1 Punkte von GN⁺ 2025-10-12 | 1 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • Der ehemalige Polizist Larry Bushart aus Tennessee wurde wegen eines auf Facebook geposteten politischen Memes festgenommen; die Kaution beträgt 2 Millionen US-Dollar
  • Das Meme zitierte Trumps Äußerung zu einer Schießerei an einer Schule und löste erhebliche Reaktionen aus
  • Der örtliche Sheriff erklärte, das Meme sei als Drohung einer Schießerei an einer Schule interpretiert worden und habe zur Festnahme geführt
  • Experten vertreten die Auffassung, dass der Beitrag lediglich politische Übertreibung sei und nicht gegen die verfassungsrechtlich garantierte Meinungsfreiheit verstoße
  • Bushart befindet sich nach mindestens zwei Wochen Haft vor einer Anhörung im Dezember

Überblick über den Fall

  • Im September 2025, nach der Ermordung des konservativen Aktivisten Charlie Kirk, entstand unter einigen rechten Akteuren die Bewegung, Menschen bestrafen zu wollen, die den Vorfall herunterspielten oder verspotteten
  • In diesem Zusammenhang wurde der 61-jährige ehemalige Polizist Larry Bushart aus Tennessee wegen eines umstrittenen Memes auf Facebook unter dem Vorwurf einer Drohung mit einer Schießerei an einer Schule festgenommen; gegen ihn wurde eine Kaution von 2 Millionen US-Dollar festgesetzt

Inhalt und Kontext des Memes

  • Als Reaktion auf einen Beitrag zum Gedenken an Kirk teilte Bushart ein Bild mit einem Zitat von Donald Trump, das kurz nach der Schießerei an der Perry High School in Iowa im Jahr 2024 veröffentlicht worden war: "Wir müssen darüber hinwegkommen"
  • Das Bild war mit dem Zusatz versehen: "Heute bedeutet das noch mehr"
  • Die Aussage des Memes war eine satirische Botschaft: Wenn ein Präsident bei früheren Schießereien an Schulen gesagt habe, man solle "darüber hinwegkommen", könne man auf andere Vorfälle ebenso gleichgültig reagieren

Festnahme und rechtliche Schritte

  • Laut dem Sheriff interpretierten einige Lehrkräfte, Eltern und Schüler das Meme als direkte Drohung gegen örtliche Schulen
  • Das Sheriff’s Office von Perry County klagte Bushart wegen Drohung mit gruppenbezogener Gewalt im Schulkontext an, worauf bis zu sechs Jahre Haft und eine Geldstrafe von bis zu 3.000 US-Dollar stehen; zudem wurde die ungewöhnlich hohe Kaution von 2 Millionen US-Dollar festgesetzt
  • Nach dem Recht des Bundesstaats Tennessee muss ein Angeklagter mindestens 10 % der gesamten Kaution hinterlegen, während ein Bail Bondsman mindestens 5 % Gebühr verlangt; damit wären mehr als 210.000 US-Dollar allein für eine tatsächliche Freilassung erforderlich
  • Busharts erste Anhörung wurde auf den 4. Dezember verschoben

Kontroverse um die Meinungsfreiheit

  • Der Sheriff behauptet, Bushart habe mit dem Beitrag in der Community Angst auslösen wollen
  • Experten und Medien betonen jedoch, dass das Meme lediglich ein kontroverses politisches Trump-Zitat aufgreife und keine klare Absicht zur Ausübung von Gewalt erkennen lasse
  • Nach der Rechtsprechung zum First Amendment (1. Zusatzartikel zur US-Verfassung) können nur echte Drohungen (true threats) als Ausnahme von der Meinungsfreiheit bestraft werden
  • Bereits im Präzedenzfall Watts v. United States (1969) wurde entschieden, dass auch drastische oder aggressive regierungskritische Aussagen nicht strafbar sind, solange sie keine echte Drohung darstellen
  • Auch Busharts Meme fällt nach diesem Maßstab unter übersteigerte politische Rhetorik (rhetorical hyperbole)

Gesellschaftliche und rechtliche Implikationen

  • Der Fall rückt die Debatte über Meinungsfreiheit im Internet und möglichen Machtmissbrauch durch staatliche Stellen in den USA erneut in den Fokus
  • Tatsächlich sieht sich Bushart allein wegen des erneuten Teilens eines Memes in sozialen Netzwerken mit langer Haft und einer enormen Kaution konfrontiert
  • Experten sehen in diesem Fall wichtige Fragen zur überzogenen Reaktion von Strafverfolgungsbehörden und zur Grenze der Meinungsfreiheit aufgeworfen
  • Schulen, Sicherheitsbehörden und Zivilgesellschaft benötigen beim Umgang mit der Auslegung und Risikobewertung von Online-Äußerungen einen noch vorsichtigeren Ansatz

