- Die kanadische Regierung nimmt über eine „strategische Partnerschaft“ mit China den Import chinesischer Elektroautos wieder auf und senkt den bisherigen Zollsatz von 100 % auf 6,1 %
- Die Maßnahme markiert eine Abkehr vom protektionistischen Kurs der USA und dürfte preisgünstigen Elektroautos wie dem BYD Seagull den Eintritt in den kanadischen Markt ermöglichen
- Laut Abkommen können jährlich 49.000 in China produzierte Elektroautos zu niedrigen Zöllen importiert werden; die Regierung erwartet, dass mehr als die Hälfte davon Einstiegs-EVs unter 35.000 Dollar sein werden
- Im Gegenzug senkt China den Zoll auf kanadische Canola-Samen von 85 % auf 15 % und hebt Importbeschränkungen für Hummer und Krabben auf
- Die Vereinbarung hat das Potenzial, Wettbewerbsverhältnisse und Lieferkettenstrukturen im nordamerikanischen Elektroautomarkt zu verändern
Kanadas neue Handelspolitik gegenüber China
- Kanadas Premierminister Mark Carney hat eine „strategische Partnerschaft“ mit China angekündigt und die Öffnung der Grenze für chinesische Elektroautos erklärt
- Dies wird als grundlegender Kurswechsel in der nordamerikanischen Handelspolitik bewertet
- Anders als die harte protektionistische Linie der USA hat sich Kanada für die Wiederaufnahme von EV-Importen aus China entschieden
- Durch das Abkommen können jährlich 49.000 chinesische Elektroautos mit einem Zollsatz von 6,1 % nach Kanada importiert werden
- Nach Angaben des Büros des Premierministers entspricht das weniger als 3 % des kanadischen Neuwagenmarkts
- Die Regierung erwartet, dass innerhalb von fünf Jahren mehr als die Hälfte davon preisgünstige Elektroautos unter 35.000 Dollar sein werden
Gegenseitige Handelsvorteile und industrielle Zusammenarbeit
- China senkt den Zoll auf kanadische Canola-Samen von rund 85 % auf 15 %
- Außerdem werden Importbeschränkungen für Hummer und Krabben aufgehoben
- Der Vertrag enthält zudem eine Klausel zur Ausweitung von Joint Ventures chinesischer Unternehmen in Kanada
- Die kanadische Regierung will damit den Aufbau einer inländischen Elektroauto-Lieferkette fördern
Analyse von Electrek
- Electrek bewertet die Maßnahme als möglichen Wendepunkt für die Dynamik des nordamerikanischen Elektroautomarkts
- Protektionismus schütze zwar kurzfristig die bestehende Autoindustrie, schade aber Verbrauchern und Innovation
- Chinesische Elektroautos gelten als sowohl preislich wettbewerbsfähig als auch qualitativ stark; ihr Ausschluss sei für Verbraucher wie auch für die Industrie nachteilig
Politischer Konflikt mit den USA
- Die USA treiben mit ihrer Strategie „Fortress North America“ die Abschottung gegen chinesische EVs voran
- Kanadas Entscheidung bedeutet somit eine Abweichung von der US-Industriepolitik
- Electrek interpretiert dies so, dass Kanada günstige umweltfreundliche Mobilität und den Ausbau von Agrarexporten priorisiert hat
- Nach den handelspolitischen Spannungen mit den USA wird Kanadas Schritt als Wahl eines eigenständigen Kurses bewertet
Ausblick und Marktreaktion
- Nach Einschätzung von Electrek-Lesern dürfte das Kontingent von 49.000 Fahrzeugen innerhalb weniger Monate ausgeschöpft sein
- Es wird erwartet, dass chinesische Unternehmen wie BYD weitere Investitionen in die Produktion in Kanada ankündigen
- Diese Entwicklung könnte zu einer Ausweitung lokaler Fertigung chinesischer Unternehmen und zu einem größeren EV-Ökosystem in Kanada führen
- Electrek will auch künftig weiter über neue Modelle und Updates chinesischer Elektroautos berichten
1 Kommentare
Hacker-News-Kommentare
Ein kanadisches Satiremedium veröffentlichte einen Artikel mit dem Titel, Kanada habe sich entschieden, das rechtschaffen Böse statt des chaotisch Bösen zu wählen (The Beaverton).
Das ist eine Anspielung auf das Alignment-System aus D&D; auf /r/canada hieß es dazu angeblich in einem Kommentar: „Ich würde trotzdem lieber für Lex Luthor als für den Joker arbeiten.“
Es gab Berichte, dass Kanada sich darauf geeinigt habe, jährlich 49.000 in China hergestellte Elektroautos mit einem Zollsatz von 6,1 % zu importieren (Electricautonomy.ca).
Das entspräche etwa einem Viertel des gesamten EV-Absatzes in Kanada.
Bemerkenswert sei Carneys Aussage, dass die Beziehungen zu China nun berechenbarer seien als die zu den USA. Sogar jemand, der Autos nicht mag, freue sich über günstigere Autooptionen.
Die US-Regierung habe die Angelegenheit katastrophal gehandhabt. Sie habe den engsten Verbündeten in die Arme eines Rivalen getrieben und dadurch am Ende Chinas Exporte und die Wettbewerbsfähigkeit seiner Universitäten gestärkt. Der Slogan „Make America Great Again“ klinge dadurch ironisch.
Diese Einigung sei die erste Gelegenheit für US-Verbraucher, in einem den USA nahestehenden Kanada chinesische Autos direkt zu sehen. Weil der Wettbewerb in China extrem hart sei, könnten dort sogar qualitativ bessere Fahrzeuge entstehen. Derzeit verkaufen mehr als 100 Marken Elektroautos.
China habe bereits die Zukunft des EV- und Energiemarkts unter Kontrolle. Bei Größe, Effizienz und Technologie sei es schwer einzuholen. Wenn man einen Wirtschaftskrieg führen wolle, müsse man eher in anderen Bereichen kämpfen.
So sehe das Ergebnis aus, wenn man Allianzen und Soft Power aufgibt. Die USA würden 2026 diesen Einfluss verlieren und die wirtschaftlichen Grenzen spüren.
BYD erhielt 2024 Unterstützung in Höhe von 30 % seiner Importe von der chinesischen Regierung. Ein Vergleich sei jedoch schwierig, weil die meisten Länder Industriepolitik mit Subventionen betreiben.
Interessant sei auch, ob es Betriebsverbotszonen für BYD-Fahrzeuge geben werde. So sind im Vereinigten Königreich chinesische EVs auf Militärgeländen verboten.
Die Zahl von 49.000 Fahrzeugen ist nur ein Teil der gesamten kanadischen Fahrzeugverkäufe von 2024, die bei rund 1,9 Millionen lagen.