1 Punkte von GN⁺ 2025-08-27 | 1 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • Aufgrund der neuen Vorschriften, die am 29. August in Kraft getreten sind, setzt Olimex alle Lieferungen in die USA vorübergehend aus
  • Für Sendungen in die USA ist die vorherige Erhebung sämtlicher Steuern und Zölle erforderlich, doch durch das Fehlen eines automatischen Berechnungssystems entsteht Verwirrung
  • Es müssen selbst kleinste Materialbestandteile angegeben werden (z. B. der genaue Anteil von Eisen, Kupfer und Aluminium im Produkt), wobei darauf eine Struktur mit 100 % Zoll angewendet wird
  • Der US-Zoll verlangt ein Certificate of Analysis; wird dieses nicht eingereicht, gilt für das gesamte Produkt der höchste Zollsatz
  • US-Kunden wird vorerst zum indirekten Kauf über Mouser oder Digi-Key geraten

Hintergrund der vorübergehenden Aussetzung von Lieferungen in die USA

  • Zum 29. August 2025 treten neue US-Importvorschriften in Kraft
  • Sowohl DHL als auch UPS können derzeit keine angemessene Lösung zur Abwicklung dieser Regulierung anbieten
  • Daher setzt Olimex alle Direktlieferungen an Kunden in den USA mit sofortiger Wirkung vorübergehend aus

Die wichtigsten Probleme der neuen Vorschriften

  • Der US-Zoll schreibt vor, dass alle Steuern und Zölle im Voraus eingezogen werden müssen
  • Es gibt jedoch keinen Rechner und keine automatisierte Lösung, um die tatsächliche Zollhöhe zu ermitteln
  • Dadurch kommt es zu Störungen im gesamten internationalen Handelsablauf, etwa weil Pakete während des Transports wochenlang beim Zoll zurückgehalten werden

Unvernünftige Anforderungen und Beispiele für die Zollanwendung

  • Der US-Zoll verlangt, dass für alle importierten Produkte der genaue Anteil an Eisen, Kupfer und Aluminium vom Importeur angegeben wird
    • Beispiel: Eine PCB (Printed Circuit Board) enthält teilweise Kupferleiterbahnen, doch der tatsächliche Anteil lässt sich faktisch kaum berechnen
  • Wenn das geforderte Certificate of Analysis nicht vorgelegt wird, geht der Zoll davon aus, dass das gesamte Produkt aus Kupfer, Eisen und Aluminium besteht, und erhebt 100 % Zoll
    • Die Ausstellung solcher Unterlagen kann mehrere tausend Dollar kosten

Kundenhinweis und Lösungsansatz

  • Es wird eine aufrichtige Entschuldigung an Kunden ausgesprochen, die direkt in den USA kaufen möchten
  • Vorerst wird empfohlen, Olimex-Produkte über Vertriebskanäle wie Mouser oder Digi-Key zu kaufen

Hinweise zur Bearbeitung bestehender Bestellungen

  • Bei bereits eingegangenen Bestellungen soll im Einzelfall gemeinsam mit dem Kunden über das weitere Vorgehen entschieden werden

