2 Punkte von GN⁺ 2023-10-29 | 1 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • Consumer Reports hat 48 kakaohaltige Lebensmittel untersucht. 16 Produkte überschritten bei Blei oder Cadmium die CR-Bedenklichkeitswerte; in allen Produkten wurden beide Metalle nachgewiesen.
  • Schwermetalle konzentrieren sich in den Kakaotrockenmassen, die für den Schokoladengeschmack zentral sind. Cadmium wird aus dem Boden aufgenommen, Blei kann nach der Ernte beim Trocknen über Staub und Erde anhaften.
  • Untersucht wurden dunkle Schokolade, Milchschokolade, Schokoladenchips, Kakaopulver, Trinkschokoladenmischungen sowie Brownie- und Kuchenmischungen. Arsen und Quecksilber lagen nicht auf einem Niveau, das ein Expositionsrisiko darstellt.
  • Bei dunkler Schokolade überschritten 5 von 7 Produkten die Werte; alle 5 Milchschokoladen lagen darunter. Dagegen überschritten 4 von 6 Trinkschokoladenmischungen sowie einige Kakaopulver und Backmischungen den Blei-Wert.
  • Kinder und Schwangere sind durch Schwermetalle stärker gefährdet. Sie sollten dunkle Schokolade reduzieren oder meiden; auch bei anderen kakaohaltigen Produkten sind Zurückhaltung statt regelmäßigem Konsum und die Wahl schwermetallarmer Produkte ratsam.

Untersuchungsumfang und Gesamtergebnisse

  • Consumer Reports untersuchte bei 48 schokoladen- und kakaohaltigen Lebensmitteln die Schwermetallwerte.
  • Die untersuchten Produkte fielen in 7 Kategorien:
    • Kakaopulver
    • Schokoladenchips
    • Milchschokoladentafeln
    • Brownie-Mischungen
    • Schokoladenkuchenmischungen
    • Trinkschokoladenmischungen
    • Tafeln dunkler Schokolade
  • Zur Produktgruppe gehörten große Marken wie Hershey’s, Ghirardelli und Nestlé, Handelsmarken von Costco, Target, Trader Joe’s, Walmart und Whole Foods sowie Spezialanbieter wie Droste und Navitas.
  • In allen Produkten wurden Blei und Cadmium nachgewiesen; 16 von 48 überschritten bei mindestens einem der beiden Metalle die Bedenklichkeitswerte von CR.
  • Einige Produkte lagen mehr als doppelt so hoch wie der jeweilige Wert, doch innerhalb jeder Kategorie gab es auch Optionen mit vergleichsweise niedrigen Messwerten.

Warum Kakao im Zentrum der Schwermetallbelastung steht

  • Blei und Cadmium konzentrieren sich in Kakao bzw. Cacao, der den typischen Geschmack von Schokolade ausmacht.
  • Dunkle Schokolade enthält in der Regel mehr Kakao und weist daher tendenziell höhere Schwermetallwerte auf.
  • Milchschokolade enthält weniger Kakaotrockenmasse und liegt daher meist niedriger; Kakaopulver besteht dagegen fast vollständig aus Kakaotrockenmasse, was die Sorge erhöhen kann.
  • Cadmium wird offenbar von Kakaopflanzen aus dem Boden aufgenommen; Blei kann nach der Ernte an Kakaobohnen haften, während sie im Freien trocknen und mit Staub und Erde in Kontakt kommen.
  • Blei und Cadmium befinden sich in den Kakaotrockenmassen, die zusammen mit Kakaobutter den Kakao bilden.

