1 Punkte von GN⁺ 2026-01-06 | 1 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • macOS Tahoe hat allen Menüpunkten Icons hinzugefügt, doch das verschlechtert Lesbarkeit und Benutzerfreundlichkeit eher, als dass es hilft
  • Es gibt zu viele Icons, sodass Unterscheidbarkeit verloren geht, und wegen fehlender Konsistenz bei Farben und Formen fällt es Nutzern schwer, Funktionen schnell zu finden
  • Nicht nur zwischen Apps, sondern auch innerhalb derselben App sind Inkonsistenzen und doppelte Verwendung von Icons gravierend; in vielen Fällen steht dasselbe Icon für unterschiedliche Funktionen
  • Fehlende pixelgenaue Ausrichtung, übermäßige Detaildarstellung und verwirrende Metaphern erschweren die Erkennbarkeit in kleiner Größe und sorgen für visuelle Unruhe
  • Die Macintosh-HIG-Prinzipien von 1992 sind weiterhin gültig, und weil Apple sie ignoriert, werden grundlegende Prinzipien des Interface-Designs beschädigt

Der grundlegende Zweck von Icons und das Problem von Tahoe

  • Der Hauptzweck von Icons ist es, Nutzern zu helfen, das Gewünschte schneller zu finden
    • Wenn jedoch jedem Menü ein Icon hinzugefügt wird, entsteht der gegenteilige Effekt: Alles sieht gleich aus
    • Schwarz-weiße Icons wirken sauber, sind aber visuell schwer zu unterscheiden und verlangsamen die Navigation
  • Wie frühere Beispiele von Microsoft zeigen, verbessert Kontrast in Farbe und Form die Navigationsgeschwindigkeit
    • Apples Tahoe-Icons fehlt genau diese kontrastbasierte Gestaltung

Mangelnde Konsistenz zwischen Apps

  • Dieselbe Funktion (z. B. New, Open, Save, Close, Find, Delete) wird je nach App mit unterschiedlichen Icons dargestellt
    • Allein für „New“ gibt es Dutzende Varianten
    • Sogar die Richtung der Pfeile für „Open“ und „Save“ ist nicht vereinheitlicht
  • Dass es selbst bei grundlegenden Befehlen systemweit an Konsistenz fehlt, erhöht den Lernaufwand für Nutzer

Inkonsistenzen innerhalb derselben App

  • Es gibt viele Fälle, in denen dieselbe Funktion in Menü und Toolbar mit unterschiedlichen Icons angezeigt wird
    • In Preview, Photos, Maps usw. werden etwa Icons für Vergrößern/Verkleinern uneinheitlich verwendet
  • Selbst auf demselben Bildschirm kommt es häufig zu wiederverwendeten Icons und Bedeutungsabweichungen

Das Problem der Wiederverwendung von Icons

  • Dasselbe Icon steht oft für unterschiedliche Funktionen
    • Beispiel: Ein „New“-Icon wird in anderen Apps für „Import“ oder „Updates“ verwendet
    • Sogar innerhalb derselben App gibt es Fälle, in denen sich die Bedeutung zwischen Menü und Toolbar unterscheidet
  • Die Photos-App übertreibt die doppelte Verwendung von Icons besonders stark, bis zu einem Punkt, an dem Funktionen nicht mehr unterscheidbar sind

Übermäßige Detaildarstellung

  • Tahoe-Icons werden meist in kleinen Größen von 12×12 Pixeln oder weniger angezeigt, sodass Details nicht mehr erkennbar sind
    • Selbst bei Retina-Auflösung sind Unterschiede auf Pixelebene kaum wahrnehmbar
    • Beispiele sind ein 2 Pixel hohes „i“ oder minimale Unterschiede bei Punkten und Linienstärken
  • Der Versuch, komplexe Formen in kleinen Größen beizubehalten, erhöht nur das visuelle Rauschen

Probleme mit Pixelraster und Vektorschriften

  • Apple setzt auf vektorschriftbasierte Icons statt auf Bitmaps
    • Das hilft zwar bei unterschiedlichen Auflösungen, führt aber wegen fehlender Pixelausrichtung zu unscharfem Rendering
    • Bei kleinen Icons fallen Abweichungen bei Linienstärke und Position besonders auf
  • Bis hochauflösende Displays (über 380 DPI) weit verbreitet sind, bleibt pixelgenaues Design unverzichtbar

