Die Versuche, mich zu töten
(nplusonemag.com)- Die russische Journalistin Elena Kostyuchenko erhielt während ihrer Berichterstattung über den Krieg in der Ukraine eine Warnung vor einem Attentat und verließ den Einsatzort; später führten akute Symptome in Munich zum Verdacht auf eine Vergiftung
- Bei Recherchen in Kherson sammelte sie Aussagen von Überlebenden russischer Entführungen und Folter und bestätigte die Namen von 44 Opfern sowie Informationen zu 3 Teploenergetiki Street als mutmaßlichem Haftort
- Kurz vor der geplanten Weiterreise nach Mariupol warnten nacheinander Kolleg:innen von Novaya Gazeta, der ukrainische Militärgeheimdienst und Dmitry Muratov vor Tötungsgefahr; da es keine Route gab, um russische Kontrollpunkte zu umgehen, verließ sie am 1. April 2022 die Ukraine
- Nach einem Besuch in Munich im Oktober 2022 traten Kopfschmerzen, Schwitzen, Bauchschmerzen, Erbrechen, Schwindel, erhöhte Leberwerte, Blut im Urin und Schwellungen auf; nachdem mehrere Diagnosen ausgeschlossen worden waren, wuchs der Verdacht auf eine Vergiftung
- Die Berliner Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen im Mai 2023 ein, nahm den Fall aber am 21. Juli 2023 wieder auf, nachdem von Insider und Bellingcat konsultierte Ärzte eine Vergiftung mit Organochlorverbindungen als plausibelste Erklärung ansahen
Berichterstattung über den Krieg in der Ukraine und die Recherche in Kherson
- Elena Kostyuchenko reiste am 24. Februar 2022, dem Tag des russischen Angriffs auf die Ukraine, im Auftrag der Novaya Gazeta, für die sie 17 Jahre gearbeitet hatte, in die Ukraine
- In der Nacht zum 25. Februar überquerte sie die polnisch-ukrainische Grenze und veröffentlichte in den folgenden vier Wochen vier Reportagen von der Grenze, aus Odesa, Mykolaiv und Kherson
- Kherson stand unter russischer Besatzung, und um hinein- und herauszukommen, musste man die Front zweimal überqueren
- Vor Ort entführten und folterten russische Soldaten Menschen, und Kostyuchenko traf Überlebende der Folter
- Durch den Abgleich mehrerer Aussagen identifizierte sie die ehemalige provisorische Haftanstalt in 3 Teploenergetiki Street als den Ort, an dem Entführungsopfer festgehalten worden waren
- Sie ermittelte die Namen von 44 Entführten und die Umstände ihrer Verschleppung
- Sie veröffentlichte dazu einen Artikel und übergab die verifizierten Informationen an die Generalstaatsanwaltschaft der Ukraine
Mordwarnungen stoppen den Plan nach Mariupol
- Das nächste Reiseziel für ihre Recherche war Mariupol
- Damals leistete Mariupol noch Widerstand, und die Kämpfe dauerten an
- Es gab viele Tage ohne humanitären Korridor, und der nur zeitweise passierbare Weg führte über die Straße durch Zaporizhzhia
- Je näher man Mariupol kam, desto eher begannen die russischen Kontrollpunkte, und diese Route wurde häufig beschossen
- Als Kostyuchenko am 28. März 2022 in Zaporizhzhia ankam, erfuhr sie, dass Novaya Gazeta eingestellt worden war
- Novaya Gazeta hatte in jenem Jahr eine zweite Verwarnung von Roskomnadzor erhalten und riskierte damit den Entzug der Lizenz
- Trotzdem beschloss sie, nach Mariupol zu fahren, und verabredete sich mit Menschen für die Abreise am 31. März
- Am 30. März rief ein Kollege von Novaya Gazeta an und sagte, die Kadyrovites hätten den Befehl erhalten, nach Kostyuchenko zu suchen
- Die Kadyrovites sind eine tschetschenische Einheit der Rosgvardia, die aktiv in die Kämpfe um Mariupol eingebunden war und Kontrollpunkte besetzte
