1 Punkte von GN⁺ 2025-06-17 | 1 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • Durch Krieg, Geopolitik und Klimawandel ist künftig in Europa mit mehr schweren Internetausfällen zu rechnen
  • Mit LoRa-Funkgeräten und der Meshtastic-Software können kleine Freiwilligengruppen die erste Führungsrolle bei der Wiederherstellung der Kommunikation übernehmen
  • Klassischer Amateurfunk ist wegen Kosten, Komplexität und Stromverbrauch ineffizient
  • LoRa-/Meshtastic-Netzwerke sind günstig und stromsparend und ermöglichen Textnachrichten ohne zentrale Infrastruktur
  • Die Gründung eines Clubs ist sehr praxisnah: durch den Aufbau eines lokalen Netzwerks von Fachleuten, die Vorbereitung von Ausrüstung und die Durchführung von Übungstreffen

Überblick

In Europa sind aufgrund von Krieg, geopolitischen Spannungen und Klimawandel künftig häufige Internetausfälle zu erwarten. Da Regierungen und Unternehmen nur zögerlich reagieren, können kleine Freiwilligengruppen mit LoRa-Funkgeräten und dem Open-Source-Messenger Meshtastic eine anfängliche Führungsrolle bei der Wiederherstellung der Kommunikation übernehmen. Ein Club für Internet-Resilienz ist ein günstiger und notfalltauglicher Ansatz zum Aufbau eines Off-Grid-Mesh-Netzwerks

Über die Autorin

  • Die Autorin Valerie Aurora ist Systemsoftware-Ingenieurin und ehrenamtliche Organisatorin mit 25 Jahren Erfahrung. Sie ist Berichterstatterin zum Cyber Resilience Act der EU und Mitglied des Programmkomitees der RIPE-Meetings

Warum ein Club für Internet-Resilienz nötig ist

  • Wie der Krieg zwischen Russland und der Ukraine zeigt, können in nationalen Krisen Internet- und Strominfrastruktur schwer lahmgelegt werden
  • Ukrainische Internetbetreiber setzten verschiedene Resilienzstrategien ein, darunter Generatoren, passive Glasfaser und vom Militärdienst befreites Personal
  • Westliche europäische Länder wie die Niederlande sind auf reale Katastrophenszenarien nur unzureichend vorbereitet

Krisen-Engineering und persönliches Handeln

  • Aus Sicht des Krisen-Engineering ist es fast unmöglich, Organisationen vor dem Eintreten einer Krise rechtzeitig vorzubereiten. Deshalb ist persönliche Vorsorge wichtig
  • Nötig sind die Gründung eines Clubs, die Gewinnung von Netzwerkexpertinnen und -experten sowie Versuche, Kommunikation ohne zentrale Infrastruktur direkt wiederherzustellen

Die Lösung mit LoRa und Meshtastic

Was sind LoRa und Meshtastic?

  • LoRa ist eine Funktechnik mit geringem Stromverbrauch, niedrigen Kosten, lizenzfreier Nutzung und kurzer Reichweite (einige km)
  • Mit der Open-Source-Firmware Meshtastic ist Messaging ohne zentrale Server möglich; es lässt sich von Punkt-zu-Punkt-(RF)-Kommunikation zu einem Mesh-Netzwerk erweitern
  • Die Kopplung mit Smartphone oder PC ist über Bluetooth oder WiFi möglich
  • Optimiert für die Übertragung einfacher Textnachrichten

Grenzen des klassischen Ham Radio

  • Amateurfunk ist wegen hoher Kosten, hoher Sendeleistung und komplexer Lizenz-/Schulungsanforderungen nur begrenzt nützlich

Leitfaden zur Gründung eines Clubs für Internet-Resilienz

Kurzüberblick über das Vorgehen

  • Eine Gruppe von Fachleuten in einem Radius von etwa 10 km bilden

  • Im Normalbetrieb Kommunikationswege wie Signal, Matrix oder E-Mail festlegen

  • Alle Beteiligten mit LoRa-Funkgerät und Powerbank (mit Trickle-Charging-Unterstützung) ausstatten

