- YouTube hat seine Experimente zur Abwehr von Adblockern zuletzt verstärkt, wodurch bei einigen Nutzern künstliches Buffering auftritt
- Dieses künstliche Buffering funktioniert so, dass der Start des Videos um etwa 80 % der Werbelänge verzögert wird
- Nutzer können diesen Effekt teilweise umgehen, indem sie bestimmte Einstellungen zu ihren Adblock-Filtern hinzufügen
- YouTube erkennt und bekämpft Adblocker mit verschiedenen Techniken wie Global Cache und dem SABR-Protokoll
- Durch einige JavaScript-Locker-Skripte kommt es zudem zu Einschränkungen bei Browsern, Filtern und Erweiterungen
Überblick
- YouTube hat vor Kurzem erneut eine Anti-Adblock-Funktion eingeführt und testet sie derzeit
- Über A/B-Tests wird die experimentelle Funktion nur auf bestimmte Konten angewendet
- Nutzer können in uBlock Origin oder im Brave-Browser Filter verwenden, um diese Änderungen zu vermeiden (bereits in den Standardfiltern enthalten)
Phänomen des künstlichen Bufferings
- Das Hauptsymptom ist ein verlängertes Buffering beim Start des Videos (nicht während der Wiedergabe)
- Die Dauer dieses künstlichen Bufferings beträgt etwa 80 % der Zeit, in der eigentlich Werbung abgespielt worden wäre
- Wenn eine Werbung zum Beispiel 15 Sekunden lang ist, erlebt der Nutzer rund 12 Sekunden Buffering
- Wenn mehrere Werbungen hintereinander geschaltet sind, entsteht ein Warteffekt in Höhe der Summe von 80 % jeder einzelnen Dauer
- Nutzer mit Adblocker haben dadurch weiterhin einen Zeitvorteil
Interne Struktur und Funktionsweise
- InnerTube ist YouTubes offizielle interne API, über die Web- und Mobile-Clients auf Videos und zugehörige Informationen zugreifen
- Videostreams werden über GVS (Google Video Services) bereitgestellt; die Links laufen ab und müssen neu erzeugt werden
- Zur Optimierung der Netzwerklast nutzt YouTube außerdem Google Global Cache-Server
- Früher wurde der Videobereich einfach über Query-Parameter festgelegt, inzwischen wird jedoch ein proprietäres binäres Protokoll namens SABR (Server ABR) verwendet
- SABR kann bei Bedarf ein backoff (Verzögerungskommando) senden und den Client so zu einer Wartezeit veranlassen
Tatsächliche Ursache des künstlichen Bufferings
- Wenn ein Adblocker erkannt wird, fügt InnerTube dem GVS-Stream ein backoff in Höhe von 80 % der Werbelänge hinzu
- Dieses backoff wird immer angewendet, wenn ein Nutzer zur A/B-Testgruppe gehört, unabhängig davon, ob Werbung tatsächlich blockiert wird
- Bei Nutzern ohne blockierte Werbung lädt das Backend das eigentliche Content-Video vorab, sodass sie diese Verzögerung nicht wahrnehmen
- Hinweise wie "Experiencing interruptions" erscheinen aufgrund eines lang anhaltenden backoff
- Gerüchte im Web wie ein angebliches CPU-Überlastungsproblem entsprechen nicht den Tatsachen
Wie sich Werbung grundsätzlich blockieren lässt
- Um den Werbestream selbst gar nicht erst zu empfangen, kann die Eigenschaft
isInlinePlaybackNoAd auf true gesetzt werden
- Wenn in der JSON-Anfrage der Eintrag
"isInlinePlaybackNoAd":true enthalten ist, fügt InnerTube weder Werbung noch backoff hinzu
- Bei uBlock Origin können entsprechende Regeln in die Benutzerfilter eingefügt und so automatisch angewendet werden
- Diese Eigenschaft lässt sich im Frontend-JavaScript und in den Definitionen der Protocol Buffers nachvollziehen
Grenzen und Nebenwirkungen
- Diese Methode lässt sich nur bei Navigation innerhalb der bereits geladenen YouTube-Single-Page-App (warmes Laden) umgehen
- Beim ersten Aufruf (kaltes Laden) ist sie wegen der vom Backend gelieferten initialen Daten nicht anwendbar
- Versuche, die initialen Daten zwangsweise zu entfernen, verursachen verschiedene Probleme bei Livestreams, Seitengeschwindigkeit und Nutzererlebnis