1 Kommentare

 
GN⁺ 2025-10-12
Hacker-News-Kommentare
  • Ich halte das für ein Beispiel dafür, wie ein langsames Gerichtsverfahren als außergerichtliche Waffe eingesetzt wird. Der Angeklagte hat nicht gegen das Gesetz verstoßen und wird wahrscheinlich auch nicht verurteilt werden (spätestens nicht in der Berufung), aber weil man wegen eines Facebook-Posts wütend ist, kann man ihn monatelang ins Gefängnis stecken
    • Genau hier sollte das „Recht auf ein zügiges Verfahren“ greifen. Wenn man nicht gegen Kaution freikommt und inhaftiert bleibt, ist es wohl das Beste, immer wieder auf ein beschleunigtes Verfahren zu drängen
    • Sehe ich genauso. Ich frage mich, warum es keine vernünftige Höchstdauer für Untersuchungshaft gibt. Am Ende können nur wohlhabende Straftäter einfach wieder hinausspazieren
    • Wie man oft sagt: Am Ende kann man zwar freigesprochen werden, aber den Prozess selbst entgeht man nicht
    • Das Verfahren selbst ist bereits die Strafe
    • Ich finde, alle Beteiligten an solchen Klagen und ähnlichen Anklagen sollten streng zur Verantwortung gezogen werden. Wenn die Sache wirklich so ist, wie der Artikel sie darstellt, müsste es sogar strafrechtliche Konsequenzen wegen Entführung und Freiheitsberaubung geben. Aber das Rechtssystem schützt immer seine Insider
  • Auch Menschen außerhalb der USA sollten sich für diesen Fall interessieren. Die meisten sozialen Medien haben ihren Sitz in den USA. Wenn man also auf Facebook oder reddit ein anti-MAGA-Meme postet, könnte man wie dieser Mann angeklagt werden. Die USA könnten jederzeit Auslieferung verlangen (natürlich hoffe ich, dass die meisten Länder bei so etwas vernünftige Checks and Balances haben, aber es bleibt trotzdem unerquicklich). Außerdem könnten die USA einfach abwarten und einen festnehmen, wenn man in die USA oder über die USA reist. Die Aushöhlung der Meinungsfreiheit in den USA kann schwerwiegende Folgen auch für Menschen weltweit haben, die glauben, das gehe sie nichts an. Wir sind viel zu abhängig von US-amerikanischen sozialen Medien. In Kanada, der EU usw. sollte es rechtliche Schutzmechanismen geben, damit Social-Media-Unternehmen auf lokalen Servern keine Informationen an die US-Regierung weitergeben. Das ist jetzt kein hypothetisches Problem mehr, sondern eine klare, reale Bedrohung
    • Auch außerhalb der USA kann man wegen Social-Media-Posts schon heute ernsthafte Probleme bekommen. Man muss sich nur Großbritannien und Deutschland ansehen, wo Polizei oder Justiz Menschen wegen Posts untersuchen. Das ist nicht nur ein Thema in entwickelten Ländern. In Entwicklungsländern sind die Folgen noch gravierender
    • Zusätzlich dazu, dass Auslieferung unerquicklich ist, kann es für Einwanderer noch schlimmer werden. Es gab tatsächlich Fälle russischer Migranten, die in Europa wegen Kriegskritik in Abwesenheit angeklagt wurden und dann wegen bürokratischer Abläufe als Ziel einer Abschiebung galten, weil alle russischen Haftbefehle als gültig behandelt wurden. Die USA sind in dieser Hinsicht noch schwerer zu entkommen zugehöriger Artikel
    • Die meisten Länder erlauben keine Auslieferung für etwas, das im eigenen Land gar keine Straftat ist. Auslieferungsverträge sind kein automatisiertes System, mit dem ein Staat beliebig Menschen abholen kann; das ersuchte Land kann einen Antrag ohne triftigen Grund ablehnen. Dass man bei der US-Einreise in Schwierigkeiten geraten könnte, ist ein realistisches Problem, aber im Moment wirkt es nicht so, als wären die USA so irrational, wegen eines einzelnen Facebook-Posts einen internationalen Konflikt zu provozieren. Solche Fälle werden vorerst wohl ein innenpolitisches Problem bleiben. Wo die Server gehostet werden, ist weitgehend egal: Wenn man etwas postet, das den USA missfällt, und sich in ihrer Reichweite befindet, spielt es keine Rolle, wo man es gepostet hat
  • Seltsamerweise spiegelt schon dieser Thread selbst den Diskurs rund um Kirk wider. Kritik an Kirk wird so behandelt, als würde man sich über seinen Tod freuen oder früheres problematisches Verhalten ausblenden. Das sind alles Debatten ohne jeden Realitätsbezug
    • Es gibt Gruppen, die noch nie in gutem Glauben diskutiert haben und auch jetzt nicht vorhaben, ernsthaft damit anzufangen
