2 Punkte von GN⁺ 2025-09-21 | 1 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • Nachdem ABC Jimmy Kimmel Live! ausgesetzt hatte, breiteten sich unter Kritik an einem Nachgeben gegenüber politischem Druck die Bewegungen #CancelDisneyPlus aus, wodurch Kündigungsanfragen sprunghaft anstiegen
  • Viele Abonnenten erlebten Fehler auf den Kündigungsseiten von Disney+ und Hulu sowie wiederholte Login-Probleme, sodass das System den Traffic nicht bewältigen konnte
  • Partnerstationen wie Sinclair und Nexstar verweigerten die Ausstrahlung und forderten Entschuldigungen, was die Auswirkungen weiter vergrößerte; einige ersetzten das Programm durch lokale Nachrichten oder Gedenksendungen
  • Nutzer sehen die Maßnahme nicht als bloße Programmplanung, sondern als Eingriff in die Meinungsfreiheit, und setzen den Boykott fort
  • Disney steht vor einer dreifachen Herausforderung aus politischem Druck, Forderungen von Partnern und schwindendem Kundenvertrauen; ob Kimmel zurückkehrt, dürfte direkte Auswirkungen auf Marke und Abonnentenbasis haben

Überblick

  • Nachdem ABC die Sendung Jimmy Kimmel Live! ausgesetzt hatte, stiegen die Anfragen zur Kündigung von Disney+-Abos stark an
  • Dadurch kam es zu Ausfällen der Kündigungsseite, und der Vorfall zeigt, wie sich eine Kontroverse um Inhalte zu einer unternehmensweiten Krise ausweitet

Die Aussetzung von Jimmy Kimmel und die Kernpunkte

  • ABC setzte die Sendung zum 17. September aus, nachdem Jimmy Kimmel Äußerungen zum Mord an dem konservativen Aktivisten Charlie Kirk gemacht hatte
  • Die Aussagen thematisierten, dass Trump-Anhänger versuchten, die politische Gesinnung eines Täters umzudeuten, und lösten heftige Reaktionen der FCC und großer Partnerstationen aus
  • ABC ersetzte die Sendung stattdessen durch eine Wiederholung
  • Die Entscheidung wurde als Zensur kritisiert und weitete sich zu einer Boykottkampagne gegen den Mutterkonzern Disney aus

Öffentliche Reaktionen und Dynamik in sozialen Medien

  • Nach der Aussetzung von Jimmy Kimmel wurden in sozialen Medien die Hashtags #CancelDisneyPlus und #CancelHulu zu Trends, die zu Kündigungen aufriefen
  • Nutzer veröffentlichten Nachweise ihrer Disney+-Kündigung und beteiligten sich so an der kollektiven Aktion
  • Die Debatte weitete sich über eine einfache Kontroverse um TV-Programmplanung hinaus zu einer Diskussion über Meinungsfreiheit und Zensur in den USA aus

Ausfall der Kündigungsseite und technische Probleme

  • Mit der anhaltenden Kündigungswelle erlebten viele Nutzer tatsächlich, dass die offizielle Disney+-Kündigungsseite nicht mehr reagierte
  • In Communities wie Reddit wurden direkte Erfahrungsberichte geteilt wie „Die Kündigungsseite ist ständig down“ oder „Ich lande immer wieder beim Login“
  • Auch Dienste von Tochterunternehmen wie Hulu erlebten einen ähnlichen sprunghaften Anstieg bei Kündigungen
  • Dadurch sah sich Disneys Kundensystem mit deutlich mehr Traffic als üblich konfrontiert

Widerstand von Partnern und Veränderungen im Lokalfernsehen

  • Auch Disney- und ABC-Partner griffen aktiv in die Situation ein
    • Sinclair setzte auf Kimmels Sendeplatz ein Gedenkspecial für Charlie Kirk an und forderte eine offizielle Entschuldigung
    • Auch Nexstar und andere erhöhten den Druck, indem sie die Ausstrahlung neuer Folgen verweigerten
  • Einige lokale Sender ersetzten die Wiederholung durch eigene Nachrichten oder Regionalprogramme, wodurch sich der Vorfall landesweit ausbreitete

Gründe für die Kündigungen und Wahrnehmung der Kunden

  • Ein großer Teil der kündigenden Kunden sieht die Maßnahme nicht als bloßes Programmthema, sondern als Nachgeben gegenüber politischem Druck und als Verletzung der Meinungsfreiheit
  • Reddit-Nutzer äußerten eine harte Haltung und erklärten, sie würden „alle Disney- und verbundenen Dienste boykottieren, bis es eine offizielle Entschuldigung gibt“

