1 Punkte von GN⁺ 2025-12-04 | 1 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • Aufgrund der verzerrten Struktur der US-Gesundheitskosten und des Versicherungsmarkts ist es Realität, dass Selbstständige und Kleinunternehmer bei einer Geburt mehr als 40.000 US-Dollar bezahlen müssen
  • Der Autor verzeichnet bei drei Geburten jeweils 30.000 bis 40.000 US-Dollar an Bargeldausgaben, was das Ergebnis kumulierter Versicherungsprämien, Selbstbehalte und nicht erstattungsfähiger Leistungen ist
  • Der Zugang zu Versicherung über TriNet kostet monatlich 1.250 US-Dollar, wodurch sich die tatsächlichen jährlichen medizinischen Ausgaben auf rund 55.000 US-Dollar erhöhen
  • Der Versicherungsmarkt ist auf Großunternehmen und Geringverdiener zugeschnitten, sodass Selbstständige der Mittelschicht kaum Optionen haben, die für Schwangerschaft und Familienerhalt geeigneten Policen zu finden
  • Diese Struktur macht Fortpflanzung selbst ökonomisch unmöglich und wird als gesellschaftliche Krise beschrieben, die die Zukunftsfähigkeit der USA bedroht

Diskrepanz zwischen Gesundheitskosten und Armutsgrenze

  • Der Artikel zitiert Michael Green und erklärt, dass die tatsächliche Armutsgrenze heute bei rund 140.000 US-Dollar liegt
    • Die traditionelle Armutsgrenze, die auf dem 1963er Anteil der Ernährungsausgaben basiert und diesen auf das Dreifache hochrechnet, trifft die heutige Realität nicht mehr
    • Heute machen Nahrungsmittel nur etwa 5–7 % der Haushaltsausgaben aus, während Miete, Gesundheitskosten und Kinderbetreuung jeweils 20–40 % ausmachen
    • Mit derselben Logik müsste die Armutsgrenze nicht um das 3-fache, sondern um das 16-fache angepasst werden
  • Der Artikel betont, dass diese Zahl keine bloße angemessene Lebenshaltungskosten, sondern eine Krisenschwelle ist

Persönliche Kostenstruktur bei Geburten

  • Bei drei Geburten entstanden real 30.000 US-Dollar, 35.000 US-Dollar und 40.000 US-Dollar an Ausgaben
  • Als Selbstständiger fallen jährlich 25.680 US-Dollar an Prämien und 14.300 US-Dollar Selbstbehalt an
    • Zusammen 39.980 US-Dollar, mit eingeschlossenen nicht erstatteten geburtsspezifischen Positionen also mehr als 40.000 US-Dollar
  • Für 2026 sind Versicherungsprämien auf 2.433 US-Dollar pro Monat geplant, was die Gesamtkosten auf 43.496 US-Dollar (+8,8 %) ansteigen lässt
  • Im Jahr 2021 lag die Prämie bei 1.850 US-Dollar pro Monat; sie ist seitdem stetig gestiegen und inzwischen sogar teurer als ein Hypothekenkredit

PEO- (Professional Employer Organization-)Kosten und Grenzen des Marktes

  • Für den Versicherungszugang über TriNet ist ein Zusatzaufwand von 1.250 US-Dollar pro Monat erforderlich
    • Dadurch steigen die tatsächlichen jährlichen medizinischen Ausgaben auf etwa 55.000 US-Dollar
  • Der reguläre Versicherungsmarkt lässt sich in drei Kategorien einteilen
    • für Beschäftigte großer Unternehmen
    • für gesunde Einzelpersonen (Obamacare usw.)
    • für Zuschüsse an Niedrigeinkommenshaushalte (Medicaid usw.)
  • Selbstständige fallen in keine dieser drei Gruppen und haben es schwer, eine Police zu finden, die Schwangerschaften unterstützt
  • Versicherer können Schwangerschaft nicht ausdrücklich ablehnen, weichen aber aus, indem sie geburtsspezifische Leistungen nicht decken

