1 Punkte von GN⁺ 2025-06-15 | 1 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • Silicon-Valley-Führungskräfte wie die CTOs von OpenAI, Meta und Palantir treten dem ersten technischen Reserveprogramm (Detachment 201) der US-Armee bei
  • Diese Führungskräfte mit AI-, Daten- und Hochtechnologie-Kompetenz übernehmen Aufgaben wie Innovationsprojekte der Armee, AI-Schulungen und Beratung zur Einführung kommerzieller Technologien
  • Da sich die Zusammenarbeit zwischen Silicon Valley und dem Verteidigungsministerium zuletzt vertieft hat, wird die militärische Kooperation von Big Tech heute deutlich aktiver vorangetrieben als früher
  • Für Mitglieder von Detachment 201 gelten 120 Dienststunden pro Jahr, der Rang eines Oberstleutnants, Remote-Arbeit und weitere flexible Bedingungen im Vergleich zur normalen Reserve
  • Um unternehmensbezogene Projekte und Interessenkonflikte zu vermeiden, wird der Informationsaustausch strikt abgeschottet; zugleich müssen sie Teile der militärischen Grundausbildung wie Fitness- und Schießtests absolvieren

Neue Rekruten der Army: Tech-Führungskräfte aus dem Silicon Valley

  • Kevin Weil von OpenAI, Andrew "Boz" Bosworth von Meta und Palantir-CTO Shyam Sankar wurden als erste in die technische Reserve der US-Armee (Detachment 201) berufen
  • Das Programm gibt Silicon-Valley-Führungskräften die Möglichkeit, in Uniform Innovationsaufgaben zu übernehmen, die AI, Daten und neue Technologien in die Armee einbringen; es besteht aus 12 Führungskräften und Fachleuten mit Erfahrung in der Tech-Branche
  • Die Führungskräfte legen ihre bisherigen C-Level-Rollen ab und treiben technologische Innovationen für das Gefechtsfeld der nächsten Generation voran, etwa bei AI, Sensoren und Drohnen
  • Sie zeigen die strategische Nutzung von Technologie für die US-Armee auf und beraten zu Strategien für die Einführung neuer Technologien sowie zur digitalen Transformation
  • Im Mittelpunkt stehen die Modernisierung militärischer Operationen, der Ausbau von Cybersecurity-Fähigkeiten und die Verbesserung von Datenanalysesystemen zur Sicherung künftiger Wettbewerbsfähigkeit

Engere Bindung zwischen Silicon Valley und dem Verteidigungsministerium

  • Noch vor wenigen Jahren galt die Zusammenarbeit mit dem Militär im Silicon Valley als Tabu, doch inzwischen vertieft sich die Beziehung zwischen Pentagon und Tech-Unternehmen rapide
  • Die US-Armee nutzt gezielt zivile Innovationserfahrung, um auf ein sich schnell wandelndes technologisches Umfeld und globale Sicherheitsbedrohungen zu reagieren
  • Meta und OpenAI haben zuletzt gemeinsam mit Anduril an neuen Produkten für das Verteidigungsministerium gearbeitet, während Palantir bereits seit mehr als 20 Jahren Geschäfte rund um Verteidigungsdaten und AI betreibt
  • Ein zentrales Thema ist die Sicherung militärischer Technologiefähigkeiten gegenüber technologisch fortgeschrittenen Wettbewerbern wie China; mit der Innovationskraft des Silicon Valley will man sich auf das Gefechtsfeld der Zukunft vorbereiten

Detachment 201: Struktur und Rolle der Tech-Reserve

  • Der Name Detachment 201 ist vom HTTP-Statuscode 201 (neue Ressource erstellt) inspiriert
  • Die Führungskräfte leisten nur 120 Stunden Dienst pro Jahr; zudem gelten mit dem Rang eines Oberstleutnants sowie Remote- und asynchroner Arbeit flexiblere Bedingungen als in der regulären Reserve
  • Ein Teil der militärischen Grundausbildung (Fitness- und Schießtests) wird zwar absolviert, der Schwerpunkt liegt jedoch nicht auf Kampfeinsätzen, sondern auf Schulungen zu AI-Systemen, der Analyse von Fitnessdaten und der Beratung zur Einführung fortschrittlicher kommerzieller Technologien
  • Auch eine Ausweitung auf andere Teilstreitkräfte des Verteidigungsministeriums (Luftwaffe, Marine usw.) wird geprüft

