- Informatik (Computer Science, Computerwissenschaft) ist bei US-Studierenden und Absolventen zwar ein beliebtes Studienfach, liegt zuletzt mit einer Arbeitslosenquote von 6,1 % in der Spitzengruppe
- Durch die jüngsten groß angelegten Entlassungen bei Big-Tech-Unternehmen und den Rückgang bei Neueinstellungen hat das Fach an Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt verloren
- Wegen einer Diskrepanz zwischen den Erwartungen in der Praxis und den Fähigkeiten der Absolventen wird der Berufseinstieg für Einsteiger schwieriger
- Es gibt zu viele Absolventen, wodurch sich der Wettbewerb unter Fachabsolventen verschärft und Marktvergütung und Chancen sinken
- Unternehmen verlangen höhere Qualifikation und einen nachweisbaren Track Record und stellen zunehmend nach Prestige der Hochschule, Berufserfahrung und Portfolio ein
- Die Einstiegshürden steigen, und durch unbezahlte Praktika, niedrige Löhne, Automatisierung und Offshore-Outsourcing wird der Berufseinstieg für Berufseinsteiger noch schwieriger
Informatik (Computer Science) als Studienfach: die Realität der hohen Arbeitslosenquote
Jüngste Entwicklung der Arbeitslosenquote nach Studienfach
- Informatik gehört unter Studierenden und jüngsten Absolventen weiterhin zu den beliebtesten Studienfächern
- Laut Daten der Federal Reserve Bank of New York liegt Informatik unter allen Studienfächern mit einer Arbeitslosenquote von 6,1 % auf Rang 7
- Tatsächlich verzeichnet das Fach nach einigen Grundlagenwissenschaften wie Physik (7,8 %) und Anthropologie (9,4 %) eine vergleichsweise hohe Arbeitslosenquote
- Im gleichen Bereich wurde Computer Engineering mit 7,5 % sogar noch höher eingestuft
Branchentrends und Studienwahl
- Während der COVID-19-Pandemie stieg die Nachfrage nach Tech-Fachkräften stark an, wodurch Informatik als Studienfach noch beliebter wurde
- Inzwischen haben jedoch große IT-Unternehmen wie Amazon und Google zuletzt Restrukturierungen und Personalabbau durchgeführt, wodurch die Zahl der Tech-Jobs zurückgeht
- Dadurch ist die Beschäftigungsattraktivität eines Informatikstudiums im Vergleich zu früher gesunken
Lage bei Studierenden und Jobsuchenden
- Princeton Review setzte Informatik zwar auf Platz 1 der Studienfächer, doch es zeigt sich eine Lücke zwischen den Erwartungen der Branche und den tatsächlichen Fähigkeiten der Absolventen
- Da die Arbeitslosenquote in der Informatik zu den höchsten gehört, tritt das Problem eines Mismatchs am Arbeitsmarkt deutlich hervor
- Dagegen weisen einige Fächer wie Ernährungswissenschaft, Baudienstleistungen und Bauingenieurwesen mit 0,4 % bis 1 % sehr niedrige Arbeitslosenquoten auf
- Die entsprechenden Statistiken wurden von der New Yorker Fed auf Basis von Census-Daten aus dem Jahr 2023 berechnet
- Auch insgesamt steigt die Arbeitslosigkeit unter jüngeren Absolventen; so nahm etwa der Bezug von Arbeitslosenleistungen in Gen-Z-Haushalten binnen eines Jahres um 32 % zu
Expertenmeinungen und Realität am Arbeitsmarkt
- Alex Beene (University of Tennessee at Martin): „Dass Fächer wie Informatik eine hohe Arbeitslosenquote haben, ist schockierend. Die Zahl der Studierenden ist zwar gestiegen, aber ohne die von Unternehmen geforderten vielseitigen Fähigkeiten und nachweisbare Leistungen ist es schwer, eine Stelle zu finden.“
- Bryan Driscoll (HR Consultant): „Bei Informatik als Studienfach ist die Kluft zwischen Traum und Realität groß. Viele glauben an das Bild eines hervorragenden Fachs, bei dem man mit Fleiß stabile und gut bezahlte Jobs bekommt. Tatsächlich sind aber Überangebot an Absolventen, Mangel an Stellen, sinkende Einstiegsgehälter, Elitismus bei Hochschulen und die Belastung durch Studienkredite groß.“
- Michael Ryan (Finance Expert): „Der Coding-Goldrausch hat viele Studierende angezogen, während Unternehmen ihre Ingenieursbudgets um 40 % gekürzt haben und die Zahl der Absolventen einen Höchststand erreicht hat. Das Überangebot am Markt führt letztlich zu sinkenden Löhnen und erschwert die Jobsuche zusätzlich.“
Strukturelle Probleme und die Zukunft
- Der Informatikbereich ist derzeit dadurch geprägt, dass zahlreiche Absolventen um Einstiegsjobs konkurrieren
- Unternehmen setzen die Anforderungen bereits bei den Grundlagen höher an, etwa mehrjährige Berufserfahrung, ein GitHub-Portfolio und die Bereitschaft zu niedrig bezahlter Arbeit
- Bryan Driscoll: „Durch die Inflation von Abschlüssen entsteht eine Kluft zwischen den in der Praxis geforderten Fähigkeiten und dem Beschäftigungssystem. Weniger Einstiegsstellen, die Ausbreitung unbezahlter Praktika sowie Offshore-Outsourcing und Automatisierung erhöhen die Einstiegshürden.“
- Absolventen sehen sich einer Dreifachbelastung aus hartem Wettbewerb, niedrigen Löhnen und weniger Beschäftigungschancen gegenüber
8 Kommentare
Ich glaube, die Corona-Zeit war ein Höchststand der Programmierbranche, der nicht wiederkommen wird ...
Es gibt nur einen sprunghaften Anstieg bei Leuten, die Frameworks benutzen können. Aber sie wissen nicht, wie man solche Frameworks baut. Ist das nicht der Kern des Problems?
Der Arbeitsmarkt ist brutal. Aus einer anderen Perspektive betrachtet ist es aber auch optimal, um einen Ein-Personen-Service zu entwickeln...
Irgendwann im Jahr 2025..
A: Eine Person, die Spring, React, Android und iOS kann.
B: Dann nehmen wir jeweils eine Person, also insgesamt vier?
A: Ich habe doch gesagt, eine Person.
B:
C: DBA+BackEnd+Middleware+Linux Engineer+Cloud Architecture kann ich auch — soll ich rüberwechseln!?
A: Ich habe doch vorhin gesagt, ihr sollt eine Person mitnehmen.
In Korea scheint die Situation ähnlich zu sein. Für die Jobsuche scheint eher eine andere Fachrichtung plus Programmierkenntnisse vorteilhaft zu sein, etwa Biologie + Coding. Da sich durch die Entwicklung aller möglichen Frameworks und der Cloud sowie durch das Aufkommen von LLM-Tools der Zugang zum Programmieren verringert hat (wie früher der Übergang von Assembler -> C -> Python), scheint man neben den Programmierkenntnissen auch noch andere Fähigkeiten haben zu müssen, um auf dem Arbeitsmarkt überhaupt Fuß zu fassen.
Hacker-News-Meinungen
gdbSegmentierungsfehler jagen. Heute merkt man deutlich, dass an vielen Orten statt C++ vor allem Python unterrichtet wird, weil es für Studierende leichter zugänglich ist.for-Schleife schreiben können.