10 Punkte von GN⁺ 2025-06-04 | 4 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • Builder.ai wurde mit 1,5 Milliarden US-Dollar bewertet, tatsächlich wurde der Betrieb jedoch von menschlichen Entwicklern geführt, die als AI getarnt waren
  • Große Investoren wie Microsoft investierten mehr als 450 Millionen US-Dollar, doch es folgten ungenaue Umsatzberichte und interne Umstrukturierungen
  • Durch die jüngste Rückforderung von 37 Millionen US-Dollar durch Viola Credit ist der Betrieb in wichtigen Ländern faktisch lahmgelegt
  • Die angepriesene 'AI'-Technologie entpuppte sich in Wirklichkeit als System, in dem indische Entwickler wie Bots agierten, woraufhin das Vertrauen der Investoren stark einbrach
  • Der Vorfall wirft in der Branche ernste Fragen zur Transparenz von AI-Startups und zur Marketingethik auf

Überblick über den Builder.ai-Vorfall

  • Builder.ai galt als britisches, AI-basiertes No-Code-Startup mit einer Bewertung von 1,5 Milliarden US-Dollar und erregte mit herausragender Automatisierung und künstlicher Intelligenz Aufmerksamkeit
  • Das Unternehmen hatte eine von dem strategischen Partner Microsoft und der Qatar Investment Authority angeführte Investition von 250 Millionen US-Dollar erhalten, gab nun jedoch offiziell bekannt, ein Insolvenzschutzverfahren einzuleiten
  • Laut einem Bericht von Bloomberg zog der wichtigste Kreditgeber Viola Credit 37 Millionen US-Dollar ab, wodurch das Unternehmen in eine Lage geriet, in der zentrale Geschäftsabläufe in fünf Ländern nicht mehr möglich sind
  • Anfang 2024 kam es zu einem CEO-Wechsel und Massenentlassungen; nun werden Insolvenzanträge in Großbritannien, den USA, den VAE, Singapur und Indien vorbereitet

Die Investitionen und Versprechen von Builder.ai

  • Builder.ai wurde 2016 gegründet und bewarb sich damit, Unternehmen die einfache Entwicklung maßgeschneiderter Apps mithilfe der Kraft künstlicher Intelligenz zu ermöglichen
  • Von namhaften Investoren wie Microsoft, der Weltbank-Tochter IFC, WndrCo, Lakestar und SoftBank DeepCore wurden insgesamt mehr als 450 Millionen US-Dollar eingesammelt
  • Intern gab es Bedenken, dass die Umsätze der vergangenen zwei Jahre überhöht ausgewiesen worden seien; zudem wurden frühere Zahlen nach unten korrigiert
  • Insider enthüllten, dass Investoren aufgeblähte Leistungskennzahlen übermittelt worden seien

Hinter den „Bots“ steckten indische Entwickler

  • Bloomberg weist darauf hin, dass auf vorgetäuschte Umsätze, übertriebene interne Strukturveränderungen und schwindendes Vertrauen eine Kettenreaktion folgte
  • Linas Beliūnas vom Finanzunternehmen Zero Hash erklärte öffentlich, dass Builder.ai tatsächlich keine AI nutzte, sondern indische Entwickler als Bots auftreten ließ und so die Entwicklung vorantrieb
  • Zusätzlich wurden Vorwürfe laut, CEO Duggal habe Investoren falsche Umsatzzahlen vorgelegt
  • Die Enthüllung, dass das Unternehmen acht Jahre lang unter dem Deckmantel künstlicher Intelligenz operiert habe, sorgte für Schock

Der Zusammenbruch der Investorenerwartungen

  • Viola Credit, das 2023 50 Millionen US-Dollar in Builder.ai investiert hatte, zog 37 Millionen US-Dollar zurück und stürzte das Unternehmen damit abrupt in eine Krise
  • Die Fähigkeit, Gehälter zu zahlen und den essenziellen Betrieb aufrechtzuerhalten, ging verloren; die verbleibenden Mittel liegen zwar auf indischen Konten, können wegen regulatorischer Vorgaben jedoch nicht genutzt werden