- Der Kollege sagte, sie wollten Kostyuchenko nicht festnehmen, sondern töten
- Er sagte, er habe eine Aufzeichnung eines Gesprächs gehört, in dem Kostyuchenko ihre Fahrt nach Mariupol plante, und habe ihre Stimme erkannt
- Etwa 40 Minuten später teilte auch der ukrainische Militärgeheimdienst mit, dass in der Ukraine ein Attentat auf eine Journalistin von Novaya Gazeta organisiert werde und eine Fahndungsmitteilung zu Kostyuchenko an sämtliche russischen Kontrollpunkte gegangen sei
- Eine Stunde später sagte Dmitry Muratov, sie könne nicht mehr nach Mariupol fahren und müsse die Ukraine sofort verlassen
- Es gab keinen anderen Weg, die russischen Kontrollpunkte zu umgehen, und weil Kostyuchenko dachte, auch die Person, die sie fahren würde, könne getötet werden, verließ sie in der Nacht zum 1. April die Ukraine
Verbot der Rückkehr nach Russland und Niederlassung in Berlin
- Nach dem Verlassen der Ukraine litt Kostyuchenko an Tinnitus, Mumps und PTSD und erhielt Unterstützung von Freund:innen und ihrer Freundin Yana
- Nach einer Zeit der Erholung und nach Abschluss ihres Buchs wollte sie nach Russland zurückkehren
- Denn ihre Arbeit, ihr Leben, ihre Mutter und ihre jüngere Schwester waren alle in Russland
- Am 28. April 2022 sagte Muratov, sie werde getötet, wenn sie nach Russland zurückkehre
- Einen Monat später warnte Muratov bei einem Treffen, man könne ihre Identität als Lesbe nutzen, um es wie ein Hassverbrechen aussehen zu lassen
- Als Kostyuchenko Ende September erneut fragte, ob eine Rückkehr nach Russland möglich sei, antwortete Muratov: „No. No. No.“
- Kostyuchenko fand eine Wohnung in Berlin und zog um; am 29. September 2022 begann sie bei Meduza zu arbeiten
- Als erste Dienstreise entschied sie sich für Iran
- Nach Iran wollte sie Unterlagen für ein ukrainisches Visum vorbereiten, um anschließend wieder in die Ukraine zu reisen
Symptome nach dem Besuch in Munich
- Die Website des ukrainischen Außenministeriums war Ziel eines Hackerangriffs, weshalb weder Online-Anträge noch Botschaftstermine möglich waren, und Kostyuchenko suchte jemanden, der sie im Konsulat in Munich empfangen würde
- Die Kommunikation zum Besuch in Munich lief über Facebook Messenger
- Sie sagte, ihr sei bewusst gewesen, dass das nicht sicher sei, aber weil sie in Deutschland war, habe sie die grundlegenden Sicherheitsprinzipien nicht bedacht
- In der Nacht des 17. Oktober 2022 nahm sie den Nachtzug nach Munich und kam am Morgen des 18. Oktober an
- Im ukrainischen Konsulat wurden ihr Fragen gestellt, doch wegen eines internen Systemfehlers konnte sie keinen Visumantrag stellen und vereinbarte, an einem anderen Tag wiederzukommen
- Auf dem Weg zum Bahnhof nach dem Mittagessen sagte eine Freundin, ihr Körper rieche sehr stark
- Sie wischte sich in der Zugtoilette ab, und ihr Schweiß hatte einen starken, seltsamen Geruch nach fauligem Obst
- Im Zug nach Hause konnte sie sich so schlecht konzentrieren, dass sie denselben Absatz immer wieder las, und Kopfschmerzen sowie starkes Schwitzen setzten ein
- Nach der Ankunft in Berlin fiel es ihr schwer, den Weg nach Hause zu finden, und weil sie nicht einmal die Richtung der U-Bahn bestimmen konnte, bat sie andere Fahrgäste um Hilfe
- Zu Hause verschlimmerten sich die Symptome weiter
- Es traten starke Bauchschmerzen, Schwindel und Erbrechen auf
- Einige Tage später wurde klar, dass es kein Covid war
- Einen Arzttermin bekam sie erst am 28. Oktober, zehn Tage nach Beginn der Symptome