Umgehung der Sperre durch Locker-Skripte
- YouTube fügt bei einigen Versuchsgruppen oberhalb des ``-Tags ein Locker-Skript ein, das globale Objekte in einen nicht veränderbaren Zustand versetzt
- Erweiterungen wie uBlock Origin können Objekt-Hooking nur durchführen, bevor dieses Skript ausgeführt wird
- Firefox kann dies per HTML-Filtering umgehen, Chromium-Browser unterstützen diese Methode jedoch nicht
- Als Gegenmaßnahme ist eine Umgehung über Object.assign-Hooking möglich
- Mit dieser Methode lässt sich unter Verwendung erweiterter Proxy-Funktionen
"isInlinePlaybackNoAd":true einfügen
1 Kommentare
Hacker-News-Kommentare
Jemand berichtet von der Erfahrung, YouTube in letzter Zeit komplett aufgegeben zu haben. Früher habe die Person stundenlang am Tag hochwertige Bildungs- und Wissenschaftsinhalte geschaut, dann aber festgestellt, dass das eigentlich nicht nötig gewesen sei. Als Bonus sei das Leben nun werbefrei und sauberer. Wenn jemand ein YouTube-Video schicke, werde es gelegentlich noch angesehen, aber nicht mehr aktiv aufgerufen. Die starke Empfehlung an alle: weniger passive Unterhaltungsnutzung wie YouTube und stattdessen mehr Zeit in kreative und bewusste Aktivitäten stecken.
Es gebe auch die Möglichkeit, einfach zu bezahlen. Die ganze Familie nutze einen Aboplan und lebe so ohne Werbung. Das sei ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Man könne ein Motorrad-Build-Projekt wohl auch ohne Videos abschließen, aber warum sollte man sich das antun?
Netflix sei auf dieselbe Weise aufgegeben worden, Prime ebenfalls gekündigt, wodurch Amazon insgesamt nicht mehr genutzt werde. Nur AWS sei wegen der Daten praktisch unmöglich zu ersetzen und damit die Ausnahme. YouTube werde mit werbefreiem Plan genutzt, und falls das Versprechen „ohne Werbung“ gebrochen werde, käme YouTube ebenfalls dauerhaft auf die Sperrliste.
Das YouTube-Konto sei gelöscht und man sei zu Patreon gewechselt. Videos von Creatorn, die dort unterstützt werden, könnten weiterhin über Benachrichtigungen auf YouTube angesehen werden. Dadurch sei der Konsum deutlich bewusster und qualitativ hochwertiger geworden.
Es wird die Realität angesprochen, dass große Teile der Bevölkerung von solchen Plattformen abhängig sind. Das sei das Zeitalter von „Zigaretten 2.0“.
Als Tipp wird genannt, dass es viele der besten Wissenschaftsprogramme auch auf Plattformen wie PBS und Nebula gebe.
Solange Google weiterhin Werbung erzwingt, müsse man viel sensibler auf die Unangemessenheit und Betrugsanfälligkeit der Werbung achten und diese stärker überwachen. Gerade wenn Adblocker der einzige Weg seien, sich selbst und die Familie vor schädlicher Werbung zu schützen, müsse man von Google mehr Verantwortung für die ausgespielte Werbung verlangen.
Das aktuelle Niveau der YouTube-Werbung sei so niedrig und unangemessen, dass es schockiere. Führungskräfte würden Standards offenbar nur noch für KPI, Boni und Beförderungen auf den Boden absenken. Es habe auf Mobilgeräten bereits Erfahrungen mit Porno-Werbung in Thumbnails gegeben, schlimmer noch als bei früheren Evony-Online-Anzeigen. Das wirke wie ein Zeichen dafür, dass YouTube in eine Wachstumsstagnation gerate.
Im Fernsehen werde die Werbezeit immerhin halbwegs kontrolliert, während YouTube mit miserabler, überlanger Werbung überflutet sei. Selbst wenn man nebenbei etwas laufen lasse und eine nach 5 Sekunden überspringbare Anzeige wegklicke, würden plötzlich 30 Minuten oder sogar noch längere Infomercials dazwischengeschoben. Dass solche langen Anzeigen den Sehfluss unbeabsichtigt stören und trotzdem zugelassen werden, erscheine seltsam bis fast kriminell. Vermutlich nehme YouTube dafür enorme Werbebudgets ein.