Praktische Tipps für Abonnenten und Disneys Aufgaben bei der Reaktion

  • Wer kündigen möchte, kann Fehler im Kündigungsprozess womöglich durch Löschen von Cookies, Wechsel des Browsers oder Nutzung des Live-Chats beheben
  • Es wird empfohlen, Screenshots von Kündigungsanfragen und Zahlungsbelegen aufzubewahren, um zusätzliche Abbuchungen zu vermeiden
  • Für Disney treten damit komplexe Aufgaben in Krisenmanagement und beim langfristigen Wiederaufbau von Vertrauen zutage, da Druck von Partnern, politische Kontroversen und sinkendes Kundenvertrauen zusammenkommen

Fazit

  • Eine Kontroverse, die mit einem einzelnen Moment in einer Late-Night-Talkshow begann, hat sich zu einer umfassenden Vertrauenskrise des Unternehmens ausgeweitet
  • Disney steht vor mehrschichtigen Herausforderungen wie einer nicht reagierenden Kündigungsseite, massenhaften Abo-Kündigungen und einem Absturz des Markenimages
  • Ob Kimmel zurückkehrt oder der aktuelle Zustand bestehen bleibt, dürfte künftig direkte Auswirkungen auf Marke und Abonnentenbasis haben

1 Kommentare

 
GN⁺ 2025-09-21
Hacker-News-Kommentare
  • Ich frage mich, was daran so umstritten gewesen sein soll; für mich wirkte es nicht anders als das, was in solchen TV-Shows ständig passiert.
    • Das ist kein Skandal, sondern für mich ein typischer Fall des <i>Manufacturing-Consent</i>-Modells. Eine kleine Zahl mächtiger Leute im Sender ist offen mit dem Präsidenten verbandelt oder will sich bei ihm beliebt machen. Der Präsident muss gar nicht selbst eingreifen; sie wissen schon, was zu tun ist.
    • Es fühlte sich eher so an, als hätte der Sender nur nach einem passenden Vorwand gesucht und ihn nun gefunden. Insgesamt ist das alles ziemlich langweilig, und ich denke, dieses TV-Format hat seinen Zenit ohnehin überschritten. Die Sender wissen auch sehr gut, dass sie sich verändern müssen.
    • Ich glaube, die meisten wirklich wütenden Leute haben den Inhalt gar nicht selbst gehört, sondern nur davon „gehört, dass etwas gesagt wurde“. Kimmels Bemerkung war an sich sehr harmlos. Eher klang die Forderung, Kimmel solle Geld zahlen, wie kriminelle Einschüchterung. Der eigentliche Kern ist doch Trumps Ankündigung, sich an jedem zu rächen, der etwas Negatives über ihn sagt. Mit Kirk hat das gar nichts zu tun.
    • Schon lustig, dass ausgerechnet die „Reg dich nicht über alles auf“-Fraktion am heftigsten ausgerastet ist. Sie haben reagiert, ohne überhaupt über den Inhalt nachzudenken.
    • An dem, was er gesagt hat, war überhaupt nichts Kontroverses. Ich bin sicher, der Sender hat nur auf irgendeinen Anlass gewartet, um ihn für etwas anderes abzusägen.
  • Das wird bestimmt Zufall sein, ganz sicher nicht absichtlich! Große Konzerne würden doch nie, wirklich nie absichtlich Verzögerungen verursachen, damit die Leute sich wieder beruhigen und die Lust aufs Kündigen verlieren.
    • Könnte sein, aber ich halte Hanlon's Razor hier für treffender. Ich hatte das Problem selbst, und beim zweiten Versuch wurde das Formular erfolgreich abgeschickt. Es wirkte eher so, als fehle einfach die Infrastruktur, um den plötzlichen Traffic-Anstieg abzufangen.
    • Große Konzerne bestehen am Ende auch nur aus Menschen, darunter sogar Leute, die hier mitlesen. Die internen Disney-Systeme sind ein komplexes Gemisch aus Hulu, Disney+/Bamtech, alten Disney-Systemen und externem SaaS, dazu kamen seit der Pandemie mehrere Restrukturierungen und Übergaben von Service-Zuständigkeiten. So ein System absichtlich so zu manipulieren, dass es wie eine Störung aussieht und den Zugriff begrenzt, ist praktisch unmöglich. Gerade werden Pfade und Systeme gleichzeitig unerwartet stark belastet, die normalerweise kaum Traffic sehen (die genauen Zahlen müsste das Management nennen). Im Vergleich zu Haupt-Traffic wie Login oder Abo bleibt das zwar wohl gering, aber der Kündigungs-Flow hat immer die niedrigste Priorität, deshalb passieren solche Vorfälle. Meine These ist: eher Inkompetenz als Böswilligkeit.
    • Wer schon mal Disney-Seiten benutzt hat, kennt das Gefühl. Die gehen ziemlich zufällig kaputt. Vor allem über die Disney-Cruise-Line-Seite hört man ständig Beschwerden wegen Fehlern.