Die Auswirkungen des Zusammenbruchs von Builder.ai auf die Branche

  • Der Fall Builder.ai steht sinnbildlich für die Instabilität und Blasenbildung im aktuellen AI-Startup-Markt
  • Phil Brunkard von der Info-Tech Research Group betonte, dass viele AI-Unternehmen auf Basis überhöhter Erwartungen und mangelhaften Finanzmanagements unkontrolliert expandieren
  • Die Qatar Investment Authority erlitt durch den Vorfall erhebliche Verluste und hatte vor zwei Jahren die 250-Millionen-US-Dollar-Investition angeführt
  • Untersuchungen der Wettbewerbsbehörden zu den AI-Marketingpraktiken des Managements werden in Aussicht gestellt
  • Während sich AI-Technologien rasant weiterentwickeln, hinterlässt der Fall zugleich eine Lehre über die Unersetzbarkeit menschlicher Expertise in komplexen technischen Bereichen
  • Der Vorfall bietet der gesamten Branche Anlass zu einer ernsthaften Reflexion über Transparenz, Verantwortung und die Ethik des AI-Marketings

4 Kommentare

 
dongho42 2025-06-04

Gedankenexperiment zum Raum der indischen Menschen

 
GN⁺ 2025-06-04
Hacker-News-Kommentare
  • Es war bereits eingeräumt worden, dass Builder.ai keine zwei Monate später die zentralen Umsatzzahlen nach unten korrigiert und die Finanzlage der vergangenen zwei Jahre von Prüfern untersuchen ließ. Da frühere Mitarbeiter behauptet hatten, die Umsatzergebnisse seien gegenüber früheren Investoren aufgebläht worden, hatte ich ehrlich gesagt etwas Interessanteres erwartet, aber es ist enttäuschenderweise nur klassischer Buchhaltungsbetrug.
    • Daraus die Meinung, dass Investoren deshalb ihre Finanzierung eingestellt hätten.
  • Vorstellung eines Artikels aus einer vertrauenswürdigeren Quelle: Link zum Times-of-India-Artikel
    • Auch der Bloomberg-Artikel Link zum Bloomberg-Artikel wird als Referenz genannt.
    • Die Behauptung, das seien Fake News: Builder.ai habe überwiegend indische Entwickler beschäftigt und Apps im Stil einer typischen Entwicklungsagentur gebaut, also nicht anders als indische IT-Firmen wie Infosys. Der Kern des Problems sei der virtuelle Assistent "Natasha" gewesen, der auf einem eigenen Foundation Model beruhen sollte, und dass das Geld ausging, bevor das fertig wurde.
  • Die Frage, wohin die 450 Millionen Dollar Finanzierung überhaupt gegangen sind; selbst wenn 700 indische Entwickler acht Jahre lang gearbeitet hätten, hätte das doch deutlich weniger kosten müssen.
    • Die Erklärung, dass das Wesen eines Betrugs, der nicht nur aus Spesen besteht, am Ende eben darin liegt, Geld hemmungslos zu verbrennen.
    • Eine grobe Rechnung: Wenn man 450 Millionen Dollar über acht Jahre auf 700 Personen verteilt, kommt man auf etwa 80.000 Dollar pro Person und Jahr, also kein völlig unrealistischer Betrag.
    • Hinweis, dass Builder.ai seit 2016 aktiv war und es viele Beispiele dafür gibt, dass Startups 450 Millionen Dollar noch viel schneller verbrannt haben.
    • Eine scherzhafte Bemerkung, dass das Chai-Budget als legitime Ausgabe anerkannt werden könne.
  • Der Hinweis, dass diese Nachricht nicht neu ist, weil die FT bereits vor etwa neun Tagen darüber berichtet hatte und die Diskussion dazu auch schon auf Hacker News lief (Link zur früheren Diskussion).
    • Aber für die betreffende Person sei es neu gewesen, und Artikel kämen manchmal wieder hoch; außerdem lösten sie ganz natürlich gute Debatten aus, weshalb ein erneutes Teilen positiv gesehen werde.
