Wir laden Elektroautos falsch
(spectrum.ieee.org)> "Eine komplexe und kostspielige Ladeinfrastruktur begrenzt die Einführung von Elektrofahrzeugen (EVs)"
- Um den Umstieg auf Elektroautos zu beschleunigen, ist der Aufbau einer starken öffentlichen EV-Ladeinfrastruktur am wichtigsten, doch die Baukosten öffentlicher Ladestationen sind sehr hoch
- Verbraucher erwarten, dass Elektroautos alle Anforderungen erfüllen, auch Langstreckenfahrten wie herkömmliche Fahrzeuge
- Derzeit finden in Industrieländern rund 90 % der Ladevorgänge zu Hause statt, aber die verbleibenden 10 % des öffentlichen Ladens sind für EV-Fahrer äußerst wichtig
- Für Lieferwagen, Taxis, Wohnungsbewohner, Studierende und reisende Familien ist der Mangel an öffentlicher Ladeinfrastruktur ein Problem
- Laut einer Forbes-Umfrage von 2022 haben 62 % der Besitzer von Elektroautos schon einmal ihre Reisepläne wegen Ladeproblemen geändert
- Laut einem Bericht der Internationalen Energieagentur (IEA) sind Investitionen in Ladeinfrastruktur in China für den Erfolg von Elektroautos viermal wirksamer als Subventionen
Wie das Laden von Elektroautos funktioniert
- Ladestationen wandeln AC-Strom in DC-Strom um und versorgen damit die Batterie
- Beim Laden müssen die folgenden Bedingungen erfüllt sein
- Die Batteriespannung darf einen Schwellenwert nicht überschreiten
- Die Batterietemperatur darf einen festgelegten Grenzwert nicht überschreiten
- Der Strom aus dem Netz darf einen bestimmten Wert nicht überschreiten
- Zur Vermeidung von Stromschlägen ist die Erdung (grounding) wichtig
- Wenn die Erdung unterbrochen ist, schützt der Ladeport die Sicherheit durch galvanische Trennung (Galvanic Isolation)
- Galvanische Trennung trennt Stromkreise physisch, damit kein Strom zwischen ihnen fließen kann
- Die galvanische Trennung in Ladestationen wird durch einen Transformator (transformer) umgesetzt
- Der Transformator sorgt für die Trennung über Leistung, die in hochfrequenten Wechselstrom (AC) umgewandelt wurde
Galvanische Trennung ist sehr teuer
- Die galvanische Trennung macht etwa 60 % der Kosten der Ladehardware aus
- Kosten für Leistungselektronik pro 300-kW-Port: etwa 90.000 $
- Davon entfallen 54.000 $ auf die galvanische Trennung
- Gesamtkosten der Leistungselektronik einer Ladestation mit 4 Ports: etwa 360.000 $ (davon allein mehr als 200.000 $ für die Trennung)
- Kosten für Leistungselektronik pro 300-kW-Port: etwa 90.000 $
- Galvanische Trennung erhöht Größe und Gewicht der Ladeeinrichtungen
- Dass schnelles Laden mit dem On-Board-Charger (OBC) schwierig ist, liegt ebenfalls an Größe und Kosten der galvanischen Trennung
Kann man die galvanische Trennung entfernen?
- Wenn man die galvanische Trennung entfernt, lassen sich die Kosten der Ladehardware und die Energieverluste um mehr als die Hälfte senken
- Lösungsansätze:
- Doppelte Erdung (double ground)
- Zwei Erdungsleitungen sorgen dafür, dass bei Ausfall einer Erdung die andere weiterhin schützt
- Zusätzliche Schaltung zur Erkennung der Erdungskontinuität → Ladevorgang wird bei Erdungsschaden gestoppt
- Buck-Regler (Buck Regulator)
- Verhindert Stromüberlastung, wenn die Eingangsspannung höher ist als die Batteriespannung
- Ein Buck-Regler kostet weniger als 10 % der bisherigen Kosten der galvanischen Trennung, bei weniger als 20 % der Leistungsverluste
- Doppelte Erdung (double ground)
Die Zukunft des öffentlichen EV-Ladens
- Die heutigen On-Board- und öffentlichen Ladeverfahren sind komplex und übermäßig teuer
- Im bestehenden vierstufigen Ladeprozess lassen sich drei Stufen entfernen
- Es muss nur die Stufe des aktiven Gleichrichters (active rectifier) erhalten bleiben; bei Bedarf kann ein kostengünstiger Buck-Regler (buck regulator) ergänzt werden
- Höhere Sicherheit:
- Zusätzliche doppelte Erdung (double ground) und Erkennung der Erdungskontinuität
- Damit lässt sich ein Sicherheitsniveau erreichen, das mindestens der bestehenden galvanischen Trennung entspricht
- Im bestehenden vierstufigen Ladeprozess lassen sich drei Stufen entfernen
- Vorteile des Direct Power Conversion (DPC)-Ansatzes
- Geringere Gerätekosten: Die Kosten der Ladehardware sinken um mehr als 50 %
- Bessere Energieeffizienz: Verbesserung um 2–3 %
- Geringere Installations- und Wartungskosten von Ladestationen → Tausende Ladestationen könnten innerhalb weniger Jahre ausgebaut werden
- Der Ausbau der Ladeinfrastruktur fördert die Verbreitung von Elektroautos
- Eine Diskussion über die Abschaffung der galvanischen Trennung ist nötig
- Die Vereinfachung des Ladevorgangs und Kostensenkungen sind essenziell
- In der technischen Community braucht es eine Debatte über den Verzicht auf galvanische Trennung
- Der Verzicht auf galvanische Trennung sollte der erste Schritt zur Stärkung der EV-Ladeinfrastruktur sein
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