- Frühe, founder-getriebene Vertriebserfolge werden leicht mit einem skalierbaren Sales-Prozess verwechselt; ein vorschneller Ausbau des Vertriebsteams birgt das Risiko, nur Kapital zu verbrennen
- Wiederholbarkeit im Sales bedeutet eine vorhersehbare Formel, bei der X Leads zu Y Kunden konvertieren – der Punkt, an dem sich echter Product-Market-Fit (PMF) zeigt
- Bei der Gewinnung der ersten Kunden sollte man statt jeder Gelegenheit hinterherzulaufen 2–3 Kern-Personas priorisieren, um Glaubwürdigkeit, Netzwerkeffekte und präziseres Messaging aufzubauen
- Es ist entscheidend, die Buyer Journey klar in vier Phasen zu definieren – Awareness, Interest, Evaluation und Conversion – und bei jedem Deal rückwirkend zu analysieren, was funktioniert hat
- In der Frühphase ist es für Kapitaleffizienz wichtiger, sich auf Pipeline-Abdeckung und bessere Conversion Rates zu konzentrieren als auf den Ausbau des Vertriebsteams
- Im Kern geht es im Bereich von 0 bis 5 Mio. $ nicht um Optimierung, sondern um die Validierung von Skalierbarkeit durch Geschwindigkeit und Lernen
Der Ausgangspunkt für wiederholbaren Sales
- Nach den ersten gewonnenen Kunden scheitert die einfache Rechnung „Wenn wir mehr Sales-Leute einstellen, steigt der Umsatz“ häufig
- Skalierung ohne Wiederholbarkeit führt zu einer Struktur, die nur den Burn Rate erhöht
- Eine kleine Zahl von Erfolgen hängt in Wirklichkeit oft von Zufall, persönlichen Netzwerken oder Sondersituationen ab
Das Framework für Wiederholbarkeit: 4 Schritte von Chaos zu einem systematischen System
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Schritt 1: Fokus auf die Kernzielgruppe (Beachhead)
- Wer ein horizontales Tool verkauft, kann es zwar theoretisch an alle verkaufen, muss aber festlegen, welche Kunden bewusst nicht bedient werden
- Entscheidend ist, aus allen hochinteressierten Leads nur 2–3 Personas auszuwählen und sich auf sie zu konzentrieren
- Vorteile eines engen Fokus
- Aufbau von Glaubwürdigkeit: tiefere Expertise zu bestimmten Käufern und ihren Problemen
- Aktivierung von Netzwerkeffekten: Käufer kennen sich gegenseitig, wodurch Intro- und Referral-Effekte leichter entstehen
- Präziseres Messaging: Inhalte, Marketing und Case Studies lassen sich auf eine konkrete Buyer Persona zuschneiden
- Schnellere Experimente: A/B-Tests für Outbound-Nachrichten lassen sich innerhalb weniger Wochen abschließen
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Schritt 2: Funnel-Phasen für eine gute Customer Journey definieren
- Die Buyer Journey wird in 4 Phasen unterteilt
- Awareness: Wie ein potenzieller Kunde das Produkt zum ersten Mal entdeckt
- Interest: Was leichtes Interesse in echte Neugier verwandelt
- Evaluation: Wie ein Interessent zu einem ernsthaften Käufer wird
- Conversion: Der letzte Faktor, der Zögern in eine Entscheidung verwandelt
- Frühe Deals verlaufen oft im Zickzack, aber genau in diesem Chaos muss man den geradlinigeren Pfad nachzeichnen
- Jeder Erfolg ist eine Lektion: Notwendig ist eine Rückanalyse, die Elemente trennt, die den Deal vorangebracht haben, von bloßem Rauschen
- Die 6 Kernfragen, die Marta Bralic Kerns von Pomelo Care bei jedem Deal stellt
- Welche Botschaft hat funktioniert
- Wer sind die unverzichtbaren Teilnehmer
- Was ist die ideale Reihenfolge von Meetings
- Wie hält man das Momentum zwischen den Touchpoints aufrecht
- Welche Deal-Bedingungen sind am wichtigsten
- Wo zieht man konsequent eine klare Grenze
