9 Punkte von GN⁺ 2026-03-12 | 1 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • Im gesamten Online-Raum breiten sich KI-generierte Inhalte und Bot-Aktivitäten rasant aus, wodurch ein vom Menschen geprägtes Internet zusammenbricht
  • Hacker News beschränkt ShowHN-Beiträge neuer Accounts und hat eine Regel zum Verbot KI-generierter Kommentare ergänzt
  • Auf Reddit wurden zahlreiche Bot-Kommentare entdeckt, die bestimmte SaaS-Produkte bewerben, während die Accounts dies verbergen
  • Auch die LinkedIn-Timeline ist inzwischen größtenteils mit KI-generierten Beiträgen gefüllt, echte Updates von Menschen sind selten geworden
  • Auf GitHub nehmen bedeutungslose KI-generierte PRs ebenfalls zu, und mitunter ist sogar der Reviewer eine KI

Der Wandel des Internets und das Phänomen des „toten Internets“

  • Im gesamten Internet ersetzen Bots und KI-generierte Inhalte zunehmend vom Menschen geprägte Gespräche
    • Der Autor erwähnt, dass er dieses Phänomen bei einem E-Mail-Austausch mit einem Bewerber unmittelbar wahrgenommen habe
    • Anhand weiterer Beispiele habe er danach bestätigt, dass das „tote Internet“ bereits Realität geworden sei

Die Reaktion von Hacker News

  • Hacker News (im Folgenden HN) hat Maßnahmen eingeführt, die ShowHN-Beiträge neuer Accounts beschränken
    • Als Grund wird der starke Anstieg von „vibe-coded“ und minderwertigen Beiträgen genannt
  • HN hat seine Richtlinien überarbeitet und eine Regel zum Verbot KI-generierter oder KI-bearbeiteter Kommentare ergänzt
    • Enthalten ist die Formulierung: „HN ist ein Raum für Gespräche zwischen Menschen“

Beispiele von Reddit und LinkedIn

  • Als der Autor einen früheren Reddit-Beitrag zu seinem Side-Project erneut aufrief,
    fand er zahlreiche Bot-Kommentare, die SaaS-Produkte bewarben
    • Diese Accounts verbargen die Kommentare in ihren Profilen,
      und es gab Hunderte ähnliche Kommentare
  • Auf LinkedIn war der Großteil der Timeline mit KI-generierten Inhalten gefüllt,
    wirklich interessante fachliche Updates gab es nur äußerst selten

Das KI-Spam-Problem auf GitHub

  • Auch in Open-Source-Repositories (OSS repos) gibt es viele bedeutungslose KI-generierte Pull Requests (PRs)
    • Noch absurder sei, dass mitunter sogar der Reviewer eine KI ist
  • Dieses Phänomen zeigt den Qualitätsverlust in der Entwickler-Community und die Schwächung einer am Menschen orientierten Zusammenarbeit

Fazit

> „Können wir zum früheren Internet zurückkehren?“
> „Wahrscheinlich nicht“

1 Kommentare

 
GN⁺ 2026-03-12
Hacker-News-Kommentare
  • Ich sehe bei diesem Problem nur zwei mögliche Ergebnisse. Das eine ist ein identitätsverifiziertes Internet (beginnend mit dem Hochladen eines Ausweises), das andere ein bezahltes Internet. Bei einer Bezahlvariante wäre es egal, wer es nutzt, aber wenn man für eine E-Mail oder einen Reddit-Account zahlen muss, sinkt die Wahrscheinlichkeit für AI-Spam. Ehrlich gesagt freue ich mich aber auf keines von beidem