  • Meshtastic-Firmware auf LoRa-Geräte installieren und Kommunikationskanäle festlegen

  • Regelmäßige Treffen, Messenger-Übungen und soziale Aktivitäten fördern

  • Wer im Unternehmen verantwortlich ist, kann im Rahmen der Mitarbeiterfürsorge die Ausgabe von LoRa-Funkgeräten, Powerbanks und kleinen Solarpanels vorschlagen

Vorteile von LoRa

  • Keine zentrale Infrastruktur nötig, keine Lizenz erforderlich, günstig (ab etwa 20 Euro)
  • Geringer Stromverbrauch (unter 1 W), dadurch lange Laufzeit mit Powerbanks für Mobiltelefone
  • Unterstützung durch Meshtastic als Open Source, Nachrichten auf SMS-Niveau über einige Kilometer
  • In manchen städtischen Gebieten sind Meshtastic-Netzwerke bereits aktiv

Funktionsweise von LoRa/Meshtastic

  • Mit bis zu 3 Mesh-Hops ist Textnachrichten-Relay über bis zu etwa 10 km möglich (abhängig von Gelände und Wetter)
  • Langsame RF-Kommunikation mit geringer Sendeleistung (~1–25 kbps, <1 W)
  • Für Knotenverbindung und Nachrichtenübertragung ist ein Gerät mit Bluetooth/WiFi-Unterstützung erforderlich
  • Manche Produkte unterscheiden sich bei Gehäuse, Akku, externer Antenne und anderer Hardware

Stromversorgung und Nutzung von Solarenergie

  • LoRa verbraucht nur 100–200 mA; mit einer mobilen Powerbank (10000–20000 mAh) sind 2 bis 8 Tage Betrieb möglich
  • Eine Powerbank mit Unterstützung für Trickle Charging ist Pflicht; manche Powerbanks schalten sich bei sehr niedriger Stromaufnahme automatisch ab
  • Mit einem kleinen Solarpanel (800 cm², 15W~5W/500mA) direkt verbunden lässt sich eine portable, umweltfreundliche Stromversorgung aufbauen, ohne separaten Controller

Empfohlene Geräte

  • Heltec V3: ohne Gehäuse/Akku, OLED-Display, WiFi/Bluetooth, USB-C, günstig (rund 20 Euro)
  • LILYGO T-Echo: Gehäuse, integrierter Akku, Bluetooth, E-Ink-Display, GPS, etwa 80 Euro, stark bei Portabilität und sofortiger Nutzbarkeit
  • LILYGO T-Deck: eigenständiges Gerät mit Tastatur/Trackball/Touchscreen, etwa 8 Stunden Akkulaufzeit, 70–80 Euro, oft knapp verfügbar
  • Upgrade auf externe Antenne empfohlen (z. B. Taoglas TI.08.A, 868MHz)

Vorsicht: Ohne montierte Antenne kann das Gerät beschädigt werden

Installation der Meshtastic-Firmware

  • Bei einigen Produkten ist die Firmware vorinstalliert, meist aber veraltet; daher wird das Flashen der neuesten Firmware empfohlen
  • Möglich per browserbasiertem Tool (Chrome/Edge) oder per Drag-and-Drop von Dateien; Fortgeschrittene können CLI/Serial nutzen

Frequenz- und Kanaleinstellungen

  • In Europa zulässige Frequenzen: 868MHz, 433MHz
  • Meshtastic nutzt standardmäßig 868MHz; empfohlen wird, das Modem-Preset auf dem Standardwert (LONG_FAST) zu belassen
  • Kanäle werden über Mesh-Schlüssel und Namen verwaltet; Einstellungen können per QR-Code geteilt werden

Treffen und Training

  • Die Bedeutung von Übungen und dem Aufbau von Teamwork vor dem Krisenfall wird betont
  • Empfohlen werden unterschiedliche Zeiten, Orte und Aktivitäten, um mehr Teilnehmende einzubinden