Vergiftungsverdacht nach Ausschluss anderer Diagnosen
- Die Ärzt:innen in der Nachbarschaftspraxis hielten es zunächst für Long Covid, und im Ultraschall war nichts Auffälliges zu sehen
- Im Bluttest waren die Leberenzyme ALT und AST fünfmal höher als normal, im Urin zeigte sich Blut
- Ein erfahrener Facharzt hielt eine im Krieg erworbene Virushepatitis für möglich, doch die Hepatitis-Tests waren negativ
- Die Symptome veränderten sich weiter
- Bauchschmerzen und Schwindel ließen nach, aber extreme Schwäche blieb bestehen
- Gesicht, Finger und Füße schwollen an, das Herz raste plötzlich, und Handflächen sowie Fußsohlen wurden brennend rot und glänzend
- Die Leberwerte stiegen weiter, und das Blut im Urin blieb bestehen
- Eine von Meduza vermittelte Ärztin fragte nach einem erneuten Hepatitis-Test, ob eine Vergiftung möglich sei, doch Kostyuchenko verneinte das zunächst
- Am 12. Dezember 2022 sagte die Ärztin in der Nachbarschaftspraxis, die Untersuchungsergebnisse hätten sich weiter verschlechtert und ALT liege nun siebenmal über dem Normalwert
- Eine Nebenwirkung von Antidepressiva wurde unwahrscheinlicher, weil sich Symptome und Befunde auch nach einem Medikamentenwechsel nicht änderten
- Nachdem andere Möglichkeiten ausgeschlossen waren, sprach die Ärztin von einer möglichen Vergiftung und sagte, sie müsse zur Toxikologie der Charité
Polizeiermittlungen und Grenzen der Giftstofftests
- Für einen Bluttest im Zusammenhang mit einer Vergiftung musste sie zur Polizei gehen, und Kostyuchenko wurde von der Polizeiwache ins Krankenhaus geschickt
- Die erste Vernehmung mit der Berliner Kriminalpolizei dauerte neun Stunden
- Sie wurde gefragt, woran sie gearbeitet hatte, was sie vorhatte, mit wem sie in der Ukraine Kontakt hatte und mit welchen Kolleg:innen sie derzeit in Verbindung stand
- Sie musste den 17. und 18. Oktober minutengenau rekonstruieren
- Kleidung, Wohnung und Körper wurden auf Radioaktivität untersucht, und die Kleidung, die sie auf der Fahrt nach Munich getragen hatte, wurde von der Polizei mitgenommen
- Die Polizei sagte ihr, sie solle neue Sicherheitsregeln befolgen
- umziehen
- den Heimweg variieren
- bei Taxifahrten nicht direkt vor dem Ziel aussteigen, sondern einen Block vorher
- eine Sonnenbrille tragen
- Der zuständige Ermittler hatte auch den Mordfall an Zelimkhan Khangoshvili untersucht, der 2019 im Tiergarten erschossen wurde
- Der Täter benutzte damals einen Pass auf den Namen Vadim Sokolov, doch Medien und Polizei stellten fest, dass sein wirklicher Name Vadim Krasikov war und er Verbindungen zum FSB hatte
- Er wurde in Deutschland wegen Mordes „im Auftrag der russischen Regierung“ zu lebenslanger Haft verurteilt, und der Richter bezeichnete den Fall als „Staatsterrorismus“
- Derselbe Ermittler hatte auch den Vergiftungsfall von Petr Verzilov untersucht, dem Herausgeber von Mediazona und Mitglied von Pussy Riot, sagte jedoch, man habe nicht einmal die verwendete Substanz identifizieren können
- Man könne ein Labor nicht fragen: „Wurde diese Person vergiftet?“, sondern nur, ob sich eine bestimmte Substanz im Körper befinde
- Da es Tausende möglicher Substanzen gebe, sei Vergiftung ein beliebtes Mittel für Attentate
Einstellung, Wiederaufnahme und aktueller Zustand
- Bei einer Medienveranstaltung am 2. April 2023 sprach Roman Dobrokhotov, Chefredakteur von Insider, Kostyuchenko an
- Er sagte, er untersuche zusammen mit Christo Grozev eine Reihe von Vergiftungsfällen in Europa, und alle bekannten Zielpersonen seien russische Journalistinnen
