1 Punkte von GN⁺ 2025-06-25 | 1 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • Einem 21-jährigen Norweger wurde bei der Einreise in die USA wegen eines JD-Vance-Memes die Einreise verweigert
  • Die Untersuchung seines Handys und weitgehende Forderungen nach persönlichen Angaben durch die US-Einwanderungsbehörden lösten eine Kontroverse um Menschenrechtsverletzungen aus
  • Wegen einfacher Fotos und scherzhafter Bilder erlebte er intensive Maßnahmen wie Verhöre, Beschlagnahmung und Leibesvisitation
  • Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die Strenge der US-Einreisebestimmungen und die Befugnisse der Grenzbehörden
  • Das norwegische Außenministerium betonte, dass die Kenntnis der Vorschriften und die Verantwortung für die Einreise beim Einzelnen liegen

Überblick über den Vorfall

  • Der 21-jährige norwegische Tourist Mads Mikkelsen wurde kurz nach seiner Ankunft am Flughafen Newark in New Jersey von der Grenzkontrolle herausgezogen, die Einreise verweigert und er wurde festgehalten
  • Ziel der Reise war der Besuch von Freunden in New York und Austin, Texas
  • Er erklärt, bei den US-Einwanderungsbehörden Machtmissbrauch und eine einschüchternde Behandlung erlebt zu haben

Untersuchung und Ablauf des Vorfalls

  • Mikkelsen wurden am Flughafen Schuhe, Handy und Rucksack abgenommen, danach wurde er vor mehreren bewaffneten Polizisten in einen isolierten Untersuchungsraum gebracht
  • Die Einwanderungsbehörden fragten nicht nur nach dem Reisezweck, sondern stellten zusätzlich verschiedene persönliche Fragen zu Drogenschmuggel, Terrorplänen und Rechtsextremismus
  • Er musste Namen, Adressen, Telefonnummern und Berufe aller Personen nennen, die er in den USA treffen wollte
  • Er litt unter starker Müdigkeit und Stress und war bereits körperlich wie psychisch erschöpft

Untersuchung der Bilder und Grund für die Einreiseverweigerung

  • Beamte verlangten die Herausgabe des Handy-Passworts und warnten, bei Weigerung drohten bis zu 5.000 Dollar oder 5 Jahre Haft
  • Nach Herausgabe des Passworts beanstandeten die Behörden zwei Bilder – ein Meme-artiges Foto des kahlen JD Vance und ein von Mads aufgenommenes Foto mit einer Holzpfeife – und verweigerten ihm endgültig die Einreise
  • Er erklärte, dass das betreffende Meme in sozialen Medien weit verbreitet gewesen sei und beide Bilder automatisch in einer Chat-App gespeichert worden seien, dies wurde jedoch nicht akzeptiert

Psychischer und körperlicher Druck

  • Die Behörden ignorierten seine Erklärung und führten intensive Identitätsfeststellungen durch, darunter Leibesvisitation, Entnahme einer Blutprobe, Gesichtsscan und Fingerabdrücke
  • Er berichtet von psychischem Schock und Paniksymptomen infolge einer erzwungenen Leibesvisitation, des Gegen-die-Wand-Drückens und extremen Drucks
  • Nach weiteren 5 Stunden in Gewahrsam wurde er ohne Essen oder Wasser sofort mit einem Flug nach Oslo zurückgeschickt

Institutioneller und rechtlicher Hintergrund sowie Hinweise des Außenministeriums

  • Die US-Grenzbehörden verfügen seit der Rückkehr der Trump-Regierung über ausgeweitete Befugnisse zur Vorabkontrolle privater Handys
  • Bereits im März dieses Jahres wurde ein Fall bekannt, in dem einem französischen Wissenschaftler wegen Trump-kritischer Nachrichten die Einreise verweigert wurde
  • Der Sprecher des norwegischen Außenministeriums Mathias Rongved betonte, dass sich die US-Einreisebestimmungen häufig änderten und dass „die endgültige Entscheidungsbefugnis bei der Einreisekontrolle bei den US-Einwanderungsbehörden liegt und die norwegischen Behörden nicht eingreifen können“
  • Reisende seien selbst dafür verantwortlich, gültige Dokumente mitzuführen und sich über die aktuellen Einreisebestimmungen zu informieren

