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  • Auch PCs aus den Jahren 2014 bis 2019, die an den Anforderungen von Windows 11 wie TPM 2.0, Secure Boot und neueren CPUs scheitern, können mit leichtgewichtigem Linux wieder zu alltagstauglichen Maschinen werden – und das steht in direktem Zusammenhang mit weniger Elektroschrott
  • Die Wahl der Distribution hängt vor allem von RAM-Größe und CPU-Architektur ab; unter 2 GB, 2–4 GB und über 4 GB unterscheiden sich die realistischen Optionen deutlich
  • Die gefühlte Performance wird nicht allein durch die Distribution bestimmt, sondern stark durch Maßnahmen zur Beseitigung von Engpässen wie zram, Anpassung der Swappiness, Aufräumen von Diensten und SSD-Upgrade
  • Der Browser ist auf alten Linux-Desktops die schwergewichtigste App; daher entscheiden Firefox-Tuning und Blocker wie uBlock Origin maßgeblich über die tatsächliche Nutzbarkeit
  • Wenn physische Grenzen klar erreicht sind – etwa reine 32-Bit-CPUs, weniger als 1 GB RAM, SMART- oder memtest86+-Fehler oder Temperaturen um 90 °C –, ist Recycling realistischer

Warum alte PCs noch brauchbar sein können

  • Weltweit fallen jährlich rund 62 Millionen Tonnen Elektroschrott an; ein Teil davon besteht aus funktional intakter Hardware
  • Windows 11 verlangt TPM 2.0, Secure Boot und vergleichsweise neue CPUs und schließt dadurch einige einwandfrei funktionierende PCs aus den Jahren 2014 bis 2019 vom Support aus
  • Dass sich alte PCs langsam anfühlen, liegt oft eher an den gestiegenen Anforderungen des Betriebssystems als an der Hardware selbst
    • Eine frische Ubuntu-Xfce-Installation nutzt im Leerlauf etwa 650 MB RAM
    • Windows 11 nutzt bereits vor dem Öffnen eines Browsers 3–4 GB RAM
  • Das Ökosystem leichtgewichtiger Linux-Distributionen ist 2026 aktiv genug, dass wichtige Releases weiter erscheinen
    • BunsenLabs Carbon: im Februar auf Basis von Debian 13 veröffentlicht; i386-Unterstützung wurde eingestellt
    • Xubuntu 26.04 LTS: im April mit Xfce 4.20 und 3 Jahren Support veröffentlicht
    • Linux Lite 8.0: im Juni mit angepasstem Performance-Kernel, integriertem Gaming-Stack und lokalem KI-Assistenten veröffentlicht

Hardware vor der Installation prüfen

  • Bevor man eine Distribution auswählt, sollte man mit free -h, lscpu | head -10 und lsblk RAM, CPU-Architektur und Speichergeräte prüfen
  • RAM ist das wichtigste Kriterium für die Distributionswahl
    • Unter 2 GB: die leichtgewichtigsten Distributionen nötig
    • 2–4 GB: die meisten leichtgewichtigen Optionen nutzbar
    • Über 4 GB: praktisch die meisten Distributionen ausführbar
  • Reine 32-Bit-CPUs haben 2026 deutlich weniger Optionen
    • Viele aktuelle Distributionen haben die 32-Bit-Unterstützung eingestellt
    • Auch BunsenLabs Carbon hat i386 eingestellt und passt daher nicht zu sehr alten 32-Bit-Maschinen
  • Wenn noch eine mechanische HDD verwendet wird, kann ein SSD-Upgrade die größte Verbesserung sein
  • Vor der Installation ist es sicherer, per Live USB zu booten, dieselben Befehle auszuführen und die gefühlte Performance zu prüfen
    • Wenn die Live-Sitzung langsam ist, wird das System nach der Installation kaum plötzlich schnell werden

