Dieser Beitrag ist ein forensischer Text. In Apple Maps werden unscharf gemachte Informationen paradoxerweise selbst zu einem Hinweis, um verborgene Informationen zu finden. Der Beitrag stellt Locards Austauschprinzip vor und gibt auf Grundlage der These, dass jeder Kontakt Spuren hinterlässt, Beispiele aus der Forensik und der Informationssicherheit.
Zensur hinterlässt ein Signal
- Kartendienste (Kakao Map, Naver Map, Apple Maps) machen Militärstützpunkte unscharf, doch genau diese Unschärfe wird zu einem Signal: „Hier ist eine Militäranlage“
- Besonders bei Apple Maps hebt sich die Unschärfe deutlich von den umgebenden Satellitenbildern ab; gleicht man sie mit den nicht unscharf gemachten Bildern in Google Earth ab, lässt sich der Standort militärischer Einrichtungen rückwirkend bestimmen. Der Versuch, Informationen zu entfernen, verstärkt die Existenz dieser Informationen
Prinzipien der Informationsverbergung
- Gute Methoden zum Verbergen: die Bedeutung herabsetzen, in normalen Informationen vergraben, die Existenz anerkennen, aber den Zugriff blockieren, aus dem Kontext lösen oder als natürliches Verschwinden tarnen
- Als Beispiel aus Sicht eines Angreifers wird eine Methode vorgestellt, bei der nach dem Diebstahl von Zugangsdaten Dokumente passend zu normalen Zugriffszeiten exfiltriert und Spuren automatisch beseitigt werden. Mit der Zeit sinkt die Wahrscheinlichkeit der Entdeckung und die Sache gerät in Vergessenheit
Perspektive der Verteidiger: der Fall Clifford Stoll
- 1986 entdeckte Stoll am Lawrence Berkeley National Laboratory einen Hacker, nachdem er hartnäckig einem Buchungsfehler von 75 Cent (9 Sekunden Rechenzeit) nachgegangen war
- Über 10 Monate verfolgte er die Spur, legte mit einer fingierten Abteilung und fingierten Daten eine Falle und identifizierte beim Download die Leitung bis zum Wohnhaus des Hackers in Hannover, Deutschland. Der Hacker verkaufte die Ergebnisse an den KGB; der Fall gilt als einer der ersten dokumentierten Fälle eines Computereinbruchs
- Entscheidend sind Misstrauen und Hartnäckigkeit. Social Engineering ist weiterhin gefährlich, weil es auf menschliche Bequemlichkeit und psychologische Schwächen zielt
Fazit
- Wer gefasst werden soll, wird letztlich gefasst; wenn nötig, werden sogar neue wissenschaftliche Disziplinen in Ermittlungen einbezogen, und die Methoden entwickeln sich weiter. Die theoretische Grundlage liefern Locards Austauschprinzip und das Landauer-Prinzip. Jeder Kontakt hinterlässt Spuren
- Im Zeitalter der KI wird es einfacher, solche Informationen zu verbergen, und zugleich einfacher, sie aufzuspüren
- Wie der Fall Apple Maps zeigt, wird es immer wichtiger, bei Informationen, die verborgen werden müssen, auch zu verhindern, dass sie überhaupt erst aufgefunden werden
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