    • Ich wünschte, es gäbe eine elegante kryptografische Verifizierung. Zum Beispiel eine Methode, mit der ich beweisen kann, wo ich poste oder wie alt ich bin, ohne andere Informationen offenzulegen. Wer will, könnte seine Identität offenlegen, und bestimmte Plattformen könnten anonyme Nutzer ablehnen. So ähnlich wie auf einem Dorfplatz, auf dem sich alle kennen
    • Ich hoffe eher auf eine Zeit, in der Social-Media-Unternehmen die Menschen dafür bezahlen, ihre Plattform zu nutzen
    • Eine Bezahloption verhindert solche Probleme nicht, sondern fördert sie eher. Das sieht man etwa an den blauen Häkchen bei Twitter: Bot-Betreiber kaufen sich gegen Geld „echte Accounts“ und gewinnen dadurch Vertrauen. Man könnte das mit höheren Preisen eindämmen, aber dann wird es gleichzeitig schwierig, einen Preis zu finden, der für echte Nutzer attraktiv ist
    • Ich habe auch darüber nachgedacht, beim Hochladen von Inhalten Proof-of-Work-Rätsel lösen zu lassen. Das müsste so eingestellt sein, dass es wirtschaftlich nicht zu teuer ist, für Bot-Farmen bei Massen-Uploads aber ineffizient wird
    • Verifizierung über Bekannte (friend-of-a-friend) könnte ebenfalls funktionieren. Dafür bräuchte man allerdings eine Struktur, in der Verstöße gegen die Regeln klare Konsequenzen haben
  • Ich nutze einen ziemlich brauchbaren Filter, um AI-generierte Beiträge auszusortieren

    • Accounts mit blauem Häkchen springen optisch sofort ins Auge, deshalb scrolle ich direkt weiter
    • Ich habe Ublock Origin einen langen Regex-Filter hinzugefügt, der Emojis (vor allem grüne Häkchen) und Hot-Topic-Schlüsselwörter ausblendet
  • Das, was Leute als Dead Internet Theory bezeichnen, sieht für mich in Wirklichkeit weniger nach einem „toten Internet“ aus als nach einem von Bots übernommenen zentralisierten Plattform-Ökosystem. Früher waren persönliche Blogs und Foren lebendig, und auch heute kann jeder noch selbst einen Server betreiben. Diese zentralen Plattformen waren ohnehin schon immer auf Nutzerausbeutung ausgelegt, deshalb sollte man vielleicht eher die „Small Internet Theory“ feiern. Eine Welt, in der AI-Bots ausbeuterische Unternehmen zu Fall bringen, hat schon etwas Schönes. Gestern Abend habe ich mir ein Conan-O’Brien-Video von 1999 angesehen und dabei Nostalgie für das damalige Internet gespürt

    • Wenn man sich den Wikipedia-Artikel zur Dead Internet Theory und das zugehörige Patentdokument ansieht, wurde tatsächlich ein System vorgeschlagen, in dem AI den Nutzer simuliert, während dieser abwesend ist
    • Aber auch persönliche Blogs und Foren werden am Ende wohl mit Bot-Kommentaren und Fake-Mitgliedern überfüllt sein. Vielleicht kommt sogar eine Welt, in der Bots selbst Blogs betreiben und Menschen täuschen
    • Es gibt auch eine positive Seite. Meine Freundin war süchtig nach Instagram Reels, aber als AI-generierte Videos überhandnahmen, verlor sie das Interesse und hörte auf, die Plattform zu nutzen
    • Wenn man einen persönlichen Blog betreibt, gibt es auch das Problem, dass AI-Crawler Bandbreite verschwenden
    • Das frühere Internet war allerdings auch nicht perfekt. Suche, Einkaufen, Integration und Kompatibilität waren alle schwierig. Zentralisierte Dienste (oder kollaborative Netzwerke wie IRC und Usenet) haben die eigentliche Stärke des Internets erst erschlossen
  • Vielleicht führt AI-Spam sogar zum Zusammenbruch der heutigen Social-Media-Struktur und damit am Ende zu etwas Gutem. Vielleicht sind irgendwann alle so erschöpft, dass sie wieder zu menschlicher Interaktion in lokalen Gemeinschaften zurückkehren. Schade wäre nur, dass viele Websites und Projekte verschwinden dürften. Wenn ChatGPT oder Google-AI-Zusammenfassungen besser werden, bricht der Traffic stark ein, und es besteht die Gefahr, dass die Motivation, überhaupt noch Websites zu betreiben, verschwindet. So wie bei Stack Overflow dürfte fast jede Seite betroffen sein. Das Internet der Vergangenheit ist bereits tot, wir haben es nur noch nicht wirklich bemerkt

