1 Punkte von GN⁺ 2024-06-16 | 3 Kommentare | Auf WhatsApp teilen

Französisches Gericht ordnet DNS-Sperren für Google, Cloudflare und Cisco an

DNS-Manipulation auf Ebene lokaler ISPs

  • 2023 beantragte Canal+ bei einem französischen Gericht die Sperrung von Piraten-Websites für Sport-Streaming.
  • Das Gericht gab dem Antrag von Canal+ statt und verlangte von ISPs wie Orange, SFR, OutreMer Télécom, Free und Bouygues Télécom technische Maßnahmen.
  • Die ISPs manipulierten ihre eigenen DNS-Resolver, um den Zugriff auf die betreffenden Websites zu blockieren.

Manipulation öffentlicher DNS-Dienste: eine Maßnahme, die noch weiter geht

  • Als Nutzer die Sperren durch die Nutzung anderer DNS-Anbieter umgingen, leitete Canal+ rechtliche Schritte gegen öffentliche DNS-Anbieter wie Cloudflare, Google und Cisco ein.
  • Nach Artikel L333-10 des französischen Sportgesetzbuchs können Rechteinhaber bei wiederholten illegalen Übertragungen von Sportveranstaltungen alle geeigneten Maßnahmen verlangen.

Anordnung gegen Google, Cloudflare und Cisco zur Verhinderung von Umgehungen

  • Ein Pariser Gericht ordnete an, dass Google, Cloudflare und Cisco Maßnahmen ergreifen müssen, damit Internetnutzer in Frankreich nicht auf rund 117 Piraterie-Domains zugreifen können.
  • Googles Anwalt Sébastien Proust argumentierte, dass diese Maßnahme nur geringe Auswirkungen auf Piraterie haben werde.
  • Einer Untersuchung zufolge würden durch die DNS-Sperren nur 0,084 % aller französischen Internetnutzer betroffen sein.

Gericht weist Einwände gegen die Sperren zurück

  • Das Pariser Gericht entschied, dass die Zahl der Nutzer alternativer DNS-Dienste und die Einfachheit eines DNS-Wechsels nichts miteinander zu tun haben.
  • Canal+ besitzt die Übertragungsrechte und hat damit das gesetzliche Recht, eine Sperranordnung zu beantragen.
  • Google erklärte, der Anordnung Folge leisten zu wollen.

Meinung von GN⁺

  • Technische Umgehungsmöglichkeiten: DNS-Sperren lassen sich durch die Nutzung eines VPNs und ähnlicher Mittel leicht umgehen. Das verringert ihre Wirksamkeit.
  • Datenschutzprobleme: Eingriffe bei öffentlichen DNS-Anbietern können das Risiko von Eingriffen in die Privatsphäre der Nutzer erhöhen.
  • Rechtliche Kontroversen: Rechtliche Maßnahmen gegen öffentliche DNS-Anbieter könnten Debatten über die Freiheit des Internets auslösen.
  • Alternative Technologien: Neben DNS-Sperren könnten auch Technologien wie DPI (Deep Packet Inspection) eingesetzt werden. Diese können jedoch noch größere Datenschutzprobleme verursachen.
  • Bedarf an Nutzeraufklärung: Langfristig könnte es wirksamer sein, Nutzer dazu zu bewegen, legale Streaming-Dienste zu verwenden.

3 Kommentare

 
joyfui 2024-06-17

Da gehen sie sogar noch einen Schritt weiter als bei uns. Aber sie werden wohl nicht wie bei uns direkt die Pakete inspizieren, oder?

 
unsure4000 2024-06-17

Ich denke, sie decken es zwar auf, stoppen es aber nicht ... Ob im Osten oder im Westen, Zensur ist letztlich überall ähnlich ....

 
GN⁺ 2024-06-16
Hacker-News-Kommentare
  • Frühere Internet-Blackouts: Vor gut zehn Jahren protestierten viele Tech-Unternehmen mit einem Internet-Blackout gegen US-Gesetzesvorhaben, die Änderungen am DNS verlangten. Jetzt, da Frankreich dies tatsächlich umsetzt, sagen sie, dass sie sich daran halten werden.
  • Keine Erwähnung von dns0.eu: Das von mir genutzte dns0.eu wird in der EU gehostet, wird hier aber nicht erwähnt.
  • Erwähnung von Domains im Artikel: Es ist schon witzig, dass der Artikel die Domainnamen nennt. Das ist so, als würde Google eine DMCA-Liste anzeigen, und macht es leicht, die eigentlichen Piratenseiten zu finden.
  • Frage zum Titel: Der Titel der Website lautet „Google, Cloudflare & Cisco Will Poison DNS to Stop Piracy Block Circumvention“. Ich frage mich, warum Cloudflare im Titel besonders hervorgehoben wird.
  • Technische Frage: Die technische Frage, wie gesperrte DNS-Einträge in Protokollen wie DoH abgebildet werden sollen, ist interessant. Zum Beispiel könnte es sinnvoll sein, wenn ein DoH-Server aus rechtlichen Gründen HTTP 451 zurückgibt.
  • Googles Compliance: Der einzige Anbieter, der hier gesagt hat, dass er sich daran halten werde, ist Google. Daher ist es ungenau, Cloudflare herauszugreifen, und der Titel selbst ist ebenfalls ungenau. „French court orders Cloudflare, Google, and Cisco to poison DNS to stop piracy block circumvention“ wäre der zutreffende Titel.
  • Eigene DNS-Konfiguration empfohlen: Technisch versierten Menschen würde ich empfehlen, einmal einen eigenen DNS-Resolver einzurichten. Ein paar Millisekunden zusätzliche Latenz beim ersten Zugriff haben nur geringe Auswirkungen auf das Interneterlebnis.
  • Kein Interesse an Streaming: Ich interessiere mich nicht für das Streamen von Fußballspielen, frage mich aber, welchen praktischen Nutzen 1.1.1.1/9.9.9.9 tatsächlich haben. Jemand sollte ORSN wiederbeleben und irgendeine kryptofreie Merkle-Tree- oder DHT-Magie darauf anwenden.
  • Ruf öffentlicher DNS-Anbieter: Wenn öffentliche DNS-Anbieter so etwas tun, sollten sie einen schlechten Ruf bekommen, und die Leute sollten sie nicht mehr nutzen. Die Leute können es selbst betreiben oder direkt IP-Adressen verwenden.
  • Repressive Regierungen: Repressive Regierungen erlassen rechtliche Anordnungen an Google, den Zugang zu Twitter zu blockieren, aber Google lehnt das immer ab. Im Fall Frankreichs könnte die Befolgung weniger eine rechtliche Frage als vielmehr eine Frage der Marktgröße sein.