- Er fragte, ob der Grund, warum Kostyuchenko lange nichts geschrieben habe, ihre Krankheit gewesen sei
- Am 2. Mai 2023 teilte die Berliner Generalstaatsanwaltschaft mit, dass sie die Ermittlungen wegen versuchten Mordes eingestellt habe
- Die Polizei habe „keinerlei Anzeichen“ für einen Tötungsversuch gefunden
- Die Ergebnisse der Bluttests seien aus ihrer Sicht kein schlüssiger Beleg für eine Vergiftung
- Von Insider und Bellingcat konsultierte Ärzt:innen hielten eine Vergiftung mit Organochlorverbindungen für die plausibelste Erklärung für das, was Kostyuchenko zugestoßen war
- Kostyuchenko übergab diese Informationen der Polizei, und am 21. Juli 2023 nahm die Staatsanwaltschaft den Fall wieder auf
- Schmerzen, Übelkeit und Schwellungen sind inzwischen verschwunden, doch ihre Energie ist weiterhin stark eingeschränkt
- Sie hat Meduza verlassen und ist von einer Rückkehr zur Reportagearbeit vor Ort noch weit entfernt
- Sie kann etwa drei Stunden am Tag arbeiten, und diese Zeit nimmt langsam zu
- Es gibt auch Tage, an denen sie gar nichts tun kann
- Das bald erscheinende Buch handelt davon, wie Russland in den Faschismus abgeglitten ist, und soll gleichzeitig in mehreren Sprachen veröffentlicht werden
- Die Polizei geht davon aus, dass die Veröffentlichung des Buchs ein Auslöser sein könnte und dass die Menschen, die versucht haben, Kostyuchenko in der Ukraine und, wenn möglich, in Deutschland zu töten, es erneut versuchen könnten
- Kostyuchenko rät Kolleg:innen, Freund:innen, Aktivist:innen und politischen Geflüchteten im Ausland, bei einer plötzlichen Erkrankung die Möglichkeit einer Vergiftung nicht auszuschließen und Ärzt:innen darauf hinzuweisen
1 Kommentare
Meinungen auf Hacker News
Besonders dieser Absatz hat mich stark getroffen:
„Das macht uns wahnsinnig“, sagte der Ermittler. „Sie kommen hierher und benehmen sich, als wären Sie im Urlaub. Als wäre das hier irgendein Paradies. Sie denken nicht einmal daran, dass Sie selbst für Ihre Sicherheit sorgen müssen. Hier passieren politische Morde. Russische Spezialdienste sind in Deutschland aktiv. Ihre Unvorsichtigkeit und die Ihrer Kollegen kennt keine Grenzen.“
Es ist sehr schwer, zugleich die Wahrnehmung zu akzeptieren, dass Europa sicher wirkt, und die Realität, dass der Krieg ebenso online wie am Boden geführt wird. Journalisten waren schon immer Zielscheiben autoritärer Regime, aber durch die Vernetztheit der modernen Welt bleiben sie auch nach der Ausreise weiterhin gefährdet. Der russische Staat sieht das ganz offensichtlich so.
Nachdem Russland ihn „in Abwesenheit“ angeklagt hatte, soll er ein Selfie-Video vor dem Sonnenuntergang in Palm Beach, Florida, gepostet und gesagt haben: „Wenn das Abwesenheit ist, dann ist das ein ziemlich guter Ort.“
Auf die Frage, ob Österreich das unsicherste Land Europas sei, antwortete er mit „ja“, und während Bellingcat Österreich untersuchte, habe die österreichische Seite ihn auf russische Bitte hin überwacht; er bezeichnete das als „tiefe Infiltration“.
Deutschland riet ihm, sich nicht in Deutschland niederzulassen, er sagte, er vertraue auch Frankreich nicht, und der einzige Ort in Europa, an den man derzeit sicher gehen könne, sei Großbritannien. Auch die Türkei und die Vereinigten Arabischen Emirate seien für ihn tabu, und zu Dubai habe er die Warnung bekommen, es sei das „Wien des Golfs“ und man könne seine Sicherheit dort nicht garantieren.
