4 Punkte von GN⁺ 2025-04-24 | Noch keine Kommentare. | Auf WhatsApp teilen
  • Recruiting-Startups haben aufgrund von starker Zyklizität und unvorhersehbaren Umsätzen eine für VC-Investments ungeeignete Struktur
  • Der Erfolg lässt sich nur schwer messen, und Kunden (Startups) sind im Hiring oft unerfahren, wodurch sich die Produktwirkung nur schwer belegen lässt
  • Nutzer bevorzugen Tools, bei denen eher „Aufwand“ als tatsächliche Ergebnisse sichtbar werden, und Automatisierung stößt eher auf Widerstand
  • Zwischen den Tools gibt es wenig Differenzierung, bei gleichzeitig hartem Wettbewerb, und exklusive Beziehungen lassen sich fast nie aufbauen
  • Mit zunehmendem Wachstum entsteht eine inverse Korrelation zwischen Nutzer- und Kandidatenqualität (negative Netzwerkeffekte)

Warum Venture Capital Recruiting-Startups meidet

  • Als Dover 2019 gegründet wurde, schien die Einführung von Automatisierung und Algorithmen im Recruiting-Markt eine klare Chance zu sein
  • Investoren waren jedoch emotional skeptisch, und die gescheiterten Beispiele der letzten 10 bis 20 Jahre stützten diese Sicht
  • Dover erhielt zwar Investments von Founders Fund und Tiger, doch dabei wurde deutlich, wie schwer es ist, auf Venture-Scale zu wachsen

1. Recruiting ist eine extrem zyklische Branche

  • In makroökonomischen Abschwungphasen ist Hiring eines der ersten Budgets, das gekürzt wird
    • 2022 fiel der Umsatz von Dover gegenüber dem Höchststand um 70 %
    • Auch große Recruiting-Plattformen verzeichnen in Abschwüngen Umsatzrückgänge von 30 bis 50 %
  • VCs erwarten zinseszinsartiges Wachstum, doch der Recruiting-Markt ist von wiederkehrenden Einbrüchen und Erholungen geprägt
  • Startup-Kunden stellen nach einer Finanzierung oft drei Monate lang intensiv ein und pausieren dann neun Monate
    • Dadurch lassen sich nur schwer stabile Umsätze aufbauen
    • Es braucht Strategien zur Absicherung über langfristige Verträge wie bei LinkedIn oder Greenhouse

2. Recruiting-Erfolg ist fast unmöglich zu messen

  • Kennzahlen wie Hires pro Stunde oder Hiring-Geschwindigkeit existieren zwar, sind aber meist wenig aussagekräftig
  • Jede Einstellung hat je nach Situation zu viele Variablen
    • Rolle, Unternehmensphase, Marktlage, Flexibilität bei der Vergütung, Einbindung des Hiring-Teams usw.
  • Kunden sind skeptisch und denken oft: „Das passt wahrscheinlich nicht zu unserer Situation.“
  • Dadurch ist es schwierig, einen Erfolgsweg zu messen oder zu wiederholen, und vieles stützt sich auf Intuition

3. Kunden (Startups) sind besonders schlecht im Hiring

  • Startups haben:
    • wenig Budget
    • überzogen hohe Ansprüche an Talente
    • unrealistische Zeitpläne
  • Prozesse sind chaotisch, und einmalige bzw. spontane Vorgehensweisen werden bevorzugt
  • Hiring-Entscheidungen hängen von den Gründern ab, sodass bei geänderten Prioritäten die Einstellung sofort stoppt
  • Häufig gilt: Je stärker eine Organisation beim Hiring scheitert, desto eher verlässt sie sich auf externe Services (adverse Selektion)

4. Man muss Schaufenster-Kennzahlen bedienen

  • Statt echter Ergebnisse zählen oft Kennzahlen, die nur wie Erfolg aussehen
  • Beispiele: wiederholter Wechsel des ATS oder rotierender Einsatz von E-Mail-Automatisierungstools
  • Nutzeranforderungen führen oft zu Feature-Wünschen mit minimalem Einfluss
    • z. B. A/B-Tests für die dritte E-Mail
  • Am Ende wird das Produkt mit Funktionen überladen und schwerfällig, Nutzer ermüden und wandern ab

5. Es ist schwer, exklusive Beziehungen aufzubauen

  • Startups nutzen mehrere Tools und mehrere Agenturen gleichzeitig
  • Entscheidend ist allein, wer zuerst gute Kandidaten liefert
    • Langfristige Produktqualität und User Experience spielen kaum eine Rolle
  • Wenn Hiring erfolgreich ist, lässt sich die Ursache schwer zuordnen, daher ist schon der Nachweis des eigenen Beitrags schwierig

6. Der Widerstand gegen Automatisierung ist stark

  • Selbst grundlegende Aufgaben werden ungern automatisiert (z. B. Terminierungs-E-Mails)
  • Gründe dafür sind unter anderem:
    • Angst vor Ersetzung
    • der Wunsch nach Kontrolle über jeden Schritt
    • „sichtbarer Einsatz“ durch manuelle Arbeit
    • die Sorge, dass bei besseren Ergebnissen durch Automatisierung Personal oder Budget gekürzt werden könnten
  • Dadurch entsteht eine Kultur, in der zeitlicher Aufwand überzeugender wirkt als Effizienz, unabhängig vom Ergebnis

7. Recruiting-Produkte haben „negative Netzwerkeffekte“

  • Je stärker eine Plattform wächst, desto schlechter wird die Qualität der Kandidaten
  • Beispiel: früher Erfolg von Triplebyte → Massenadaption → sinkende Kandidatenqualität → Abwanderung der Nutzer
  • Wenn alle im selben Pool konkurrieren, sinkt die Attraktivität des Angebots
  • Für Wettbewerbsvorteile braucht es differenzierte Kandidaten oder Ansätze, doch mit zunehmender Verbreitung wird genau das unmöglich

Aufgrund dieser strukturellen Probleme sind VCs Recruiting-Startups gegenüber instinktiv skeptisch
Wer ein Recruiting-Startup gründen will, muss nicht nur gegen Wettbewerber, sondern gegen die Marktstruktur selbst kämpfen

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