- Laut internen Dokumenten des US-Heimatschutzministeriums (DHS) können Nutzer der Gesichtserkennungs-App „Mobile Fortify“ der Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) einen Gesichtsscan nicht verweigern
- Die App wird zur Überprüfung der Identität und des Einwanderungsstatus einer Person verwendet; aufgenommene Gesichtsfotos werden für alle Personen, einschließlich US-Bürgern, 15 Jahre lang gespeichert
- Das Dokument erläutert detailliert die technische Architektur von Mobile Fortify, die Datenverarbeitung und -speicherung sowie die Begründung des DHS für den Einsatz
- 404 Media berichtete zuvor, dass ICE und die Zoll- und Grenzschutzbehörde (CBP) auf der Straße Gesichter von Menschen scannen, um die Staatsbürgerschaft zu überprüfen
- Die zunehmende Verbreitung von Gesichtserkennungstechnologie in Behörden und die langfristige Datenspeicherung werden zu wichtigen Fragen des Datenschutzes
Inhalt interner DHS-Dokumente zu ICEs Gesichtserkennungs-App „Mobile Fortify“
- ICE schreibt vor, dass Nutzer einen Gesichtsscan nicht verweigern können
- Die App ist zur Überprüfung der Identität und des Einwanderungsstatus einer Person konzipiert
- Laut internen DHS-Dokumenten ist ein Scan über diese App nicht optional
- Aufgenommene Gesichtsfotos werden 15 Jahre lang gespeichert
- Davon sind auch US-Bürger betroffen
- Im Dokument wird ausdrücklich festgehalten, dass dieselbe Aufbewahrungsfrist unabhängig vom Einwanderungsstatus oder der Staatsbürgerschaft gilt
Technische Details von Mobile Fortify
- Das Dokument beschreibt die technische Struktur der App und die Verfahren zur Datenverarbeitung
- Enthalten sind Details dazu, wie die erfassten Daten gespeichert und verarbeitet werden
- Außerdem wird dargestellt, warum das DHS diese Technologie einsetzt und wie es sie rechtfertigt
- Die App ist ein identitätsprüfendes System auf Basis von Gesichtserkennung und wird bei Einsätzen von ICE vor Ort verwendet
Zugehörige Berichterstattung und Kontext
- 404 Media berichtete zuvor, dass Beamte von ICE und CBP auf der Straße die Gesichter von Menschen scannen, um deren Staatsbürgerschaft zu überprüfen
- Der Bericht basierte auf Material, das über Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz (FOIA) beschafft wurde
- Das aktuelle Dokument liefert zusätzliche Informationen zur Funktionsweise von Mobile Fortify und zur Richtlinie zur Datenspeicherung
Datenspeicherung und Datenschutzfragen
- Die 15-jährige Speicherung von Gesichtsdaten ist aus Datenschutzsicht umstritten
- Das Dokument enthält keine konkreten Angaben zur Löschung der Daten oder zu Zugriffsbeschränkungen
- Das DHS legte zwar eine Begründung für den Einsatz von Gesichtserkennungstechnologie vor, doch das Fehlen eines Verfahrens zur Einwilligung der Betroffenen wird als Problem benannt
Zweck der Veröffentlichung durch 404 Media
- Der Bericht basiert auf Unterlagen, die über Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz beschafft wurden
- 404 Media stellt ihn als kostenlos zugänglichen Artikel im öffentlichen Interesse bereit
- Unter Hinweis auf die Kosten von FOIA-Recherchen bittet 404 Media um Unterstützung und Abonnements durch Leser
1 Kommentare
Hacker-News-Kommentare
Offenbar betrachtet ICE die biometrischen Ergebnisse der App Mobile Fortify als „maßgeblich“ und kann sogar Nachweise der Staatsbürgerschaft wie Geburtsurkunden ignorieren.
Am Ende ist das nur ein Werkzeug zur Verantwortungsabwälzung nach dem Motto: „Der Computer sagt nein.“ Die App dient lediglich dazu, etwas zu legitimieren, was ohnehin schon getan wurde.
Wie zahlreiche Videos zeigen, reagiert ICE inzwischen noch gewalttätiger, wenn Menschen auf ihren Rechten bestehen.
Die Beamten verweigern die Offenlegung ihrer Identität und unterlassen sogar die gesetzlich vorgeschriebene Selbstidentifikation. De facto verhalten sie sich wie eine vom Staat unterstützte Terrorgruppe.
Wegen des fragmentierten Identitätssystems in den USA dürfte so eine App enorme Probleme verursachen.
Wer wie ich eine komplexe Staatsbürgerschaftshistorie hat, läuft Gefahr, verwaiste Datensätze in Datenbanken zu haben. Wenn solche Einträge falsch zugeordnet werden, kann selbst ein Reisepass ignoriert werden.
Entscheidend ist, dass Mobile Fortify die aufgenommenen Fotos 15 Jahre lang speichert.
Letztlich läuft das auf den Aufbau einer landesweiten biometrischen Datenbank hinaus, unabhängig davon, ob jemand Bürger ist oder nicht. Es ist gut möglich, dass diese Daten an andere Behörden oder Unternehmen verkauft werden.
Gesichtserkennung hat besonders bei Menschen mit dunklerer Hautfarbe hohe Fehlerquoten, und eine falsche Einstufung kann ein Leben verändern.
Je älter ich werde, desto weniger mag ich Filme über Selbstjustiz.
Die Botschaft, dass Macht Recht schafft, hat letztlich zur heutigen Legitimierung grenzenloser Gewalt beigetragen. Strafverfolgungsbehörden sollten ein höheres Maß an Rechenschaftspflicht haben. Bürger sollten sich lokalpolitisch engagieren und auf Grundlage substanzieller Informationen statt bloßer Schlagzeilen wählen.
Der Vierte Verfassungszusatz der USA verbietet unangemessene Durchsuchungen und Beschlagnahmungen. Egal, was ICE behauptet: Die Verfassung ist das höchste Recht.
Gesichtserkennung kann gar nicht so präzise sein und wird es vermutlich nie sein können.
Die Gesichtsdaten aller Menschen zu speichern, ist eine wahnhafte Form der Datensammlung.
Heute lassen sich mit 3D-Druckern Gesichter fälschen, und wenn diese Daten abfließen, können nicht nur Behörden, sondern auch Hacker, korrupte Polizisten und Reiche sie missbrauchen.
Außerdem reichen diese Daten aus, um Deepfake-Videos zu erstellen und gesellschaftliches Chaos auszulösen.
Was passiert, wenn man Nationalismus im Stil der 1930er Jahre mit Technologie der 2020er Jahre umsetzt?
Diese Nachricht wurde vor ein paar Tagen auf HN gelöscht und dann erneut eingestellt.
Rechtlich ist es zulässig, in der Öffentlichkeit Fotos zu machen.
Was der TFA meint, ist die Nutzung dieser Daten nach der Aufnahme.
Wenn man nicht festgenommen wurde, hat man auch das Recht, das Gesicht zu verdecken. In der Praxis werden diese Rechte vor Ort jedoch häufig missachtet.