1 Punkte von GN⁺ 2024-03-17 | 1 Kommentare | Auf WhatsApp teilen

Deutschland nimmt die Techno-Kultur Berlins in die Kulturerbeliste der UNESCO auf

  • Das deutsche Kulturministerium und die UNESCO-Kommission haben die Techno-Kultur Berlins in die nationale Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen und damit ihren Beitrag zur kulturellen Identität der Stadt anerkannt.
  • Die Clubcommission Berlin bezeichnete die Entscheidung als einen weiteren Meilenstein für Berliner Techno-Produzenten, Künstler, Clubbetreiber und Veranstalter.
  • Lutz Leichsenring, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Clubcommission, sagte dem deutschen Sender DW, dass dies dabei helfen werde, Clubkultur als wichtigen Bereich anzuerkennen, der Schutz und Förderung verdient.

Anerkennung der Techno-Kultur und die Kampagne

  • Die Kampagne zur Aufnahme von Techno-Kultur und -Musik in die deutsche Liste lief mehr als zehn Jahre und wurde von Rave the Planet angeführt, einer Non-Profit-Organisation zur Förderung elektronischer Musikkultur.
  • Rave the Planet reichte im November 2022 den Antrag auf Aufnahme von Techno in die Liste ein.
  • Der Status als immaterielles Kulturerbe wird normalerweise eher traditionellen kulturellen Praktiken verliehen, etwa dem Minoge-Tanz in Malawi oder der Dudelsackkultur in der Slowakei. Nachdem jedoch zuletzt jamaikanischer Reggae und das große Kumbh-Mela-Festival in Indien auf UNESCO-Listen anerkannt wurden, starteten führende Vertreter der Berliner Techno-Community eine Kampagne, um ihre Kultur in die deutsche Liste aufnehmen zu lassen.

Die Bedeutung von Techno für Berlin

  • Der in Berlin ansässige DJ und Musikproduzent Peter Kirn sagte, Techno sei ein grundlegender Teil der Stadt.
  • Techno sei ein Zufluchtsort für marginalisierte Menschen geworden, und das tolerantere Berlin sei dadurch für Menschen aus weniger offenen Orten ganz natürlich zu einem attraktiven Ziel geworden.

Weitere Informationen

  • Die Techno-Kultur ist einer von sechs neu aufgenommenen Einträgen in der deutschen Liste des immateriellen Kulturerbes; zu den anderen gehören Fruchtwein und Bergsteigen.
  • Auch die Perchtenlauf-Parade in Bayern wurde in die Liste aufgenommen; die Teilnehmenden verkleiden sich dabei als zottelige Monster.
  • Überschrift und Inhalt dieses Artikels wurden am 15. März 2024 korrigiert. Dabei wurde klargestellt, dass die Techno-Kultur nicht in die globale UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde, sondern in die nationale Liste des immateriellen Kulturerbes, die von der Deutschen UNESCO-Kommission geführt wird.

Meinung von GN⁺

  • Die Anerkennung der Berliner Techno-Kultur als immaterielles Kulturerbe ist ein wichtiger Fall offizieller Würdigung des künstlerischen Werts und des gesellschaftlichen Einflusses von elektronischer Musik und Clubkultur.
  • Diese Anerkennung zeigt, dass Techno-Kultur über bloße Unterhaltung hinausgeht und eine wichtige Rolle für die Identität der Stadt und die Bildung von Gemeinschaft spielt.
  • Schutz und Förderung der Techno-Kultur könnten dadurch gestärkt werden, was auch anderen nicht zum Mainstream gehörenden Kulturen zu gesellschaftlicher Anerkennung verhelfen könnte.
  • Wenn elektronische Musikgenres wie Techno in die Mainstream-Kultur aufgenommen werden, besteht das Risiko, dass ihr ursprünglicher experimenteller und rebellischer Geist verwässert wird.
  • Für elektronische Musikszenen anderer Städte mit ähnlichem Einfluss wie die Berliner Techno-Kultur, etwa Detroit Techno oder House aus Chicago, eröffnet dies die Möglichkeit einer ähnlichen Anerkennung.

1 Kommentare

 
GN⁺ 2024-03-17
Hacker-News-Kommentare
  • Das Buch über die Ursprünge der Berliner Techno-Szene, "Der Klang der Familie: Berlin, Techno and the Fall of the Wall", basiert auf Interviews und Diskussionen mit den Gründern und bietet ein leicht zugängliches Leseerlebnis, das man nicht zwingend der Reihe nach lesen muss.
  • Laut vielen Menschen, insbesondere Plattenladenbesitzern, ist die Berliner Szene durch Tourismus und Zuwanderung nicht mehr so underground oder cool. Wohlhabende Menschen kaufen Immobilien in Potsdam, und die Szene verlagert sich nach Leipzig.
  • Wie wollen Stadt und Bundesregierung ihre Pläne, mehrere Clubs und Musikspielstätten abzureißen und eine riesige (unerwünschte) Autobahn zu bauen, damit in Einklang bringen?
  • Die Musealisierung Europas geht weiter. Ich kann die Denkweise der Leute nicht nachvollziehen, die diese Auszeichnung für eine gute Idee hielten, und ebenso wenig die derjenigen, die sie tatsächlich begrüßen (meist keine "echten" Einheimischen, sondern Leute, die zwar in gewisser Weise vernetzt sind, aber der Realität nicht ausgesetzt sind, oder die finanzielle Interessen haben).
  • Eine neuere Ergänzung von 2021, die der HN-Community nahesteht: "Demoscene"
  • Ich lebe derzeit in Berlin, interessiere mich aber nicht für Techno. Von Leuten, die sich für Techno interessieren, habe ich gehört, dass Clubs für Einheimische teuer geworden sind und zu Touristenfallen wurden; einige könnten durch die Preisentwicklung sogar aus ihren ursprünglichen Standorten verdrängt worden sein, ohne daraus einen Vorteil zu ziehen.
  • Es braucht eine Anerkennung der Vergangenheit und der Ursprünge, zum Beispiel ist Detroit von den 80ern bis in die 90er ein gutes Beispiel. Ich habe dazu einen kurzen Essay geschrieben: https://technotarek.com/shows/richie-hawtin
  • Wie wollen sie das bewahren? Wo kann man die Berliner Techno-Szene von 1999 besuchen und Raves erleben?
  • Alle DJs und Produzenten, die für eine "Residency" nach Berlin gegangen sind, kommen mit demselben Sound zurück, und das gefällt mir nicht.
  • Ich wünschte, Detroit hätte so viel Marketing wie Berlin gehabt.