Interessenkonflikte und Sicherheit

  • Bei den Führungskräften werden unternehmensbezogene Projekte, Informationsweitergabe und interessengeleitete Verbindungen strikt unterbunden
  • Das Verteidigungsministerium will eine Struktur bewahren, die statt kommerzieller Vorteile zur Verteidigungsinnovation beiträgt
  • Fitness- und Schießtests sind für die Führungskräfte eine neue Herausforderung; auch die Unterschiede in der körperlichen Leistungsfähigkeit zu echten Soldaten sorgen für Gesprächsstoff

Haltung und Reaktionen der Führungskräfte

  • Weil von OpenAI (Ultramarathonläufer) sagt scherzhaft, er fürchte den Fitnesstest nicht, werde aber gegen „echte Soldaten völlig untergehen“
  • Bosworth von Meta bereitet sich mit mehr Training vor, und Sankar von Palantir sagt offen, er sorge sich, sich „vor Soldaten zu blamieren“

1 Kommentare

 
GN⁺ 2025-06-15
Hacker-News-Meinungen
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  • Artikel mit zusammengeführten Kommentaren: Die U.S. Army rekrutiert Big-Tech-Führungskräfte im Rang eines Lieutenant Colonel, außerdem ein thematisch verwandter Thread mit geringerem Gewicht, um doppelte Diskussionen zu vermeiden: Ich bin der CTO von Palantir. Ab heute diene ich als Soldat
  • Im Artikel wird erwähnt, dass die vier von der U.S. Army angeworbenen Führungskräfte in Fort Benning in Georgia an einem sechswöchigen "Direct Commissioning Course" teilnehmen sollen. Beim Militär wird dieser Kurs oft als "Fork-and-Knife School" bezeichnet. Das erinnert mich an meine eigene Erfahrung: Als ich auf der Maxwell Air Force Base AFROTC-Training machte, wurde ich von einem Ausbilder heftig zusammengestaucht, weil ich den Tisch falsch gedreht hatte. Bei einem Trainee, der als Arzt direkt Offizier geworden war, änderte der Ausbilder dagegen sofort seinen Ton und erklärte alles freundlich. Direct Commissioning ist also im Wortsinn wirklich eine "direkte Ernennung"
    • Die Erfahrungen meiner Großväter, die im Pazifik dienten, stehen dazu im starken Kontrast. Einer war Marineinfanterist, der andere Arzt auf einem Kriegsschiff. Der Arzt war zwar Offizier, wurde im Alltag aber eher als Fachmann respektiert und arbeitete weitgehend eigenständig. Wie viel Rang in der Praxis tatsächlich bedeutet, variiert enorm
    • Bei einem offiziellen Dinner meiner Frau und mir an der Medical School saßen ein Air-Force-ROTC-Medizinstudent mit seiner Frau sowie ein weiterer Medizinstudent mit ihrem Ehemann, einem Navy NCO, mit am Tisch. Der Navy NCO sprach den Air-Force-ROTC-Studenten die ganze Zeit förmlich an. Der Air-Force-Offizier sagte, er habe eine „leichtere“ Version der Grundausbildung absolviert, und seine Frau erzählte eine Episode darüber, wie hart es gewesen sei, dass ihnen während der Ausbildung das Eis ausging
    • Mich erinnert das an die Major-Major-Geschichte aus Catch-22. Eine Figur, die wegen eines Computerfehlers zum Major befördert wird und dadurch alle überholt. Solche ähnlichen Fälle wirken unfreiwillig komisch
    • Ich habe selbst in Maxwell das ROTC Field Training gemacht und auf dem Weg zur Kantine von Sanitätsoffizieren Salutschüsse bekommen, die dabei ebenfalls ziemlich verwirrt wirkten
    • Ich muss an jemanden denken, mit dem ich früher zusammen war und die sich wegen eines ROTC-Stipendiums für Zahnmedizin beraten ließ. Sie hatte eine schwere Angststörung und machte sich Sorgen wegen militärischer Disziplin, aber der Recruiter beruhigte sie damit, dass Sanitätsoffiziere mit so einer Ausbildung kaum Berührung hätten
  • Sie sind alle nur in Teilzeit dabei, und letztlich kommt damit nur eine weitere Drehtür zwischen Militär und Industrie hinzu. Ihre Aufgabe besteht darin, ihre eigenen Produkte zu verkaufen und mit ihrer „Militärerfahrung“ zu werben. Dazu passt auch dieser Artikel über die Probleme mit Microsofts AR-Brillen: Das Militär schloss mit Microsoft einen Zehnjahresvertrag über 22 Milliarden Dollar, vor Ort gab es aber viele Probleme wie Schwindel, Kopfschmerzen und Übelkeit
