- Wenn die meisten Menschen an Startups denken, fallen ihnen glamouröse Bereiche wie AI, Apps und Consumer-Produkte ein. Tatsächlich kommen die größten Erfolgsgeschichten jedoch aus „langweiligen Märkten“.
- Während in populären Märkten harter Wettbewerb herrscht, meiden Gründer oft wenig beachtete Branchen wie Regulierung, Logistik oder Abfallmanagement. Dort gibt es weniger Konkurrenz und große Chancen, reale Probleme zu lösen.
- In langweiligen Märkten wird ohnehin wenig innoviert, sodass mehr Raum für Wachstum bleibt. Gleichzeitig gibt es klare Pain Points auf Kundenseite – wer sie einmal löst, erzielt oft schnell zahlende Kunden und hohe Loyalität.
- Regulierung, Infrastruktur und Branchenwissen sind anfangs Eintrittsbarrieren, werden später aber zu einem starken defensiven Burggraben (Moat).
- Flexport (Frachtlogistik), Toast (Restaurant-POS), Vanta und Drata (Compliance-Automatisierung) sowie Procore (Bauprojektmanagement) wirkten anfangs langweilig, wuchsen aber zu Unternehmen im Milliardenbereich heran.
- Am Ende sind es gerade die Teams, die in „unsexy“ Märkten beharrlich Probleme lösen, die langfristig die größten Gewinner werden.
Warum Startups „langweilige Märkte“ ignorieren
- Mangel an Glamour: Compliance, Logistik oder Abfallmanagement wirken nicht wie Bereiche mit sozialem Status oder Coolness.
- Psychologischer Bias: Gründer fühlen sich instinktiv zu spannenden, zukunftsorientierten Branchen hingezogen.
- Narrativer Druck: Medien, Accelerators und VCs richten ihre Aufmerksamkeit auf „heiße“ Märkte und verstärken damit immer wieder dieselben Trends und Zyklen.
- Dadurch bleiben große, unerschlossene Branchen liegen und werden zu blinden Flecken der Innovation.
Warum „langweilige (unsexy) Märkte“ gerade deshalb große Erfolge hervorbringen
- Weniger Wettbewerb: Populäre Märkte ziehen unzählige Gründer an, doch in langweiligen Märkten gibt es oft nur wenige Startups, die es überhaupt versuchen. Das schafft Raum, um ohne dauerndes Marktgetöse nachhaltig aufzubauen.
- Lösung realer Probleme: Verantwortliche in der Logistik interessieren sich weniger für Trends oder Hype als für Kostensenkung und Effizienzsteigerung. Wer ineffiziente Frachtprozesse oder Compliance-Probleme löst, kann schnell zahlende und langfristige Kunden gewinnen.
- Versteckte große Märkte (TAM): Branchen wie Abfallwirtschaft, Bau oder Compliance wirken auf den ersten Blick monoton, aber die Geldströme in diesen Bereichen übertreffen die meisten Consumer-Apps deutlich.
- Aufbau eines defensiven Burggrabens: Wer in schmutzigen oder komplexen Branchen gewinnt, trifft kaum auf schnelle Nachahmer. Branchenwissen, Infrastruktur, regulatorische Anpassungsfähigkeit und Netzwerke werden zu Eintrittsbarrieren für neue Wettbewerber.
Beispiele erfolgreicher „unsexy Startups“
- Flexport: Frachtlogistik klingt nicht spannend, doch durch die Digitalisierung einer stark manuellen Branche wuchs das Unternehmen zu einem Logistikplayer im Milliardenbereich heran.
- Toast: Durch die Innovation eines unscheinbaren Restaurant-POS-Systems und die Lösung der Probleme tausender kleiner und mittlerer Unternehmen wurde daraus ein börsennotiertes Unternehmen mit über 10 Milliarden Dollar Bewertung.
- Vanta und Drata: Compliance-Automatisierung wirkt mühsam und langweilig, doch sie verwandelten SOC-2-Audits in eine wiederholbare SaaS-Bewegung und skalierten schnell.
- Procore: Das Unternehmen trieb die digitale Transformation im Bauprojektmanagement voran, veränderte damit eine von Software lange unterversorgte Branche und wuchs zu einem Unternehmen mit über 7 Milliarden Dollar Wert heran.
- Keiner dieser Märkte wirkte zu Beginn glänzend oder aufregend; sie fühlten sich einfach nur wie lästige Probleme an, bis sich jemand entschied, sie zu lösen.
Wie man „unsexy“ Chancen findet
- Suche nach Excel und Papier: Wenn Prozesse in Billionenhöhe noch immer manuell ablaufen, steckt dort eine Chance.
- Folge nicht den Schlagzeilen, sondern der Frustration: Achte auf die Stellen, an denen Kunden sagen, etwas sei „umständlich, langsam oder teuer“.
- Erkunde Branchen außerhalb der Tech-Blase: Fertigung, Backoffice im Gesundheitswesen oder staatliche Dienstleistungen sind Bereiche mit großen Innovationslücken.
- Stelle die richtige Frage: Löst du ein Problem, das langweilig wirkt, für Käufer aber wichtig ist? Das ist ein Signal für eine große Chance.
Schluss
- Startups, die still ganze Branchen verändern, sehen anfangs nicht wie Unicorns aus – sie wirken langweilig.
- Doch langweilige Probleme sind oft genau die wichtigsten Probleme, die gelöst werden müssen.
- Wer der Versuchung des Hypes widersteht und sich auf übersehene Branchen konzentriert, kann etwas bauen, das weit nachhaltiger ist als die nächste glitzernde App.
- Die Stärke unsexyer Startups liegt darin, sich nicht von Trends treiben zu lassen, sondern mit Beharrlichkeit unsichtbare Branchen neu zu gestalten.
3 Kommentare
Ich ziehe gerade um und muss deshalb meine Mülltonnen reinigen. Im Hinterhof wollte ich das wegen des ganzen Drecks nicht machen, und dann habe ich in der Nähe meines Hauses ein ungewöhnliches Geschäft entdeckt.
Ein Reinigungsfahrzeug kommt direkt vors Haus, und man muss die Mülltonne nur hineinstellen; die Anlage darin übernimmt dann automatisch die komplette Reinigung. Das Waschwasser wird anschließend zum Betriebsgelände gebracht, dort nachbehandelt und erst dann abgeleitet, sodass das Unternehmen vermutlich sogar als Umweltbetrieb registriert ist und gut von Steuervorteilen profitieren kann.
Der Name des Anbieters ist happy cans. Es ist ein lokales Unternehmen in San Diego, und vermutlich gibt es in jeder Stadt mindestens so einen Anbieter.
Ziemlich unsexy.
wow