Fehlen von Wahlmöglichkeiten und ökonomische Beschränkungen

  • Als Optionen werden fünf Alternativen genannt
    • Beibehaltung einer teuren PPO
    • Kündigung der Versicherung, danach Verhandlung auf Barbasis sowie Nutzung von CrowdHealth
    • Umstieg auf HMO/EPO und Wechsel zu einer anderen Ärztin bzw. einem anderen Arzt
    • Anstellung des Ehepartners/der Ehepartnerin bei einem Großunternehmen
    • Aufgabe des eigenen Geschäfts und spätere Festanstellung
  • Realistisch bleibt praktisch nur die erste Option, während jährlich 10 bis 30 Stunden in Versicherungsvergleiche und Verhandlungen investiert werden müssen
  • Hohe Gesundheitskosten führen dazu, dass auf Neueinstellungen verzichtet wird, mit wirtschaftlichen Folgewirkungen
    • Beispiel: Beschäftigte mit Gehältern zwischen 40.000 und 100.000 US-Dollar werden nicht eingestellt

Soziale Ungleichgewichte und Reproduktionskrise

  • Der Gesundheitsversicherungsmarkt verlagert den Wohlstand der jungen, produktiven Generation auf ältere Altersgruppen
  • In Ermangelung realer Alternativen fühlt man sich als „Teilnehmer am Markt, der faktisch ausgebeutet wird“
  • Eine gesellschaftliche Logik wie „Kannst du kein Kind bekommen, dann brauchst du es eben nicht zu tun“ führt zu politischer Radikalisierung und Misstrauen gegenüber dem System
  • Ökonomen mögen mit Statistiken behaupten, „alle kommen gut durch die Zeit“, doch die Lücke zu den Erfahrungen im Alltag ist groß
  • Fazit: Eine Gesellschaft, in der Vermehrung nicht möglich ist, ist eine Gesellschaft, die ihre Zukunft aufgibt, während Einzelne weiterhin kämpfen müssen, um Familie und Unternehmen zu erhalten

1 Kommentare

 
GN⁺ 2025-12-04
Hacker-News-Kommentare
  • Es wird auf die einschlägige Studie Car Seats as Contraception verwiesen
    Laut der Studie retteten Gesetze zur Pflicht von Kindersitzen im Jahr 2017 das Leben von 57 Kindern, reduzierten aber im selben Jahr die Zahl der Geburten um 8.000 und führten seit 1980 insgesamt zu 145.000 weniger Geburten.

    • Car seats as contraception“ ist in Wahrheit wohl eher ein Beispiel für das Problem „busybodies as contraception“.
      Gemeint ist das Phänomen, dass Menschen, die selbst kaum von einem Problem betroffen sind, sich in das Leben anderer einmischen und der gesamten Gesellschaft Prioritäten aufzwingen, die kaum tragbar sind.
      Solche Eingriffe wirken sich nicht nur negativ auf Geburten, sondern auf die gesamte Wirtschaft aus.
    • Nicht der Kindersitz, sondern das Auto selbst fungiert hier als Verhütungsmittel.
    • Auch der Autor des Beitrags wollte dieses Thema ursprünglich aufnehmen, ließ es dann aber weg, um sich auf das Problem der Gesundheitskosten zu konzentrieren.
  • Es ist etwas irreführend, die gesamten Versicherungsprämien als Geburtskosten zu verbuchen.
    Die Prämien muss man schließlich auch ohne Kind zahlen, allerdings ist eine Familienversicherung tatsächlich viel zu teuer.
    Auch in meinem Fall übernimmt der Arbeitgeber einen Teil, trotzdem bleibt es belastend.

