US-Gericht erkennt Verantwortung von Chiquita für die Finanzierung kolumbianischer Milizen an
Überblick über den Fall
- Chiquita Brands International wurde vor einem US-Gericht für schuldig befunden, die kolumbianische Miliz AUC finanziert zu haben.
- AUC war damals in den USA als Terrororganisation eingestuft.
- In der von acht kolumbianischen Familien eingereichten Zivilklage wurde Chiquita zur Zahlung von 38,3 Millionen US-Dollar Schadenersatz verurteilt.
Position von Chiquita
- Chiquita kündigte an, gegen das Urteil der Jury Berufung einzulegen.
- Das Unternehmen weist das Urteil zurück und bezeichnet es als „rechtlich unbegründet“.
Hintergrund des Falls
- AUC beging in Kolumbien Menschenrechtsverletzungen; zu den Opfern gehörten vor allem Gewerkschaftsmitglieder und Bananenarbeiter.
- Chiquita hatte bereits 2007 eingeräumt, die AUC finanziert zu haben.
- Von 1997 bis 2004 zahlte Chiquita mehr als 1,7 Millionen US-Dollar an die AUC.
- Chiquita erklärte, der damalige AUC-Anführer Carlos Castaño habe unter Drohungen gegen Mitarbeiter und Vermögenswerte finanzielle Unterstützung verlangt.
Juristische Auseinandersetzung
- Die Anwälte von Chiquita argumentierten, die Zahlungen seien zum Schutz der Mitarbeiter unausweichlich gewesen.
- Die Klägerseite erklärte dagegen, Chiquita habe ein „gottloses Bündnis“ mit der AUC geschlossen.
- Die Finanzierung lief auch nach der Einstufung der AUC als Terrororganisation in den USA im Jahr 2001 weiter.
Aktivitäten der AUC
- Die AUC wurde gegründet, um Landbesitzer vor Angriffen und Erpressungsversuchen linker Guerillagruppen zu schützen, agierte jedoch überwiegend als Privatarmee für Drogenhändler.
- Die AUC wurde 2006 nach einem Friedensabkommen mit der Regierung aufgelöst, doch einige Mitglieder bildeten neue Splittergruppen und setzten ihre Aktivitäten fort.
Ergebnis des Verfahrens
- In diesem Verfahren wurden 9 von mehreren hundert Ansprüchen behandelt.
- Die Jury erkannte in 8 von 9 Tötungsfällen eine Verantwortung von AUC und Chiquita an.
- Das Gericht kam zu dem Schluss, dass Chiquita der AUC erhebliche Unterstützung geleistet und damit ein vorhersehbares Risiko geschaffen habe.
Reaktion von Chiquita
- Chiquita bezeichnete die Lage in Kolumbien als tragisch und sprach den Opfern und ihren Familien sein Mitgefühl aus.
- Zugleich hält das Unternehmen an seiner Position fest, dass es keine rechtliche Grundlage gebe, und zeigt sich überzeugt, dass seine Rechtsauffassung letztlich obsiegen werde.
Reaktion der Klägerseite
- Die Anwältin der Klägerseite Agnieszka Fryszman lobte die Familien dafür, ihr Leben riskiert zu haben, um Chiquita vor Gericht zu bringen.
- Anwältin Leslie Kroger sagte, nach einem 17 Jahre langen Kampf sei endlich Gerechtigkeit erreicht worden.
Meinung von GN⁺
- Rechtliche Verantwortung: Der Fall zeigt, dass multinationale Unternehmen für rechtswidrige Handlungen an ihren Auslandsstandorten rechtlich zur Verantwortung gezogen werden können.
- Menschenrechtsfragen: Der Fall könnte das Bewusstsein für Menschenrechtsverletzungen durch Unternehmen schärfen.
- Unternehmensethik: Er unterstreicht, dass Unternehmen bei ihrer Tätigkeit vor Ort auch ethische Verantwortung tragen.
- Juristische Komplexität: Der Fall hilft, die Komplexität internationaler Rechtsstreitigkeiten besser zu verstehen.
- Ähnliche Fälle: Vergleichbare Beispiele sind etwa die Debatten um Kinderarbeit bei Nike.
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