Verwirrende Metaphern und Symbole

  • Icons sollten ihre Bedeutung durch klare visuelle Metaphern vermitteln
    • Tahoe verwendet jedoch unpassende Metaphern, etwa indem „Select All“ als Textfeld-Icon dargestellt wird
    • Auch „Bookmarks“ als Buchform auszudrücken, passt nicht zum etablierten Symbolsystem
  • Manche Icons lassen sich nur schwer als Handlung (Verb) ausdrücken, wodurch ihre Bedeutung nicht interpretierbar ist
    • In Fällen wie „Open“, für die es keine klare Metapher gibt, wäre es besser, ganz auf ein Icon zu verzichten

Ungleichgewicht bei symmetrischen Aktionen

  • Funktionen mit gegensätzlicher Bedeutung wie Undo/Redo oder Open/Close sollten symmetrische Icons verwenden
    • In Tahoe ist diese Symmetrie gebrochen, was die kognitive Belastung erhöht
    • „Import“ und „Export“ werden mit unterschiedlichen, asymmetrischen Icons dargestellt

Das Problem textbasierter Icons

  • Einige Icons bestehen aus Buchstaben selbst (Abc, Aa usw.) und sind dadurch nicht von Text zu unterscheiden
    • Die HIG verbietet Text innerhalb von Icons, doch Tahoe verstößt dagegen
    • Bei „Bold“, „Italic“ usw. sind die Wörter bereits eindeutig genug, sodass eine doppelte Darstellung unnötig ist

Missbrauch von Systemelementen

  • UI-Elemente des Betriebssystems (Pfeile, Punkte, Shortcut-Symbole usw.) werden in Icons wiederverwendet und stiften Verwirrung
    • Beispiele sind Checkboxen oder die drei Punkte (Ellipsis), deren Systemsymbolik für andere Bedeutungen verwendet wird
    • Die HIG untersagt eine solche Verwendung ausdrücklich

Verschlechterte Menü-Navigierbarkeit

  • Durch die zusätzlichen Icons wird die Textausrichtung gestört und das visuelle Scannen erschwert
    • Bei manchen Einträgen werden Icon und Häkchen gleichzeitig angezeigt, was zu unausgewogener Ausrichtung führt
    • Das Ergebnis ist eine langsamere Navigation durch Menüs

Die anhaltende Gültigkeit der HIG

  • Die Macintosh Human Interface Guidelines von 1992 sind weiterhin gültig
    • Denn die menschliche Wahrnehmung, das Gedächtnis und die Aufmerksamkeit haben sich nicht verändert
    • Unabhängig vom technischen Fortschritt beruhen die Grundprinzipien auf menschenzentriertem Design

Fazit

  • Mit dem Versuch, allen Menüs Icons hinzuzufügen, stellt sich Apple selbst einer unlösbaren Aufgabe
    • Es fehlen ausreichende Metaphern, und sowohl Konsistenz als auch Klarheit scheitern
  • Letztlich wird dies als Beispiel dafür bewertet, dass 30 Jahre altes Interface-Wissen ignoriert wurde
    • Paradoxerweise ist es dadurch „einfacher geworden, besseres Design als Apple zu machen“

1 Kommentare

 
GN⁺ 2026-01-06
Hacker-News-Kommentare
  • Liquid Glass wirkt wie eine Kombination aus den schlechtesten Seiten von Flat Design und übertriebenem Skeuomorphismus
    Die Sidebar sieht zwar schwebend aus, gibt aber tatsächlich keinerlei Hinweise zur Benutzbarkeit
    Designer sollten so einen Stil nicht einfach akzeptieren und selbst dann, wenn ein PM ihn aufzwingt, lieber Texte der Nielsen Norman Group lesen lassen

    • Oft treiben Designer solche Stile voran, um sich überhaupt Arbeit zu schaffen
      Wenn man sagt: „Desktop-UI war im Grunde schon 1995 fertig“, ist das eben nicht gerade gut für die Karriere
    • Das größte Problem von Liquid Glass ist die visuelle Ablenkung
      Die obere Leiste glitzert und bewegt sich und wirkt dadurch fast wie ein Browser ohne Werbeblocker, was die Konzentration stört
      Flat Design war zwar fade, hat einem aber wenigstens nicht ständig die Aufmerksamkeit geraubt
    • Apples Liquid Glass ist ein Design für Leute, die von der Seite zuschauen (FOMO auslösen), nicht für die eigentlichen Nutzer
      In der Wachstumsphase des iPhones hat das funktioniert, aber in einem heute gesättigten Markt verschlechtert es eher die User Experience
    • Skeuomorphismus bei Buttons ist okay, aber der Glas-Verzerrungseffekt nervt
      Vor allem in mobilem Safari wird der untere Bildschirmbereich dadurch zu einem „Mystery Meat“-Element
      Auf dem Desktop ist es etwas besser, aber der doppelte Rand stört immer noch
    • Komplexe UI-Implementierungen sind aus Sicht von Engineers eine interessante Herausforderung, daher ist die Anreizstruktur verschoben
  • Apples Interaction Design hat in den letzten zehn Jahren die Richtung verloren
    Es gibt unzählige Wege zum Fensterwechsel – cmd+tab, Spaces, Mission Control, Stage Manager –, aber keine Konsistenz
    Früher war Apple so innovativ, dass sogar der Begriff „Sherlocked“ entstand, heute erstickt das Unternehmen seine eigenen Ideen durch Abgeschlossenheit