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Schritt 3: Funnel-Metriken aufbauen
- Funnel-Conversion-Raten liefern mindestens 50 % der nötigen Informationen und zeigen Schwachstellen im Sales-Prozess präzise auf
- Wiederholbarkeit zu erreichen heißt, die problematischste Stelle zu finden und schnell zu korrigieren
- Zu verfolgende Basis-Metriken
- Meetings set: Anzahl vereinbarter Erstgespräche
- Meetings Executed: Anzahl tatsächlich durchgeführter Erstgespräche (in Opportunities umgewandelt)
- Opportunities Qualified: Anzahl qualifizierter Opportunities, die zum ICP passen
- (Optional) Trial/Pilot Kickoff: Anzahl gestarteter Trials oder Pilotphasen
- Closed-Won: Anzahl gewonnener Deals
- Nach Definition der Funnel-Phasen lässt sich ein Forecast-Modell aufbauen, das aktuelle (oder erwartete) Conversion Rates, durchschnittliche Sales-Zyklen und durchschnittliche Vertragswerte berücksichtigt
- Empfohlen wird die Nutzung des von Emery Rosansky von First Round geteilten Waterfall-Forecast-Templates
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Schritt 4: Die Magie des Founders übersetzen
- Founder verfügen dank ihrer Überzeugung und Begeisterung für das Produkt über eine verborgene Sales-Superpower, mit der sie Deals abschließen
- Wenn aber jeder Deal vom Founder abhängt, lässt sich kein skalierbarer Sales-Motion aufbauen
- Frühe Sales-Hires sollten nicht einfach die Worte des Founders nachsprechen, sondern entschlüsseln, welche Elemente tatsächlich wirksam waren
- Sam Taylor: "Man kommt ziemlich weit, wenn man die Vision des Founders und das Warum klar ausdrücken kann"
- Die Lektion von Mike Molinet
- Bei Branch konnte er den Vertrieb nicht loslassen und dachte: "Niemand kann unsere Geschichte so erzählen wie ich"
- Dadurch wurden letztlich größere Chancen verpasst
- Man braucht den Maßstab: Bin ich in der einzigen Position, diese Aufgabe zu erledigen, oder kann jemand anders dasselbe Ergebnis erzielen?
- Die Founder-Karte sollte strategisch eingesetzt werden: nur dann selbst anrufen, wenn es eine persönliche Verbindung zum CRO gibt; Org-Mapping, Pitch Decks und Cold Outreach hingegen delegieren
Drei Fehler, die Wiederholbarkeit zerstören – und wie man sie behebt
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Fehler #1: Die Einstellungsfalle
- Mehr Vertriebsmitarbeiter führen nicht automatisch zu Wachstum und können sogar kontraproduktiv sein
- Einige Investoren drücken ein Spreadsheet mit der Logik durch: "Stellt einfach 10 Leute mehr ein, um das Ziel zu erreichen" – aber das ist der falsche Ansatz
- Kapitaleffizienz entsteht durch Vertriebsmitarbeiter mit höheren Conversion Rates
- "Ich denke erst dann über zusätzliche Einstellungen nach, wenn die Sales-Leute schreien, weil sie die Leads nicht mehr bewältigen können" – Michael Loiacono
- Wenn das Vertriebsteam von Leads überflutet wird, spürt das ganze Unternehmen das Momentum und erkennt Marktpatterns schneller
- Ein kleines, aber ausgelastetes Sales-Team ist immer besser als ein großes, aber unterbeschäftigtes Team
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Fehler #2: Verwechslung von „mein Problem“ und „Problem des Kunden“
- Wenn ein Deal stark startet und dann im Sande verläuft, muss man unterscheiden, ob es ein ICP-Problem oder ein Überzeugungsproblem ist
- Die Diagnosemethode von Peter Kazanjy