Referenzen und Community

  • Es gibt eine Mailingliste für zusätzliche Fragen und den Austausch von Informationen

Fazit

  • Ein Club für Internet-Resilienz ist eine praktische Krisenlösung auf Basis von niedrigen Kosten, geringem Stromverbrauch und Open Source
  • Durch die Organisation lokaler Fachgruppen, die Beschaffung von Geräten und regelmäßiges Training lassen sich Lücken in staatlichen und unternehmerischen Vorsorgemaßnahmen schließen
  • Wenn niemand anfängt, wird es niemand tun

1 Kommentare

 
GN⁺ 2025-06-17
Hacker-News-Kommentare
  • Ich wollte Meshtastic in eine ländliche Gegend mit fast keinem Internet mitnehmen und dort einrichten und habe festgestellt, dass dieses Projekt überhaupt nicht auf den Einsatz ohne Internet vorbereitet ist

    • Beim Flashen der Boards wird offiziell nur der Web Flasher vorgestellt, und selbst wenn man es aus dem Source machen will, braucht die Installation von Toolchains wie PlatformIO Internet

    • Die Client-Apps werden über App Stores oder die Web-App bereitgestellt, und keine davon läuft offline

    • Tatsächlich hostet das Board selbst zwar eine Web-App, aber man kann es nicht einfach direkt an den Computer anschließen, sondern muss zwingend ein Wifi-AP verbinden

    • Die offizielle Dokumentation ist ebenfalls nur im Web verfügbar, und es gibt keine Hinweise auf ein Offline-PDF oder Self-Hosting

    • Technisch versierte Leute können das irgendwie lösen, aber das wird nicht klar hervorgehoben

    • Ich verstehe, dass die Kernaussage dieses Artikels ist, man solle sich im Voraus vorbereiten, aber nicht einmal eine PDF-Dokumentation für den Offline-Einsatz wird angeboten

    • Ich habe bei dieser Gelegenheit auch von dem Projekt Meshcore erfahren, aber wenn die "Erste Schritte"-Anleitung ein YouTube-Video ist, reicht das für einen Notfalleinsatz nicht aus

    • Ich flashe Firmware immer nur per CLI oder per "Drag-and-Drop"

      • Der Web Flasher ist gut für Einsteiger, aber für alle Geräte gibt es eine 100%ige Offline-Methode
      • Die Android-Client-apk kann direkt über GitHub Releases heruntergeladen werden
      • Trotzdem denke ich, dass die Unterstützung für Szenarien mit langanhaltendem Internetausfall deutlich aktiver ausgebaut werden sollte
    • Kompilierte Firmware wird zusammen mit Skripten auf GitHub bereitgestellt, und man kann die Meshtastic CLI verwenden

      • Die Dokumentation liegt im git-Repository auch im .mdx-Format vor
      • Alle von dir genannten Unannehmlichkeiten sind das Ergebnis stärkerer Komfortfunktionen für Webbrowser-basierte Nutzer
      • Das heutige Web-Ökosystem ist, auch mit Dingen wie web3, noch weit von Dezentralisierung entfernt
    • Wenn ich so etwas höre, denke ich wieder, dass wir unbedingt ein wirklich Local-firstes Ökosystem und entsprechende Infrastruktur brauchen

      • Als ich das "Local-first"-Manifest gelesen habe, war ich sehr enttäuscht, weil es nicht das war, was ich mir unter echtem Local-first vorgestellt hatte
      • Für mich wäre echtes Local-first ein Modell, bei dem sich Smartphones per Bluetooth verbinden und ohne zentralen Server synchronisieren
      • Aber so etwas ist aus Sicht der SaaS-Monetarisierung nicht besonders realistisch
      • Gerade nach Katastrophen zeigt sich echte Resilienz bei Dingen wie Netzerweiterung nur dann, wenn auch Werkzeuge und Entwicklungsumgebungen wirklich Local-first werden
  • Ich habe Meshtastic in einer europäischen Großstadt mit nahezu 100% Abdeckung getestet, aber die tatsächliche Leistung war sehr enttäuschend

