Warum Entscheidungen, die oberflächlich irrational wirken, in Wirklichkeit vollkommen rational sind [Übersetzter Artikel]
(blogbyash.com)Warum Entscheidungen, die oberflächlich irrational wirken, in Wirklichkeit vollkommen rational sind
1. Was ist die Selectorate Theory?
- Eine von dem Politikwissenschaftler Bruce Bueno de Mesquita formulierte Theorie, die als Framework erklärt, warum Machthaber manchmal Entscheidungen treffen, die von außen irrational wirken.
- Wurde einer breiteren Öffentlichkeit durch The Dictator’s Handbook bekannt gemacht.
- Kerninhalt:
- Führungspersonen (Politiker, CEOs, Gründer usw.) berücksichtigen zur Sicherung ihrer Macht vor allem die Interessen ihrer „Kernunterstützer“ (Winning Coalition, Essentials).
- Diese Kernunterstützer werden aus einer größeren Gruppe (Selectorate, Influentials) ausgewählt.
- Die Größe der Kernunterstützergruppe und ihr Verhältnis zur gesamten Auswahlgruppe (W/S) bestimmen die Richtung von Entscheidungen.
2. Verhaltensmuster von Führungspersonen je nach W/S-Verhältnis
- W (Kernunterstützer): die Personen, die für den Machterhalt der Führungsperson unbedingt nötig sind.
- S (Selectorate/Auswahlgruppe): die breitere Gruppe, die die Führungsperson auswählt oder ihren Machterhalt beeinflussen kann.
- Wenn das W/S-Verhältnis niedrig ist (wenige Kernunterstützer):
- Da nur die Loyalität weniger Personen gesichert werden muss, werden ihnen gezielt private Vorteile (besondere Belohnungen, Privilegien, Geld usw.) gewährt.
- Es ist eine rationale Strategie, eher „die eigenen Leute zu versorgen“ als das Gemeinwohl zu priorisieren.
- Wenn das W/S-Verhältnis hoch ist (viele Kernunterstützer):
- Da die Unterstützung vieler Menschen notwendig ist, ist es vorteilhaft, öffentliche Güter bereitzustellen, von denen alle profitieren (Ergebnisse, Wohlfahrt, Systeme usw.).
- Entscheidungen zugunsten des „öffentlichen Interesses“ werden häufiger.
3. Beispiele aus der Praxis
3-1. Politik in Großunternehmen/Organisationen
- Wenn ein CEO nur die Meinung einer kleinen Zahl von Führungskräften oder bestimmter Abteilungen berücksichtigt, wirkt das von außen irrational, ist innerhalb der internen Machtstruktur jedoch rational.
- Denn die Interessen der „Kernunterstützer“ in der Organisation zu bedienen, ist wirksamer für den Erhalt der eigenen Führung.
3-2. Enterprise Sales
- Die tatsächlichen Kaufentscheider priorisieren nicht die „Optimierung für die gesamte Organisation“, sondern zuerst ihre eigene Position und ihre Interessen (Vorgesetzte, Kollegen, Bewertung usw.).
- Häufig werden Produkte oder Services ausgewählt, die intern politisch vorteilhaft sind.
3-3. VC-/Investmentbranche
- GPs (Fondsgesellschaften) berücksichtigen in erster Linie die Anforderungen und Zufriedenheit ihrer wichtigsten LPs (große Investoren).
- Auch Fondsstrategien oder Kennzahlen werden auf die „Kernunterstützer“ zugeschnitten.
3-4. Startups/Phasen des Organisationswachstums
- In der Frühphase haben die Interessen weniger zentraler Mitglieder wie Mitgründer oder Lead Engineers oberste Priorität.
- Mit dem Wachstum der Organisation nimmt die Zahl der Kernunterstützer zu, und Entscheidungen verlagern sich stärker in Richtung öffentlicher Güter (Benefits, Regeln, Transparenz usw.).
4. Warum sind Entscheidungen, die irrational wirken, tatsächlich rational?
- Von außen kann man sich fragen: „Warum treffen sie so eine seltsame Entscheidung?“,
doch aus Sicht der Führungsperson hat der Schutz der eigenen Machtbasis (der Kernunterstützer) oberste Priorität. - Wer diese Theorie versteht, kann
- Organisationspolitik,
- sowie strukturelle Gründe für scheinbar „irrationale“ Entscheidungen in Vertrieb/Investment usw.
besser erkennen.
5. Erkenntnisse und praktische Ansatzpunkte
- Wenn man in Organisation, Politik oder Business eine Stakeholder-Map erstellt und dabei die Selectorate Theory anwendet, lässt sich der tatsächliche Verlauf und die Motivation von Entscheidungen klarer verstehen.
- In Situationen, in denen „interne Politik“ wichtig ist,
- sollte man sich bewusst sein, dass die Interessen der „Kernunterstützer“ Vorrang vor dem öffentlichen Interesse haben können.
- Mit den Wachstumsphasen einer Organisation verändert sich das W/S-Verhältnis, und damit auch die Art der Entscheidungsfindung.
6. Referenzmaterialien
- The Dictator’s Handbook
- CGP Grey – The Rules for Rulers
- Netflix-Serie How to Become a Tyrant
Zusammenfassung
- Die Selectorate Theory erklärt die strukturellen Gründe für „irrationale“ Entscheidungen in Organisationen, Politik und Business
- Das Verhalten von Führungspersonen wird durch die Interessen ihrer „Kernunterstützer“ bestimmt
- Auf verschiedene reale Fälle anwendbar (Großunternehmen, Startups, VC usw.)
- Nützlich, um das Wesen von Entscheidungsprozessen in Organisationen zu verstehen
2 Kommentare
Aus der Perspektive des Einzelnen mag es rational sein, aber das erklärt auch, warum Großunternehmen auf Technologien setzen, die scheitern.
Man kann es auch aus dieser Perspektive betrachten.