Für die Mühe und Arbeit, die in Content-Erstellung und Plattformaufbau fließen, müsse es eine faire Vergütung geben. Bücher, Filme, TV und Nachrichten hätten alle irgendeine Form von Bezahlung, entweder direkt mit Geld oder über das Ansehen von Werbung. Wer Werbung nicht möge, solle eben ein kostenpflichtiges Abo abschließen.
Wenn es eine Flagge mit der Aufschrift „Thin Adblock Writer Line“ gäbe, hätte man sie längst am Auto befestigt.
Der schlichte Vorschlag: einfach für Premium bezahlen. Niemand werde gezwungen, YouTube zu nutzen.
Es wird erwähnt, dass sich Werbung in Firefox mit HTML-Filtern leicht blockieren lasse. Umso schockierender sei die Erkenntnis gewesen, dass das in Chromium wegen fehlender Erweiterungs-API nicht möglich sei.
Jemand erlebt in letzter Zeit häufig Verzögerungen beim Puffern auf YouTube, empfindet das aber eigentlich nicht als sonderlich störend. Das Nervige an Werbung sei nicht die verlorene Zeit, sondern die erzwungene Beschallung mit Audio und Video, die man nie wollte. Während 12 Sekunden Buffering könne man einfach E-Mails prüfen oder kurz ins Leere schauen; daran habe sich das Gehirn fast natürlich angepasst. Wenn das Buffering ständig auftrete, blende das Gehirn es irgendwann automatisch aus. Vielleicht wäre es sogar störender, wenn es nur gelegentlich, etwa jedes fünfte Mal, passiere.
Es wird die grundlegende Frage gestellt: „Warum rechtfertigen wir Adblocking? Content kostet Geld, Speicherung und Verteilung ebenfalls. Gibt es einen moralischen Grund oder ein Anspruchsdenken, das Adblocking legitimiert?“ Falls Werbung einfach nur unangenehm sei, müsse man sich selbst vielleicht fragen, warum man Kostenlosigkeit als selbstverständlich betrachte. Die Frage sei nicht moralisch wertend gemeint, sondern als ernsthafter Versuch, das zu verstehen.
Früher habe Google AdSense ein Limit von drei Anzeigen pro Seite gehabt, bei Verstößen habe sogar eine Sperre gedroht. Heute seien zehn, fünfzehn oder noch mehr Anzeigen auf einer einzigen Webseite eingebaut. Auch YouTube habe mit einem anfänglichen Banner begonnen und sei inzwischen bei Pre-Rolls, Mid-Rolls, integrierten Sponsorenabschnitten und sogar unteren Anzeigenflächen für Premium-Abonnenten angekommen. Selbst die Google-Suche sei oben so voll mit Anzeigen, dass man erst scrollen müsse, um zu organischen Ergebnissen zu gelangen. Es gehe nicht darum, ein Recht auf kostenlose Nutzung zu behaupten, sondern darum, dass es schlicht zu weit gegangen sei. Deshalb werde auf allen Geräten ein Adblocker verwendet.
Es wird darauf hingewiesen, dass die Frage „Warum fühlen wir uns zu Kostenlosigkeit berechtigt?“ ohnehin nicht zur tatsächlichen Denkweise realer Nutzer passe. Man tue es, weil man es kann und weil man es möchte; wer das verhindern wolle, müsse dafür einen ethischen Grund liefern. Es gebe keine moralische Pflicht, Werbung anzusehen. Im Gegenteil: Werbung manipuliere Aufmerksamkeit, nutze Menschen aus und verletze Privatsphäre; deshalb sei sie ihrem Wesen nach manipulativ und könne nicht als erzwingbarer Vertrag gelten.
Google tue so, als handle es im Interesse der Nutzer, sei in Wahrheit aber feindselig und wettbewerbswidrig geworden. Adblocking sei daher fast wie das Ergreifen einer Waffe im Krieg. Werbung sei früher schwer oder gar nicht zu blockieren gewesen, aber die meisten Anzeigen, die heute blockiert werden, seien in Wirklichkeit Hybride aus Werbung und Überwachung. Dazu werden verwandte Artikel und Hintergrundlinks geteilt.