    • Wegen Antennengewinn-Problemen und eines instabilen Meshs konnte ich auf Nachrichten oft nicht antworten

    • Der öffentliche Chat ist entweder völlig tot oder mit Testnachrichten zugespammt, insgesamt ist alles zu langsam, und sobald es mehr als 100 Nodes gibt, bricht das Mesh schnell zusammen

    • Selbst wenn die Kanalgeschwindigkeit noch halbwegs hoch ist, ist sie schnell ausgelastet

    • Am Ende ist es kein System, auf das man sich im Notfall verlassen kann

    • Stattdessen wäre es aus meiner Sicht viel effizienter, mit alten gebrauchten Wifi-Routern ein öffentliches Wifi-Mesh aufzubauen

    • Solche Router gibt es fast umsonst, es gibt viele kompatible Clients, und der Stromverbrauch ist niedrig

    • Natürlich hat das Grenzen, wenn der Stromausfall lange andauert, aber solange Strom da ist, ist es nützliche Infrastruktur

    • Ich hatte einen ähnlichen Eindruck

      • Obwohl ich über ein Jahr lang zwei Nodes betrieben habe, kam es zu echtem Kontakt vielleicht zweimal
      • Selbst mit YAGI-Antennen, speziellen 868MHz-Antennen und erhöhter Position war die Reichweite sehr kurz, und das Signal wurde schnell schwach
      • Das 868MHz-Band hat starke Dämpfung, selbst wenn die Höhe passt
      • Das Konzept ist an sich cool, aber als praktische Lösung reicht es nicht
      • Hamnet oder Amateurfunk sind deutlich zuverlässiger
      • Dank kleiner SDRs kann man einfache Funkgeräte schon für etwa 20 Euro kaufen
    • Auch Mesh-Netzwerke, einschließlich Wifi-Mesh, brauchen bis zu einem gewissen Grad Vorplanung

      • In unserer Gegend kann man dank eines sehr guten ROUTERs auf einem Berggipfel auch über 80km noch ziemlich zuverlässig Nachrichten austauschen
      • Mit Wifi wäre diese Distanz absolut unmöglich
      • Etwa 80 Nodes laufen im LONG_FAST-Modus, die Bevölkerung liegt bei rund 500.000
      • Trotzdem ist der Routing-Algorithmus von Meshtastic ineffizient und bietet sehr viel Raum für Verbesserungen
    • Wifi-Router verbrauchen relativ viel Strom für vergleichsweise kleine Abdeckung

      • Für einige hundert Quadratmeter braucht man etwa 10 Watt
      • Wenn man eine ganze Stadt abdecken will, ist das ineffizient
    • Aus Sicht von jemandem, der in Spanien einen großflächigen Stromausfall erlebt hat, denke ich, dass dieser Ansatz mit Telefonen wirklich hilfreich gewesen wäre

      • Wenn auch nur eine Person einen Generator oder Starlink hat, kann sie allen ein Stück Konnektivität geben
    • Ich finde es überraschend, dass Smartphone-Hersteller Mesh-Netzwerke nicht längst umgesetzt haben

      • Apples Find-My-Netzwerk könnte man als Mesh bezeichnen, aber für beliebige Datenübertragung ist die Bandbreite sehr gering
      • Ich hoffe, dass Apples neuer mobiler Wifi-Chip ein Vorbote eines echten Internet-Mesh-Netzwerks ist
  • Einer meiner Albträume ist, morgens aufzuwachen und Stromausfall, Internetausfall und ein totes Handy vorzufinden
    Je älter ich werde, desto mehr fühlt sich das wie ein Idealzustand an

    • Ich weiß, dass es ein Witz ist, aber es wirkt, als sei das nie realistisch durchgespielt worden

      • Als es kürzlich in Spanien und Portugal genau so zu Stromausfällen kam, war das alles andere als schön
    • Wenn man noch einen Schritt weitergeht und sich vorstellt, dass auch die Straßen unpassierbar werden, klingt das kurz lustig, wäre bei längerer Dauer aber ein schreckliches Chaos