Gesundheitsbedenken und Bewertungsmaßstäbe

  • Schwermetalle können nicht nur in Schokolade vorkommen, sondern auch in vielen anderen Lebensmitteln, etwa Arsen in Reis, Quecksilber in bestimmten Fischen, Cadmium in Spinat sowie Blei in Karotten und Süßkartoffeln.
  • Auch Trinkwasser, die Wohnumgebung oder bleihaltige Farbe im Haus können Expositionsquellen sein.
  • Schokolade ist kein notwendiges Grundnahrungsmittel, wird aber von Kindern und Erwachsenen gleichermaßen gern gegessen. Aus Sicht der Verringerung der gesamten Schwermetallbelastung gibt es daher Spielraum für Kontrolle.
  • Schwermetallbelastung ist besonders für Kinder und Schwangere bedenklich.
    • Sie kann Gehirn und Nervensystem schädigen.
    • Sie kann Entwicklungsverzögerungen, Lernprobleme und Verhaltensauffälligkeiten verursachen.
  • Auch Erwachsene können durch wiederholte Bleiexposition negative Folgen erleiden, darunter Unterdrückung des Immunsystems, Fortpflanzungsprobleme, Nierenschäden und Bluthochdruck.
  • CR bewertete das Risiko pro Portionsgröße anhand der kalifornischen Werte für die maximal zulässige tägliche Aufnahmemenge in Lebensmitteln.
    • Blei: 0,5 Mikrogramm pro Tag
    • Cadmium: 4,1 Mikrogramm pro Tag
  • Für den Blei- und Cadmiumgehalt der meisten Lebensmittel gibt es keine bundesweiten US-Grenzwerte; CR nutzte deshalb die kalifornischen Werte als die schützendsten verfügbaren Maßstäbe.
  • Die Untersuchung soll nicht feststellen, ob gesetzliche Grenzwerte überschritten wurden, sondern zeigen, welche Produkte relativ hohe Schwermetallwerte aufweisen.
  • In den getesteten Produkten stellten Arsen und Quecksilber kein Expositionsrisiko dar.

Testergebnisse nach Kategorie

  • Dunkle Schokolade

    • Bei der Untersuchung von Tafeln dunkler Schokolade im Vorjahr überschritten 23 von 28 Produkten, also 82 %, bei Blei oder Cadmium die CR-Werte.
    • Die aktuelle Untersuchung fiel ähnlich aus: 5 von 7 Produkten, also 71 %, überschritten bei Blei, Cadmium oder beiden die Werte.
    • Divine 70% Deliciously Smooth Dark Chocolate und Sam’s Choice (Walmart) Dark Chocolate 85% Cocoa lagen bei einer Portionsgröße von etwa 1 Unze sowohl bei Blei als auch bei Cadmium unter den Werten.
    • Auch in der Untersuchung des Vorjahres gab es Produkte unterhalb der Werte:
      • Ghirardelli Intense Dark Chocolate 86% Cacao
      • Ghirardelli Intense Dark Chocolate Twilight Delight 72% Cacao
      • Mast Organic Dark Chocolate 80% Cocoa
      • Taza Chocolate Organic Deliciously Dark Chocolate 70% Cacao
      • Valrhona Abinao Dark Chocolate 85% Cacao
    • 4 Produkte überschreiten bei einer Portion von 1 Unze den CR-Wert für Blei.
    • Die Tafel Perugina Premium Dark Chocolate hatte den höchsten Bleiwert; der Evolved Signature Dark 72% Cacao Chocolate Bar wies sowohl hohe Blei- als auch hohe Cadmiumwerte auf.
    • Sam’s Choice Dark Chocolate 72% Cocoa war nur bei Cadmium hoch.
  • Milchschokolade

    • Da Milchschokolade weniger Kakaotrockenmasse enthält, sind ihre Schwermetallwerte tendenziell niedriger als bei dunkler Schokolade.
    • Alle 5 untersuchten Milchschokoladentafeln überschritten die Werte für Blei und Cadmium nicht.
    • Die Hershey’s Milk Chocolate-Tafel hatte den höchsten Bleiwert und erreichte 67 % des CR-Werts.
    • Feastables Mr. Beast Bar Milk Chocolate hatte pro Portion den höchsten Cadmiumwert und erreichte 80 % des CR-Werts.
    • Lindt Classic Recipe Milk Chocolate Bar lag insgesamt am niedrigsten, mit 11 % des Bleiwerts und 13 % des Cadmiumwerts bei einer Portionsgröße von etwa 1 Unze.
  • Schokoladenchips