    • Vor sehr langer Zeit gab es in der britischen Armee ein System, in dem Offiziersstellen gekauft und verkauft wurden. Ein Symbol für gesellschaftlichen Status und Korruption. Siehe den entsprechenden Wikipedia-Artikel. Jetzt also ein neues System, in dem Tech-Unternehmen ihre eigene Schutztruppe haben?
    • Eine „Dienst“-Historie bringt bei US-Fluggesellschaften Vorteile wie Priority Boarding
    • Dass Data Scientists oder Programmierer als Captain ernannt werden, ist üblich, aber C-Suite-Führungskräfte ins Militär zu holen, wirkt etwas verdächtig
  • Auch früher gab es im Pentagon mit dem Defense Digital Service fast zehn Jahre lang ein Team aus Tech-Experten aus der Praxis, die selbst nicht dienten. In letzter Zeit wurden sie offenbar von DOGE verdrängt. Passender Artikel
    • Anders als das DDS-Team tragen die jetzt angeworbenen Leute Uniform, und genau das ist der entscheidende Unterschied. Wenn man Produkte oder Dienstleistungen an die militärische Führung verkauft, hat das enorme Auswirkungen
  • Direct Commissioning ist normalerweise ein System, bei dem man als Second Lieutenant (O1) eintritt, also auf dem Niveau eines 22-jährigen College-Absolventen. Ein Lieutenant Colonel (O5) entspricht in Unternehmen eher einem Senior Director und führt Einheiten von 300 bis 500 Personen oder übernimmt einen Divisionsstabsposten. Dafür braucht man in der Regel mehr als 15 Jahre Militärerfahrung. Solche Führungskräfte sind für organisationsweite Versetzungen, Kennzahlensteuerung und komplexe Planungen verantwortlich. Das ist ein Erfahrungsbereich, den man nicht in einem sechswöchigen Bootcamp aufbauen kann. Ich habe 28 Jahre Militärerfahrung und fast 20 Jahre Berufserfahrung in Unternehmen und kann versichern, dass beide Welten völlig unterschiedlich sind. Aktive Anwälte und Ärzte können übrigens statt als O1 auch als Captain eintreten
    • Auch Chaplains werden direkt im Rang eines Captain ernannt. Diese drei Berufsfelder hängen mit den drei höchsten Gelehrtenständen der mittelalterlichen Universitäten zusammen. Viele Rätsel im Militärsystem lassen sich leichter verstehen, wenn man sie als Überreste dieser alten Gesellschaftsstruktur begreift
    • Das eigentliche Ziel ist nicht, sie Infanterieeinheiten führen zu lassen. Sie bekommen den Rang, weil sie in bestimmten Funktionen Befugnisse auf Colonel-Niveau brauchen. Im Zweiten Weltkrieg gab es ähnliche Fälle massenhafter Ernennungen für Verwaltungsaufgaben
    • Einige hochspezialisierte Ärzte werden aufgrund ihrer sehr umfangreichen Erfahrung tatsächlich direkt als O5 ernannt
    • Es ist sehr selten, aber bei ausreichender Berufserfahrung, Qualifikation und Bedarf sind auch noch höhere Ränge per Direkteinsetzung möglich, also O6 oder höher. Als ich in Fort Hood eine Zahnfleischtransplantation bekam, war der Zahnarztoffizier ein direkt ernannter O6. In Kampfverwendungen ist ein direkter Einstieg aus dem Zivilleben allerdings nicht möglich. Seit der Zeit der Bürgerwehren gab es so etwas nicht mehr
  • Auch ich als Veteran verstehe nicht, warum diese Leute unbedingt ins Militär eintreten müssen, um zu beraten. Nach außen wird man sie vielleicht hofieren, aber praktisch werden sie kaum als echte Lieutenant Colonels anerkannt werden
    • Darüber wundere ich mich ebenfalls. Im Einsatzgebiet habe ich unzählige Vertragskräfte und zivile DoD-Mitarbeiter gesehen, die technische Unterstützung und organisatorische Kontinuität sichergestellt haben. Diese Fachleute mussten nicht Soldaten sein. Wenn in einem Bereich akuter Handlungsbedarf besteht, kann man Experten zwar ins Militär holen, aber normalerweise vermittelt man solche Fähigkeiten über externe Ausbilder statt über direkte Rekrutierung. Diese Entscheidung hängt mit einem sehr politischen Machtspiel im Pentagon zusammen
    • Diese Überzeugung hängt wohl auch damit zusammen, aus welchem Land man kommt. Wer aus einem Land mit Militärdiktatur stammt, wird von so etwas weniger überrascht sein
    • Aus Boz’ Perspektive fallen mir für so eine Rolle nur unpassende Beispiele ein. Meta/Facebook wirft immer nur Leute auf Probleme und ignoriert die Details. Wenn so eine Kultur zum Militär passt, wäre das eher noch ironischer