Es wird darauf hingewiesen, dass YouTube-Creator 55 % der Gesamteinnahmen erhalten. Auch wenn Google wegen seiner profitorientierten Struktur kritisiert werde, gehe ein großer Teil der wichtigsten Kosten tatsächlich an die Creator. Aktive Unterstützung über Patreon werde in der Praxis nur von einem Teil besonders engagierter Fans geleistet, während die große Mehrheit kostenlose Inhalte konsumiere und sich dann noch über das „Restaurant“ beschwere, ohne die Rechnung tragen zu wollen.
Es wird kritisiert, dass ein Skript per
Object.definePropertyEigenschaften globaler Objekte unveränderlich machen und dadurch Blockaden über Köderobjekte umgehen kann. Das sei browserseitig oder auf Ebene der Spezifikation ein gravierender Fehler. Seiteninhalte und Skripte dürften die Funktionen von Browser-Erweiterungen nicht einschränken können.Jemand erklärt, der Zweck von Adblocking sei für die Person vor allem das Vermeiden von Ablenkung und Kontextwechseln. Die durch Werbung verursachte Informationsüberflutung erhöhe eine ohnehin schon hohe kognitive Last weiter und sei schwer zu ertragen.
Es wird gefragt, wie die kognitive Last beim YouTube-Schauen überhaupt hoch sein könne. Ob man zwischendurch vielleicht echte OP-Trainingsvideos beobachte und gerade eine Herztransplantation durchführe?
Für nur 13 Dollar im Monat lasse sich das Problem mit den Kontextwechseln leicht lösen. Wenn die kognitive Last wirklich so hoch sei, verdiene die Person vermutlich auch gut genug, um das effizient auf diese Weise zu regeln.
Nüchtern wird die Erfahrung geteilt, dass man für die ganze Familie gern
Youtube Premiumbezahlt, um Werbung zu entfernen und zugleich die Einnahmen der Content-Creator zu erhalten.Dem wird direkt widersprochen: Man sehe das überhaupt nicht ein und nutze stattdessen Newpipe, komplett kostenlos und ohne Werbung.
Es sei schwer zu sagen, ob der obige Beitrag Satire sei. Falls er ernst gemeint sei, wirke es überraschend, jemandem zu begegnen, der einem Internet-Großgrundbesitzer freiwillig und geradezu freudig noch mehr Geld gebe.
Es wird als überraschend empfunden, dass YouTube Werbung nicht längst direkt in den Videostream injiziert. In einer HLS/DASH-Umgebung ließen sich Inhalte zwischenschalten, was Adblocking deutlich erschweren würde. Wenn zudem die Paketübertragung auf Wiedergabegeschwindigkeit begrenzt würde, ließe sich auch das Vorausladen als Umgehung unterbinden.
Selbst in so einem Umfeld sei HLS jedoch hardwareseitig so massiv optimiert, dass zusätzlicher Rechenaufwand für zielgerichtete Werbung die Kosten zwangsläufig explodieren lassen würde. Wer mehr dazu wissen wolle, solle sich die Materialien von Netflix zur Performance-Optimierung von Streaming-Edge-Servern ansehen.
Es wird vermutet, dass YouTube Veränderungen nicht zu schnell, sondern schrittweise einführen will. Bald könnte ein Szenario kommen, in dem Werbung direkt in den Stream eingefügt wird. Derzeit seien Werbung und Videostream noch getrennt, aber es liefen bereits separat Experimente mit serverseitiger Werbeeinfügung.
Der Strom von crowd-basierten Werbeblockern auf Basis von Zeitstempeln wie SponsorBlock und Tubular wird angesprochen. In Zukunft werde es wohl auch geräteinterne, in Echtzeit arbeitende KI-gestützte Werbeerkennung geben; daher werde Adblocking selbst dann nicht so leicht verschwinden.
Tatsächlich führe YouTube derzeit A/B-Tests mit serverseitiger Werbeeinfügung (SSAI) durch. Die Person habe diese Anzeigen selbst noch nicht gesehen, teile aber den aktuellen Stand.
Es wird die Auffassung vertreten, dass Clients Werbung ebenso wieder aus dem Video herausschneiden könnten, wie sie sie einfügen. Mit einer gemeinschaftlich gepflegten Datenbank wie bei SponsorBlock sei Werbeerkennung gut machbar, und auch Stream-Werbung könne damit umgangen und blockiert werden.