I
- Charles Eames sagte: „Wir machen keine Kunst — wir lösen Probleme.“
- In den 1950er-Jahren wollten Charles und Ray Eames robuste und moderne Stühle zu einem günstigen Preis anbieten.
- Der LCW-Stuhl zeigt Eames’ Besessenheit von einfachen Materialien und Methoden.
- 1999 bezeichnete das Magazin Time den LCW als „das beste Design des Jahrhunderts“.
- Bei Herman Miller wird ein neuer LCW für 1.195 US-Dollar verkauft, der Modway Fathom für 145 US-Dollar, obwohl Funktion und Erscheinungsbild identisch sind.
- Das Original des LCW befindet sich in der MOMA-Sammlung von 1946.
- Die Unterscheidung zwischen Kopie und Original ist nicht immer klar und möglicherweise auch nicht wichtig.
- Als Designer klammert man sich zwar an das Original, doch Design gewinnt viel durch das Kopieren.
II
- Steve Jobs wird mit den Worten zitiert: „Große Künstler stehlen“, und erkannte damit das Kopieren an.
- Bei Xerox PARC wurde mit dem Alto ein bahnbrechender Computer entwickelt, den Apples Macintosh kopierte.
- 1985 verklagte Apple Digital Research Interactive wegen angeblicher Nachahmung und später auch Microsoft und HP.
- Apple überstand danach die juristischen Auseinandersetzungen ums Kopieren und hält heute mehr als 2.300 Designpatente.
- 2011 verklagte Apple Samsung, und die rechtlichen Auseinandersetzungen gingen weiter.
III
- John Carmack lernte durch das Kopieren, suchte Herausforderungen darin und gewann daraus neue Ideen.
- Carmack ist für Doom und Quake bekannt, doch Commander Keen begann als Kopie von Super Mario Bros. 3.
- Nintendo hatte kein Interesse an einer PC-Version, doch Carmack entwickelte mit seiner eigenen Technik Commander Keen und hatte damit Erfolg.
- Carmack lehnte Patente ab und sprach sich für das Kopieren aus.
IV
- Richard Stallman wollte das Kopieren zu einem Recht machen.
- 1983 kündigte Stallman GNU an, ein freies Softwaresystem, das mit Unix kompatibel ist.
- Stallmans Bewegung für freie Software drehte die Softwarelizenzierung um und garantierte die Freiheit zum Kopieren und Verteilen.
- Die Open-Source-Software-Bewegung entwickelte sich weiter und wurde zu einem Kernbestandteil der Softwareentwicklung.
- Creative Commons fördert das Teilen und die Wiederverwendung kreativer Werke.
V
- In China gibt es verschiedene Konzepte des Kopierens, von denen einige als ebenso wertvoll wie das Original gelten.
- Ein typisches Beispiel sind die Terrakotta-Krieger, die 1974 in der Region Xi’an in China ausgegraben wurden.
- Auch im Westen spielt das Kopieren eine wichtige Rolle. Van Gogh kopierte japanische Kunst und gewann daraus Inspiration für seine eigenen Werke.
- Van Gogh machte ausdrücklich deutlich, dass seine Werke auf japanischer Kunst basierten.
- Shanzhai (山寨) wird oft mit „Fälschung“ übersetzt, ist aber eine Form des Kopierens, die Kreativität zeigt.
- In der Design-Community entspricht dem vor allem das Konzept der Unsolicited Redesigns.
- Solche Redesigns können die Aufmerksamkeit von Unternehmen auf sich ziehen, werden aber oft auch kritisiert.
VI
- Kopieren kann lehrreich, herausfordernd, täuschend oder innovativ sein.
- Im Design ist Kopieren grundlegend und ein wichtiger Teil von Weiterentwicklung.
- Heutige Software, Hardware, Websites und Apps verdanken dem Kopieren allesamt viel.
Meinung von GN⁺
- Dieser Artikel betont die Bedeutung des Kopierens im Design und erklärt, dass Kopieren nicht bloßes Nachmachen ist, sondern ein wichtiger Prozess für Lernen und Innovation.
- Anhand verschiedener Beispiele wird gezeigt, wie Kopieren zur Entwicklung von Design und Technologie beigetragen hat.
- Die Debatte über Kopieren und Patente dauert weiterhin an, und es bleibt wichtig, ein Gleichgewicht zwischen Kreativität und rechtlichem Schutz zu finden.
- Die Open-Source-Bewegung und Creative Commons fördern das Teilen und die Zusammenarbeit rund um kreative Werke und haben die moderne Softwareentwicklung stark beeinflusst.
- Es ist wichtig zu verstehen, dass Kopieren nicht bloß Imitation ist, sondern ein Werkzeug für neue Ideen und Innovationen.
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