von Behörden blockiert werden.
      Die Technik ist zu fragil und unmenschlich. Wie eine Steampunk-Maschine, die jederzeit auseinanderfallen kann.
    • Comcast ist auch nicht gut. Wenn man die Entsperrung beantragt, wird sie zwar innerhalb eines Tages aufgehoben, aber ein paar Tage später wird wieder blockiert. Ohne Begründung.
    • Das Lustige ist, dass der Telekom-SMTP-Server Spoofing der Absenderadresse erlaubt. Wenn man eingeloggt ist, kann man den From-Header auf jede beliebige Adresse setzen.
    • Immerhin antworten sie auf Anfragen schnell. Aber ich halte mich nicht an solche absurden Regeln.
  • Seit 2018 nutze ich eine FTTH-Glasfaserleitung von Telekom. In unserer Straße ist sie der einzige Anbieter.
    Statt des Huawei SpeedPort verwende ich ein OpenWRT-Modem und habe die Einrichtung in einem GitHub Gist dokumentiert.
    Mit PiHole umgehe ich DNS-Beschränkungen und nutze Quad9 als primären DNS. Unbound will ich ebenfalls noch ausprobieren.
    Das Problem ist, dass es auf dem deutschen Markt keine reinen Glasfasermodems gibt. Ohne die vom Anbieter installierte Hardware ist eine Internetverbindung gar nicht möglich.
    • Auch bei FTTH gibt es Routerfreiheit. Bei DTAG-FTTH kann man auch zu 1und1 wechseln, und dort ist das Peering besser.
    • In den USA ist es ähnlich. Dort installiert der ISP das Modem innerhalb der Sicherheitsgrenze, und die Nutzer können sich nur dahinter anschließen.
      Inzwischen stellen ISP-Geräte teils sogar öffentliches WLAN bereit, deshalb ist es unangenehm, Hardware des Anbieters im Haus zu haben.
    • Ich nutze auch OpenWRT und kann NextDNS empfehlen. Ziemlich gut.
    • Ein Wechsel zu 1&1 wäre auch eine Möglichkeit. Sie mieten die Telekom-Leitung, aber das Peering ist anders.
    • Ich finde die Installation eines Provider-Modems in Ordnung. Beim Umzug kann man am Ende wieder DSL oder DOCSIS haben, und dedizierte Hardware wäre dann verschwendet.
  • Telekom Ungarn verweigert Peering mit Cloudflare, deshalb sind ausländische Websites zu Spitzenzeiten sehr langsam.
    Der gesamte Traffic läuft über Frankfurt. Siehe die Diskussionen im Telekom-Forum, auf Reddit und im Telex-Artikel.
    Immerhin ist der Preis okay: 2Gbps/1Gbps für 25 Euro. Für 40 Euro sind auch 4Gbps/2Gbps möglich.
    • Das ist ein ähnliches Problem. DT macht kein kostenneutrales Peering mit Cloudflare.
      Bei DE-CIX haben sie auch nur eine einzige 10G-NIC. Ich zahle 80 Euro für 1Gbps/300Mbps, auf GPON-Basis, also nicht einmal echtes Ethernet. Beschämend.
  • Der slowenische ISP T-2.net verstößt gegen die Netzneutralitätsgesetze.
    Um Port 25 und 53 zu öffnen, muss man extra zahlen, wodurch ein privater Mail- oder DNS-Server praktisch unmöglich wird.
    Ich habe das der Regulierungsbehörde AKOS gemeldet, aber nach mehreren Monaten war nichts gelöst, und später bekam ich die Antwort, das sei „legal“.
    • Ich bin auch T-2-Kunde, hatte aber keine Port-Probleme, dafür in letzter Zeit zufällige Geschwindigkeitseinbrüche.
      Andere Kunden haben Ähnliches erlebt, und möglicherweise liegt es an merkwürdigem Load Balancing bei Telekom Slovenije.
    • Von einer „Gebühr zum Freischalten von Ports“ zu sprechen, ist übertrieben. Wenn man gegen Aufpreis (+2 Euro) eine statische IP kauft, werden die Ports geöffnet.
      Auch Mobilfunkanbieter nutzen CGNAT, und das wird normalerweise nicht als Verstoß gegen die Neutralität bezeichnet.
    • Die Sperrung von Port 25 ist vernünftig. Es gibt keinen guten Grund, auf einem privaten Anschluss einen SMTP-Server zu betreiben.
      Aber die Sperrung von Port 53 ist seltsam.
  • Telekom ist beim Service miserabel, hat aber de facto ein Monopol.