Distribution nach RAM-Größe auswählen

  • Unter 2 GB

    • antiX ist die erste Wahl für sehr eingeschränkte Hardware
      • Basiert auf Debian Stable ohne systemd
      • Nutzt im Leerlauf etwa 256 MB RAM
      • Die Oberfläche ist weniger ausgereift als bei Ubuntu-basierten Optionen
    • Puppy Linux läuft vollständig im RAM und kann auch Maschinen wiederbeleben, die viele Distributionen ablehnen würden
      • Die Lernkurve ist steiler
      • Performance ist seine Stärke
    • BunsenLabs Carbon nutzt einen ultraleichten Openbox-basierten Fenstermanager und läuft auf Debian 13
      • Der Desktop ist minimalistisch und stark konfigurierbar
      • Ab Carbon wurde die i386-Unterstützung eingestellt, daher ist es für alte 32-Bit-Maschinen nicht nutzbar
  • 2–4 GB

    • Dieser Bereich kommt für die meisten Wiederbelebungsprojekte einem „Sweet Spot“ nahe
    • Lubuntu 26.04 LTS basiert auf LXQt und nutzt im Leerlauf etwa 480 MB RAM
      • Eine der leichtesten Ubuntu-basierten Optionen
      • LTS-Support bis 2029
    • Linux Lite 8.0 enthält XFCE, einen angepassten Performance-Kernel, einen integrierten Gaming-Stack, Lite Software und den Lite Kernel Manager
      • RAM-Nutzung im Leerlauf etwa 650 MB
      • Dank zusätzlicher Tools ist der Einstieg angenehmer
    • In einem Test mit einem ThinkPad T440s von 2014 war Lubuntu bei Bootzeit und Leerlauf-Speicher schneller, während Linux Lite dank BORE-Scheduler im Betrieb reaktionsfreudiger wirkte
      • Für den Alltag wurde Linux Lite eher bevorzugt
      • Für Maschinen mit 2 GB oder weniger ist Lubuntu praktischer
  • 4–8 GB

    • Ab 4 GB lassen sich leichtgewichtige Distributionen relativ komfortabel ausführen
    • Xubuntu 26.04 LTS bietet Xfce 4.20 und das Ubuntu-Paketökosystem
    • Linux Mint Xfce bietet mit einem von Cinnamon inspirierten Layout eine Windows-nahe Oberfläche
    • In diesem Bereich entscheidet eher persönliche Vorliebe als Hardware-Beschränkung

Desktop-Umgebung auswählen: LXQt, Xfce, MATE

  • Die Desktop-Umgebung ist der Teil, mit dem man täglich direkt interagiert, und beeinflusst die wahrgenommene Nutzbarkeit stark
  • Die wichtigsten Unterschiede liegen beim Speicherverbrauch und beim Umfang der Anpassungsmöglichkeiten
    • LXQt: etwa 480 MB RAM im Leerlauf, eingeschränkte Anpassung, Windows-XP-Gefühl, geeignet für Minimalisten
    • Xfce: etwa 650 MB RAM im Leerlauf, tiefe Anpassbarkeit, Windows-10-Gefühl, geeignet für Nutzer, die viele Einstellungen ändern
    • MATE: etwa 580 MB RAM im Leerlauf, mittlere Anpassbarkeit, Windows-7-Gefühl, geeignet für traditionelle Nutzer
  • Xfce erlaubt eine breitere Anpassung von Panel-Position, Widgets und Fensterverhalten ohne Bearbeiten von Konfigurationsdateien
  • Der Performance-Unterschied zwischen LXQt und Xfce besteht weiterhin, ist aber kleiner als früher
    • Auf der Testmaschine nutzte LXQt im Leerlauf etwa 50–80 MB weniger RAM als Xfce
    • Auf Maschinen mit 2 GB RAM ist dieser Unterschied wichtig
    • Ab 4 GB ist er keine große Einschränkung
  • Vor der endgültigen Wahl empfiehlt es sich, die Umgebung direkt per Live USB auszuprobieren