    • Es ist inzwischen an der Zeit, die gesamte Fensterumgebung neu zu entwerfen
      Fenster, Tabs, Apps und Spaces arbeiten gegeneinander und sind nicht konsistent
    • Zur Erinnerung: Mit dem Shortcut cmd+~ kann man zwischen Fenstern derselben App wechseln
    • Ich nutze unter macOS die alt-tab-App und hatte damit keine Probleme
  • Das Design von Tahoe ist das Ergebnis der falschen Regel, „jede Aktion braucht ein Icon“
    Für einfache listenbasierte Apps wie Finder oder Reminders ist das ungeeignet
    Die schwebende Sidebar verschwendet nur Platz und erzeugt doppelte Ränder

    • Das ist ein Problem, das entsteht, wenn die Leute, die Anweisungen geben, nicht dieselben sind wie die, die die eigentliche Arbeit machen
      Mangelnde Kommunikation ruiniert gute Software
    • Im Finder kann Inhalt immerhin unter die Sidebar laufen
    • Dass nicht einmal die Icons global vereinheitlicht sind, ist ein Zeichen von ernsthafter Verrottung
  • macOS war einmal eine stabile Wahl für technisch weniger versierte Nutzer, ist inzwischen aber voller Bugs und Berechtigungsprobleme
    Ableton fragte nicht nach Mikrofonrechten, sodass man die SQLite-DB direkt bearbeiten musste
    Auch Logitech-Software produziert wiederholt Bluetooth-Berechtigungsfehler
    Insgesamt wirkt das weniger zuverlässig als ein Linux-Theme von 2015
    Ich habe dazu den UI/UX-Vortrag eines ehemaligen Apple-Engineers gesehen und konnte dem sehr gut zustimmen

    • Die Probleme mit Ableton und Logitech wirken wie Fehler im Berechtigungssystem
      Mit dem Befehl tccutil reset All <APP BUNDLE ID> lässt sich das gelegentlich durch Zurücksetzen beheben
    • Ich hatte gehofft, Liquid Glass wäre eine Rückkehr zum Skeuomorphismus, aber tatsächlich ist es das Resultat von gescheiterter Integration und UI-Übermaß
      Ich wünschte, wir bekämen wieder ein simples und schnelles OS wie zu Snow-Leopard-Zeiten
    • Das heutige macOS wirkt wie eine übermäßig angepasste Linux-Distribution
      Der Mangel an Konsistenz ist gravierend
    • Das Ableton-Berechtigungsproblem hätte sich in den Systemeinstellungen lösen lassen müssen
    • Tahoe macht sogar das Trackpad-Scrolling in Safari kaputt
  • Nach Tahoe und Liquid Glass bin ich überzeugt, dass Apple sein Designgefühl komplett verloren hat
    Wenn Jobs noch da wäre, hätte er so ein Ergebnis niemals zugelassen

    • Apple wiederholt damit exakt die Fehler, die Microsoft 2006 mit Vista gemacht hat
      Sogar ein Design, das Microsoft selbst aufgegeben hat, wird nun verspätet kopiert
    • Im Kern hängt das Problem vermutlich weniger mit Jobs’ Abwesenheit zusammen als mit Jony Ives Weggang
    • Tahoe ist nicht bloß ein Rückschritt, sondern die Aufgabe von guten Designprinzipien, die lange Bestand hatten
      Persönlich halte ich Mavericks 2013 für den Höhepunkt des Designs
    • Was fehlt, ist nicht Autoritarismus, sondern eine Führungsperson mit echter Zuneigung zum Produkt
      Momentan fehlen sowohl Richtung als auch Nutzerzentrierung
    • Natürlich war auch Jobs nicht perfekt – er hat schließlich auch die Puck-Maus durchgewunken
  • Die Schneeflocken-Animation auf der Website ist viel zu ablenkend
    Es ist ironisch, Apples Icon-Übernutzung zu kritisieren und gleichzeitig die eigene Seite mit Schneeflocken zu überziehen
    Man muss sie fast im Firefox-Lesemodus anschauen