Grozev gab das Interview in den USA, wo er derzeit lebt; die durch Wasser getrennte Distanz wie beim English Channel in Großbritannien und dem Atlantic in den USA scheint die Sicherheit zu erhöhen.
[1] kostenpflichtiger Artikel https://www.ft.com/content/03f220e1-6a7e-4850-bf4e-4b0f521d8...
Obwohl er jemand sein dürfte, der die Weltlage gut kennt, ist es bemerkenswert, dass er den Gedanken zurückwies, russische Geheimdienste könnten versuchen, ihn zu töten, und insbesondere nicht glauben wollte, dass er möglicherweise vergiftet worden war.
Es wirkt fast, als wüsste er nicht, dass russische Agenten in den vergangenen Jahrzehnten im Ausland prominente Personen vergiftet haben. Vielleicht dachte er auch, er sei nicht bekannt genug.
Solche Vergiftungen zielen auf Menschen, die „bekannt“ genug sind, damit darüber berichtet wird, und haben Warncharakter. Aus dieser Perspektive ist auch ein Journalist ein hinreichend „bekanntes“ Ziel.
Jemand war einer gesetzlosen Operationsorganisation zufällig auf die Füße getreten und merkte das erst später. Als er dann auf eine sehr bösartige, aber typische Weise ausgeschaltet zu werden drohte, sagte er verzweifelt: „Aber warum ___?! Ich habe doch keine Feinde!“
Hätte man genau in diesem Moment noch einmal nachgefragt, hätte er vielleicht selbst gesagt, wer es gewesen sein könnte und warum er deren Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte. Damals schien eine starke psychologische Dynamik am Werk zu sein.
Es klang, als wolle er zu seinem Selbstbild und zu der Welt zurückkehren, die er sich wünschte. So etwas könne ihm nicht passieren, er gehöre nicht zu einer Welt, in der man solchen Leuten auf die Füße tritt, und er wollte auch nicht dort sein.
Auch in diesem Fall des Journalisten wirkt es, wenn man die schlechte Haltung deutscher Beamter gegenüber jemandem sieht, der Opfer eines schrecklichen Verbrechens sein könnte, so, als hätten sie ihm Scham eingeflößt – ob es nun ein Verhör war, Wut oder einfach ihre übliche Art zu sprechen.
Ich habe das selbst gesehen. Nachdem ein paar Mal Raketenalarm ausgelöst wurde und alle in den Schutzraum gerannt waren, bauten die Leute Selbstvertrauen auf und begannen, langsam zu gehen. Weil sie bisher jeden Alarm überlebt hatten, gingen sie davon aus, dass schon nichts passieren werde. Ich habe dieses Problem auch, deshalb fällt es mir schwer, wirklich Angst zu haben.
Ekel, Scham und Erschöpfung hielten ihn von diesem Gedanken ab; die Vorstellung, dass es jemanden gibt, der ihn töten will, widerte ihn an, und es war ihm peinlich, es geliebten Menschen oder auch nur der Polizei zu sagen. Entscheidend war auch, dass er so erschöpft war, dass ihm nicht mehr die Kraft blieb, erneut zu fliehen.
Deshalb rechnen Journalisten zwar damit, dass große politische Figuren vergiftet oder ermordet werden können, denken aber nicht unbedingt, dass es einen von ihnen selbst treffen könnte.
Hier trägt auch die deutsche Anti-Terror-Organisation eine erhebliche Verantwortung. Dass so etwas auf deutschem Boden passiert, ist nicht hinnehmbar und darf nicht dem Opfer angelastet werden. Mich würde interessieren, wie die deutschen Medien über diesen Fall berichten.
Das Zitat „Hier geschehen politische Morde. Russische Spezialdienste sind in Deutschland aktiv.“ ist Realität.