    Immer wenn es regnete, fiel meine Leitung aus, also bin ich zu Starlink gewechselt. Dreifache Geschwindigkeit, stabiler Service und günstigerer Preis (40 Euro statt 45 Euro).
    Ich mag Musk nicht, aber dass er Internet überall auf der Welt möglich gemacht hat, ist schon bemerkenswert.
    • Stimmt, aber Starlink ist ein US-Dienst, und dadurch entsteht Abhängigkeit.
      Durch politische Veränderungen in den USA könnte Europa benachteiligt werden. Letztlich ist das Verhalten von Telekom das Grundproblem. Der Staat muss fairen Wettbewerb sicherstellen.
    • Bei mir war es früher auch so, dass die Verbindung bei Regen immer ausfiel. Später stellte sich heraus, dass korrodierte DSLAM-Hardware die Ursache war.
      Nach dem Austausch war das Problem gelöst.
      Ich möchte meinen Traffic auch nicht an ein US-Unternehmen geben, aber wenn es keine Alternative gibt, kann ich das nachvollziehen.
    • Unter den deutschen ISPs könnte Vodafone noch schlechter sein.
    • In meiner Gegend gibt es Vodafone, und das ist besser als Telekom. Telekom bietet nur 250Mbps, Vodafone dagegen 1Gbps.
      Früher war nur Telekom verfügbar, deshalb bin ich sogar umgezogen. Starlink geht hier nicht, weil keine freie Sicht möglich ist.
    • Ich frage mich, wie eine Satellitenverbindung weniger vom Wetter beeinflusst sein kann. Liegt das an einer Langstrecken-Richtantenne?
  • Ich denke, der Begriff „Netzneutralität“ (net neutrality) ist zu breit geworden und sollte inzwischen aufgegeben werden.
    Wenn man Traffic Shaping, bezahlte Priorisierung, Zero Rating und Einschränkungen bei bezahltem Peering unter einem einzigen Begriff zusammenfasst, wird die Diskussion unübersichtlich.
    Wie im Fall Telekom sieht es oberflächlich nur nach einem „Geschwindigkeitsunterschied“ aus, tatsächlich geht es aber um absichtlich eingeschränktes Peering.
    Um solche Probleme zu lösen, braucht es konkrete Gesetze, etwa ein Verbot oder eine Regulierung von bezahltem Peering.
    • Praktisch dürfte das schwierig sein. Solche Regulierung erfordert globale Zusammenarbeit.
      Zum Beispiel verweigert Cogent HE beim IPv6-Peering noch immer.
      Tier-1-Anbieter wollen ihre monopolartige Stellung behalten.
    • Aus Nutzersicht ist das Ergebnis unabhängig vom Grund dasselbe. Am Ende ist das Internet langsam.
    • Wenn man alles stärker aufteilt, steigen Aufklärungs- und Lobbykosten um den Faktor N. Jedes Mal, wenn ein ISP ein neues Schlupfloch findet, muss man wieder von vorn kämpfen.
    • „Bezahltes Peering“ ist im Grunde eine Kundenbeziehung. DT verlangt einfach den Kauf von Transit.
    • Alle genannten Punkte beeinflussen letztlich die Neutralität des Internets.
  • Ich kannte das Problem, fand es aber schade, dass es nur ein Video und keine textliche Erklärung gab.
    • Wenn man ab Seite 15 der vollständigen Beschwerde liest, ist es leicht zu verstehen. Dort steht, dass Telekom Transit-Anbindungspunkte absichtlich reduziert hat.
      Damit Dienstanbieter Telekom-Kunden schnell erreichen können, müssen sie einen kostenpflichtigen Vertrag abschließen.
    • Eine gute Textzusammenfassung gibt es im Stanford Cyberlaw Blog.
    • Ist nicht der Abschnitt „What is this about?“ unter dem Video genau diese Erklärung?
  • Deutsche Telekom hat kürzlich die Werbekampagne „Besser im besten Netz“ gestartet.
    In Wirklichkeit ist ihr Peering aber katastrophal, sodass 30 % des Internets langsam sind. Mit VPN ist es oft sogar schneller.
    Offizielle Pressemitteilung
    • Trotzdem hat auf dem Land oder in den Bergen oft nur Telekom Mobilfunkempfang.
      O2 oder Vodafone brechen im Schwarzwald oder an Stränden auf Inseln komplett weg.
      Außerdem lagert Vodafone das Peering an Subunternehmer aus und macht überhaupt kein öffentliches Peering.
      Deshalb ist Telekom vielleicht doch nicht absolut am schlimmsten.