    • Unter den 12 untersuchten Schokoladenchip-Produkten überschritt keines den Cadmiumwert.
    • Nur Hu Dark Chocolate Gems und Good & Gather (Target) Semi-Sweet Mini Chocolate Chips überschritten den Blei-Wert.
    • Eine Portion Schokoladenchips entspricht etwa 0,5 Unzen, also ungefähr 1 Esslöffel.
    • Wer mehr als ein paar Kekse isst oder Schokoladenchips handweise direkt aus der Tüte, kann bei mehreren Produkten schon mit 2 Portionen die Tageswerte für Blei und Cadmium überschreiten.
    • Es gibt auch Snack-Optionen mit vergleichsweise niedrigen Blei- und Cadmiumwerten:
      • 365 Whole Foods Market Semi-Sweet Chocolate Baking Chips
      • Kirkland Signature Semi-Sweet Chocolate Chips
      • Nestlé Toll House Semi-Sweet Morsels
  • Kakaopulver

    • Kakaopulver besteht fast vollständig aus Kakaotrockenmasse, doch keines der getesteten Produkte überschritt den Cadmiumwert.
    • 2 Produkte überschritten den Bleiwert.
    • Unter den in den USA verbreiteten Kakaopulvern im Natural-Style überschritt Hershey’s Cocoa Naturally Unsweetened 100% Cacao bei einer Portion von 1 Esslöffel den Bleiwert.
    • Droste Cacao Powder war das einzige Dutch-processed-Kakaopulver unter den getesteten Produkten und ist alkalisiert, um Bitterkeit zu reduzieren.
    • Droste Cacao Powder hatte unter allen getesteten Produkten den höchsten Bleiwert und lieferte 324 % des CR-Werts.
    • Navitas Organics Organic Cacao Powder war insgesamt das beste Kakaopulver und erreichte 77 % des Bleiwerts sowie 17 % des Cadmiumwerts.
    • Navitas gibt auf der Unternehmenswebsite an, alle Fertigprodukte von Dritten auf Schwermetalle testen zu lassen.
  • Trinkschokoladenmischungen

    • Da Trinkschokoladenmischungen neben Kakaopulver Zucker und weitere Zutaten enthalten, hätte man relativ niedrige Blei- und Cadmiumwerte erwartet; die Ergebnisse zeigten jedoch etwas anderes.
    • 4 der 6 getesteten Produkte überschritten den Blei-Wert.
    • Great Value (Walmart) Milk Chocolate Flavor Hot Cocoa Mix wies den höchsten Wert auf.
    • Auch Produkte von Trader Joe’s und Nestlé überschritten den CR-Wert; Nestlé stellt zudem Trinkschokoladenmischungen für Starbucks her.
  • Brownie- und Kuchenmischungen

    • Brownie- und Kuchenmischungen schnitten insgesamt gut ab.
    • Kein Produkt überschritt den Cadmiumwert; 1 Brownie-Mischung und 2 Kuchenmischungen überschritten den Bleiwert.
    • Bob’s Red Mill Gluten Free Chocolate Cake Mix lag pro Portion bei Blei bei 216 % des CR-Werts.
    • Die Werte beziehen sich auf die Menge der Mischung, die in einer Portion des fertigen Kuchens oder Brownies enthalten ist.
    • Die von den Herstellern angegebenen Portionsgrößen können klein sein.
      • Duncan Hines Devil’s Food Cake-Mischung setzt 1 Kuchen mit 10 Portionen an.
      • Duncan Hines Double Fudge Brownie-Mischung setzt 20 Portionen an.
    • Wer tatsächlich größere Stücke isst, nimmt mehr Blei und Cadmium auf als angegeben.