    • Der entscheidende Punkt ist: Selbst wenn Charlie Kirk der große Heilige unserer Generation gewesen wäre, wäre es falsch, jemanden ins Gefängnis zu stecken, nur weil er ein Meme gepostet hat, in dem sein Tod mit einem „na und?“ quittiert wird
    • Der ganze Fall ist der Extremfall genau dieses Effekts. Wenn „sich über den Tod einer Person freuen“ in den USA ein Verbrechen wäre, hätte man ihn wohl genau dafür angeklagt. Da es aber nicht illegal ist, wird sogar seine lauwarme Kritik gewaltsam zu einer willkürlichen Drohung gegen eine Highschool zurechtgebogen. Es ist wirklich entmutigend, und noch schlimmer ist, dass das inzwischen als normal hingenommen wird
    • Ich mochte Kirks Ideologie und Plattform einfach nicht; ich wollte seinen Tod nicht, und ich habe nie gewollt, dass ihm etwas passiert. Ich verstehe nicht, warum so viele Menschen keinen Unterschied zwischen Abneigung und dem Wunsch nach Schaden machen können. Gerade an einem Ort wie HN hätte ich erwartet, dass dieser Unterschied verstanden wird, was enttäuschend ist
    • Ob es eine logische Erklärung gibt, spielt keine Rolle. Es reicht, wenn man einen „Knüppel“ hat, mit dem man den Gegner schlagen kann. Logik ist egal; wichtig ist nur, den anderen zu besiegen
  • Nach dem Recht des Bundesstaats Tennessee muss er die Kaution von 210.000 Dollar selbst aufbringen. Und 10.000 Dollar davon sind dauerhaft verloren. Das Recht in TN ist so gestaltet, dass man im Gefängnis bleibt, wenn man nicht wohlhabend ist. In TN kann es Monate dauern, bis es überhaupt zum Prozess kommt. Auch das ist alles Absicht
    • Es hieß, er brauche 210.000 Dollar. Mich würde interessieren, worauf sich das stützt
  • Schade, dass der Artikel keinen Screenshot des fraglichen Social-Media-Posts zeigt. Ich habe ihn aber in dem auf Facebook verlinkten Beitrag gefunden. Ganz sicher bin ich nicht, ob es der richtige ist Link
    • Falls das tatsächlich der Post ist, dann ist das alles wirklich absurd und bizarr. Unabhängig von politischen Überzeugungen dürfte so etwas in den USA nicht passieren (das ist harmlose Rede, die vom First Amendment geschützt sein sollte). Das könnte einen Präzedenzfall schaffen, nach dem künftig jeder wegen irgendeines Social-Media-Posts unter irgendeinem Vorwand bestraft werden kann. Bizarr
    • Das Bild ist im Artikel sogar direkt verlinkt. Der Satz „The image was one of several Bushart posted“ enthält den Link
    • Im Artikel ist die Passage „Bushart shared an image[1] of President Donald Trump with the quote“ verlinkt zugehöriger Link
  • „Die Ermittler glauben, dass Bushart vollständig verstanden hat, welche Angst seine Posts auslösen würden, und dass er absichtlich Panik in der Gemeinschaft schüren wollte.“ Das ist ihre Position. Dem LHC-Team des CERN ist also wohl zu raten, Tennessee lieber niemals zu besuchen
  • Wenn man sich die Kommentare zu diesem Artikel ansieht, ist das wirklich beängstigend. Die Leute wirken nicht mehr ganz bei Verstand
    • In den Kommentaren wird oft Vergeltung für eine Seite gerechtfertigt. In Wirklichkeit ist die Mehrheit aber neutral und hält Unrecht für Unrecht, egal von welcher Seite es kommt
    • Lustigerweise bin ich mir nicht zu 100 % sicher, welches „Team“ gemeint ist
    • Mich würde interessieren, welche Kommentare du für problematisch hältst
    • Viele der Kommentare wirken wie Bots
    • Dass wir an diesem Punkt angekommen sind, ist zum Teil auch das Ergebnis vermeintlich rationaler Debatten. Dazu gehören etwa von Milliardären finanzierte Kampagnen zur Leugnung des Klimawandels, die massenhaft eine uninformierte Öffentlichkeit erzeugen
  • In so einem Umfeld ist niemand sicher
    • Im Moment scheint vor allem die konservative Seite mit allem durchzukommen, ohne dass es Konsequenzen hat
  • Ich finde, nach all dem sollte eine Entschädigung von mindestens 2 Millionen Dollar selbstverständlich sein
  • Ich habe noch einen anderen Artikel gefunden, der etwas mehr Kontext dazu gibt, warum der Sheriff den Post als Drohung interpretiert hat zugehöriger Artikel
    • In diesem Artikel stehen keine zusätzlichen Informationen, die im Originalartikel fehlen
    • Auch dort bleibt es im Wesentlichen bei unbegründeten Behauptungen der Polizei