Der irrational hungrige-Richter-Effekt neu betrachtet (2023)
(cambridge.org)Zusammenfassung
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Abstract
- Die Studie von Danziger, Levav und Avnaim-Pesso (2011) analysiert, wie sich die Reihenfolge der vorgelegten Fälle auf Bewährungsentscheidungen in Israel auswirkt.
- Die Wahrscheinlichkeit einer positiven Entscheidung sinkt von 65 % bei der ersten Entscheidung auf nahezu 0 % bei der letzten und erholt sich nach einer Mahlzeit wieder auf 65 %.
- Es wurde vermutet, dass dieses Phänomen auf mentale Erschöpfung zurückzuführen sein könnte.
- Simulationen zeigen, dass der Effekt der Reihenfolge als statistisches Artefakt erklärt werden könnte, weil positive Entscheidungen mehr Zeit in Anspruch nehmen als negative.
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Einleitung
- In vielen Situationen werden Urteile von irrationalen Faktoren beeinflusst.
- Rechtliche Entscheidungen sollten nur von rechtlich relevanten Tatsachen abhängen, werden in der Praxis aber auch von äußeren Faktoren wie Reihenfolge, Müdigkeit oder Hunger beeinflusst.
- Die DLA-Studie zeigt, dass bei einer Serie von Entscheidungen die Reihenfolge Einfluss auf spätere Urteile hat.
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Kritische Bewertung
- Die DLA-Studie erhielt wegen ihrer großen Effektstärke viel Aufmerksamkeit.
- Wenn mentale Erschöpfung die Ursache wäre, wäre der Effekt deutlich größer als in Laborstudien beobachtet.
- Auch eine nicht zufällige Reihenfolge der Fälle oder Faktoren, die beeinflussen, wann Richter Pausen einlegen, könnten das Ergebnis verzerren.
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Rationales Zeitmanagement und selektiver Ausfall
- Da positive Entscheidungen länger dauern als negative, ist es wahrscheinlich, dass es gegen Ende einer Sitzung weniger positive Entscheidungen gibt.
- Richter neigen dazu, vor dem Ende einer Sitzung keine komplexen Fälle mehr zu beginnen.
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Simulation des Auswahlmusters eines hypothetisch rationalen Richters
- Die Simulation zeigt, dass auch ein rationaler Richter gegen Ende einer Sitzung ein sinkendes Muster positiver Entscheidungen aufweist.
- Das ergibt einen Effekt, der dem in der DLA-Studie beobachteten ähnelt.
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Weitere Faktoren: Autokorrelation und Zensierung
- Durch die Zensierung der letzten 5 % der Daten in der DLA-Studie entsteht künstlich ein abfallender Verlauf.
- Ein ähnlicher Effekt tritt auch bei vorhandener Autokorrelation auf.
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Rationales Zeitmanagement ohne Vorhersage
- Auch ohne Vorhersage entsteht bei Zensierung und Autokorrelation ein abfallender Effekt.
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Diskussion
- Die DLA-Studie kommt zu dem Schluss, dass äußere Faktoren rechtliche Entscheidungen beeinflussen.
- Die Simulationen legen jedoch nahe, dass rationales Zeitmanagement und selektiver Ausfall einen großen Teil erklären können.
- Die Zensierung erzeugt künstlich einen abfallenden Effekt.
- Möglicherweise hat die DLA-Studie den Einfluss äußerer Faktoren überschätzt.
Zusammenfassung von GN⁺
- Diese Studie behandelt die wichtige Frage, ob rechtliche Entscheidungen von äußeren Faktoren beeinflusst werden können.
- Mithilfe von Simulationen wird gezeigt, dass rationales Zeitmanagement einen großen Teil des Effekts erklären kann.
- Es wird darauf hingewiesen, dass Zensierung künstlich einen abfallenden Effekt erzeugen kann.
- Um die Fairness rechtlicher Entscheidungen zu gewährleisten, ist weitere Forschung nötig.
- Eine weitere Studie mit ähnlicher Fragestellung ist die von Weinshall-Margel und Shapard (2011).
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