- Wenn man den potenziellen Kunden nicht davon überzeugen kann, dass er ein lösenswertes Problem hat, ist es ein ICP-Problem (man spricht mit den falschen Leuten)
- Wenn sie den Schmerz klar spüren und ihn im Discovery Call anerkennen, aber trotzdem nicht kaufen, ist es ein Überzeugungsproblem
- "Wenn sie in den Funnel kommen, aber die Win Rate das Problem ist, deutet das auf ein Narrative-Problem hin"
- Ein Sales Deck sollte so strukturiert sein, dass es die nächsten Fragen beantwortet
- Welches Problem wird gelöst
- Wer hat dieses Problem
- Was kostet dieses Problem
- Welche bestehenden Lösungen gibt es und wo liegen ihre Grenzen
- Welche Veränderung hat die neue Lösung möglich gemacht
- Wie funktioniert sie
- Welche qualitativen oder quantitativen Belege zeigen, dass sie die überlegene Lösung ist
- Was kostet sie
- Erklärung der einzelnen Schritte am Beispiel von TalentBin
- Problem: Schwierige Rekrutierung von Technical Talent, insbesondere das Finden und Kontaktieren von Softwareingenieuren mit relevanten Skills
- Zielgruppe: Recruiter mit offenen Stellen und ihre Manager
- Kosten: Recruiter können keine Zeit verschwenden; gefragte Kandidaten werden schnell eingestellt, und langsame Prozesse bedeuten Umsatzverluste
- Bestehende Lösung: LinkedIn; TalentBin präsentiert 5-mal mehr Kandidaten als LinkedIn Recruiter
- Veränderung: LinkedIn hat Recruitern Zugang zu einer viel größeren Datenbank potenzieller Mitarbeiter verschafft als früher
- Funktionsweise: TalentBin ist eine Lebenslaufdatenbank ähnlich der LinkedIn-Suche, nutzt aber professionelle Online-Aktivitäten, um auch Kandidaten zu finden, die nicht aktiv auf Jobsuche sind
- Belege: Cost per Hire, Qualität der Einstellungen, Zeit bis zur Besetzung einer Position
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Fehler #3: Sich auf Optimierung versteifen, obwohl Maximierung gefragt ist
- In der 0-zu-1-Phase ist es zu früh, über die Optimierung von Sales-Kompensation zu diskutieren
- Das frühe 10-köpfige Sales-Team von Stripe arbeitete ohne variable Vergütung
- Es wird empfohlen, ein provisionsbasiertes Vergütungsmodell zurückzustellen, bis eine vernünftige Sicherheit besteht, dass frühe Sales-Hires ihr Ziel erreichen können
- Starten sollte man mit Grundgehalt, Equity und potenziellen discretionary Bonuses und quartalsweise anhand virtueller Ziele prüfen
- Wenn die Ergebnisse bei 10 % oder 500 % des Ziels liegen, muss die Rechnung angepasst werden
- Mike Molinet: "In der Skalierungsphase ist Optimierung wichtig, aber früh geht es darum, wie man schneller mehr Kunden gewinnt"
- "Ich sehe viel zu oft, dass frühe Founder – besonders beim ersten Startup – sich auf Optimierung statt auf Maximierung konzentrieren"
- Da Wachstum die meisten Probleme löst, sollte der Fokus auf der Geschwindigkeit bis zu 5 Mio. $ liegen
Die Kernaussage
- Der echte Wendepunkt im frühen Sales ist nicht die erste Vertriebseinstellung oder ein großer Enterprise-Deal, sondern der Moment, in dem man jeden Sales nicht mehr als einzelnes Epos, sondern als wiederkehrendes Muster zu sehen beginnt
- Wenn Leads den Kontakt abbrechen, sich gegen den Preis sträuben oder eine Demo schiefläuft, sollte man das als Chance nutzen, gemeinsame Muster zu erkennen und daraus zu lernen
- Im Early-Stage-Sales gibt es keine Perfektion, aber es gibt bessere Wege
- Nicht Perfektion, sondern schrittweise Verbesserung und der Aufbau von Wiederholbarkeit ist der zentrale Weg zu 5 Mio. $
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