- Es wurde bekannt, dass sich einige Schwärzungen in den vom US-Justizministerium veröffentlichten Dokumenten zum Fall Jeffrey Epstein durch Photoshop-Bearbeitung oder einfaches Kopieren von Text leicht aufheben lassen
- Die zuvor verdeckten Inhalte umfassen Förderung und Vertuschung des sexuellen Missbrauchs von Kindern, Zahlungsaufstellungen sowie Anweisungen zur Vernichtung von Beweismitteln
- Besonders in Unterlagen aus der Zivilklage der Jungferninseln gegen Darren Indyke und Richard Kahn wurde offengelegt, dass Indyke zwischen 2015 und 2019 mehr als 400.000 US-Dollar an weibliche Models zahlte
- Die Dokumente enthalten außerdem Immobilientransaktionen, bei denen Steuerzahlungen nicht in den Finanzberichten auftauchten; ob dies mit den Vorgaben des Epstein Files Transparency Act des Justizministeriums vereinbar ist, bleibt unklar
- Die Enthüllung wirft Fragen zur Dokumentensicherheit des Justizministeriums und zur Angemessenheit seiner Geheimhaltungsstandards auf
Entdeckung der aufgehobenen Schwärzungen
- Es wurde bestätigt, dass sich einige Schwärzungen in den vom US-Justizministerium veröffentlichten Dokumenten zu Jeffrey Epstein allein durch Photoshop-Bearbeitung oder das Kopieren von Text entfernen lassen
- Dadurch verbreitete sich der zuvor geschwärzte Originaltext seit Montagabend über soziale Medien
- Bei den betreffenden Unterlagen handelt es sich um Beweismaterial aus der Zivilklage der Regierung der Jungferninseln gegen Indyke und Kahn, das beschreibt, wie Epstein und sein Umfeld sexuellen Missbrauch von Kindern förderten und vertuschten
Wichtigste offengelegte Inhalte
- In Abschnitt 85 des Dokuments steht, dass Indyke von September 2015 bis Juni 2019 mehr als 400.000 US-Dollar an weibliche Models und Schauspielerinnen zahlte
- Ein Model russischer Herkunft erhielt demnach dreieinhalb Jahre lang monatlich 8.333 US-Dollar, insgesamt mehr als 380.000 US-Dollar
- In einem weiteren geschwärzten Teil wird erwähnt, dass die Beklagten Zeugen hohe Geldbeträge zahlten und Anwaltskosten übernahmen, um Prostitution und Missbrauch zu vertuschen
- Laut den Unterlagen verhinderte Epstein das Bekanntwerden seiner Verbrechen durch Drohungen gegen Opfer oder die Verbreitung verleumderischer Artikel sowie durch Anweisungen zur Vernichtung von Beweismitteln
Offengelegte Inhalte zu Finanzfragen
- In den Abschnitten 184 bis 192 des Dokuments finden sich Angaben zu von Epstein gegründeten Firmen, darunter Grundsteuerzahlungen für Immobilien, die in den Finanzberichten nicht auftauchten
- So meldete die Firma Cypress Ende 2018 lediglich 18.824 US-Dollar an Bargeld als Vermögen, zahlte im selben Jahr jedoch 106.394,60 US-Dollar Grundsteuer für eine Immobilie in Santa Fe
- Auch 2017 wurden in ähnlicher Weise 55.770,41 US-Dollar und 113.679,56 US-Dollar an Steuern gezahlt, während in den Finanzberichten nur 29.736 US-Dollar an Bargeld und 150 US-Dollar an Ausgaben verzeichnet waren
Rechtlicher Hintergrund und weitere Schritte
- Die Staatsanwaltschaft der Jungferninseln einigte sich 2022 in der Zivilklage wegen Menschenhandels zum Zweck sexueller Ausbeutung mit der Epstein-Stiftung sowie Indyke und Kahn auf 105 Millionen US-Dollar und die Hälfte des Verkaufserlöses von Little Saint James Island
- Das Vergleichsdokument enthält kein Schuldeingeständnis
- Gegen Indyke wurde auf Bundesebene keine Anklage erhoben; 2022 wurde er von der Parlatore Law Group eingestellt
- Die Kanzlei vertritt Verteidigungsminister Pete Hegseth und hatte zuvor Donald Trump im Fall der Geheimdokumente verteidigt
- Indyke und die Kanzlei reagierten nicht auf Presseanfragen nach einer Stellungnahme
Reaktion des Justizministeriums und offene Fragen
- Der kürzlich verabschiedete Epstein Files Transparency Act erlaubt es dem Justizministerium, persönliche Daten von Opfern oder Informationen zu laufenden Ermittlungen zurückzuhalten
- Ob die nun offengelegten immobilienbezogenen Unterlagen unter diese Kriterien fallen, ist jedoch unklar; eine Antwort des Justizministeriums auf entsprechende Nachfragen liegt bislang nicht vor
Bedeutung des Falls
- Eine einfache technische Schwachstelle bei PDF-Schwärzungen führte zum Abfluss sensibler Informationen über Sexualstraftaten
- Damit werden Fragen zur Zuverlässigkeit der Sicherheitsmaßnahmen für öffentliche Dokumente und der rechtlichen Geheimhaltungskriterien aufgeworfen
- Es ist möglich, dass die Debatte über das Gleichgewicht zwischen Transparenz im Fall Epstein und dem Schutz der Opfer erneut aufflammt
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