Fazit und Implikationen

  • Der Fall zeigt, dass digitale Privatsphäre bei grenzüberschreitenden Reisen erhebliche Auswirkungen haben kann
  • Die verschärfte Einreisekontrolle der US-Grenzbehörden umfasst inzwischen auch Smartphone-Kontrollen und die Berücksichtigung gespeicherter Bilder bei der Bewertung der Einreiseberechtigung
  • Auslandsreisende, auch aus den nordischen Ländern, sollten die US-Einreisebestimmungen, lokale Richtlinien und mögliche Kontrollen digitaler Geräte besonders sorgfältig beachten

1 Kommentare

 
GN⁺ 2025-06-25
Hacker-News-Kommentare
  • Ich denke, dass alle in den Debatten darüber, ob dieser Fall nun wahr ist, und in dem Tonfall von „Wenn du ein Problem damit hast, dann geh eben gar nicht erst aus dem Haus“ den entscheidenden Punkt verfehlen. Die eigentlichen Fragen, die wir diskutieren sollten, sind: 1) Ob Strafverfolgungsbehörden irgendeines Landes die Befugnis haben sollten, elektronische Geräte ohne Durchsuchungsbeschluss zu kontrollieren, 2) ob es hinnehmbar ist, dass jemand mit kritischer Haltung die Einreise in ein Land verweigert wird, das sich zur Meinungsfreiheit seiner Bürger bekennt, und 3) was wir tun sollten, um so etwas zu verhindern, falls wir das nicht akzeptieren. Solche Fälle nehmen nicht nur in den USA, sondern weltweit zu, und angesichts ihrer Folgen braucht es eine ernsthafte Debatte darüber, ob das auch künftig akzeptabel sein soll. Zur Einordnung: Ich habe Regierungen in der EMEA-Region kritisiert und durfte dort trotzdem mehrfach arbeiten und freiwillig helfen, während mir die Einreise in autoritäre Regime wie China gerade wegen solcher Kritik in der Realität schwerfallen würde. Die Diskussion sollte sich auf diese umfassendere Perspektive konzentrieren.
    • Grenzen sind ein besonders komplizierter Grenzbereich. Gegenüber einem Land, das einen nicht einreisen lassen will, hat man weder echte Rechtsansprüche noch nennenswerten Verfahrensschutz. Am Ende wirkt es so, als hänge die Einreise davon ab, wie eng zwei Staaten miteinander sind und was ich bereit bin für die Einreise in Kauf zu nehmen
    • Nicht nur die „Meinungsfreiheit der eigenen Bürger“, sondern die Verfassungszusätze der USA gelten für alle innerhalb der USA. Die USA präsentieren sich als Vorbild zur Verwirklichung nationaler Ideale (oft mit dem Bild der „Stadt auf dem Hügel“)
    • Ich denke, der Kontext, in dem über die Berechtigung dieses Falls gestritten wird, ist selbst schon falsch gesetzt. Wenn es einen guten Fall gibt, sollte man nicht ausgerechnet so ein umstrittenes Beispiel nehmen, sondern ein überzeugenderes. Sonst entsteht eher der Eindruck, die USA würden übermäßige Maßnahmen gerade gut verhindern
    • Ich denke, das Ziel aller sollte sein, diese Doppelmoral zu verringern und Freiheit und Rechte in einem gleicheren Umfeld auszuweiten. Dieser Fall mag ein Ausnahmebeispiel im Bereich Grenzsicherheit sein, aber viele Leute, die ich kenne (darunter auch viele ICE-Unterstützer), empfinden diesen konkreten Fall als unnötig überzogen
    • Selbst wenn man eine tiefere Debatte führen will, werden am Ende immer wieder nur solche einseitigen Fälle angeführt, wodurch das Thema in eine bestimmte Richtung aufgerieben wird. Dass die USA bloß als Land dargestellt werden, das wegen eines lächerlichen Memes unschuldige Leute ins Gefängnis steckt, blendet aus, dass die Realität deutlich komplexer ist, auch wenn so etwas in anderen Ländern tatsächlich vorkommt. Bei zu zugespitzten Behauptungen werde ich automatisch skeptisch