    • Für mich wirkt das nur wie eine Maßnahme zur Befriedigung eines Statuskomplexes
    • Es gibt auch kleine Vorteile wie ein „Veteran“-Kennzeichen
  • Das Programm Detachment 201 soll zivile Führungskräfte in Teilzeit als Berater in die Militärorganisation holen, damit sie bei der Einführung kommerzieller Technologien wie Drohnen oder Robotik beraten. Tatsächlich entsteht damit aber eine Struktur, in der Führungskräfte von Unternehmen, die Produkte an Regierung und Militär verkaufen, selbst ins Militär eintreten und dann direkt mitentscheiden, welche Produkte das Militär nutzt. Langfristig können sie die Dienstleistungen und Produkte ihrer eigenen Firmen empfehlen und nach 20 Jahren sogar eine Pension bekommen
    • Am Ende können also Wohlhabende wie in einem „Club“ als Offiziere im Rang eines Lieutenant Colonel eintreten, bei offiziellen Veranstaltungen Uniform tragen und Verträge an ihre eigenen Unternehmen weiterreichen. Früher musste man erst lange Militärkarriere machen und nach der Pensionierung als Insider auftreten; mit Detachment 201 bekommt man nun einen Schnellzugang, um sofort das „Insider-Spiel“ zu beginnen
    • Es gibt aber auch Skepsis, ob diese Leute tatsächlich 20 Jahre lang im Militär bleiben würden. Gerade bei Teilzeitdienst muss man echte „20 anrechenbare Dienstjahre“ erreichen, um Anspruch auf Pension zu haben
  • Wenn Modernisierung das Ziel ist, ist schwer zu verstehen, warum man Führungskräfte statt Ingenieure geholt hat
    • Mit scherzhaftem Unterton wird betont, dass Topmanager natürlich die leistungsfähigeren Leute seien. Schon ihre Gehälter entsprächen dem von mehreren Dutzend Ingenieuren
    • Militäroffiziere sind Manager, und ein Lieutenant Colonel ist ähnlich wie ein Director in einem Tech-Unternehmen. Zuerst muss man Strategie und Richtung der Organisation modernisieren, erst dann kommen SMEs (Subject Matter Experts). Wenn die Verantwortlichen gute Führung und die richtige Richtung vorgeben, kann das eine sinnvolle Entscheidung sein. Ideal wäre es, nach dem großen Bild anschließend auch SMEs direkt zu ernennen
    • Manche meinen, es wäre noch cooler gewesen, wenn sie jeweils eine direkt ausgewählte unterstellte Person hätten mitbringen dürfen
    • Tatsächlich hat das US-Militär bereits mehr als genug Ingenieure
    • Letztlich sei die Auswahl aber darauf ausgerichtet, bestimmte Linien durchzusetzen, also Leute zu wählen, denen entweder Ethik fehlt oder die sich leichter auf Kurs bringen lassen
  • Der ganze Vorgang wirkt sehr seltsam. Zuerst fragt man sich, welchen Vorteil die Führungskräfte davon haben. Sie verdienen dort weniger, also muss es vielleicht interne Vorteile geben, die Außenstehende nicht kennen. Falls man zwei Positionen gleichzeitig ausüben kann, wäre das eine perfekte Interessenkollision. Und warum holt man überhaupt Führungskräfte statt der tatsächlichen Technologieträger? Führungskräfte mit Militärhintergrund wären für echte militärische Führung wohl viel besser vorbereitet. Aus der Sicht eines Nicht-US-Bürgers sieht es zudem fast so aus, als würde man bestehende Soldaten oder Generäle feuern und durch Tech-Manager ersetzen. Für Leute, die seit Jahren dienen, dürfte das kränkend sein
    • Natürlich hat ein solches Bild von außen einen katastrophalen Ruf, aber in der aktuellen Realität spielt das offenbar keine Rolle. Politischer Fanatismus und Polarisierung überdecken alles vollständig
    • Vielleicht ist das auch ein Vorwand, damit die US-Regierung stärkere Kontrolle über diese Führungskräfte ausüben kann? Sobald sie im Dienst sind, kann man ihre Loyalität gegenüber dem Staat viel direkter einfordern als bei jemandem in einem privaten Unternehmen. Vielleicht ließe sich so auch härter durchsetzen, dass sie nicht mit China oder der EU Geschäfte machen
    • Vielleicht geht es um die Pension? Viele Generäle „gehen in den Ruhestand“, beziehen Pension und kommen dann als „Berater“ zurück, um doppelt zu verdienen
    • Dass „Führungskräfte mit Militärhintergrund bessere Lenker“ seien, ist letztlich auch nur eine Annahme