Wie Hersteller Schwermetalle reduzieren können

  • CR ist der Ansicht, dass Schwermetalle in Produkten so weit wie möglich gesenkt werden sollten, um die Aufnahme zu reduzieren, die sich im Laufe der Zeit summieren kann.
  • Herstellern stehen mehrere Methoden zur Verfügung:
    • Schokolade aus Regionen mit cadmiumarmen Böden beziehen
    • Ernte-, Verarbeitungs- und Waschverfahren für Kakao verbessern
    • Bohnen aus verschiedenen Regionen mischen, um die Werte im Endprodukt zu senken
    • Kakaopartien testen, um problematische Regionen zu identifizieren
    • Stark kontaminierte Chargen ablehnen
  • Die National Confectioners Association erklärte, Schokolade und Kakao seien zum Verzehr sicher und als Genussmittel geeignet; Lebensmittelsicherheit und Produktqualität hätten höchste Priorität.
  • Die FDA antwortete, Fachleute weltweit betrachteten Schokolade als geringfügige Quelle für Cadmium- und Bleiexposition; alle Lebensmittelhersteller und -verarbeiter seien dafür verantwortlich, Lebensmittelsicherheit zu gewährleisten.
  • Einige Unternehmen scheinen die Metallwerte ihrer Produkte besser zu senken als andere.
  • Ein höherer Kakaoanteil geht tendenziell mit höheren Metallwerten einher, aber nicht immer.
  • Auch innerhalb derselben Lebensmittelkategorie unterscheiden sich die Bleiwerte stark. Das zeigt, dass neben dem Kakaoanteil weitere Faktoren die Bleiwerte beeinflussen und Hersteller zusätzlichen Spielraum zur Reduzierung von Schwermetallen haben.

Kriterien für Verbraucher bei der Auswahl

  • Es ist sinnvoll, Schwermetalle in der Ernährung möglichst zu vermeiden, doch das bedeutet nicht, dass man Schokolade gar nicht essen sollte.
  • Kinder und Schwangere sollten dunkle Schokolade nur in sehr kleinen Mengen essen oder sie besser meiden.
  • Wer dunkle Schokolade isst, sollte Produkte wählen, die in den CR-Tests niedrige Schwermetallwerte aufwiesen.
  • Auch kakaohaltige Produkte wie Trinkschokolade und Brownies sollte man eher begrenzen statt täglich konsumieren und vorzugsweise Produkte mit niedrigeren Werten wählen.
  • Auch bei anderen Lebensmitteln, die höhere Schwermetallwerte aufweisen können, etwa Reis und Reisprodukte, Karotten und Süßkartoffeln, sollte die Verzehrmenge mitbedacht werden.
  • Milchschokolade kann für Menschen, die ihre Schwermetallbelastung senken möchten, eine Alternative sein, enthält aber mehr Zucker als dunkle Schokolade und sollte nicht wie ein gesundes Lebensmittel behandelt werden.
  • Wenn andere Erwachsene gelegentlich dunkle Schokolade essen, bedeutet das nicht zwingend, dass sie sehr hohen Schwermetallmengen ausgesetzt sind.
  • Kakaohaltige Produkte können zur gesamten Schwermetallbelastung beitragen und sollten daher wie andere Schokoladenprodukte in Maßen konsumiert werden.

1 Kommentare

 
GN⁺ 2023-10-29
Hacker-News-Kommentare
  • Mich würde ernsthaft interessieren, wie die tatsächliche Lage oder die Lösung hier aussieht
    Verstoßen Lebensmittelhersteller gegen kalifornisches Recht? Wenn Blei und Cadmium nicht aus Fabrikverschmutzung stammen, sondern aus den Kakaobohnen selbst, müsste man dann jede Charge von jeder Farm testen und die Hälfte wegwerfen? Oder müsste man wegen kontaminierter Böden die Hälfte aller Kakaofarmen weltweit schließen?
    Oder ist das nach üblichen Standards für Lebensmittelsicherheit gar kein großes Problem, und die kalifornischen Grenzwerte sind einfach übertrieben streng? Der Artikel breitet zwar alle Fakten aus, aber es fehlt leider fast völlig an Analyse oder Kontext

