2 Punkte von GN⁺ 2026-01-02 | Noch keine Kommentare. | Auf WhatsApp teilen
  • Es wird kritisiert, dass sich das Internet von einem Raum für Kreativität und Gemeinschaft in eine industrialisierte Content-Fabrik verwandelt hat
  • Wie bei Autos, Antibiotika und der Raumfahrt hat auch das Web einen Prozess der Industrialisierung und Monopolisierung von Werkzeugen durchlaufen und sich in eine Struktur verwandelt, die menschliche Freiheit einschränkt
  • Als Alternative wird vorgeschlagen, das Konzept der „Convivial Tools“ aufzugreifen und persönliche Websites als Mittel zur Wiedergewinnung von Autonomie und Kreativität der Nutzer zu etablieren
  • Mithilfe dezentraler Protokolle wie Blogs, RSS, Webmention, IndieWeb und POSSE können Kreative und Lernende Inhalte direkt besitzen und miteinander verknüpfen
  • Betont wird, dass jenseits eines von großen Plattformen dominierten Webs die Rückkehr handgemachter persönlicher Websites der Weg ist, die Seele des Internets zurückzugewinnen

Der Verfall und Verlust des Internets

  • Das Internet war einst ein Ort der Selbstentdeckung und Gemeinschaft, hat sich heute jedoch in einen Raum der Aufmerksamkeitsausbeutung und algorithmischen Content-Produktion verwandelt
    • Nutzer sind in „Feeds“ und „Scrollen“ gefangen und werden statt zu kreativen Ausdrucksformen zu Arbeitern der Content-Produktion degradiert
  • Das frühere Web bestand aus einer Vielzahl von Fachblogs und Foren, heute wird es von wenigen großen Plattformen beherrscht
    • Lernen und Erkundung gehen zwischen Werbung und auf Klicks optimierten Inhalten unter
  • Soziale Netzwerke haben sich von Räumen naher zwischenmenschlicher Interaktion in Gefängnisse des Klickwettbewerbs und der Aufmerksamkeitsökonomie verwandelt
  • Auch die Webentwicklung ist von einem Mittel kreativen Ausdrucks zu industrieller Code-Produktion zur Maximierung des Shareholder Value verkommen

Das wiederkehrende Muster technologischer Industrialisierung

  • Am Beispiel der Geschichte des Automobils wird erklärt, wie Technologie anfangs Freiheit erweitert, letztlich aber dazu führt, dass die Gesellschaft der Technologie untergeordnet wird
    • Das Auto brachte Bewegungsfreiheit, schuf am Ende jedoch eine Gesellschaftsstruktur, in der ein Leben ohne Auto kaum möglich ist
  • Unter Bezug auf den Philosophen Ivan Illich und sein Werk Tools for Conviviality wird das Konzept des „radikalen Monopols“ vorgestellt, in dem Technologie den Menschen beherrscht
  • Dasselbe Muster wiederholt sich auch bei der industriellen Revolution, Antibiotika und der Weltraumforschung
    • Nach Produktivitätssteigerungen treten Nebenwirkungen wie Umweltzerstörung, Ausbeutung von Arbeit, zunehmende Resistenzen und Weltraumschrott auf
  • Auch das Web begann mit Offenheit und Interoperabilität, ist heute jedoch durch Kommerzialisierung, Sucht und Desinformation verunreinigt

Convivial Tools und die Neugestaltung des Webs

  • Die von Illich vorgeschlagenen Convivial Tools bezeichnen Technologien, die Autonomie und Kreativität des Menschen stärken
    • Es handelt sich um selbstversorgende, lokal ausgerichtete, arbeitsintensive, aber nachhaltige Werkzeuge, die den freien Einsatz menschlicher Energie unterstützen
  • Das Internet wird als ideale Werkstatt (workshop) dargestellt, um solche Werkzeuge zu entwerfen
  • Ähnlich wie E. F. Schumachers Konzept der Zwischentechnologie zielt dies auf ein kleinteiliges, autonomes technisches Ökosystem statt auf ein großindustrielles System

Das Web, das wir wollen (The Web We Want)

  • Bildung und Lernen: YouTube, TikTok und Medium versprechen Kreativen Einnahmen, nehmen ihnen jedoch Eigentum und Autonomie
    • Als Alternative wird ein direkt besessenes Lernökosystem über Blogs, HTML, RSS und Webmention vorgeschlagen
  • Soziale Verbindungen: Plattformen wie Instagram sorgen dafür, dass die Plattform Inhalte und Beziehungen besitzt
    • Mit POSSE, ActivityPub, microformats und ATProto lässt sich ein eigenes soziales Netzwerk aufbauen
    • Solche Netzwerke sind dezentralisiert, interoperabel und story-zentriert aufgebaut
  • Webentwicklung: Statt wiederholt SaaS zu entwickeln, wird vorgeschlagen, das kreative Potenzial von HTML, CSS und JavaScript wiederzubeleben
    • Durch Fortschritte bei CSS und Browser-APIs wird ausdrucksstarke Webgestaltung möglich

Die Rückkehr persönlicher Websites

  • Wendet man menschenzentrierte Technologieprinzipien auf das Web an, lautet die Antwort: die persönliche Website
    • Als Raum für Handarbeit, direktes Eigentum und kreative Experimente ermöglicht sie die Wiedergewinnung von Autonomie und Identität der Nutzer
  • Fünf praktische Vorschläge zum Aufbau einer persönlichen Website
    1. Klein anfangen, Fehlschläge dokumentieren und daran wachsen
    2. Reibung beim Veröffentlichen minimieren und statt komplexer Frameworks einfaches HTML nutzen
    3. Sich nicht am Design festbeißen, sondern mit Freude experimentieren
    4. Mit IndieWeb-Protokollen sowie brid.gy und Webmention Verbindungen schaffen
    5. Sich an der Community personalsit.es beteiligen und die Werke anderer teilen
  • Solche persönlichen Websites stellen den Kreislauf von Kreativität, Eigentum und Teilen wieder her und werden als Alternative zum industrialisierten Web präsentiert

Fazit: Die Seele des Internets wiederherstellen

  • Dass sich das heutige Internet ermüdend und entfremdend anfühlt, entspricht der Realität,
    und man müsse sich von den „Five Apps of the Apocalypse“ lösen
  • Der Wiederaufbau persönlicher Websites wird als Akt beschrieben, sich das Internet wieder zu eigen zu machen
  • Abschließend werden Solidarität, Freiheit und Menschenrechte betont, und der Text endet mit dem Satz: „fix your heart or die“

Noch keine Kommentare.

Noch keine Kommentare.