Es ist allgemein bekannt, dass Spione aus Russland, der Türkei, dem Iran und anderen Ländern in Deutschland sind; politische Morde kommen gelegentlich vor, und es gab auch Fälle, in denen Terroristen als Flüchtlinge registriert wurden, weil die Regierung ihre Identitätspapiere nicht sichern konnte. Das war in der Zeit, als es viele syrische Flüchtlinge gab, von denen einige IS-Terroristen waren.
Worum es hier geht, sind nicht die USA, sondern Deutschland, dessen Armee eher als Witzfigur gilt.
Auch die Agenten zu identifizieren ist unmöglich. Wenn man nicht einmal illegale Einwanderung verhindern kann, wie will man dann gut ausgebildete ausländische Agenten mit vollständigen Papieren aufhalten?
Dieser Beitrag wird zu Unrecht gemeldet.
Bei mir erscheint ein 502.
https://archive.ph/wDi29
Ich hoffe, die Meldung wird aufgehoben.
Der russische Staat ist nicht „zum Faschismus verkommen“.
Er war im Grunde seit Jahrhunderten immer so.
Seit meiner Kindheit habe ich Geschichten über NKWD-Methoden gehört, und die Opfer waren Mitglieder meiner Familie, die im Osten Polens lebten, als Stalin zu Beginn des Zweiten Weltkriegs einmarschierte.
Was in der Zarenzeit vor der Roten Revolution geschah, ist in der Literatur überliefert.
Es ist lächerlich, wie intelligente, gebildete Westler über Generationen in Verleugnung leben und nicht anerkennen können, dass ein barbarischer Nachbar schon immer nebenan war. Es hat sich nie geändert. Weder die Methoden der .ru-Regierung noch das politische Schönwaschen davon haben sich geändert.
Natürlich waren die ersten Opfer des russischen Systems immer russische Bürger; sie wurden ermordet, ausgeplündert, einer Gehirnwäsche unterzogen, verdummt, manipuliert und beraubt. Was wir „Stockholm-Syndrom“ nennen, ist dort die grundlegende Lebenseinstellung.
https://en.m.wikipedia.org/wiki/Journey_from_St.Petersburg...
Es ist wirklich lächerlich, wie die westliche Linke überall auf US-Imperialismus hinweist, aber sobald eindeutiger nichtamerikanischer Imperialismus stattfindet, angestrengt zu rechtfertigen versucht, dass Russland gar keinen Imperialismus betreibe. Das Doppeldenken, mit dem SVR- und GRU-Einheiten nicht mit dem vergleichbar sein sollen, was die CIA getan hat oder tut, ist unübersehbar.
Zum Beispiel wurden seit 1996 fast alle wichtigen Wahlen manipuliert. Trotzdem sagen viele Menschen im Westen, die Russen hätten diese Regierung „gewählt“ und seien daher alle für die Gräueltaten der russischen Regierung verantwortlich.
Auch Russland hat genug Leid erfahren, ist aber insofern keine Ausnahme, als es nicht den westeuropäischen Entwicklungs-Schnellkochtopf durchlaufen hat.
Ich bin kein Attentäter, aber ich frage mich, wie man daran scheitern kann, jemanden mit Gift zu töten. Gibt es nicht sehr viele tödliche Optionen, die sicher funktionieren? Ist der FSB-Sicherheitsapparat wirklich so unfähig?
https://amp.cnn.com/cnn/2020/12/21/europe/russia-navalny-poi...
Natürlich könnte es auch eine Warnung gewesen sein. Der Punkt ist: Wir wissen es nicht. Was auch immer das Ergebnis ist, es ist eine Machtdemonstration.
Elite-Attentäter des GRU geben Interviews, um die Tarnstory zu stützen: https://www.youtube.com/watch?v=HZatub49aIA
Und Russland ist wohl eines der ganz wenigen Länder mit einem staatlich betriebenen Giftlabor und einer entsprechenden Politik für solche Dinge: https://en.wikipedia.org/wiki/Poison_laboratory_of_the_Sovie...
Immer wenn ich von Novaya Gazeta hörte, machten sie stets erstaunlich mutigen Journalismus. Es ist bedauerlich, dass sie letztlich geschlossen wurde.
Ich frage mich, warum es gemeldet wurde.