    • Zur Einordnung: Ich stelle Bean-to-Bar-Schokolade her
      Als Hintergrund: Lebensmittel reichern häufig Stoffe aus dem Boden an, und Kakao tut das besonders stark. Die Schale der Kakaobohne wirkt wie ein großer Filter und neigt dazu, verschiedene Stoffe zu akkumulieren. Diese Anreicherung ist nicht nur bei Kakao ein Thema; es gibt auch Beispiele wie Reis und Arsen
      Vulkanische Böden enthalten zum Beispiel von Natur aus viel Cadmium, sodass Kakao aus manchen Regionen auch im Endprodukt Cadmium enthält. Die Anbaugebiete, die große Hersteller bevorzugen – also die billigeren Kakaoquellen –, liegen zufällig in Regionen mit hohen Cadmiumwerten, wodurch bis zu einem gewissen Grad eine Korrelation zwischen Cadmiumwerten und Unternehmensgröße entsteht
      Soweit ich gehört habe, testen fast alle großen Schokoladenhersteller jede Charge auf Cadmium, Blei usw. Kleinere Hersteller beziehen ihren Kakao meist von hochwertigeren Händlern, die ebenfalls alle testen und außerdem Transparenzberichte zu Arbeit, Handhabung und Ähnlichem veröffentlichen
      Grundsätzlich gibt es keine klaren Leitlinien dazu, welche Werte akzeptabel sind. Ich kann nicht für die Entscheidungen der im Artikel genannten Unternehmen sprechen, aber die kalifornischen Grenzwerte sind niedrig, und ähnliche Mengen Cd/Pb kann man auch über andere Lebensmittel aufnehmen. Normalerweise isst man nicht mehrere Schokoriegel am Tag, aber man kann mit einer Tasse Reis eine ähnliche Menge Cadmium aufnehmen. Natürlich kann auch das ein Problem sein
      Blei sollte allerdings wirklich nicht enthalten sein. Es kommt nicht aus dem Boden, sondern sitzt überwiegend in der Schale und sollte bei der Verarbeitung entfernt werden
    • Dieses Problem betrifft nicht nur Kakao
      Die Samen vieler Pflanzen reichern Blei und Cadmium an, wenn diese in der Umwelt vorhanden sind. Daher besteht bei den meisten Samen und Nüssen immer das Risiko erhöhter Blei- oder Cadmiumgehalte
      In den meisten Ländern gibt es gesetzliche Grenzwerte für Blei- und Cadmiumgehalte in Samen und Nüssen, aber sie sind deutlich großzügiger als bei anderen Produkten. Es gibt zu wenige unbelastete Quellen für Samen und Nüsse; bei niedrigeren Grenzwerten würde der Großteil der Produkte vom Markt verschwinden
      Deshalb ähneln die Empfehlungen denen für Fisch. So wie man Fisch wegen des Risikos durch Quecksilber nicht zu einem zu großen Bestandteil der Ernährung machen sollte, sollten auch die meisten Samen und Nüsse wegen des Blei- und Cadmiumrisikos keinen zu großen Anteil an der Ernährung haben
      Durch Verschmutzung, die menschlicher Dummheit zu verdanken ist, sind einige der gesündesten Lebensmittel zu Gesundheitsrisiken geworden
    • Dass nur Lindt aus Europa Werte im Zehnerbereich hatte, ist merkwürdig. US-Hersteller könnten und sollten offenbar mehr tun
    • Man wäre vielleicht überrascht, wie viel Blei in einer durchschnittlichen Karotte steckt
      Als ich zuletzt nachgesehen habe, konnten Babykarotten pro Pfund ähnlich viel Blei enthalten wie die hier erwähnte Schokolade. Trotzdem halten Menschen Karotten für „gesund“ und essen viele davon
  • Es gibt eine gute Website, auf der man Schokolade prüfen kann
    https://www.asyousow.org/environmental-health/toxic-enforcem...
    Gut, dass Consumer Reports den Originaltext auch für Nicht-Abonnenten kostenlos zugänglich gemacht hat

    • Ich kaufe gern bei lokalen unabhängigen Chocolatiers, aber jetzt muss ich mir das wohl noch einmal überlegen
      Ich könnte anrufen und fragen, ob sie Schwermetalltests durchführen, aber ich glaube nicht, dass das tatsächlich viele machen
    • Die meisten dieser Tests wurden 2014 durchgeführt. Ich frage mich, wie sehr sich die Ergebnisse inzwischen geändert haben. Leider vermutlich nicht besonders stark
    • Mehrere Bio-Schokoladen von Newmans Own, Trader Joes und der Marke Whole Foods liegen eher am schlechtesten Ende
      Verdammt, dann muss ich Brownies wohl nur noch mit Cannabis backen. Die Alternativen sind lauter furchtbare Hersheys-/Mars-Schokoladen
  • Consumer Reports ist eine Non-Profit-Organisation, die ziemlich solide Arbeit für Verbraucher leistet, und braucht Spenden. Ein Abo oder Unterstützung wäre eine Überlegung wert