      • Es fehlt an Bewusstsein dafür, wie abhängig wir von Technik sind und wie verwundbar das macht
      • Früher galt die Vorstellung, dass Eier knapp werden oder Toilettenpapier gehamstert wird, als Scherz, aber es ist tatsächlich passiert
      • Wir müssen jetzt anerkennen, dass funktionierende Lieferketten nicht immer garantiert sind
      • Es klingt lustig, aber es lohnt sich wirklich, darüber nachzudenken, ob wir all diese Abhängigkeiten tatsächlich brauchen
      • Schon das eigentliche Konzept von "Resilienz" ist sehr interessant
    • Im Alltag würde ich auch zustimmen

      • In einer Krise ist das aber etwas ganz anderes
    • Als WhatsApp und mehrere soziale Netzwerke früher einmal ausgefallen waren, bin ich in Berlin auf der Straße spazieren gegangen, und die ganze Stadt fühlte sich tatsächlich lebendig an

      • Das ist vielleicht etwas subjektiv, aber es gibt auch eine positive Sicht auf solche Situationen
  • Die Bandbreite von Mesh-Funk ist an sich sehr begrenzt

    • Er konkurriert mit verschiedensten Störsignalen, insbesondere je mehr LoRa-Funksysteme es gibt

    • Für Langstreckenübertragung summieren sich Verzögerung und Bandbreitenverlust an jedem Node, sodass er in der Praxis kaum über Textnachrichten hinaus sinnvoll nutzbar ist

    • Pro Hop liegt man bei etwa 0,3–27kbps, und über mehrere Hops wird es noch weiter aufgeteilt

    • Außer für sehr schmalbandige Sprache oder textorientierte Websites ist es unrealistisch

    • Eine grundlegende Verbesserung wäre eher, feste Mikrowellen-Links mit einigen hundert Mbps als Backbone zu nutzen und LoRa als Zugangsnetz einzusetzen

    • Mich interessieren die Erfahrungen von Leuten, die so etwas tatsächlich ausprobiert haben

    • Der Kern dieses Artikels ist, dass Mesh-Netzwerke nicht das bestehende Internet ersetzen sollen

      • Stattdessen sollen sie als temporärer Kommunikationskanal dienen, den Mitglieder eines "Resilience Clubs" während der Wiederherstellungsarbeiten nutzen können
    • Diese Unterhaltung lässt mich darüber nachdenken, wie es wäre, ein Backbone-Netz für einen stadtweiten Club auf Basis von Mikrowellen-Links aufzubauen

      • Mit hohen Gebäuden als Hubs könnte man ein durchaus brauchbares Mesh realisieren
      • Als Zugangsnetz könnte man Wifi, LoRa oder beides verwenden
      • Da die Bandbreite in Langstrecken-Meshes extrem begrenzt ist, wären Geschwindigkeitslimits pro Client zwingend nötig
      • Natürlich kostet so eine Infrastruktur schnell einige tausend Dollar, dazu Backup-Strom an jedem Standort
      • Mit der Technik "Big ears, small mouth" (sehr hochverstärkende Parabolantenne + LNA als Empfangskombination) ließen sich Reichweite und Bandbreite erhöhen
      • Auch die nötige Hardware wirkt realistischer, als man zunächst denken würde
      • Mich würde interessieren, ob es bereits Beispiele für solche Experimente oder Aufbauten gibt und welche regulatorischen Einschränkungen dabei gelten
    • Das stimmt, und wenn dann noch proprietäre Modulationsverfahren dazukommen, wird die Lage noch schlimmer

  • Ich denke eher, dass die Zukunft der "Resilienz" nicht in Hobby-Funknetzen für große Entfernungen liegt

    • sondern in unregelmäßigen Verbindungen über kurze Distanz und in einer Struktur, bei der sich natürlich bewegende Menschen Internetverkehr im Speicher mit sich tragen und weiterbefördern, also Sneakernet