    • Man kann sie immerhin per Klick deaktivieren. Dann wird aber der Hintergrund gelb, und wenn man wieder in den Nachtmodus wechselt, entsteht gleich das nächste Problem
      Ein kompletter UX-Höllenkreislauf
    • Ich entscheide mich einfach zu glauben, dass das Parodie ist. Also absichtlich schlechte UX in einem Text, der schlechte UX kritisiert
    • Ironischerweise ist es fast schon komisch, dass die Schneeflocken-Animation weniger schlimm ist als Apples Tahoe
    • Solches empörungsgetriebenes Design funktioniert auf HN immer
  • Apples Hardware-Design wird weiterhin gelobt, aber die Software entwickelt sich immer weiter zurück
    Inzwischen scheint selbst KDE unter Linux ein besseres Fenstersystem-Design zu zeigen
    Sogar zu XP-Zeiten war die Bedienung vielleicht einfacher

    • In heutigen Großkonzernen zählt für Beförderungen eher Einfluss als Ergebnis
      Wichtiger wird, sichtbare Veränderungen zu erzeugen, statt gute Resultate zu liefern
    • Erfahrene Leute gehen, und neue Kräfte treiben Veränderung um der Veränderung willen voran
      Am Ende bekommt man später sogar fürs Zurückdrehen wieder Beförderungen
    • Früher war OS X das Kernprodukt, während die Hardware langsam und teuer war
      Der Erfolg der ARM-Chips war eher ein Ausnahmeereignis
    • 2016 gab es auch einen Hardware-Fehlschlag, aber das meiste wurde später wieder zurückgenommen
    • Hardware lässt sich klar verbessern, aber UX ist subjektiv, deshalb wird jedes Jahr zu sichtbaren Änderungen gedrängt
  • Ich habe 20 Jahre lang MacOS benutzt, bin in letzter Zeit aber vollständig zu Linux gewechselt
    Apple ist nicht mehr nutzerorientiert
    Früher war es das beste OS, heute nicht mehr

    • Ich bin nur froh, das Chaos von Windows nicht mitgemacht zu haben
    • Apples Philosophie war einmal: „Wir entscheiden, und ihr kauft“ – aber inzwischen ist selbst das verwässert
    • Ich nutze hauptsächlich Fedora X11/XWayland. Wayland ist in letzter Zeit ebenfalls ziemlich stabil geworden
    • Linux hat nach wie vor Probleme mit mangelnder Konsistenz und instabilen Basisfunktionen
      Das Apple-Ökosystem ist deutlich aufgeräumter
    • Es wirkt, als würde Apple solchen UI-Showmanship betreiben, um das Scheitern bei AI zu überdecken
  • Beim Blick auf alte Microsoft-Menüs vermisse ich Klarheit und farbliche Differenzierung
    Bei macOS scheint niemand mehr das gesamte Erlebnis integriert zu steuern
    Jede App bewegt sich wie in einem eigenen Silo
    Es braucht so etwas wie einen „Integrationskaiser“, der diese Rolle koordiniert

    • Diese Person ist bereits 2011 gestorben
    • Apples Geheimhaltungskultur behindert die Zusammenarbeit zwischen Abteilungen
  • Früher war ich ein UI-Perfektionist, aber inzwischen fühlt sich schon der Begriff von Perfektion eher wie eine Geschmacksfrage an
    Meine Liebe für frühe Mac-OS-Versionen und Windows 9x war am Ende wohl auch einfach Nostalgie

    • Wichtiger als Perfektion ist prinzipiengeleitetes Design
      Die früheren Macintosh Human Interface Guidelines waren sehr systematisch, aber heute ignoriert Apple sie selbst
      Windows 2000 und Mac OS 9 waren unterschiedlich, aber beide ein Höhepunkt prinzipiengeleiteten Designs
    • Nostalgie spielt eine Rolle, aber gute UI lässt sich auch objektiv an Konsistenz und Vorhersehbarkeit messen
      Solche Fragen werden auch in Büchern wie The Design of Everyday Things behandelt
      Heute sieht man zudem eine gewisse Rückkehr von der GUI zu CLI oder TUI
    • Für mich waren Windows 2000 und Snow Leopard der Höhepunkt der UI
      Nicht bloß wegen Gewöhnung, sondern weil das Design tatsächlich besser war
    • Einzelne Stilfragen sind Geschmackssache, aber Konsistenz ist ein absoluter Wert
      Unterschiedliche Icons je nach App sind in keinem Fall richtig
    • Ich war ebenfalls vom frühen macOS begeistert, und zwar wegen der Sorgfalt im Detail
      Das war nicht bloß eine erste Liebe, sondern echte Bewunderung für handwerkliche Qualität