6 Punkte von GN⁺ 2024-11-24 | 1 Kommentare | Auf WhatsApp teilen

Problemsituation und Vorgehensweise

  • Senior Leaders Feedback zu geben, ist eine schwierige Aufgabe
  • Kein Feedback zu geben, kann die Leistung der Organisation beeinträchtigen
  • Feedback zu geben, kann die Beziehung verschlechtern und persönliche Risiken mit sich bringen
  • Traditionell ist es in Machtstrukturen üblich, dass Führungskräfte auf höherer Ebene Mitarbeitenden auf niedrigerer Ebene Feedback geben
  • Führungskräften Feedback zu geben, kehrt diese Norm um und erfordert daher ein vorsichtiges und systematisches Vorgehen

Was vor dem Feedback bedacht werden sollte

  • Kann ich die Dinge verbessern, die ich kontrollieren kann?
    • Prüfen Sie zunächst, ob Sie die Situation verbessern können, indem Sie Ihr eigenes Verhalten oder Ihre eigene Haltung anpassen
  • Kann ich mit dieser Situation leben?
    • Bewerten Sie, wie groß Ihre Unzufriedenheit ist und wie wahrscheinlich es ist, dass Feedback an die Führungskraft Erfolg hat
  • Habe ich mich ausreichend sorgfältig vorbereitet?
    • Beanspruchen Sie nicht vorschnell moralische Überlegenheit und gehen Sie die Sache nicht emotional an
    • Berücksichtigen Sie die Beziehung, das Maß an Vertrauen und die Neigungen der Führungskraft

Methodik für wirksames Feedback

1. Das Framing „noch mehr“ verwenden

  • Anerkennen Sie, was die Führungskraft bereits tut, und schlagen Sie zugleich vor, dass sie sich noch weiter verbessern kann
    • Beispiel:
      • 🚫 „Sie sollten neuen Mitarbeitenden Orientierung geben.“
      • ✅ „Es könnte hilfreich sein, neuen Mitarbeitenden etwas mehr Orientierung zu geben.“
    • Wirkung: Die Führungskraft fühlt sich nicht angegriffen und nimmt das Feedback eher an

2. Die eigene Erfahrung als Beispiel heranziehen

  • Besonders wirksam, wenn sensible Themen angesprochen werden
    • Beispiel:
      • 🚫 „Sie sollten diese Methode ausprobieren.“
      • ✅ „Ich hatte ein ähnliches Problem, und diese Methode hat mir geholfen.“
    • Wirkung: Sie bringen den Rat auf natürliche Weise ein, ohne den Stolz der anderen Person zu verletzen

3. Diplomatische und neugierige Sprache verwenden

  • Achten Sie darauf, nicht aggressiv oder bedrohlich zu wirken
    • Verwenden Sie Formulierungen in Vorschlagsform:
      • „Könnten wir diese Methode vielleicht ausprobieren?“
      • „Was denken Sie über diesen Punkt?“
      • „Wie wäre dieser Ansatz?“
    • Wirkung: Eine kooperative und konstruktive Haltung wird betont, was die Akzeptanz erhöht

4. Mit Daten und Beispielen untermauern

  • Vermeiden Sie abstrakte Behauptungen und ergänzen Sie sie durch konkrete Beispiele und Logik
    • Beispiel:
      • 🚫 „Wir brauchen während des Projekts mehr Feedback.“
      • ✅ „Als wir Design-Mockups wöchentlich überprüft haben, stellte sich heraus, dass die Kundschaft mit dem Endergebnis sehr zufrieden war. Ein ähnlicher Ansatz könnte auch für das aktuelle Projekt nützlich sein.“
    • Wirkung:
      • Der Vorschlag ist prägnant und logisch
      • Die Vorteile einer Verhaltensänderung werden klar vermittelt

Kernaussagen

  1. Das Framing „noch mehr“ nutzen: Bestehende Bemühungen anerkennen und zugleich Verbesserungspotenzial aufzeigen
  2. Mit der eigenen Erfahrung vermitteln: Die Abwehrreaktion der anderen Person verringern und Empathie fördern
  3. Diplomatische und kooperative Sprache verwenden: Eine Zusammenarbeit betonende Haltung hervorheben
  4. Daten und Beispiele liefern: Vorschläge auf logische und überzeugende Weise präsentieren

1 Kommentare

 
GN⁺ 2024-11-24
Hacker-News-Kommentar
  • Schlechte Manager erkennen ihre eigenen Probleme nur selten und fühlen sich oft unsicher. Gute Führungskräfte sind sich ihres Verhaltens bewusst und nehmen die Perspektiven anderer an. Statt schlechte Manager in Schutz zu nehmen, sollte man berücksichtigen, dass sie Schaden anrichten können, und ihnen helfen, Probleme gemeinsam zu lösen

  • Wenn man dem Vorgesetzten Feedback gibt, sollte man es direkt ansprechen; wenn der Vorgesetzte damit nicht umgehen kann, ist er für eine Führungsrolle ungeeignet. Gegenüber Mitarbeitenden sollte Feedback behutsamer vermittelt werden

  • In einem Zitat aus "Der Soldat James Ryan" wird betont, dass Vorgesetzte Beschwerden nach oben weitergeben sollten. Das bedeutet, dass Unzufriedenheit innerhalb einer Organisation nach oben kommuniziert werden muss

  • Wenn man in einem US-Unternehmen arbeitet, besonders mit einem H1B-Visum, ist es wegen der Angst vor Hierarchien schwer, seine Meinung zu äußern. In anderen Kulturen ist die Angst vor Hierarchien oft geringer, und das Arbeitsrecht ist häufig besser

  • Nach 13 Jahren Erfahrung wurde klar: Ist der Manager gut, gibt es kein Problem; ist er schlecht, bringt Feedback nichts. Bei schlechten Managern muss man sich notfalls mit Lügen selbst schützen

  • Das Crew Resource Management der Luftfahrtbranche bietet auch für die Geschäftswelt viele Lehren. Die verantwortliche Person ist kein König; wichtig ist, dass andere ihre Entscheidungen bewerten und etwas sagen, wenn es Probleme gibt

  • Es ist schwer nachvollziehbar, dass Feedback ein Kündigungsgrund sein soll. Es braucht eine Kultur, in der das Geben und Annehmen von Feedback selbstverständlich ist

  • Bevor man Feedback gibt, sollte man die Situation und die Herausforderungen des Gegenübers verstehen. Wichtig ist, bei der Lösung des Problems zu helfen

  • Es wird behauptet, der Artikel müsse unter dem Titel "Wie kann ich besser schmeicheln?" neu geschrieben werden. Wenn Feedback zu geben riskant ist, sollten höhere Führungskräfte jemanden mit besseren Leadership-Qualitäten finden

  • Die Frage "Gab es einen Grund, X zu tun?" ist wirksam, weil sie die Entscheidung zunächst akzeptiert und nach der Begründung fragt. Auch die Frage "Darf ich einen Vorschlag machen?" ist als Zeichen von Respekt nützlich