    • Consumer Reports ist gemeinnützig? Habe ich heute zum ersten Mal erfahren
    • Ich hasse es wirklich, dass Facebook Sätzen wie „supporting“ eine völlig andere Konnotation als früher gegeben hat
      Es fühlt sich an, als hätte Facebook die Bedeutung, die nur durch die Buchstabenassoziation entsteht, aber weder in der Absicht noch im Geist des Satzes lag, rechtlich für immer aufgekauft
  • Interessant ist diese Chart mit binären Schwellenwerten, bei der Grün gut und Rot schlecht ist: https://www.asyousow.org/environmental-health/toxic-enforcem...
    Maßstab ist die Menge an Schwermetallen pro Portion. Da dunkle Schokolade pro Portion eine höhere Kakaokonzentration hat, ist es bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar, dass sie häufiger auffällt
    Es bedeutet auch, dass man bei manchen Produkten mit der halben Menge dunkler Schokolade genauso viel aufnimmt wie jemand, der die doppelte Menge Milchschokolade isst. Eine gute Erinnerung daran, eher auf die absolute Aufnahmemenge zu schauen als auf binäre Grenzwerte

    • Ich mag binäre Schwellenwerte ebenfalls überhaupt nicht. 3,8 ist grün und 4,3 ist rot – gesundheitlich macht das womöglich kaum einen Unterschied
      Gleichzeitig sind 0,2 und 3,8 beide grün, und 4,3 und 19,2 beide rot. Man erkennt überhaupt nicht, ob ein Produkt vier- oder zwanzigmal schlechter oder besser ist als ein anderes
      Bei Gesundheitsinformationen wäre Farbinterpolation deutlich hilfreicher
    • Vermutlich vermittelt es immerhin die Botschaft, dass viele Produkte die Kriterien nicht erfüllen, wenn man von einer Portion pro Tag ausgeht
      Aber um zu sehen, welche Zahlenunterschiede relevant sind und welche Produkte man deshalb wirklich meiden sollte, ist es so weniger nützlich
      Außerdem sieht es so aus, als würden die vom Hersteller festgelegten Portionsgrößen verwendet, und die können sich zwischen dunkler Schokolade und Milchschokolade bereits unterscheiden
    • Ich frage mich, wie viel die größten Schokoholics eigentlich essen
      Aus Verbrauchersicht lohnt sich auch die Frage, wer nach Einkommen oder Demografie dieser Realität am stärksten ausgesetzt ist. Mich würde interessieren, wie groß der mögliche Schaden ist und ob sich das wie bei Bioakkumulation immer weiter anreichert
  • Bei getrockneten Kräutern und Gewürzen ist es genauso. Mich würde interessieren, wie die Werte im Vergleich ausfallen würden.
    https://www.consumerreports.org/health/food-safety/your-herb...

    • Guter Punkt. Nachdem ich früher davon erfahren hatte, suchte ich nach Verkäufern, die offenlegen, dass sie auf solche Verunreinigungen testen, und fand nur zwei.
      Ich hoffe, das verstößt nicht gegen die Richtlinien, aber diese Verkäufer sind Starwest Botanicals und Mountain Rose Herbs. Starwest scheint bei den Tests etwas strenger und transparenter zu sein als Mountain Rose, aber Produkte von beiden dürften deutlich sicherer sein als das, was man im Supermarkt kauft. Ich meide Supermarktware inzwischen wie die Pest.
  • Der Einfachheit halber hier die Primärquelle am Ende der Link-Kette, in Tiefe 5:
    "Expert Investigation Related to Cocoa and Chocolate Products: Final Report"
    https://static1.squarespace.com/static/59a706d4f5e2319b70240... (PDF, 381 S.)

    • Die Datei stammt von März 2022, der Artikel von Oktober 2023. Mich würde interessieren, warum zwischen Untersuchung und Artikel ganze 1,5 Jahre lagen.
  • Wenn man so tut, als würde man recyceln, tatsächlich aber schlechte Stoffe genau in die Länder schickt, in denen unsere Lebensmittel angebaut werden, kommt eben so etwas dabei heraus.

