- Die im UPS-MD-11F-Frachtflugzeug, das in Kentucky abstürzte, entdeckten Risse in der Triebwerksaufhängung erwiesen sich als ein Defekt, den Boeing bei einem ähnlichen Flugzeugtyp bereits 15 Jahre zuvor erkannt hatte
- Das NTSB (National Transportation Safety Board der USA) erklärte, dass Ermüdungsrisse an der Triebwerksaufhängung mit der Unfallursache in Zusammenhang standen, und hielt fest, dass Boeing in der Vergangenheit vier Fälle von Brüchen desselben Bauteils bestätigt hatte
- Boeing verschickte 2011 an Betreiber ein „Service Letter“, in dem alle fünf Jahre eine Sichtprüfung empfohlen und eine überarbeitete Lagerbaugruppe vorgestellt wurde, stufte dies jedoch nicht als verpflichtende Maßnahme ein
- Luftfahrtsicherheitsexperten kritisieren Boeings Einschätzung, einen Defekt an der zentralen Struktur zur Befestigung des Triebwerks am Flügel nicht als Sicherheitsproblem zu betrachten
- Der Vorfall rückt erneut Vertrauensprobleme in Boeings gesamtes Sicherheitsmanagement angesichts jüngster Themen wie den 737-Max-Defekten und Kontroversen um die Qualitätskontrolle in den Fokus
Absturz des UPS-Frachtflugzeugs und ein Boeing bereits bekannter Defekt
- Eine MD-11F-Frachtmaschine von UPS, die am Flughafen Louisville in Kentucky startete, stürzte ab, nachdem sich ein Triebwerk vom Flügel gelöst hatte; 15 Menschen kamen ums Leben, darunter 3 Besatzungsmitglieder und 12 Personen am Boden
- Das Flugzeug hob kurz von der Startbahn ab, verlor jedoch bald die Kontrolle und stürzte in ein Industriegebiet
- Die NTSB-Untersuchung ergab, dass die in der Triebwerksaufhängung gefundenen Risse auch bei mehreren anderen Flugzeugen aufgetreten waren
- Boeing hatte den Defekt bereits 15 Jahre zuvor erkannt und damals geschlussfolgert, er beeinträchtige die Flugsicherheit nicht
Boeings frühere Reaktion und Prüfempfehlungen
- Boeing verschickte 2011 an Betreiber ein „Service Letter“, um über den Defekt zu informieren, und empfahl alle fünf Jahre eine Sichtprüfung
- Zudem wurde über Änderungen an den Prüfverfahren im Wartungshandbuch des Flugzeugs und die Möglichkeit informiert, eine überarbeitete Lagerbaugruppe einzusetzen
- Diese Maßnahme blieb jedoch eine Empfehlung ohne rechtliche Verpflichtung
- Das NTSB wies darauf hin, dass der Riss bei diesem Unfall ein Bruch infolge wiederholter Belastung (fatigue) war
Bewertung und Kritik von Experten
- Der frühere Flugunfallermittler Tim Atkinson bezeichnete den Bericht als „schockierend“
- Er betonte, dass es sich bei der betreffenden Struktur nicht um bloße Verkleidung handle, sondern um ein zentrales Bauteil, das Schub- und Luftwiderstandskräfte des Triebwerks aufnimmt
- Dass Boeing einen Bruch dieses Bauteils nicht als Sicherheitsproblem betrachtete, sei „nicht nachvollziehbar“
Jüngste Sicherheitskontroversen bei Boeing
- Boeing stand in den vergangenen Jahren wiederholt wegen interner Verfahren und Problemen bei der Qualitätskontrolle in der Kritik
- Durch fehlerhafte Software des Typs 737 Max kam es 2018 und 2019 zu zwei Abstürzen mit insgesamt 346 Todesopfern
- 2024 kam es zudem zu einem Vorfall, bei dem sich bei einem neuen 737-Max-Flugzeug kurz nach dem Start eine Türverkleidung löste
- Der aktuelle Fall erschüttert erneut das Vertrauen in Boeings Sicherheitskultur und Qualitätsmanagementsysteme
Stand der Untersuchung und Boeings Stellungnahme
- Die NTSB-Untersuchung läuft weiter, eine abschließende Feststellung zur Unfallursache wurde bislang nicht veröffentlicht
- Boeing erklärte in einer Stellungnahme, man kooperiere mit der Untersuchung und spreche den Familien der Opfer tiefes Beileid aus
- Bis zur Veröffentlichung des Abschlussberichts sind das Ausmaß von Boeings Verantwortung und der direkte Zusammenhang mit dem strukturellen Defekt noch nicht abschließend geklärt
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