Es ist bereits 20 Jahre her, dass CPUs mit 64-Bit-Unterstützung in der x86-ISA auf den Markt kamen. Dennoch läuft beim Einschalten eines PCs mit x86-CPU die CPU anfangs, wenn auch nur kurz, noch immer im 16-Bit-Modus. Um die Kompatibilität mit älteren Produkten zu erhalten, leben Altlasten aus den 1980er-Jahren wie Real Mode und Protected Mode bis heute in den CPUs weiter.
Doch selbst für 32-Bit-Betriebssysteme erscheinen inzwischen keine neuen Versionen mehr, und offenbar fragt sich auch Intel, wozu der 16-Bit-Modus überhaupt noch gut sein soll. Daher hat Intel einen Vorschlag veröffentlicht, bei künftigen x86-64-CPUs einen Großteil dieser bestehenden Legacy-Modi zu streichen. Das Ganze nennt sich x86S.
Die wichtigste Eigenschaft von x86S ist, dass nur noch 64-Bit-Betriebssysteme ausgeführt werden können. Da die CPU die Legacy-Bestandteile entfernt und direkt im 64-Bit-Modus startet, sollen sich nicht einmal 32-Bit-Betriebssysteme installieren oder ausführen lassen. Allerdings sollen 32-Bit-Anwendungen unter einem 64-Bit-Betriebssystem weiterhin laufen können.
Was aber ist mit bestehenden Betriebssystemen für x86-64, die davon ausgehen, dass die CPU beim Start zunächst im 16-Bit-Modus beginnt? Laut Intel sei das einfach ein Fall für Virtualisierungslösungen. Trotzdem liegt nahe, dass man bei Erscheinen solcher CPUs im Grunde ein modernes, darauf abgestimmtes Betriebssystem verwenden müsste.
Für normale Nutzer, die einfach einen gewöhnlichen PC kaufen, dürfte das keine allzu große Veränderung sein. Für Bereiche jedoch, in denen alte Legacy-Systeme oder Maschinen mit eingebetteten solchen Systemen genutzt und gewartet werden, dürfte dieser Vorschlag weniger willkommen sein. Wann wohl tatsächlich CPUs auf den Markt kommen, die das real umsetzen?
Hinweis – inländischer Artikel:
4 Kommentare
Hatte man so etwas nicht schon früher mal gebaut?
Die Leistung muss man jetzt berücksichtigen. Es ist ja nicht so, dass der Befehlssatz komplett anders wäre wie bei IA-64; vielmehr werden beim bestehenden AMD64 nur die Legacy-Befehle entfernt.
Apple hat CPUs wie den M1 oder M2 ja nicht deshalb nicht gebaut, weil sie es nicht könnten, sondern wegen der Abwärtskompatibilität bisher daran festgehalten. Wenn x86S kommt, werden sich meiner Ansicht nach die reine Rechenleistung der CPU sowie die Leistung und die Akkulaufzeit von Laptops drastisch verbessern.
Da wir jetzt im Zeitalter der KI angekommen sind und höhere Leistung gefragt ist, kann man nicht mehr an alten Formfaktoren festhalten. Während die ARM-Architektur immer weiter wächst, scheint ein mutiger Wandel nötig zu sein.
Als ich mir kürzlich nach einigen Jahren wieder einen PC zusammengestellt habe, fiel mir auf, dass mein vorhandener originaler Windows-USB-Stick als MBR erstellt war und nicht einmal als Boot-Gerät erkannt wurde. Man sagte mir, ich müsse ihn neu mit GPT formatieren und erstellen, also habe ich das so gemacht. Es scheint sich also doch nach und nach etwas zu verändern.