1 Kommentare

 
GN⁺ 2025-08-27
Hacker-News-Kommentare
  • Unabhängig davon, ob Zölle an sich sinnvoll sind, frage ich mich, warum die Regierung monatelang hin und her schwankt und dann innerhalb weniger Wochen ohne Vorankündigung Zölle einführt. Es wirkt sehr seltsam, dass Menschen bei einer so hastig und ohne Planung umgesetzten Regierungsentscheidung weder genug Zeit noch genug Informationen haben, um sich vorzubereiten oder ihre Meinung zu äußern. Ganz unabhängig von den eigentlichen Zöllen hätte man das wie üblich ankündigen und Feedback einholen können, aber genau das ist leider nicht passiert.
    • Die derzeitige Regierung ist faktisch nur Trump als Einzelperson. Trump selbst hört nicht auf den Rat anderer und umgibt sich mit „Ja-Sagern“. Selbst Minister und Behördenleiter haben sich im Fernsehen mehrfach widersprochen, wenn es um Trumps Aussagen ging, und es entsteht jedes Mal Verwirrung, als gäbe es zu keinem Thema eine interne Strategie. Die Berater loben nur Trump und weichen auf konkrete Fragen aus. Ich habe noch nie erlebt, dass jemand diese bestehende Zollstrategie vernünftig erklärt oder eine Richtung vorgibt. Es fühlt sich an, als wäre die Lage noch schlechter als bei dem Präsidenten aus dem Film Idiocracy.
    • Wenn die USA ihre Position als Führungsmacht der Weltwirtschaft aufgeben wollen, dann ist die Strategie dieser Regierung vermutlich genau der richtige Weg.
    • Trump gilt als jemand, der alles ruiniert, was er anfasst.
  • Nach den Zollvorschriften muss der Importeur angeblich die genaue Menge an Stahl, Kupfer und Aluminium in einem Produkt angeben, und darauf werden 100 % Zoll erhoben. Bei einer PCB gibt es zum Beispiel nur sehr feine Kupferbahnen, und diese Menge exakt zu berechnen ist in der Praxis nahezu unmöglich. Ich dachte, das gelte nur für Rohmaterialien, aber so umgesetzt ist das wirklich eine chaotische Politik, mit der ich nie gerechnet hätte.
    • Ich stelle Produkte aus Stahl/Aluminium her und exportiere sie in die USA, daher habe ich Erfahrung mit solchen Zöllen. Wenn man die heimische Industrie schützen will, muss man auch den Rohmaterialanteil in Fertigprodukten oder Zwischenprodukten verzollen. Sonst sind inländische Hersteller noch stärker benachteiligt. In den USA gibt es den „Harmonized Tariff Schedule (HTS)", also eine Liste von Zollcodes je Produkt, und dort wurden kürzlich 400 weitere Positionen zu Stahl/Aluminium ergänzt. Ein Beispiel: Aluminium-Getränkedosen sind jetzt ausdrücklich zollpflichtig. Mit dem Tariff Simulator von Flexport lassen sich die anwendbaren Zölle je Produkt leicht prüfen. Als zusätzliche Quelle kann man auch die HTS-Code-Website ansehen. Diese Erklärung ist keine Verteidigung der Zollpolitik, sondern nur der reale Hintergrund.
    • In der Europäischen Union ist beim Import von PCBs für die Zollberechnung normalerweise kein Analysezertifikat (CoA) nötig. Maßgeblich sind nur HS-Code, Ursprungsland und Importwert. Solche Unterlagen braucht man nur zur Einhaltung von Schadstoffvorschriften wie RoHS/REACH oder wenn der Zoll Rückfragen stellt.
    • Ich verstehe den Gedanken hinter so einer Politik. Andernfalls würde irgendjemand versuchen, eine Tonne Kupfer einfach als Aufkleber zu deklarieren, um Zölle zu umgehen. Natürlich müsste eine vernünftige Regelung den Aufwand für die Deklaration winziger Mengen reduzieren, etwa unter 1 kg oder unter 1 % des Gesamtgewichts. In der Praxis sorgen sich die Verantwortlichen aber eher um die Tricks von Kriminellen als um die Realität der Produzenten, und dadurch wird das Policy-Design ineffizient.
    • Ich habe zehn Jahre im deutschen Automobilbereich gearbeitet, und dort war eine solche Erfassung von Rohstoffmengen gar nicht so ungewöhnlich. Stahl, Kupfer und Aluminium lassen sich grammgenau messen. Wirklich lästig waren eher die Teile mit seltenen Metallen.
    • Schon die bloße Existenz von Zöllen wirkt in unserer Zeit anachronistisch. Ich frage mich, warum man nicht flexibler danach unterscheidet, wie stark ein Rohstoff weiterverarbeitet wurde.
  • Laut den aktuellen Regeln à la „die Menge an Stahl, Kupfer und Aluminium im Produkt muss exakt angegeben werden, und darauf werden 100 % Zoll erhoben“ habe ich ein Schloss und einen Schlüssel für 400 $ bestellt und noch einmal 400 $ Zoll bezahlt. Das war wirklich absurd.
    • Es ist schockierend, dass am Ende tatsächlich die Verbraucher die Zölle zahlen.
    • Bei PCBs dürfte die Berechnung des Kupferanteils meiner Meinung nach überraschend einfach sein. Der GRBL-Viewer von XPCB oder JLCPCB hat diese Funktion vielleicht schon oder könnte sie schnell bekommen.