    • Wenn man als vierköpfige Familie aber 40.000 Dollar zahlen muss, bevor die Versicherung überhaupt greift, ist das völlig unrealistisch.
      Gerade Selbstständige haben oft so hohe Selbstbehalte, dass sie von der Versicherung in der Praxis kaum profitieren.
    • Ich hatte denselben Gedanken. Wenn man sich diese Struktur ansieht, wirkt etwas wie Medicare for All wie eine notwendige universelle Lösung.
      Es ist falsch, Prämien nur als Geburtskosten zu betrachten. Jeder kann krank werden, und genau dafür gibt es Versicherungen.
    • Ich behalte diese Versicherung, weil ich vorhabe, Kinder zu bekommen. Es ist also eine Entscheidung mit Blick auf eine Geburt.
    • Beim OP mit weniger als 50 Beschäftigten wäre ein Wechsel auf den ACA- (Obamacare-)Marktplatz vermutlich sinnvoller.
      Der ACA schreibt wesentliche Leistungen einschließlich Geburt vor und begrenzt die maximale Eigenbeteiligung auf 18.400 Dollar.
      Letztlich ist Versicherung ein System, das man verstehen und innerhalb dessen man „optimieren“ muss.
    • Die Formulierung „die Firma zahlt das“ ist eine Illusion. Letztlich kommt die Versicherungsprämie aus dem Gehalt.
  • Heutige Versicherungen sind im traditionellen Sinn gar keine echten „Versicherungen“ mehr.
    Es entsteht die paradoxe Struktur, dass die Gesundheitskosten gerade dann steigen, je stärker der Staat bezuschusst.
    Ähnlich wie bei Studiengebühren erhöhen Krankenhäuser die Preise, wenn der Staat Geld zuschießt.
    Eine einzelne Lösung gibt es nicht, aber es braucht einen breiten Ansatz, etwa mehr Ärzte oder eine gesündere Bevölkerung.

    • Ich glaube allerdings nicht, dass die Prämien sinken würden, wenn man die staatlichen Zuschüsse abschafft.
      Eher ist die Gewinnlogik privater Versicherer das Problem. Wenn der Staat als Einheitsversicherer Verhandlungsmacht hätte, könnte er die Preise senken.
      Eine öffentlich geprägte Gesundheitsversorgung wäre letztlich effizienter.
    • Es wäre gut, Gesundheitskosten wie in einem Markt offen sichtbar zu machen.
      Anstatt dass Versicherer Krankenhäuser vorgeben, sollten Krankenhäuser ihre Preise transparent veröffentlichen, damit Verbraucher wirklich wählen können.
    • Problematisch sind die Certificate-of-Need-Gesetze, die verhindern, dass in der Nähe neue Krankenhäuser entstehen.
      Sie wurden bereits in mehreren Bundesstaaten abgeschafft; es gibt Hinweise, dass dadurch der Zugang zur Versorgung besser und die Kosten geringer wurden.
      Außerdem begrenzt die GME-Budgetdeckelung von Bill Clinton aus dem Jahr 1997 die Zahl der Ärzte und blockiert damit das Angebot.
    • Alternative Modelle wie Christian healthcare sharer senken Kosten, indem sie nur bestimmte Bevölkerungsgruppen einschließen.
      Es gibt auch den Barzahlungs-Trick, bei dem man vom Krankenhaus bei Barzahlung eine Rechnung bekommen kann, die zehnmal günstiger ist.
    • Der Großteil der Gesundheitskosten entfällt auf die letzten Lebensjahre.
      Präventivmedizin ist wichtig, aber ihr kostensenkender Effekt ist nicht so groß, wie oft erwartet wird.
  • Schon der Ausdruck „Healthcare market“ trifft den Kern des Problems.
    Gesundheitsversorgung sollte kein Markt sein. Deshalb zahlen wir 40.000 Dollar.

    • Ich sehe das eher umgekehrt. Das US-Gesundheitssystem ist gerade deshalb schlecht, weil es nicht wie ein Markt funktioniert.
      Preisvergleiche sind unmöglich, und je nachdem, ob man versichert ist oder nicht, gelten andere Preise.
    • Aus ökonomischer Sicht ist Gesundheitsversorgung ein unelastisches Gut; die Nachfrage bleibt unabhängig vom Angebot bestehen.
      Nahrung und Gesundheitsversorgung sind keine Wahl, sondern lebensnotwendige Güter, daher passt Marktlogik hier schlecht.
    • Eine Schwangerschaft ist keine Krankheit. Krankenhäuser sind für Kranke da.
      Gesunde Frauen für Geburten in ein krankenhauszentriertes System zu drängen, ist ineffizient und unmenschlich.
  • In Deutschland kosteten bei mir ein Kaiserschnitt und drei Tage Krankenhausaufenthalt etwa 5.000 Euro, vollständig von der Versicherung übernommen.
    Selbst jetzt mit gesetzlicher Krankenversicherung fühlt es sich immer noch deutlich besser an als bei meinem Vater in den USA mit Medicare plus Zusatzversicherung.
    Deutschland hält die Preise durch Wettbewerb zwischen gesetzlicher und privater Versicherung in Schach.
    Außerdem besitzen Versicherer weder Krankenhäuser noch Apotheken.