    • Bei realen Treffen entsteht eine minimale Vertrauensebene, auf der private Schlüssel und Identitäten überprüft werden können, was viel realistischer wirkt als frei herumwandernde Adressen

    • Natürlich unterscheiden sich die Risiken für Betreiber bei beiden Modellen

    • Die resilienteste Infrastruktur entsteht dort, wo alle selbst Betreiber sind und es keine hochrangigen Ziele gibt

    • Ich fände es wirklich cool, wenn ein System den Einsatz physischer Langstrecken-Kuriere aktiv fördern würde

      • Das hätte etwas von einer stark verschlüsselten Post mit einer "Runner"-Community, die Nachrichten entgegennimmt und quer durch die Stadt bringt
    • Ich habe das Sneakernet-Tool nncp verwendet; es ist sehr unixig und erfordert einiges an Handarbeit, aber mit einer UI-Hülle wäre es nutzbar

      • Man kann Nachbarn definieren, separat in Dateien spoolen oder TCP/Noise-Verbindungen nutzen
      • Es unterstützt das Weiterreichen von Daten über jeden Hop sowie E2E-Verschlüsselung
    • Die Idee ähnelt auch Secure Scuttlebutt

      • Der offizielle Client wird allerdings nicht mehr weiterentwickelt
    • Die USA sind zu groß für solche Sneakernet-Ansätze; in Städten kann das funktionieren

      • In Vororten oder ländlichen Regionen mit kaum Verkehr ist es ineffizient
      • Ein Mesh mit über 10km Reichweite kann dagegen in Vororten oder auf großen Grundstücken durchaus bis zu einem gewissen Grad nützlich sein
    • Ich frage mich, was genau mit "Internetverkehr in Speicher packen und transportieren" gemeint ist

  • Ich glaube, man sollte den Artikel vor dem Hintergrund von Städten verstehen, in denen große Telcos dominieren

    • In Dresden haben mehrere Freiwilligenorganisationen selbst Leitungen durch die ganze Stadt gelegt, und vor Kurzem entstand sogar ein von Freiwilligen betriebenes Internet Exchange Center (DD-IX)

    • Solange Strom vorhanden ist, können wir unser eigenes Internet haben

    • Der Autor scheint eher an ein System zu denken, das notfalls auch batteriebetrieben in einer Umgebung ohne Strom funktioniert

  • Für den Fall eines Netzausfalls bevorzuge ich für Datenübertragung eher Laserkommunikation als RF

    • Laser fallen unter die FDA statt unter die FCC und eignen sich gut für große Distanzen und hohe Datenraten
    • Der Aufbau ist zwar manuell, aber wenn er einmal steht, ist er in Bezug auf Zuverlässigkeit oder auch Berggipfel-Relais hervorragend
    • Laser sind durch ihre Richtwirkung auch in puncto Privatsphäre RF überlegen
    • In einem Grid-Down-Szenario würde man meist feste Standorte nutzen, sodass Laser-Bridges RF-Überlastung vermeiden könnten
    • Zusätzlich könnte man Sicherheitsfunktionen ergänzen, etwa automatische Abschaltung, wenn erkannte zeitliche Veränderungen des Lasersignals eine bestimmte Distanz überschreiten, um Man-in-the-Middle-Angriffe zu erschweren
    • Bei schlechtem Wetter kann man problemlos auf HAM-Sprachfunk umschalten
    • Es ist zwar tatsächlich illegal, aber normalerweise wird vielleicht einmal im Monat überhaupt jemand erwischt
    • Bei einem Stromausfall haben selbst TLA dringendere Probleme, und Funkgeräte verschwinden ohnehin schnell, daher wäre der praktische Einsatz kein großes Problem
  • Der Inhalt wirkt etwas veraltet und unvollständig, aber derzeit konkurriert Meshcore mit Meshtastic

    • Meshcore

    • LoRa erlaubt praktisch nur Textnachrichten; Bilder, Sprache oder binäre Dateien sollte man sich gar nicht erst erhoffen

    • Eine weitere Alternative ist die Kombination aus billigen chinesischen Walkie-Talkies (Quangsheng UV-K5) und Satelliten-APRS