  • Ich denke, der Aspekt der „Inhaftierung“ hätte sich viel stärker in der Überschrift widerspiegeln müssen. Eine Schlagzeile wie „Tourist ohne Gerichtsverfahren wegen Besitzes einer politischen Karikatur eingesperrt“ kommt den Tatsachen näher als „Einreise verweigert“
    • Tatsächlich war er bereits festgehalten, bevor das Vance-Bild überhaupt gefunden wurde. Der Grenzbeamte störte sich neben dem Meme auch an einem Foto, auf dem er eine Holzpfeife raucht. Natürlich ist es gut möglich, dass ihm wegen des Vance-Bildes die Einreise verweigert wurde, und allein das zeigt schon, wie ernst die Lage inzwischen ist. Aber ich vermute, der wichtigste Auslöser waren eher andere Faktoren wie ein verdächtiger Marker wegen des Rückflugtickets
    • Man könnte sogar das Wort „politisches Meme“ weglassen, denn es ist ein so belangloses, nur lustiges Bild ohne jeden Bezug zu Politik oder Programmatik
    • „Ohne Gerichtsverfahren inhaftiert“ ist ohnehin fast tautologisch, weil Untersuchungshaft per Definition vor dem Verfahren stattfindet
    • Der Kern des Problems ist, dass die USA zwei Oppositionspolitiker und deren Ehepartner auf schreckliche Weise ermordet haben, und darüber wird überhaupt nicht gesprochen. Dass stattdessen nur der Fall der wegen eines Vance-Memes festgesetzten Person Aufmerksamkeit bekommt, zeigt, dass die USA bereits ein faschistisches System sind
  • Ich halte es derzeit für sehr töricht, in die USA zu reisen. Wenn nicht gerade die Eltern schwer krank sind, sehe ich keinen Grund für einen Besuch. Es erinnert an den früheren Hype um Nordkorea-Tourismus; schon damals war das keine besonders gute Idee
    • Es gab den Fall eines Briten, der online ein Foto seines Tattoos mit dem Geburtsdatum seiner Tochter gepostet hatte, woraufhin ICE es als Beispiel für ein „venezolanisches Gang-Tattoo“ präsentierte und er am Ende den Familienurlaub absagte entsprechender BBC-Artikel
    • Ich halte Reisen in die USA nicht nur für töricht, sondern für unethisch. Geld außerhalb der USA auszugeben, ist eher das Beste für die USA und die Welt
    • Dass US-Grenzbeamte unangenehm oder pingelig sind, ist kein Problem, das nur dort existiert. Es gibt durchaus noch deutlich törichtere Entscheidungen
    • Das ist nicht nur für Touristen beängstigend, sondern auch für meine mexikanischen Freunde, die vor der Wiedereinreise in die USA stehen. Wir leben inzwischen in einer Zeit, in der man sich sogar über ein belangloses Meme-Foto auf dem Handy Gedanken machen muss
    • Selbst in autoritäreren Ländern ist die Behandlung von Ausländern manchmal eher freundlicher. Bei kurzen Aufenthalten ist das Schlimmste meist eine Abschiebung oder Einreisesperre; dass es bis zur Verhaftung kommt, ist außer vielleicht in Russland eher selten. Für Staatsbürger ist das natürlich eine ganz andere Geschichte
  • Die USA kontrollieren mobile Geräte bereits seit fast 20 Jahren. Schon Anfang der 2000er wurde mein Handy tatsächlich durchsucht, und bei neueren US-Visaanträgen musste man sogar alle Social-Media-Konten angeben. Ich habe zwar selbst keine Erfahrung damit gemacht, aber gelesen, dass Geräte mit GrayKey oder UFED komplett kopiert und dann offline ausgewertet werden. An der Grenze hat man die Wahl, das Gerät zu entsperren; verweigert man das, wird die Einreise im Zweifel immer abgelehnt und im schlimmsten Fall kann sogar ein fünfjähriges Einreiseverbot folgen (mangelnde Kooperation wird dann als Einreiseuntauglichkeit gewertet). Gerade die USA und das Vereinigte Königreich behandeln Einwanderer und Nichtstaatsbürger ohne ersichtlichen Grund deutlich härter, und für nichtweiße Europäer ist die Lage doppelt so schlecht