  • Auch die Schweizerische Post hat Lieferungen in die USA gestoppt. Derzeit muss man FedEx oder UPS nutzen, und das ist ziemlich teuer. Details stehen unter diesem Link.
    • Auch Japan Post hat den Versand eingestellt. Referenzlink: Mitteilung von Japan Post
    • Hat hier vielleicht jemand tatsächlich Erfahrung damit, Waren mit La Poste in die USA zu schicken? Ich komme eher aus dem Finanzbereich und habe das daher nie selbst genutzt.
    • Auch die norwegische Post hat den Versand von Waren in die USA eingestellt, siehe diesen Artikel.
  • Meine Schwiegermutter hat selbstgemachte Marmelade aus der Slowakei geschickt, und die hängt jetzt seit drei Wochen beim Zoll fest. Vermutlich quälen sich die Zollbeamten gerade damit, sogar die Deckel der Marmeladengläser zu analysieren.
    • Mein Plan, eine RTX 3090 in einem Geleeglas zu schmuggeln, ist damit wohl auch gescheitert. (An eventuelle Behördenmitarbeiter: Das war ein Witz. Falls unklar ist, was ein Witz ist, siehe Definition von Joke.)
  • Ich habe gelesen, dass die Regel angeblich lautet: „Das gesamte Produkt wird als Kupfer, Aluminium oder Stahl behandelt, und auf den gesamten Produktwert werden 100 % Zoll erhoben.“ Falls das stimmt, verstehe ich nicht, ob das bedeuten soll, dass man bei einem 1-kg-Produkt im Wert von 1000 Dollar wegen eines Metallwerts von vielleicht nur 10 Dollar dennoch 1000 Dollar Zoll zahlen muss. (Zur Einordnung: Kupfer kostet ungefähr 10 Dollar pro kg.)
    • Wenn man die Materialzusammensetzung nicht konkret nachweisen kann, nimmt der Zoll offenbar pauschal den schlimmsten Fall an und rechnet auf Basis von Gesamtgewicht bzw. Gesamtwert.
    • Sinnvoller wäre es wohl, das Gewicht des FR4-Materials einer PCB mit dem Gewicht des Endprodukts zu vergleichen und daraus das Gewicht der nichtmetallischen Bestandteile zurückzurechnen. Das wäre zumindest besser, als das gesamte Produkt zu verzollen.
  • In allen skandinavischen Ländern wurde der Versand in die USA gestoppt; die einzige Ausnahme sind Geschenke unter 100 Dollar.
  • Das ganze Zollthema ist letztlich ein Fall von regulatory capture zugunsten großer Konzerne mit mehr als 10 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung. Kleine Unternehmen wie Olimex können unmöglich jede einzelne Materialkostenkomponente ihrer Produkte exakt vermessen, während nur Unternehmen von der Größenordnung Apple, Microsoft, Samsung oder Google solche Kosten problemlos tragen können. Diese Firmen haben Materialanalysen im Rahmen ihrer Prozesskontrolle ohnehin schon gemacht, daher ist das für sie kein großes Problem.
    • Ich glaube, wir erleben gerade eine Art politischen Wendepunkt, in dem sich staatliche Macht und Wirtschaftskraft zentralisieren. Es fühlt sich an, als hätte man sich erst vom sowjetischen System entfernt und würde nun wieder in die entgegengesetzte Richtung gehen.
    • Solche komplexen administrativen Barrieren sind nichts Neues. Früher war es beim Export aus den USA nach Europa schon derart ineffizient, dass allein die Arbeitskosten selbst für einen einzelnen Stahlstab den Warenwert übersteigen konnten.
    • Tatsächlich profitieren nicht nur Großkonzerne, sondern auch Distributoren und Retailer davon. Kleine Importe und grenzüberschreitender Online-Verkauf sind damit inzwischen fast unmöglich.
    • Ganz so ist es nicht. Es gibt BOM-Analysetools, die man kostenlos nutzen kann. Wenn man Bauteilnamen und Lieferanten hochlädt, können automatisch Informationen von Mitarbeitern angefragt oder Lieferantendaten angehängt werden, und am Ende erhält man Materialgehalte sowie Zertifikate. Wer ein Lieferantennetzwerk hat, sollte solche Informationen ohnehin vorab beschaffen; auch die Einhaltung von RoHS/REACH wird auf diesem Weg verifiziert.
    • Heutzutage lassen sich solche Berechnungen mit einem Tabellenkalkulationsprogramm und einem günstigen PC leicht durchführen.
  • Zur Info: Auch die italienische Post hat heute oder gestern Lieferungen in die USA eingestellt. Vermutlich werden weitere europäische Postdienste bald der Reihe nach nachziehen.
  • Mir kommt dazu der Gedanke: „Protektionismus lehrt uns in Friedenszeiten, uns selbst das anzutun, was ein Feindstaat uns im Krieg antun würde.“ Protektionistische Zölle sind so ähnlich, als würde man auf sich selbst schießen. Aus chinesischer Sicht braucht man gar nichts Zusätzliches zu unternehmen und kann einfach neue Handelsdrehkreuze einsammeln. Am Ende schadet man also nur sich selbst.
    • Ob man einen Feind sanktioniert oder sich selbst sanktioniert, kann je nach Fall auf dasselbe Ergebnis hinauslaufen. Stabiler geht es wohl kaum.