6 Punkte von GN⁺ 2024-05-01 | Noch keine Kommentare. | Auf WhatsApp teilen

EU stuft iPadOS als „Gatekeeper“ ein und verpflichtet zur Einhaltung des DMA

  • Die EU-Regulierungsbehörden haben entschieden, iPadOS als „Gatekeeper“ einzustufen. Das bedeutet, dass für das iPad bald dieselben Regeln gelten werden wie für das iPhone.
  • Mit der Veröffentlichung von iOS 17.4 im März unterliegen iPhones in der EU den Vorgaben des DMA (Digital Markets Act). Diese Regeln zwingen Apple dazu, auf iOS erstmals alternative App Stores, App-Sideloading und Browser-Engines von Drittanbietern zu unterstützen.
  • Die EU begann im September 2023 mit der Untersuchung, ob iPadOS die Voraussetzungen für den Gatekeeper-Status erfüllt; dies geschah am selben Tag, an dem iOS, der Safari-Browser und der App Store allesamt als Gatekeeper eingestuft wurden.
  • Laut einem Blogpost der EU „muss Apple nun innerhalb von sechs Monaten sicherstellen, dass iPadOS die DMA-Verpflichtungen vollständig einhält“.

Ähnlichkeiten zwischen iOS und iPadOS

  • Apple begann 2019 damit, das Tablet-Betriebssystem als „iPadOS“ zu bezeichnen, und trennte damit das Betriebssystem des iPads technisch vom iPhone.
  • In der Praxis gibt es jedoch kaum etwas, das die beiden Betriebssysteme voneinander unterscheidet. iOS und iPadOS teilen sich dieselben Software-Build-Nummern, werden fast zeitgleich aktualisiert, und für die DMA-Compliance ist vor allem wichtig, dass Software aus demselben abgeschotteten App Store bezogen wird und dieselben Apple-Beschränkungen gelten.

Erwartete Änderungen durch die DMA-Compliance

  • Apps, die über alternative App Stores oder Websites von Drittanbietern verteilt werden, müssen viele von Apples Regeln weiterhin einhalten und unterliegen nach wie vor Einschränkungen bei der Nutzung von Apples öffentlichen APIs.
  • Wenn auf dem iPad mit seinem großen Bildschirm (und Desktop-tauglichen Chips der M-Serie) jedoch alternative App Stores und Browser-Engines genutzt werden können, könnten Tablets mehr von dem ermöglichen, was Mac-Nutzer auf ihren Systemen tun können, und damit zu einem besseren Laptop-Ersatz werden.

Weitere EU-Untersuchungen und ihre Auswirkungen

  • Apple hat zur Erfüllung des DMA in der EU bereits mehrere Änderungen an iOS vorgenommen, doch die EU-Regulierungsbehörden untersuchen Apple bereits zusammen mit Google und Meta wegen möglicher „Nichteinhaltung“.
  • Je nach Untersuchungsergebnis könnte die EU von Apple weitere Änderungen daran verlangen, wie Drittanbieter-Apps auf iOS installiert werden und wie Drittentwickler App Stores und Zahlungsoptionen außerhalb von Apple bewerben dürfen.
  • Änderungen, die Apple infolge des Untersuchungsergebnisses zur iOS-Compliance vornehmen muss, dürften offenbar auch unverändert auf das iPad angewendet werden.
  • Natürlich hat dies keine direkten Auswirkungen auf iPhone- oder iPad-Nutzer in den USA. Diese Geräte bleiben weiterhin auf Apples App Store und die WebKit-Browser-Engine beschränkt.
  • Allerdings sind zuletzt einige Änderungen an App-Store-Regeln zu beobachten, die offenbar aus Apples DMA-Compliance-Versuchen resultieren. Besonders bemerkenswert ist die neue Richtlinie, die erstmals Retro-Spielkonsolen-Emulatoren (wenn auch nicht alle) im App Store zulässt.

Meinung von GN+

  • Diese Entscheidung der EU dürfte Apples abgeschlossenem Ökosystem einen erheblichen Schlag versetzen. Rückgänge bei den Einnahmen aus App-Store-Gebühren scheinen unvermeidlich, und da Nutzer Apps auch außerhalb von iOS/iPadOS frei installieren können, wird Apples Kontrolle deutlich geschwächt.

  • Dennoch werden die unmittelbaren Veränderungen für normale Nutzer selbst unter DMA wahrscheinlich begrenzt sein. Die meisten Nutzer, die an den bestehenden App Store gewöhnt sind, werden ihn weiter verwenden, und auch Entwickler erreichen mehr Nutzer, wenn sie die App-Store-Prüfung bestehen.

  • Trotzdem ist der DMA eine wegweisende Regulierung, wenn es um den Abbau von Monopolen im mobilen Ökosystem und mehr Offenheit geht. iOS und iPadOS, die im Vergleich zu Googles Android stärker geschlossen waren, werden sich in erheblichem Maße öffnen müssen, was langfristig voraussichtlich zu mehr Wettbewerb im Markt für mobile Plattformen führt.

  • Zugleich wird darauf hingewiesen, dass die aktuelle Entscheidung der EU keine Auswirkungen auf die USA oder andere Länder hat, wodurch die Möglichkeit einer Fragmentierung von iOS/iPadOS im globalen Markt aufkommt. Da Apple je nach Region unterschiedliche Richtlinien anwenden muss, bleibt abzuwarten, wie das Unternehmen darauf reagiert.

  • Kurz gesagt zeigt der DMA den starken Willen der EU, die Dominanz großer Plattformunternehmen im digitalen Markt einzudämmen. Das Ziel, Endverbrauchern mehr Auswahl zu geben und den Wettbewerb zu fördern, ist nachvollziehbar, zugleich gibt es aber auch Bedenken, dass übermäßige Regulierung Innovationen eher behindern könnte. Die tatsächliche Wirkung und die globale Tragweite des DMA bleiben zu beobachten.

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