    • Das Deaktivieren biometrischer Sperren kann ein sinnvoller Schutz sein. Man ist nicht verpflichtet, ein Passwort einzugeben, aber man kann zur Nutzung von Gesicht oder Finger gezwungen werden; deshalb würde ich empfehlen, das Gerät ausgeschaltet über die Grenze zu bringen. Ich halte das Risiko zusätzlicher rechtlicher Strafen wie Geldbußen oder Haft nicht für besonders hoch. Selbst wenn Grenzbeamte drohen, ist die realistischste Sanktion rechtlich wohl nur die Einreiseverweigerung. Das gilt allerdings nur für Nichtstaatsbürger oder Personen ohne Daueraufenthaltsstatus; Staatsbürger können nicht zurückgewiesen werden. Das Gerät kann beschlagnahmt werden. Der ACLU-Beitrag enthält viele gute Informationen
    • In letzter Zeit hört man, dass inzwischen nicht nur die Einreise verweigert wird, sondern auch das Risiko besteht, für Wochen inhaftiert zu werden
  • Die Aussage „Er musste eine Leibesvisitation, Blutabnahme, Gesichtserkennung und Fingerabdrücke über sich ergehen lassen und am Ende sogar eine entwürdigende Leibesvisitation unter Druck“ wirkt wie eine viel härtere Erfahrung als eine bloße Einreiseverweigerung. Emotional kann einen so etwas völlig zerbrechen
  • An dieser Geschichte wirkte irgendetwas verdächtig oder die bereitgestellten Informationen unvollständig. Es wird nicht klar gesagt, warum gerade diese Person kontrolliert wurde, und ich halte es für wahrscheinlich, dass ICE in Wirklichkeit gar nicht beteiligt war. Auf Reddit Norwegen wurde auf den YouTube-Kanal der betroffenen Person verwiesen; dort gibt es Schusswaffen-Videos und wohl auch Äußerungen über den Präsidenten (mein Norwegisch reicht nicht für Genauigkeit) betroffener YouTube-Kanal. Vielleicht wurde er durch Social-Media-Scanning, etwa durch Firmen wie Palantir, als „interessante Person“ markiert. Das norwegische Außenministerium antwortete auf Anfragen zu dem Fall nur allgemein, Einreisebestimmungen könnten sich jederzeit ändern, die Einreiseberechtigung liege im Ermessen der zuständigen Einwanderungsbehörden und Reisende seien selbst dafür verantwortlich, aktuelle Regeln zu kennen und passende Unterlagen mitzuführen. Für mich klingt das unterschwellig danach, dass möglicherweise eher fehlende Unterlagen zur Einreiseverweigerung geführt haben
    • Selbst wenn Unterlagen fehlten, bleibt die Frage, warum man statt Hilfe beim Ausfüllen gleich eine Leibesvisitation und gewaltsame Kontrollen braucht
    • Ich verstehe diese Antwort als reine Standardauskunft. Das heißt nicht, dass man am konkreten Fall beteiligt war. Und wenn wirklich Einreiseunterlagen gefehlt hätten, wäre der Abflug aus Norwegen gar nicht möglich gewesen, weil die Fluggesellschaften das gründlich prüfen
    • Nur weil Informationen in dem Artikel fehlen, sollte man nicht Dinge dazuerfinden, um die Lücken zu füllen
  • Mein Lehrer erzählte einmal, dass bei Reisen in die damalige DDR bewaffnete Wachen das Gepäck kontrollierten. Wenn sich solche Dinge wiederholen, rutscht eine Gesellschaft aus meiner Sicht schrittweise die schiefe Ebene Richtung Faschismus hinunter
    • Ich habe eher das Gefühl, dass wir den unteren Teil dieser schiefen Ebene längst erreicht haben und es trotzdem immer noch schlimmer wird
    • Interessanterweise habe ich als US-Amerikaner bewaffnete Gepäckkontrollen eher nur in sozialdemokratischen Systemen Europas erlebt
    • Die DDR war kein faschistischer Staat, sondern ein Staat, der sich offen antifaschistisch verstand. Menschenrechtsverletzungen und Autoritarismus waren massiv, aber man sollte das von Faschismus unterscheiden
    • Ich finde es schwierig, die DDR als faschistisch zu bezeichnen. Siehe Fascism bei Wikipedia und Einführung zur DDR
