- Es wird kritisiert, dass sich das Internet von einem Raum für Kreativität und Gemeinschaft in eine industrialisierte Content-Fabrik verwandelt hat
- Wie bei Autos, Antibiotika und der Raumfahrt hat auch das Web einen Prozess der Industrialisierung und Monopolisierung von Werkzeugen durchlaufen und sich in eine Struktur verwandelt, die menschliche Freiheit einschränkt
- Als Alternative wird vorgeschlagen, das Konzept der „Convivial Tools“ aufzugreifen und persönliche Websites als Mittel zur Wiedergewinnung von Autonomie und Kreativität der Nutzer zu etablieren
- Mithilfe dezentraler Protokolle wie Blogs, RSS, Webmention, IndieWeb und POSSE können Kreative und Lernende Inhalte direkt besitzen und miteinander verknüpfen
- Betont wird, dass jenseits eines von großen Plattformen dominierten Webs die Rückkehr handgemachter persönlicher Websites der Weg ist, die Seele des Internets zurückzugewinnen
Der Verfall und Verlust des Internets
- Das Internet war einst ein Ort der Selbstentdeckung und Gemeinschaft, hat sich heute jedoch in einen Raum der Aufmerksamkeitsausbeutung und algorithmischen Content-Produktion verwandelt
- Nutzer sind in „Feeds“ und „Scrollen“ gefangen und werden statt zu kreativen Ausdrucksformen zu Arbeitern der Content-Produktion degradiert
- Das frühere Web bestand aus einer Vielzahl von Fachblogs und Foren, heute wird es von wenigen großen Plattformen beherrscht
- Lernen und Erkundung gehen zwischen Werbung und auf Klicks optimierten Inhalten unter
- Soziale Netzwerke haben sich von Räumen naher zwischenmenschlicher Interaktion in Gefängnisse des Klickwettbewerbs und der Aufmerksamkeitsökonomie verwandelt
- Auch die Webentwicklung ist von einem Mittel kreativen Ausdrucks zu industrieller Code-Produktion zur Maximierung des Shareholder Value verkommen
Das wiederkehrende Muster technologischer Industrialisierung
- Am Beispiel der Geschichte des Automobils wird erklärt, wie Technologie anfangs Freiheit erweitert, letztlich aber dazu führt, dass die Gesellschaft der Technologie untergeordnet wird
- Das Auto brachte Bewegungsfreiheit, schuf am Ende jedoch eine Gesellschaftsstruktur, in der ein Leben ohne Auto kaum möglich ist
- Unter Bezug auf den Philosophen Ivan Illich und sein Werk Tools for Conviviality wird das Konzept des „radikalen Monopols“ vorgestellt, in dem Technologie den Menschen beherrscht
- Dasselbe Muster wiederholt sich auch bei der industriellen Revolution, Antibiotika und der Weltraumforschung
- Nach Produktivitätssteigerungen treten Nebenwirkungen wie Umweltzerstörung, Ausbeutung von Arbeit, zunehmende Resistenzen und Weltraumschrott auf
- Auch das Web begann mit Offenheit und Interoperabilität, ist heute jedoch durch Kommerzialisierung, Sucht und Desinformation verunreinigt
Convivial Tools und die Neugestaltung des Webs
- Die von Illich vorgeschlagenen Convivial Tools bezeichnen Technologien, die Autonomie und Kreativität des Menschen stärken
- Es handelt sich um selbstversorgende, lokal ausgerichtete, arbeitsintensive, aber nachhaltige Werkzeuge, die den freien Einsatz menschlicher Energie unterstützen
- Das Internet wird als ideale Werkstatt (workshop) dargestellt, um solche Werkzeuge zu entwerfen
- Ähnlich wie E. F. Schumachers Konzept der Zwischentechnologie zielt dies auf ein kleinteiliges, autonomes technisches Ökosystem statt auf ein großindustrielles System
Das Web, das wir wollen (The Web We Want)
- Bildung und Lernen: YouTube, TikTok und Medium versprechen Kreativen Einnahmen, nehmen ihnen jedoch Eigentum und Autonomie
- Als Alternative wird ein direkt besessenes Lernökosystem über Blogs, HTML, RSS und Webmention vorgeschlagen
- Soziale Verbindungen: Plattformen wie Instagram sorgen dafür, dass die Plattform Inhalte und Beziehungen besitzt
- Mit POSSE, ActivityPub, microformats und ATProto lässt sich ein eigenes soziales Netzwerk aufbauen
- Solche Netzwerke sind dezentralisiert, interoperabel und story-zentriert aufgebaut
- Webentwicklung: Statt wiederholt SaaS zu entwickeln, wird vorgeschlagen, das kreative Potenzial von HTML, CSS und JavaScript wiederzubeleben
- Durch Fortschritte bei CSS und Browser-APIs wird ausdrucksstarke Webgestaltung möglich
Die Rückkehr persönlicher Websites
- Wendet man menschenzentrierte Technologieprinzipien auf das Web an, lautet die Antwort: die persönliche Website
- Als Raum für Handarbeit, direktes Eigentum und kreative Experimente ermöglicht sie die Wiedergewinnung von Autonomie und Identität der Nutzer
- Fünf praktische Vorschläge zum Aufbau einer persönlichen Website
- Klein anfangen, Fehlschläge dokumentieren und daran wachsen
- Reibung beim Veröffentlichen minimieren und statt komplexer Frameworks einfaches HTML nutzen
- Sich nicht am Design festbeißen, sondern mit Freude experimentieren
- Mit IndieWeb-Protokollen sowie brid.gy und Webmention Verbindungen schaffen
- Sich an der Community personalsit.es beteiligen und die Werke anderer teilen
- Solche persönlichen Websites stellen den Kreislauf von Kreativität, Eigentum und Teilen wieder her und werden als Alternative zum industrialisierten Web präsentiert
Fazit: Die Seele des Internets wiederherstellen
- Dass sich das heutige Internet ermüdend und entfremdend anfühlt, entspricht der Realität,
und man müsse sich von den „Five Apps of the Apocalypse“ lösen
- Der Wiederaufbau persönlicher Websites wird als Akt beschrieben, sich das Internet wieder zu eigen zu machen
- Abschließend werden Solidarität, Freiheit und Menschenrechte betont, und der Text endet mit dem Satz: „fix your heart or die“
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