- IPv6, eingeführt 1995, sollte mit einem von 32 Bit auf 128 Bit erweiterten Adressschema das Problem der Erschöpfung von Internetadressen lösen
- Der Übergang verzögerte sich jedoch aufgrund der Inkompatibilität mit IPv4, fehlender funktionaler Differenzierung und der Verbreitung von NAT
- Experten weisen darauf hin, dass Bereitstellungskosten und Komplexität, mangelnder ROI und Leistungsinkonsistenzen weiterhin die wichtigsten Hürden sind
- Dennoch bildet IPv6 die Grundlage für das Wachstum von Mobilfunk-, Cloud- und IoT-Umgebungen und trägt zur Erweiterung des Internets bei
- IPv6 wird weniger als vollständiger Ersatz denn als Infrastruktur-Erfolg bewertet, der das nachhaltige Wachstum des Internets ermöglicht hat
Entstehung und Ziel von IPv6
- Anfang der 1990er Jahre wuchs mit der Verbreitung des Internets die Sorge vor einer Erschöpfung der IPv4-Adressen, wodurch der Bedarf an einem neuen Protokoll entstand
- 1995 wurde IPv6 in RFC 1883 definiert und als Nachfolger von IPv4 vorgeschlagen
- IPv6 erweitert den Adressraum von 32 Bit auf 128 Bit und stellt damit rund 340 Undezillionen (eine Zahl mit 39 Stellen) Adressen bereit
- Dadurch entstand die Erwartung, dass sich damit der gesamte Bedarf der Menschheit an Internetadressen decken ließe
Warum sich IPv6 nur langsam verbreitet hat
- Laut Daten von Google, APNIC und Cloudflare liegt der Anteil der IPv6-Nutzer derzeit bei weniger als der Hälfte aller Nutzer
- Geoff Huston von APNIC bezeichnete IPv6 als ein „so konservativ wie möglich entworfenes Protokoll“ und verwies damit auf die Grenzen eines committee-basierten Designs
- IPv6 ist nicht mit IPv4 kompatibel, weshalb ein Parallelbetrieb erforderlich war, während kaum neue Funktionen hinzukamen
- Bruce Davie sagte, dass IPv6 abgesehen von der Adresserweiterung keine großen Verbesserungen gebracht habe und Funktionen wie Sicherheit und QoS letztlich auch in IPv4 umgesetzt wurden
- Mit dem Aufkommen von NAT (Network Address Translation) konnten IPv4-Adressen gemeinsam genutzt werden, wodurch die Notwendigkeit einer Migration auf IPv6 sank
- Alvaro Vives von RIPE NCC erklärte, NAT habe eine einfache Skalierung ermöglicht, ohne die bestehende Infrastruktur aufgeben zu müssen
- Andrew Lerner von Gartner nennt als zentrale Hindernisse Migrationskosten, Komplexität, Schulungsaufwand, geringen ROI, Leistungsinkonsistenzen und die fehlende Dual-Stack-Unterstützung in Legacy-Infrastrukturen
Rolle und Leistungen von IPv6
- John Curran von ARIN bewertet IPv6 nicht als Ersatz für IPv4, sondern als eine Art Puffer für das Wachstum des Internets
- Dank IPv6 sei die Skalierung in Mobilfunk-, Breitband- und Cloud-Umgebungen möglich geworden
- Vives sagte, das langfristig angelegte Design von IPv6 habe eine Vereinfachung von Netzwerken und konsistente Planung ermöglicht
- Das habe Innovationen wie IoT, großskalige Mobilfunknetze und Segment Routing over IPv6 gefördert
Gegenwart und Zukunft von IPv6
- Lerner betont, dass Unternehmen Migrationspläne für IPv6 aufstellen sollten
- Er empfiehlt die Prüfung der Anwendungskompatibilität, die Sicherstellung der Infrastrukturunterstützung sowie Tests auf Basis von DNS64/NAT64
- Die Erschöpfung privater IPv4-Adressen und IPv6-bevorzugte Preismodelle in der Cloud dürften die Verbreitung beschleunigen
- Huston hingegen bewertet die Bedeutung von IPv6 innerhalb des Internets als rückläufig
- Technologien wie NAT und QUIC verringerten die Abhängigkeit von IP-Adressen, sodass Clients auch ohne öffentliche IP kommunizieren können
- Sicherheit und Authentifizierung im heutigen Internet basieren zunehmend auf domainnamenbasierten Strukturen, wodurch die Rolle von IP-Adressen kleiner wird
- IPv6 werde eher aus Kostengründen gewählt; eine Einführung wegen technischer Überlegenheit sei selten
Fortgesetzte Nutzung von IPv6
- Einige Unternehmen sichern sich weiterhin in großem Umfang IPv6-Adressen
- Huawei hat 2,56 Dezillionen, Starlink 150 Sextillionen IPv6-Adressen erhalten
- Diese Entwicklung hat dazu beigetragen, dass mehrere Länder eine IPv6-Verbreitung von über 50 % erreicht haben
- Auch wenn der vollständige Umstieg ausgeblieben ist, gilt IPv6 weiterhin als erfolgreiche Infrastruktur, die die Skalierbarkeit des Internets und die Grundlage künftiger Technologien erhalten hat
Noch keine Kommentare.