    • Ernst gemeinte Frage: Wenn das Verbrennen von Müll keinerlei schädliche Auswirkungen hätte, wäre das dann die beste Lösung?
      Ich weiß, dass es in der Realität nicht so ist; deshalb weiß ich nicht, wie man sich in diesem „Lösungsbaum“ weiterbewegen müsste, um zu einer praktikablen richtigen Lösung und Umsetzung zu gelangen.
      Ich bin mir nicht sicher, ob das, was ich sage, stimmig ist, aber es fühlt sich so an, als liefe irgendein ideologisches Versteckspiel nicht richtig. Jemand ist „dran“, lässt die anderen Spieler aber nur verstecken, lobbyiert gegen Regeln, die ein inoffizielles Spiel erlauben würden, sodass nur er selbst für immer „dran“ bleibt, verhindert, dass die anderen Spieler sich zusammentun und ein neues Spiel ohne den aktuellen Spieler beginnen, und sorgt dafür, dass die aktuelle Runde nie enden kann.
    • Das ist an sich ein Problem, aber ich sehe nicht, warum das mit diesem Artikel zusammenhängen soll.
      Der Artikel erwähnt nur Verunreinigungen durch phosphatbasierte Düngemittel.
    • Blei und Cadmium sind von Natur aus in vulkanischen Böden enthalten; letztlich muss man sie also behandeln und entfernen.
  • Als jemand, der seit Jahrzehnten viel dunkle Schokolade isst, frage ich mich, ob es außer der Injektion von Chelatbildnern eine Möglichkeit gibt, angesammelte Schwermetalle zu reduzieren.
    Ich empfehle keine Chelat-Therapie; ich erwähne sie nur, weil ich gehört habe, dass sie eine übliche Behandlung bei akuten Metallvergiftungen ist.

    • Ganz einfach: Blut spenden. Das ist die effektivste Methode, Schwermetalle langsam auszuscheiden.
      Schwermetalle werden allerdings auch im Fettgewebe gespeichert. Wenn man Fett verbrennt, gelangen diese Metalle vorübergehend wieder in den Blutkreislauf.
    • https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6523211/
  • Ich verstehe, dass Kakao Schwermetalle aus dem Boden aufnimmt.
    Aber warum ist die Konzentration so viel höher als bei anderen Nutzpflanzen?

    • Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass Kakaobohnenschalen eine Quelle für Blei sein könnten, der Großteil der Kontamination aber beim Transport der Bohnen oder bei Verarbeitung und Herstellung entsteht.
      Weitere Forschung zu diesen Prozessschritten würde helfen, die Kontaminationsquellen einzugrenzen.
      Quelle: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1281312/
    • Dem verlinkten Bericht zufolge gibt es einige Hauptfaktoren für überhöhtes Cadmium.
      Theobroma cacao ist eine Pflanzenart, die von Natur aus mehr Cd akkumuliert als andere Pflanzen, die auf demselben Boden wachsen, und Laub sowie Ernterückstände reichern sich im Oberboden an, wodurch der Cd-Gehalt im Oberboden steigt. Da die Kakaowurzeln im Oberboden bleiben, schadet eine Bodenbearbeitung zum Einmischen von Bodenverbesserern den Bäumen. Die meisten Kakaoböden in Südamerika und der Karibik sind stark sauer, mit pH-Werten bis hinunter zu 4,5, wodurch die pflanzenverfügbare Menge an Cd im Boden sehr hoch ist. Einige Kakaoböden wurden früher durch Bergbauabfälle mit Cd verunreinigt, andere sind durch Ausgangsgestein wie marinen Schiefer von Natur aus Cd-reich, haben ein hohes Cd:Zn-Verhältnis und eine sehr hohe Pflanzenverfügbarkeit von Cd. Auf solchen Böden können die Bohnen bis zu 10 mg Cd/kg erreichen, statt des bei EU-Importen üblicherweise geltenden Grenzwerts von 0,8 mg Cd/kg. In einer Region Kolumbiens lag der Cd-Gehalt im Oberboden bei 27 mg Cd/kg, also beim Hundertfachen des Hintergrundwerts; auch in Ecuador, Honduras, Peru sowie Trinidad und Tobago wurden Regionen identifiziert, in denen Kakao auf Problemböden mit hohem Cd:Zn-Verhältnis angebaut wird.
      Kakaopflanzen nehmen Cd nicht über den von Reis genutzten NRAMP5-Transporter in die Wurzeln auf, sondern über Zn-Transporter der ZIP-Familie. Zn2+ in der Bodenlösung hemmt die Aufnahme von Cd2+ stark, daher kann ein hoher Zn2+-Gehalt im Boden den Cd-Gehalt in Kakaobohnen senken. Das Cd:Zn-Verhältnis in der Bodenlösung hat großen Einfluss auf die Cd-Akkumulation in Kakaobäumen und -bohnen. Das Problem ist, dass oberflächlich ausgebrachtes ZnSO4 nicht schnell in die Bodenschichten in Wurzeltiefe ausgewaschen wird und dass auch Zn-Sprays auf Blätter den Cd-Gehalt der Bohnen nicht wirksam senken. Als Zn-Dünger oberflächlich ausgebrachtes ZnEDTA kann Zn bis in die Wurzeltiefe auswaschen, ist aber deutlich teurer als ZnSO4.
    • Tatsächlich lässt sich schwer sagen, dass er so hoch ist.
      Die FDA schätzte die ernährungsbedingte Exposition von Kindern auf Basis der Cd- und Pb-Konzentrationsdaten der FDA Total Diet Study von 2014–2016 sowie der Lebensmittelverzehrsdaten der National Health and Nutrition Examination Survey und kam zu dem Schluss, dass Cd und Pb aus allen Süßwaren einschließlich Schokolade, also aus Bonbons, Gelatine, Gelee, Zucker und Sirup, jeweils 1,2 % bzw. 3,5 % der gesamten ernährungsbedingten Aufnahme ausmachen.
      https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32293881/
      https://sci-hub.se/10.1021/acs.jafc.9b08295
  • Halloween dürfte dieses Jahr noch etwas gruseliger werden. In der Süßigkeitenschale liegt bei mir ausschließlich Zeug mit Schokolade
    Die FDA hat hier nicht einfach nur den Ball fallen lassen, sie hat ihn abgelegt und weit weggeschossen. Es wirkt, als weigere sie sich hartnäckig, ihre Aufgabe zu erfüllen: die Lebensmittelindustrie zu regulieren und Verbraucher zu schützen
    Lebensmittelunternehmen können Schokolade sicher herstellen, tun es aber nicht, weil ihre Gewinne sinken könnten. Offenbar ist es für sie in Ordnung, uns für ein bisschen mehr Geld zu vergiften; wenn sie Schokolade aber gar nicht verkaufen dürften, solange sie bundesweite Grenzwerte nicht einhalten, würden sie sie trotzdem verkaufen. Denn der Verkauf von Schokolade ist nach wie vor extrem profitabel
    Wir müssen Druck machen, damit die FDA ihre Arbeit tut und bundesweit zulässige Grenzwerte für Schwermetalle in Lebensmitteln festlegt. Die Lebensmittelversorgung scheint immer unsicherer zu werden. Ich verstehe nicht, warum wir FDA-Mitarbeiter, die sich weigern, für uns zu arbeiten, weiter von unseren Steuergeldern leben lassen

    • Das ist ein schwer zu lösendes Problem. Zwischen Regulierungsbehörden und den regulierten Branchen gibt es eine ziemlich schmutzige Drehtür-Struktur
      Die Industrie schleust im Grunde Leute in die Regulierungsbehörden, und diese vertreten während ihrer Regierungsämter die Interessen der Industrie. Danach kehren sie in die Branche zurück und bekommen deutlich höhere Gehälter. So wird der Staatsdienst zum Sprungbrett für bessere Jobs in der Privatwirtschaft
      Aber das zu verhindern ist ebenfalls schwierig. Regulierungsbehörden brauchen schließlich Brancheninsider. Man will ja auch nicht, dass die Behörden nur aus Leuten bestehen, die sich im privaten Sektor nicht halten konnten
      Das ist einer der Gründe, warum ich skeptisch werde, wenn Menschen reflexartig mehr staatliche Regulierung als Lösung für jedes Problem vorschlagen