  • Es gibt sogar die radikale These, das Gesundheitssystem sei so korrupt und außer Kontrolle, dass normale Menschen seine Nutzung komplett einstellen müssten.
    Die Logik dahinter: Wenn wir es nicht mehr konsumieren, können sie auch kein Geld mehr damit verdienen.

    • Ich habe mit meiner Frau auch schon über alternative Modelle wie CrowdHealth nachgedacht.
    • Viele Menschen reduzieren ihre Inanspruchnahme medizinischer Leistungen bereits.
      Aber wenn man krank wird, muss man am Ende doch ins Krankenhaus.
    • Der zynische Spruch „Wenn es zu teuer ist, stirb halt“ ist nicht realistisch.
      Bei Unfällen oder Notfällen gibt es keine Wahl.
      Eher müsste man das System durch kollektives Handeln reparieren.
  • Zusammengefasst zahlst du die Versicherungsprämien nicht nur für die Geburt, sondern für den Gesundheitsschutz der ganzen Familie.
    Du gehörst allerdings zu den Besserverdienenden und bekommst deshalb keine Zuschüsse, sodass du den vollen Betrag selbst tragen musst.

    • Aber warum erzielen andere Länder mit geringeren Kosten bessere Ergebnisse?
      Die USA sind nicht die einzige Ausnahme. Das Problem ist die überzogene Gewinnstruktur von Unternehmen und eine Politik, die das zulässt.
    • Die Gesundheitskosten in den USA sind künstlich aufgeblähte Preise.
      Es gibt etwa Fälle, in denen 1.000 Dollar für Hautkontakt mit dem Neugeborenen berechnet werden.
    • Die Säuglingssterblichkeit in den USA gehört zu den schlechtesten Werten unter den Industrieländern.
      Die Behauptung, die Qualität der Versorgung sei hoch, hält statistisch nicht stand.
    • Der Ausdruck „hochwertige Versicherung“ entspricht inzwischen schlicht nicht mehr der Realität.
      Wer einmal eine Familienversicherung genutzt hat, kennt diese Wirklichkeit gut.
  • Viele Länder setzen zur Förderung von Geburten auf finanzielle Anreize,
    aber ein System wie in den USA, in dem die Hälfte eines mittleren Einkommens an Versicherer fließt, ist nicht nachhaltig.

    • Wenn Führungspersonen eine Kultur fördern, die Familie und Geburt als lästige Angelegenheiten betrachtet, verbreitet sich diese Sichtweise in der ganzen Gesellschaft.
  • Rund 40 % der US-Bevölkerung sind über Medicare oder Medicaid abgesichert.
    Letztlich tragen die übrigen 60 % diese Last.

    • Mit dem Geld, das der Staat schon jetzt für diese 40 % ausgibt, wäre aber auch eine Gesundheitsversorgung für alle möglich.
      Andere Länder machen das bereits so.
    • In Australien sind alle Bürger über Medicare abgesichert, und alle tragen die Kosten über Steuern gemeinsam.
    • Auch die heute Gesunden werden irgendwann auf die Seite der Geschützten wechseln.
    • Es gibt viele Menschen, die über Sozialsysteme schimpfen, aber kaum jemanden, der sich bewusst für das entsprechende Leben entscheidet.
  • Dieser Beitrag wirkt eher wie Clickbait.
    Die Kosten wurden aufgebläht, indem man die Versicherungsprämien als Geburtskosten mit eingerechnet hat.

    • Die tatsächliche Rechnung lautet 25.680 Dollar Versicherungsprämien + 14.300 Dollar Selbstbehalt = rund 40.000 Dollar.
      Auch in Europa zahlt man in Form von Steuern ähnliche Beträge, die Struktur ist aber eine andere.
    • Nur weil es in diesem Jahr keinen Autounfall gab, wurden sämtliche Kosten der Geburt zugerechnet.
      Ohne Versicherung wäre es viel teurer gewesen.
    • Letztlich wären die Gesamtkosten ohne Versicherung gleich hoch oder noch höher gewesen.