- macOS Tahoe hat allen Menüpunkten Icons hinzugefügt, doch das verschlechtert Lesbarkeit und Benutzerfreundlichkeit eher, als dass es hilft
- Es gibt zu viele Icons, sodass Unterscheidbarkeit verloren geht, und wegen fehlender Konsistenz bei Farben und Formen fällt es Nutzern schwer, Funktionen schnell zu finden
- Nicht nur zwischen Apps, sondern auch innerhalb derselben App sind Inkonsistenzen und doppelte Verwendung von Icons gravierend; in vielen Fällen steht dasselbe Icon für unterschiedliche Funktionen
- Fehlende pixelgenaue Ausrichtung, übermäßige Detaildarstellung und verwirrende Metaphern erschweren die Erkennbarkeit in kleiner Größe und sorgen für visuelle Unruhe
- Die Macintosh-HIG-Prinzipien von 1992 sind weiterhin gültig, und weil Apple sie ignoriert, werden grundlegende Prinzipien des Interface-Designs beschädigt
Der grundlegende Zweck von Icons und das Problem von Tahoe
- Der Hauptzweck von Icons ist es, Nutzern zu helfen, das Gewünschte schneller zu finden
- Wenn jedoch jedem Menü ein Icon hinzugefügt wird, entsteht der gegenteilige Effekt: Alles sieht gleich aus
- Schwarz-weiße Icons wirken sauber, sind aber visuell schwer zu unterscheiden und verlangsamen die Navigation
- Wie frühere Beispiele von Microsoft zeigen, verbessert Kontrast in Farbe und Form die Navigationsgeschwindigkeit
- Apples Tahoe-Icons fehlt genau diese kontrastbasierte Gestaltung
Mangelnde Konsistenz zwischen Apps
- Dieselbe Funktion (z. B. New, Open, Save, Close, Find, Delete) wird je nach App mit unterschiedlichen Icons dargestellt
- Allein für „New“ gibt es Dutzende Varianten
- Sogar die Richtung der Pfeile für „Open“ und „Save“ ist nicht vereinheitlicht
- Dass es selbst bei grundlegenden Befehlen systemweit an Konsistenz fehlt, erhöht den Lernaufwand für Nutzer
Inkonsistenzen innerhalb derselben App
- Es gibt viele Fälle, in denen dieselbe Funktion in Menü und Toolbar mit unterschiedlichen Icons angezeigt wird
- In Preview, Photos, Maps usw. werden etwa Icons für Vergrößern/Verkleinern uneinheitlich verwendet
- Selbst auf demselben Bildschirm kommt es häufig zu wiederverwendeten Icons und Bedeutungsabweichungen
Das Problem der Wiederverwendung von Icons
- Dasselbe Icon steht oft für unterschiedliche Funktionen
- Beispiel: Ein „New“-Icon wird in anderen Apps für „Import“ oder „Updates“ verwendet
- Sogar innerhalb derselben App gibt es Fälle, in denen sich die Bedeutung zwischen Menü und Toolbar unterscheidet
- Die Photos-App übertreibt die doppelte Verwendung von Icons besonders stark, bis zu einem Punkt, an dem Funktionen nicht mehr unterscheidbar sind
Übermäßige Detaildarstellung
- Tahoe-Icons werden meist in kleinen Größen von 12×12 Pixeln oder weniger angezeigt, sodass Details nicht mehr erkennbar sind
- Selbst bei Retina-Auflösung sind Unterschiede auf Pixelebene kaum wahrnehmbar
- Beispiele sind ein 2 Pixel hohes „i“ oder minimale Unterschiede bei Punkten und Linienstärken
- Der Versuch, komplexe Formen in kleinen Größen beizubehalten, erhöht nur das visuelle Rauschen
Probleme mit Pixelraster und Vektorschriften
- Apple setzt auf vektorschriftbasierte Icons statt auf Bitmaps
- Das hilft zwar bei unterschiedlichen Auflösungen, führt aber wegen fehlender Pixelausrichtung zu unscharfem Rendering
- Bei kleinen Icons fallen Abweichungen bei Linienstärke und Position besonders auf
- Bis hochauflösende Displays (über 380 DPI) weit verbreitet sind, bleibt pixelgenaues Design unverzichtbar
Verwirrende Metaphern und Symbole
- Icons sollten ihre Bedeutung durch klare visuelle Metaphern vermitteln
- Tahoe verwendet jedoch unpassende Metaphern, etwa indem „Select All“ als Textfeld-Icon dargestellt wird
- Auch „Bookmarks“ als Buchform auszudrücken, passt nicht zum etablierten Symbolsystem
- Manche Icons lassen sich nur schwer als Handlung (Verb) ausdrücken, wodurch ihre Bedeutung nicht interpretierbar ist
- In Fällen wie „Open“, für die es keine klare Metapher gibt, wäre es besser, ganz auf ein Icon zu verzichten
Ungleichgewicht bei symmetrischen Aktionen
- Funktionen mit gegensätzlicher Bedeutung wie Undo/Redo oder Open/Close sollten symmetrische Icons verwenden
- In Tahoe ist diese Symmetrie gebrochen, was die kognitive Belastung erhöht
- „Import“ und „Export“ werden mit unterschiedlichen, asymmetrischen Icons dargestellt
Das Problem textbasierter Icons
- Einige Icons bestehen aus Buchstaben selbst (Abc, Aa usw.) und sind dadurch nicht von Text zu unterscheiden
- Die HIG verbietet Text innerhalb von Icons, doch Tahoe verstößt dagegen
- Bei „Bold“, „Italic“ usw. sind die Wörter bereits eindeutig genug, sodass eine doppelte Darstellung unnötig ist
Missbrauch von Systemelementen
- UI-Elemente des Betriebssystems (Pfeile, Punkte, Shortcut-Symbole usw.) werden in Icons wiederverwendet und stiften Verwirrung
- Beispiele sind Checkboxen oder die drei Punkte (Ellipsis), deren Systemsymbolik für andere Bedeutungen verwendet wird
- Die HIG untersagt eine solche Verwendung ausdrücklich
Verschlechterte Menü-Navigierbarkeit
- Durch die zusätzlichen Icons wird die Textausrichtung gestört und das visuelle Scannen erschwert
- Bei manchen Einträgen werden Icon und Häkchen gleichzeitig angezeigt, was zu unausgewogener Ausrichtung führt
- Das Ergebnis ist eine langsamere Navigation durch Menüs
Die anhaltende Gültigkeit der HIG
- Die Macintosh Human Interface Guidelines von 1992 sind weiterhin gültig
- Denn die menschliche Wahrnehmung, das Gedächtnis und die Aufmerksamkeit haben sich nicht verändert
- Unabhängig vom technischen Fortschritt beruhen die Grundprinzipien auf menschenzentriertem Design
Fazit
- Mit dem Versuch, allen Menüs Icons hinzuzufügen, stellt sich Apple selbst einer unlösbaren Aufgabe
- Es fehlen ausreichende Metaphern, und sowohl Konsistenz als auch Klarheit scheitern
- Letztlich wird dies als Beispiel dafür bewertet, dass 30 Jahre altes Interface-Wissen ignoriert wurde
- Paradoxerweise ist es dadurch „einfacher geworden, besseres Design als Apple zu machen“
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