  • Die Einschätzung, dass es nicht so schwer sei, einen App-Builder zu erstellen; es gebe viele Open-Source-Repos, und man habe selbst slashml.com in zwei Wochen gebaut. Im Vergleich zu Builder.ai, das viel mehr Kapital hatte, sei das Ergebnis letztlich deutlich einfacher gewesen (Link zu slashml.com).
    • Insgesamt sei ein einzelner, eigenständiger einfacher App-Builder leicht, aber alles darüber hinaus bleibe weiterhin ein schwieriges und ungelöstes Problem.
    • Hinweis, dass Builder.ai 2016 gestartet sei.
    • Die Vermutung, Builder.ai könnte als gewöhnliches Software-Beratungsunternehmen mit einem schlampigen eigenen App-Builder-Skript begonnen und sich später als AI-Unternehmen verpackt haben, um nur die Bewertung zu steigern.
    • Die Reaktion, dass man slashml.com ausprobieren werde.
  • Das Eingeständnis, dass man 2019 als Venture-Capital-Praktikant eine Due Diligence zu Builder.ai gemacht habe und schon allein durch Glassdoor-Bewertungen oder Gespräche mit Mitarbeitern und Führungskräften die Unseriosität klar erkennbar gewesen sei. Erstaunlich sei daher, dass trotz der Tatsache, dass schon 15 Minuten Googeln gereicht hätten, um sicher zu sein, dass etwas faul ist, mehr als 500 Millionen Dollar eingesammelt wurden.
    • Die Frage, was genau verdächtig gewesen sei und ob bei Marketing oder Erklärungen im Rahmen der Due Diligence konkrete Auffälligkeiten entdeckt wurden.
  • Die Bewertung als ein weiterer AI-Betrug; dazu der Hinweis, dass es bei Amazon einmal einen ähnlichen Fall unter dem Namen "Just Walk Out" gegeben habe. Die Lehre daraus: Wenn jemand behauptet, mit künstlicher Intelligenz etwas Revolutionäres gebaut zu haben, sollte man vorsichtig sein.
  • Eine scherzhafte Reaktion, dass es sich um ein Unternehmen handle, das etwas völlig Unpassendes in extremem Maßstab umgesetzt habe.
  • Die Frage, wie das in einer Zeit, in der echte AI derzeit enorme Fortschritte macht, überhaupt sein könne.
    • Der Hinweis, dass man, wenn man eine coole AI-Startup-Idee hat, den frühen Prototypen auch ohne echte AI schneller bauen kann; wenn in Wirklichkeit aber statt AI indische Entwickler mit 95 % Genauigkeit arbeiten und AI nur auf 85 % käme, dann täuscht man Investoren oder Kunden.
    • Kunden oder Investoren hätten vermutlich erwartet, dass AI wie GitHub Copilot schnell Code erzeugt. Builder.ai habe für eine einzelne App jedoch Tage oder Wochen gebraucht, weshalb man sich frage, ob das niemand bemerkt habe; dazu der Scherz, dass selbst indische Entwickler nun wirklich nicht derart schnell seien.
    • Die Analyse, dass echte AI die Aufgabe zwar leisten könnte, es beim heutigen Stand der Technik aber nicht kosteneffizient gewesen wäre. Möglicherweise habe man am Ende versucht, etwas wie ChatGPT zu bauen, und das Geld sei ausgegangen, bevor ein profitables Modell entstanden sei. In diesem Sinne die positive Bewertung, dass das Timing einfach nur zu früh war.
    • Der Eindruck, dass es in der Praxis nicht annähernd so gut funktioniere wie im Marketing dargestellt.
  • Vorstellung eines weiteren ähnlichen Falls namens EvenUp mit einem passenden Artikellink (Link zum EvenUp-AI-Artikel)
 
unqocn 2025-06-04

Die KI war also in Wirklichkeit „Actually Indian“.

 
yongqyu 2025-06-04

A lot of Inder