Speicher und Dienste optimieren

  • zram einrichten

    • zram erstellt ein komprimiertes Swap-Gerät im RAM und nutzt komprimierten Speicher statt langsamer Festplatte
    • Die Komprimierung kostet etwas CPU-Leistung, aber auf Maschinen der letzten 15 Jahre überwiegt die Einsparung bei Disk-I/O
    • Unter Ubuntu kann man nach der Installation von zram-tools die Einstellungen in /etc/default/zramswap anpassen
    • Die Standardeinstellungen passen für die meisten Maschinen gut; Ubuntus zram-tools verwenden standardmäßig lzo-rle-Komprimierung
  • Swappiness anpassen

    • Swappiness steuert, wie aggressiv Linux Speicherinhalte in den Swap verschiebt
    • Der Standardwert 60 ist für die meisten Maschinen unproblematisch, bei alten HDDs ist ein niedrigerer Wert aber vorteilhaft
    • Auf HDDs können Swap-Vorgänge Verzögerungen im Millisekunden- statt im Nanosekundenbereich verursachen
    • Die empfohlenen Werte unterscheiden sich je nach Speichergerät
      • SSD: Swappiness 60 beibehalten
      • Alte HDD: 10–20 empfohlen
    • Beispielkonfigurationen sind sysctl vm.swappiness=10 und das Hinzufügen von vm.swappiness=10 zu /etc/sysctl.conf
  • Unnötige Dienste deaktivieren

    • Laufende Dienste verbrauchen Speicher und CPU-Zyklen
    • Wer kein Bluetooth nutzt, kann bluetooth deaktivieren; wer keinen Drucker hat, cups; wer keine mDNS-Diensterkennung braucht, avahi-daemon
    • Die Einsparung pro Dienst ist klein, summiert sich auf eingeschränkter Hardware aber

SSD-Upgrade und TRIM

  • Bei alten Maschinen mit mechanischer HDD bringt ein SSD-Upgrade die größte spürbare Performance-Verbesserung
  • Selbst bei gleicher Hardware ist der Unterschied je nach Speichergerät groß
    • Ubuntu-Boot von HDD: etwa 45–60 Sekunden
    • Ubuntu-Boot von SATA-SSD: etwa 12–18 Sekunden
    • App-Startzeiten: von 5–8 Sekunden auf unter 2 Sekunden reduziert
  • 256-GB-SATA-SSDs werden meist für unter 30 US-Dollar angeboten
  • Der Austausch erfolgt, indem man das vorhandene Laufwerk mit dd oder Clonezilla klont und es anschließend physisch ersetzt
  • Nach dem Klonen sollte man prüfen, ob TRIM aktiviert ist, um die SSD-Performance zu erhalten
    • Unter Ubuntu läuft fstrim.timer standardmäßig einmal pro Woche
    • Für manuelle Ausführung: sudo fstrim -av
  • Es gibt auch Fälle, in denen ein SSD-Upgrade nicht geeignet ist
    • Defekter SATA-Controller
    • Weniger als 2 GB RAM und kein Upgrade möglich
    • CPU ist ausschließlich 32-Bit und unterstützt kein 64-Bit

Browser optimieren

  • Der Browser ist auf den meisten Linux-Desktops die ressourcenhungrigste App
  • Firefox kann bei 10 geöffneten Tabs bis zu 2–3 GB RAM nutzen
  • In Firefox lassen sich unter about:config folgende Einstellungen anpassen
    • browser.cache.disk.enable: auf false setzen, um den Disk-Cache zu deaktivieren
      • Auf SSDs ist der RAM-Cache schnell genug
      • Auf alten HDDs können wiederholte kleine Schreibvorgänge der Performance schaden
    • browser.sessionhistory.max_entries: von 50 auf 15 reduzieren, um den Speicherverbrauch der Tab-Historie zu senken
    • browser.sessionstore.interval: von 15000 auf 60000 erhöhen, um die Häufigkeit von Session-Speicherungen und Disk-Schreibvorgängen zu reduzieren
  • uBlock Origin ist auf alter Hardware praktisch fast unverzichtbar
    • Es blockiert Werbung und Tracking-Skripte vor dem Laden
    • Auf werbelastigen Websites kann es den Speicherverbrauch einer Seite um 30–50 % senken
  • Wenn Firefox weiterhin zu schwergewichtig ist, kann man Falkon oder Pale Moon in Betracht ziehen
    • Beide sind leichter als Firefox, haben aber ein schwächeres Erweiterungsökosystem