    • Wenn bewaffnete Grenzposten oder Gepäckkontrollen schon das Kriterium für Faschismus wären, wäre es extrem schwer, noch nichtfaschistische Staaten zu finden. Mein Gepäck wird fast jedes Mal kontrolliert, und an Flughäfen ist viel Sicherheitspersonal bewaffnet. Nach diesem Maßstab wären längst alle Flughäfen faschistisch
  • Ich denke, es gibt Fälle mit klarerem Kontext, anhand derer man diese Diskussion besser führen könnte. In dem kürzlich verlinkten New Yorker-Artikel sagt ein Grenzbeamter ganz konkret: „Wir beide wissen doch, warum Sie hier sind. Wegen Ihrer Texte über die Proteste an der Columbia University.“ Auf Basis so klarer Tatsachen ließe sich eine konstruktivere Diskussion führen. (Dazu die Hacker-News-Diskussion)
  • Vorschlag, dass alle bei der Einreise dieses Meme auf dem Handy speichern sollten
    • Ich bin nicht sicher, ob man wirklich behaupten kann, dass ein Land mit dem größten Gefängnissystem der Welt und der fünfthöchsten Inhaftierungsquote unmöglich uns alle festnehmen könnte. Ich möchte mich daran jedenfalls nicht beteiligen
    • Ich bleibe lieber sicher zu Hause. In einer Einrichtung für Flüchtlinge aus Mittel- und Südamerika festgehalten zu werden und dort auf den „schlimmsten Fall“ zu warten, möchte ich nicht erleben
    • Würdest du bei der Einreise denn selbst an einem Protest teilnehmen wollen?
    • Das könnte ein Beispiel für den Streisand-Effekt werden
  • Selbst in China, so die Frage, werden an der Grenze wirklich Fotos auf Privatgeräten kontrolliert und Menschen wegen Memes abgewiesen?
    • In China wurde mein Handy noch nie kontrolliert. Wenn nötig, würde das natürlich passieren, aber die meisten Einreisebeamten stellen kaum Fragen und wirken eher wortkarg
    • Nein, so etwas passiert absolut nicht. Ich bin mehrfach nach China gereist und habe das kein einziges Mal erlebt
    • Ich habe die chinesische Grenze über hundertmal überquert (meist über Hongkong), und es gab fast nie Fragen, höchstens gelegentlich nach dem Zweck des Besuchs. Weder Taschenkontrolle noch Zweitbefragung, und einmal kam ich sogar barfuß durch (lange Geschichte). Unangenehmer waren für mich eher die Grenzen der USA oder Kanadas. In den USA (SFO) wäre mir trotz gültigem TN-Visum die Einreise fast verweigert worden, weil ich keine Visitenkarte dabeihatte, und meine Frau wurde mit sehr herabwürdigenden Worten bezeichnet (zur Obama-Zeit). Man verlangte nur eine E-Mail-Bestätigung per Telefon, aber keine echte Handydurchsuchung. In Kanada musste ich zur Zweitkontrolle, die Taschen wurden durchsucht und man wollte Fotos auf meinem Handy sehen; ich wurde über eine Stunde lang verhört, ohne dass irgendein Grund genannt wurde. Zur Einordnung: Ich bin kanadischer Staatsbürger und nehme nicht einmal Medikamente
    • Ich reise auch oft nach China und habe so etwas noch nie erlebt
    • In China beginnt die Datenverletzung im Alltag in dem Moment, in dem man sich mit dem Mobilfunknetz verbindet. Es gibt auch illegale Inhaftierungen und Ausreiseverbote. Darüber wird nur viel seltener gesprochen
    • Bei meinem China-Visumantrag musste ich verschiedenste Unterlagen einreichen, meinen Reisepass für mehrere Tage abgeben und sogar ein vom Arbeitgeber unterschriebenes Schreiben vorlegen, dass ich kein Journalist bin. Vor Ort gab es zwar eine Zweitbefragung, aber weil niemand Englisch sprach, ließ man mich einfach einreisen. Zur Einordnung: Ich bin Staatsbürger eines „wohlhabenden westlichen Landes“. Für andere dürfte je nach Staatsangehörigkeit und Hintergrund ganz anders verfahren werden, und das ist für Menschen vielleicht ein nützlicher Hinweis