    • Für ungefähr 20 Euro sind Textnachrichten möglich

    • Ich bin mir bei Meshcore über die Absicht nicht ganz im Klaren

      • Es wirkt kommerziell, und selbst die E-Mail lautet customers@...
      • Auch die Lizenzinformationen sind unklar
      • Im Moment tendiere ich deshalb noch eher zu Meshtastic
    • Auf der Meshcore-About-Seite gibt es nur ein YouTube-Video und keinen Button "Download Docs PDF"

      • Das zeigt, dass der Slogan „Wir verbinden Menschen und Dinge ohne Internet“ nicht allzu ernst gemeint ist
    • Tatsächlich ist bei LoRa wegen der geringen Bandbreite selbst schlechte Sprache nur gerade so möglich

      • Mit extremen Kompressions-Codecs kommt man auf unter 0,5kbps
      • Unter den Standard-Codecs kann der militärische MELPe-Codec schon mit 600bps arbeiten
    • Meshcore habe ich erst jetzt kennengelernt, aber es wirkt strukturierter und ausgereifter als Meshtastic

      • Allerdings fehlt es an Transparenz; vielleicht ist das einfach eine Frage der Zeit
      • Die Anforderungen an Open Source erfüllt es
      • Von den zitierten Aussagen des Autors blieb mir besonders „Bis zur Katastrophe kann man nichts tun. Erst wenn die Krise da ist, hören Organisationen zu.“ im Gedächtnis, weil das so bitter und zugleich treffend ist
      • Ich habe in einem traditionsreichen Unternehmen mit über 100 Jahren Geschichte gearbeitet, und auch dort war man bei der Katastrophenvorsorge eher zurückhaltend
      • DR-Systemadministratoren bekommen nur schwer Unterstützung, und Vorsorge für Ausfälle kostet viel Geld und Aufwand
      • Wie bei einer Versicherung wird es trotz Notwendigkeit leicht verdrängt
    • LoRa und APRS, auch über Satellit, haben grundsätzlich extrem geringe Bandbreite

      • Sowohl bei Mesh als auch bei APRS sinkt die Gesamtzuverlässigkeit wegen Routing und Signalen drastisch, sobald es mehr als ein paar Dutzend Personen werden
      • APRS erfordert eine Amateurfunklizenz und etwas teurere Geräte, und selbst mit Funktionen wie Smart Beacon kommt es oft zu Sende- und Empfangskollisionen
      • Viele Leute kaufen unüberlegt Funkgeräte, ohne etwas über den tatsächlichen Betrieb oder Lizenzen zu wissen
      • In echten Innenstädten liegt die Einweg-Reichweite oft nur bei einigen hundert Metern, und die wichtigen Repeater in Notfällen werden von Rettungsdiensten belegt
      • Fazit: Vielleicht ist es besser, ein Buch und ein Kartenspiel bereitzuhalten und zu akzeptieren, dass ein offline geführtes Leben noch vor gar nicht langer Zeit völlig normal war
  • Ich halte Meshtastic/LoRa als Kommunikationsmittel selbst in vieler Hinsicht für unzureichend

    • In Konflikt- oder Kriegssituationen führt ein LoRa-Signal schnell dazu, dass Artillerie oder Raketen auf die eigenen Koordinaten gelenkt werden

    • In der Ukraine wird zum Beispiel selbst eine DJI-Drohne mit Standard-Firmware sofort erkannt

    • Im ukrainischen Funk gilt als Regel Nummer eins, verschlüsselte Kommunikation möglichst nicht zu verwenden

    • Warum man nicht verschlüsselt: Ein verschlüsseltes Signal vermittelt dem Gegner eher den Eindruck einer "wichtigen Person" und macht einen sofort zum Angriffsziel

    • Wenn man dadurch so leicht zum Artillerieziel werden kann, könnte man LoRa-Geräte auch zufällig in Frontnähe abwerfen und sie mit Zufallstimer einschalten

      • damit der Gegner massenhaft Granaten verschießt