Wenn es kein Desktop sein muss: Home-Server

  • Ein PC, der als Alltags-Desktop zu langsam, aber funktional intakt ist, kann als Home-Server weiterverwendet werden
  • Ein Fileserver auf Basis von Ubuntu Server oder Debian Minimal kann schon mit weniger als 512 MB RAM Dateien im Heimnetz bereitstellen
  • Ein Pi-hole-DNS-Server benötigt noch weniger Ressourcen
  • Ein Jellyfin-Medienserver kann auch auf modest hardware auf andere Geräte streamen
  • Server-Workloads sind meist bursty: Die meiste Zeit sind sie im Leerlauf und werden nur bei Anfragen belastet
  • Empfohlen werden Ubuntu Server 26.04 LTS oder Debian 12 Minimal
    • Beide sind leichtgewichtig, stabil und bieten Langzeitunterstützung
  • Wenn man einen Desktop zum Server umfunktioniert, kann man Linux-Administrationsfähigkeiten wie Networking, Dienstverwaltung, Security-Härtung und Automatisierung lernen

Kriterien fürs Aufgeben

  • Nicht jede alte Maschine ist es wert, wiederbelebt zu werden
  • Die Kombination aus reiner 32-Bit-CPU und weniger als 1 GB RAM lässt nur sehr wenige Optionen
    • Puppy Linux und einige Debian-Derivate können laufen
    • Jenseits einfacher Textbearbeitung kann die Nutzungserfahrung schmerzhaft sein
  • Den Zustand des Speichergeräts prüft man mit SMART
    • Wenn sudo smartctl -a /dev/sda neu zugewiesene Sektoren, pending sectors oder uncorrectable errors zeigt, stirbt das Laufwerk
    • In diesem Fall sollte man das Laufwerk ersetzen oder die Wiederverwertung der Maschine erwägen
  • RAM-Fehler lassen sich nicht per Software lösen
    • Fehler in memtest86+ sind ein Hinweis auf ein defektes Speichermodul
  • Bei Hitzeproblemen kommt physische Wartung vor Software-Optimierung
    • Wenn die CPU schon bei leichter Last 90 °C erreicht, sind Lüfterreinigung und Erneuern der Wärmeleitpaste nötig
    • Wenn das Problem trotzdem bleibt, könnte das Kühlsystem physisch beschädigt sein
  • Wenn der PC auch nach Optimierungen keinen leichtgewichtigen Linux-Desktop mit brauchbarer Geschwindigkeit ausführen kann, sollte man ein verantwortungsvolles Elektroschrott-Sammelprogramm nutzen

Praktisches Fazit

  • Wer alte Hardware mit Linux wiederbeleben will, braucht die passende Distribution zur Hardware-Klasse, zram und Aufräumen von Diensten sowie eine realistische Einschätzung physischer Grenzen
  • Die Empfehlung nach RAM ist relativ klar
    • Ab 4 GB: Linux Lite 8.0 oder Xubuntu 26.04
    • 2–4 GB: Lubuntu 26.04 LTS
    • Unter 2 GB: antiX oder BunsenLabs, allerdings unter der Voraussetzung von 64-Bit-Hardware
  • Ein SSD-Upgrade kann die gefühlte Geschwindigkeit alter Maschinen deutlich verändern
  • Browser-Optimierung ist nötig, damit Firefox nicht den gesamten verfügbaren Speicher aufbraucht
  • Wenn funktionierende ältere PCs weitergenutzt werden, landet weniger Hardware auf Deponien