    • Ich denke, bei so einer Störung gibt es das reale Risiko, dass sie am Ende noch schlechtere PR und finanziellen Schaden verursacht.
    • Es ist schon erstaunlich, dass Websites und Services selbst heute noch an Traffic-Spitzen scheitern.
  • Ich habe auch das Hulu/Disney-Bundle gekündigt, und das Löschen des Disney-Kontos ging bei mir ganz einfach und sofort. Mit dem Hulu-Konto hatte ich aber deutlich mehr Ärger. Ich musste sogar suchen und mich auf einer separaten Spezialseite einloggen, um die restliche Löschanfrage einzureichen. Ich möchte Disney trotzdem dafür loben, dass es dabei nicht nutzerfeindlich war.
    • Ich finde es stark, wenn Leute die Kündigung wirklich durchziehen. Genau solche Handlungen senden die eigentliche Botschaft.
    • Man musste zwar durch ein paar „Sind Sie wirklich sicher, dass Sie kündigen wollen?“-Seiten, aber überraschenderweise war es trotzdem recht einfach.
  • Bei mir funktionierte die Kündigungsseite gegen 11:30 EST problemlos. Ich hatte eher Angst, zu spät zur Kündigungswelle zu kommen.
    • Ich verwechsle immer EST und EDT.
    • Ich frage mich, ob die Leute, die hier kündigen, auch Apple kündigen, wegen der Sache, bei der Tim Cook dem Präsidenten ein goldenes Symbol überreicht und sich verbeugt hat.
  • Ich erinnere mich daran, wie 2011 die HP-Website abgestürzt ist, als HP die PalmOS-Gerätelinie eingestellt und das Touchpad-Tablet von 500 auf 99 Dollar verramscht hat. Ich habe damals die 1800-Nummer angerufen, 45 Minuten gewartet und dann über einen Mitarbeiter gekauft. Ich frage mich, ob Disney+ heute für Kündigungen noch alternative Wege wie eine Telefonnummer hat. Kundendienst verschwindet ja insgesamt immer mehr aus Kostengründen.
  • Selbst wenn man gar nicht vorhat zu kündigen: Wenn man einmal kündigt, bekommt man in den nächsten Monaten fast sicher irgendwelche „Sonderangebote“.
    • Entscheidend ist, diese Angebote nicht anzunehmen.
  • Ich wünschte, den Leuten wäre klar, dass Streaming-Abos optional sind. Mit einem vpn reicht das völlig.
    • Ehrlich gesagt ist es besser, es einfach gar nicht zu schauen. Aus Sicht der Rechteinhaber ist es am besten, wenn jemand bezahlt und schaut, und zweitbesten, wenn jemand schaut, ohne zu bezahlen. Am schlimmsten ist es aber, komplett ignoriert und vergessen zu werden.
    • Ich habe das kostenlose ProtonVPN zusammen mit protonmail ausprobiert, und plötzlich funktionierte gefühlt das halbe Internet nicht mehr. Es gibt so viel ausgehenden Traffic über VPN-Exits, dass Websites das als Bots einstufen und blockieren. Inzwischen gehen auch einzelne Länder verstärkt gegen VPN-Exit-Nodes vor.
    • Mich würde interessieren, was ihr per VPN nutzt. Seit Popcorn Time habe ich keinen Dienst mit wirklich guter UX mehr gefunden.
  • Ich mache mal den Witz, dass ich 2025 gern kündigen würde.
  • Alle Folgen von The Simpsons liegen bei mir im YouTube-TV-DVR, und die Shows, die meine Kinder mögen, schauen sie fast alle dort (eigentlich interessieren sie sich ohnehin nur für ein paar YouTube-Hauptkanäle). Deshalb habe ich schon länger infrage gestellt, warum ich Disney+ überhaupt abonniert habe.
  • Ich frage mich, wie viel Geld Disney durch Stream-Kündigungen verlieren wird. Wenn man von einer Kündigungsrate von 10 % ausgeht, wären das 2,4 Milliarden Dollar Verlust. Das bestehende lineare TV-Geschäft (Kabel, terrestrisch) bringt 2,7 Milliarden Dollar. Selbst wenn Trump also die Sendelizenz entzieht, verliert Disney durch diesen Boykott mehr Geld (selbst ohne Boykotte von Filmen und Themenparks).
    • Realistisch gesehen halte ich selbst 1 % schon für schwer, von 10 % ganz zu schweigen. Disney hat eine viel zu starke Marke; sobald die Aufmerksamkeit der Leute weitergezogen ist, kommen sie wohl wieder zurück.
    • Sendelizenzen braucht man streng genommen nur für Over-the-Air-/terrestrische Ausstrahlung, nicht für Kabel. Kabelanbieter können wegen der Section-111-Zwangslizenz terrestrische Sender für geringe Gebühren weiterverbreiten, und selbst wenn Disney seine Sendelizenzen verlieren würde, könnte ABC wohl zu ähnlichen Kosten weiter ins Kabel eingespeist werden. Der Schaden wäre also letztlich auf Zuschauer mit Antenne beschränkt. Im Gesamtbild ist das nur ein kleiner Teil.