    • Eigentlich ist dieser Wandel nur die Fortsetzung eines Prozesses zur effizienteren Informationsvermittlung. Früher gab es Snippets in den Suchergebnissen, dann kamen Knowledge Cards. Jetzt stehen LLM-Zusammenfassungen ganz oben auf der Seite. Google war schon immer ein Cache des Internets und zeigt diesen Cache jetzt nur effizienter an. Der Traffic wird zwar sinken, aber neue Wissensproduktion wird weiterhin nötig sein
  • Heutzutage treten unzählige Startups mit automatisierten Marketing-Agenten auf. Sie streifen durchs Netz, klinken sich in Gespräche ein und verteilen Produktlinks. Solche Dinge zerstören am Ende das „menschliche Internet“, sind aber auch selbst Geschäftsmodelle, die nicht lange überleben werden. Das ist eine Haltung, die nur auf kurzfristige Gewinne aus ist

    • Tatsächlich teilen die meisten AI-bezogenen Unternehmen genau diese Haltung. Sogar Nicht-AI-Unternehmen springen auf den Trend auf, entlassen Mitarbeiter und erwarten eine Verzehnfachung der Produktivität. Wenn das stimmt, dann kommt das Ende der White-Collar-Wissensarbeit. Übrig bleibt dann nur noch der zynische Gedanke: „Aber in den paar Jahren hat man immerhin Geld verdient“
  • Vielleicht bleibt im zukünftigen Internet nur noch ein vollständig von Monetarisierung befreiter Raum übrig. Eine Art Slow Web ohne Empfehlungen, Reviews oder Unternehmensmeinungen, womöglich ähnlich wie in der Zeit, als Yahoo die größte Suchmaschine war

    • Yahoo war damals ein manuell verifiziertes Verzeichnis von Websites. Wenn Yahoo 2026 eine Version von 1996 nachbauen und alte Videoportale ohne Werbung wiederbeleben würde, wäre das ziemlich interessant. Damals war es viel einfacher, Inhalten zu folgen
  • Das Internet ist nicht tot. Im Gegenteil, es ist explosiv lebendig, mit Menschen und LLMs nebeneinander. Es wird zwar nicht mehr wie früher werden, aber es gibt immer noch vielfältige Inhalte. Gary Brolsma macht zum Beispiel immer noch Numa Numa (2023). Es gibt in der Welt also nach wie vor viele unterhaltsame Dinge

  • Im Internet gab es schon immer viele Bots wie Crawler, Scraper und Automatisierungsskripte. Das war in Ordnung. Das Problem sind Bots, die am öffentlichen Diskurs teilnehmen. Bis zu einem gewissen Grad ist das aber lösbar. Private Communities, ein geschlossenes Internet und Plattformen ohne öffentliche API dürften helfen

  • Eine Zeit lang galten Videoinhalte als glaubwürdig, weil sie als Beweis für menschliche Erstellung angesehen wurden. Aber inzwischen bricht selbst das weg, weil Technologien zur Erzeugung gefälschter Videos massentauglich werden. Am Ende ist vielleicht ein System zur Identitätsverifizierung die einzige Lösung. Technischer Fortschritt bringt immer auch zerstörerische Folgen mit sich. Am Ende öffnet man eben die Büchse der Pandora

    • Tatsächlich habe ich aber noch nie ein generiertes Video gesehen, das wirklich echt wirkt. Auf YouTube gibt es zwar massenhaft AI-Stimmen und skriptbasierte Videos, aber Videos, die einen vollständig täuschen könnten, sind noch selten. Die Demos sind beeindruckend, in der Praxis wirkt es aber noch unbeholfen
    • Die Technologie selbst ist nicht böse. Das Problem ist, dass gesellschaftliche Strukturen anormales Verhalten belohnen. Wenn dann noch Konkurrenz zwischen Staaten dazukommt, wird die Lage nur schlimmer
  • Ich habe nach einem Spieletipp gesucht, und das oberste Google-Ergebnis war eine von AI erzeugte Unsinnsseite. Ich suchte nach „Wo kann man in Bannerlord II Lehm verkaufen?“, und die Seite leitete mich zu eBay weiter. Außerdem zeigte Google AI Overview genau diese Seite als Antwort an.
    Kurz gesagt: Das Spiel ist bereits vorbei