1 Kommentare

 
Meinungen auf Hacker News
  • Ich habe auf einem einfachen Arch Linux nur niri (Wayland), Waybar und ein paar Tools aufgesetzt, um eine Desktop-Umgebung zu bauen, und keine speziellen Kernel- oder App-spezifischen Tunings für die Performance vorgenommen.
    Direkt nach dem Booten liegt der Speicherverbrauch bei 1,1 GB, nach der Installation mehrerer Apps beträgt die belegte Plattenkapazität etwa 10 GB. Alles, was man für den Alltag braucht, ist dabei: Browser, Docker, Video-Editor, Bildbearbeitung, LibreOffice, OBS, virtuelle Maschinen und jede Menge Kommandozeilen-Tools.
    Auch auf Hardware von etwa 2014 läuft das hervorragend; der Rechner hat zwar 16 GB RAM, aber selbst mit 8 GB dürften Docker-basierte Projekte oder 1080p-Videoschnitt noch in Ordnung sein.
    Auf einer GeForce 750 Ti mit 2 GB läuft Silksong ebenfalls mit 60 FPS, aber um mehrere Aufgaben flüssiger parallel laufen zu lassen, habe ich mir eine gebrauchte AMD RX 480 mit 8 GB gekauft. Wayland ist besonders mit NVIDIA-Karten ziemlich heikel, wenn wenig GPU-Videospeicher vorhanden ist.
    Dieselbe Konfiguration nutze ich auch auf einem moderneren Laptop, aber solange es keine stark CPU-gebundenen Aufgaben sind, fühlt es sich nicht wesentlich schneller an.
    Die Konfiguration, mit der das System per einem Befehl in 10–15 Minuten steht, gibt es hier: https://github.com/nickjj/dotfriedrice
  • Bei weniger als 2 GB würde ich persönlich Bodhi Linux empfehlen: https://www.bodhilinux.com/
    Als ich AntiX auf einem Chromebook mit 2 GB installiert hatte, stürzte es schon bei ein paar Browser-Tabs ab. Es könnte auch am Laptop selbst gelegen haben, den ich bei Goodwill gekauft hatte, oder daran, dass ich Swap deaktiviert hatte, weil ich der alten verlöteten 16-GB-SSD/NAND nicht zu viele Swap-Schreibvorgänge zumuten wollte: https://www.youtube.com/watch?v=VhozuNv-J7Q
    Bodhi hat mehr Funktionen als Puppy und einen gängigeren Paketmanager. Booten in den RAM gefällt mir, aber Puppy hat eine steilere Lernkurve und wird weniger gepflegt als Bodhi. Für Bodhi soll außerdem bald ein neues Release erscheinen: https://www.reddit.com/r/bodhilinux/comments/1qqrfyj/is_bodh...
    Weil ich das Chromebook nicht mehr habe, habe ich auch ein Video aufgenommen, in dem Bodhi in VirtualBox mit 1 GB läuft; im Idle lag der Speicherverbrauch bei etwa 350 MB. Das war möglicherweise noch vor dem Start von Chromium: https://youtu.be/61xI-g--ozs?si=y7ukxyEGSj_kNPF7
    Wegen der Unterstützung zusätzlicher Paketmanager, der ordentlichen Enlightenment-UI und der Kompatibilität halte ich Bodhi für deutlich besser als die 250 MB Idle-Speicherverbrauch von AntiX.
    Für die Atom-N450-Reihe empfehle ich eXe Linux: https://exegnulinux.net/ Dazu gibt es auch ein entsprechendes Video.
    BunsenLabs kannte ich nicht, werde es mir aber ansehen. Nebenbei: Der Atom-N450-Chip unterstützt trotz Single-Core 64 Bit, daher könnte er auch für solche Geräte gut passen.
