- Musikfan Aadam Jacobs, der seit den 1980er-Jahren Konzerte selbst aufgenommen hat, ließ seine mehr als 10.000 Kassetten über das Internet Archive digitalisieren
- Derzeit wurden etwa 2.500 Konzertaufnahmen hochgeladen, darunter seltenes Material von bekannten Bands wie dem Nirvana-Auftritt von 1989 sowie Sonic Youth, R.E.M. und Phish
- Freiwillige Audioingenieure restaurieren die mit gewöhnlichem Equipment aufgenommenen Kassetten, verbessern die Tonqualität und ordnen Songtitel sowie Konzertinformationen systematisch zu
- Die Freiwilligen holen jeden Monat Kassetten bei Jacobs zu Hause ab und wandeln sie in digitale Dateien um; außerdem verfolgen sie in akribischer Detailarbeit sogar Songtitel vergessener Bands zurück
- Das Projekt ist ein Beispiel dafür, wie musikalische Dokumentation bewahrt und zugleich öffentlich zugänglich gemacht werden kann, und hinterlässt mit dem Satz „Manchmal tut das Internet etwas Gutes“ seine Bedeutung
Tausende seltene Konzertmitschnitte im Internet Archive veröffentlicht
- Der aus Chicago stammende Musikfan Aadam Jacobs hat seit den 1980er-Jahren die Konzerte, die er besuchte, kontinuierlich mitgeschnitten und dadurch mehr als 10.000 Kassetten angesammelt
- Da er sich wegen physischer Schäden und Alterung der Bänder sorgte, übergab der heute 59-Jährige die Digitalisierung an Freiwillige der gemeinnützigen digitalen Bibliothek Internet Archive
- Bislang wurden rund 2.500 Aufnahmen ins Internet Archive hochgeladen, darunter seltenes Material wie ein Nirvana-Konzert von 1989
- Nirvana befand sich damals noch in der Zeit vor der Veröffentlichung der Single von 1991; zur Sammlung gehören außerdem zahlreiche unveröffentlichte Live-Mitschnitte einflussreicher Künstler wie Sonic Youth, R.E.M., Phish, Liz Phair, Pavement und Neutral Milk Hotel
- Die von Jacobs verwendete Ausrüstung war Aufnahmetechnik auf normalem Niveau, doch freiwillige Audioingenieure des Internet Archive restaurierten die Bänder und verbesserten die Tonqualität
- Der Freiwillige Brian Emerick besucht jeden Monat Jacobs’ Haus, holt Kisten mit Kassetten ab und wandelt sie mithilfe eines Kassettendecks in digitale Dateien um
- Anschließend übernehmen andere Freiwillige die Detailarbeit wie Sortierung, Beschriftung und Überprüfung der Songtitel und spüren sogar die Titel vergessener Punkbands auf
- Das Projekt ist ein Beispiel dafür, dass langfristige Bewahrung musikalischer Dokumente und öffentlicher Zugang gleichzeitig erreicht werden können; enthalten ist unter anderem auch eine Aufnahme eines Tracy-Chapman-Konzerts von 1988
- Der Artikel endet mit dem Satz: „Manchmal tut das Internet etwas Gutes“
2 Kommentare
Schön.
Hacker-News-Kommentare
Ich bin seit Jahrzehnten ein leidenschaftlicher Taper und sammle Aufnahme-Equipment.
In den 90ern habe ich ein Konzert einer elektronischen Dance-Band aufgenommen, das bis heute als Bootleg kursiert. Damals stand ich direkt mittig vor der Bühne, ließ ein DAT-Band mitlaufen und hielt ein Shotgun-Mikrofon in der Hand. Der Sänger hat mich angesehen und angelächelt, und nach dem Konzert bin ich heil nach Hause gekommen und habe das Ganze mit meinem neu gekauften spdf/io digitalisiert.
Als dieselbe Band im Jahr darauf wieder in die Stadt kam, wurde ich backstage eingeladen und habe mit ihnen über Equipment und diese Aufnahme gesprochen. Die Band hatte das Bootleg gehört und mochte es; sie waren dankbar für diese von Fans geschaffene Kultur und meinten, sie zeige neue Möglichkeiten des digitalen Zeitalters.
Ich muss immer noch lachen, wenn YouTube mir das Video empfiehlt. Sogar meine Stimme ist noch drauf, wie ich während der Aufnahme zu einem Freund sage: „Geh mal ein Stück zur Seite.“
Also: Wenn du aufnehmen willst, dann einfach Record All The Things. Das ist gut für Künstler und Fans. (Außer für Manager.)
Seltene Musik wird manchmal einfach vernachlässigt. Alte Eminem-Songs sind zum Beispiel immer noch auf YouTube zu finden.
Ich finde, Urheberrecht sollte 30 Jahre nach Veröffentlichung in die Public Domain übergehen. Sogar Elvis wird wohl erst um 2050 gemeinfrei, und es ist eher unwahrscheinlich, dass er das Geld gerade noch braucht.
Der Originalartikel ist auch ziemlich interessant.
Link zum Artikel von Block Club Chicago
Frühere Diskussion: „Wie Freiwillige 10.000 Konzertaufnahmen eines Fans in einen Online-Schatz verwandelt haben“
In den 90ern habe ich oft teure Bootleg-CDs von Live-Konzerten gekauft. Die Qualität war Glückssache, aber genau das machte auch den Reiz aus.
Ich erinnere mich immer noch daran, wie Faith No More auf einem Konzert-Bootleg berühmte Popsongs parodierten. Als ich sie 2010 live gesehen habe, spielten sie ebenfalls mehrere kurze Coverversionen hintereinander, und das war wirklich beeindruckend.
Ohne solche Bootlegs hätte man von solchen versteckten Perlen doch nie erfahren. Auf YouTube landen schließlich eher kurze Clips als komplette Konzerte.
Von einigen meiner Bootlegs gibt es weltweit vielleicht nur noch wenige Exemplare. Deshalb überlege ich, sie ins Internet Archive hochzuladen.
Früher wurde viel versucht, Bootlegs zu verhindern, heute leben wir im Zeitalter, in dem alles aufgezeichnet wird.
Als Ween-Fan habe auch ich Konzerte aufgenommen, und weil die Band das erlaubt hat, ist online eine riesige Menge an Live-Material entstanden. Da sich die Setlists jedes Mal unterschieden, war das für Fans ein wahrer Schatz.
Ich bin erstaunt, warum diese Bänder eine so gute Klangqualität haben. Klarer als neue Kassetten. Es fühlt sich an, als könnte ich Konzerte hören, die ich als Kind verpasst habe. Wirklich bewegend.
Anfang der 90er habe ich im Hochschulnetzwerk von Bootleg-Tape-Tausch gelesen. Die Leute schickten sich Kassetten per Post und kopierten sie. Eine völlig andere Zeit.
Ich habe mich in der Audio-Sammlung des Internet Archive umgesehen, und es gibt dort so viel, dass man selbst in einem ganzen Leben nicht alles hören könnte. Musik-Abodienste brauche ich jetzt wohl nicht mehr. Es hat etwas von der Freude am linearen Hören wie bei Schallplatten.
2100 Konzerte in 40 Jahren dokumentiert — das entspricht fast einem Konzert pro Woche. Wirklich ein beeindruckender Lebensbeleg.