    • Schön, dass du dich dafür interessierst, Linux auf extrem eingeschränkten Systemen laufen zu lassen; ich habe mit einem Cr-48-Chromebook mit Atom N455 schon einmal mit Linux herumgespielt, daher werde ich mir eXe Linux vielleicht auch ansehen.
      Wenn man allerdings so weit geht, herumzubasteln, um einen N455 nutzbar zu machen, landet man im reinen Hobby-Modding-Modus, denn der Chip war schon zur Markteinführung massiv schwach. Deshalb habe ich ihn als Vorwand genutzt, Arch Linux zu lernen.
      Bei nur 2 GB RAM und einem langsamen 16-GB-Speicher wollte ich sicher sein, dass jede Komponente auf dem Gerät eine ist, die ich bewusst selbst installiert habe.
      Das Problem ist, dass man sich die Details einer so vollständig angepassten Umgebung schwer merkt, wenn man sie nicht täglich nutzt. Und ich frage mich, wofür man einen N455 außer als Thin Client überhaupt täglich verwenden könnte.
      Mein Artikel über Arch Linux auf dem Cr-48 ist hier: https://dansalva.to/resurrecting-a-prototype-chromebook-with...
      Seit dem Schreiben des Artikels wurde die i915-Grafikunterstützung in Wayland repariert, sodass eine Wayland-Desktop-Umgebung inzwischen realistisch möglich ist, wenn man das möchte.
    • Dass ein Browser heutzutage schon bei ein paar Tabs abstürzt, dürfte viel stärker an Browser und Websites liegen als am Betriebssystem.
  • Der Grund, warum dieser Rat seltsam wirkt, ist, dass alter Arbeitsspeicher tatsächlich nicht so teuer ist.
    Rechner mit 2 GB RAM oder weniger stammen meist aus der Core-2-Duo-Ära und nutzen DDR2 oder DDR3; üblicherweise unterstützten sie 8 bis 16 GB.
    DDR3 mit 8 GB kostet heute ungefähr 10 Dollar, und Maschinen, die solchen Speicher aufnehmen, sieht man palettenweise in kostenlosen Elektroschrott-Haufen. Daher frage ich mich, wie viele Leute wegen 10 Dollar weniger als 2 GB statt 8 GB in Kauf nehmen würden.
    • Intel-Mobile-Chipsätze für Core 2 Duo unterstützten nur 2 GB oder 4 GB.
      Auch Desktop-Chipsätze unterstützten nicht alle 8 GB oder 16 GB. Mein Laptop hat 3 GB, wobei ein Slot nur bis 1 GB unterstützt.
    • Laptops aus dieser Zeit hatten normalerweise nur zwei SO-DIMM-Slots, und DDR2-Module mit 4 GB waren als Neuware ziemlich teuer.
      Deshalb sind sie auch heute noch teurer als man denkt; vor ein paar Wochen habe ich welche für 25 Dollar pro Stück verkauft.
      Außerdem unterstützte die Firmware mancher Laptops nicht mehr als 4–6 GB RAM. Einige frühe Intel-MacBook-Modelle erkennen 8 GB nicht, selbst wenn man sie physisch einstecken kann.
      Umgekehrt nutze ich einen iMac von 2010 mit allen vier DDR3-SO-DIMM-Slots bestückt und 32 GB RAM. Das war ein „einfach nur zum Spaß“-Projekt von vor dem KI-Preisanstieg.
      Bei iMacs aus dieser Zeit ließen sich CPU, RAM und GPU alle upgraden; ich habe auf eine i7-CPU, eine AMD-m4000-GPU und eine SSD gewechselt, und Linux Mint läuft gut darauf.
    • Es gibt viele alte Chromebooks, bei denen 2 GB RAM auf das Mainboard gelötet sind.
      Abgesehen davon werden sie mit MrChromebox-Firmware überraschend brauchbare Maschinen.
    • Ich würde gern wissen, wo man DDR3 mit 8 GB für ungefähr 10 Dollar kaufen kann.

Und dass solche Maschinen palettenweise auf kostenlosen Elektroschrott-Haufen liegen – ich schreibe diesen Text gerade auf einer davon :(

  • Seit Anfang 2026 habe ich einen 15 Jahre alten MacPro4,1 in eine leistungsstarke Maschine auf Basis von Ubuntu 24 verwandelt. Er nutzt eine GPU von 2019 und HBM2.
    Vorher wusste ich über Computer jenseits von macOS fast nichts. Ich bin mit Macs aufgewachsen und habe auch drei moderne Apple-Silicon-Maschinen, aber der alte MacPro ist wieder zu meiner täglichen Hauptmaschine geworden. Der Grund ist Linux.
    Es ist erstaunlich, dass diese alte Kiste Ollama3.1 schneller ausführt als M2Pro/M3/M4. Das liegt komplett an der GPU, und selbst diese GPU ist nach heutigen Maßstäben immer noch eher alt.

  • Man muss gar nicht so weit zurückgehen. Viele Unternehmen rüsten Mini-PCs auf, und daraus ist eine Self-Hosting-Community rund um Tiny-Geräte von Lenovo, HP und Dell entstanden.
    Mit alter Hardware kann man nicht nur Windows ersetzen, sondern mit Proxmox auch Online-Dienste wie Cloud, NAS, DNS, VPN und Multimedia.
    Natürlich sind solche Systeme keine 2-GB-Kisten, aber auch 8–9 Jahre alte Systeme werden oft entsorgt, weil sie „zu alt“ seien, und man kann damit ziemlich coole Dinge machen.
    Ein Freund, der bei einem MSP arbeitet, hat mir vor einem Monat einen Lenovo m710q Tiny gegeben, und als Debian-Desktop für die Werkbank in der Garage war er ziemlich gut. Heutzutage steigen die Preise für solche Tiny-Geräte auch, ich hatte also Glück. Offenbar haben die Leute es bemerkt.

    • Ich arbeite bei einem Elektroschrott-Recyclingunternehmen, und mehr als die Hälfte der Micro/Tiny-Desktops, die ich seit über einem Jahr gesehen habe, hatten mindestens einen i5 der 7. Generation.
      Tatsächlich habe ich bis vor einem Monat selbst einen Dell Optiplex 7050 Micro benutzt.
    • Alte Tiny/Micro-PCs eignen sich hervorragend als TV-Streaming-Boxen und ersetzen proprietäre Geräte wie Fire TV Stick, AppleTV oder Roku problemlos.
      Für Retro-Gaming sind sie ebenfalls sehr gut.
    • Ich habe bei Refurbished-Händlern auf Newegg ein paar schlanke HP- und Dell-Desktops gekauft. Meist waren es i3 der 2. oder 3. Generation, und während der Pandemie kosteten sie inklusive Versand 50–70 Dollar und hatten 4 GB RAM.
      Da sie Low-Profile-PCI-Express unterstützten, konnte man schon mit DisplayPort und einer Radeon 7470 oder R5 R240 einen Monitor mit 4K-Ausgabe anschließen.
      Für etwas mehr Geld bekam man auch einen i5, und ein paar Remote-Work-Firmen boten ebenfalls an, Maschinen in derselben Größe zu schicken.
      Heutzutage schicken viele eher Laptops und Docking-Stationen, was deutlich mobiler ist, aber persönlich brauche ich nicht einmal das.
  • Das allgemeine Problembewusstsein, dass die Kluft zwischen Softwareanforderungen und Hardwareleistung wächst, ist berechtigt.
    Genau hier glänzen Projekte für freie Open-Source-Software. Sie denken intensiv darüber nach, wie man die Funktionen bereitstellt, die moderne Nutzer brauchen, und dabei alte Rechenressourcen geschickt nutzt.
    Ich bin seit den 1990ern in der Branche, aber es überrascht mich immer noch, wie wenig viele Unternehmen in Abwärtskompatibilität und Performance beim Design von Betriebssystemen und Anwendungen investieren.
    Ich nutze seit fast zehn Jahren ein Panasonic Toughbook CF31-5; für manche mag es wie ein Dinosaurier wirken, aber für mich war es gegenüber meiner vorherigen mobilen Computing-Umgebung ein großes Upgrade. Der maximale Speicher beträgt 16 GiB DDR3-SDRAM mit einem Intel Core i5-5300U.
    Als ich es gekauft habe, habe ich Debian und Ubuntu ausprobiert, aber beides war schon damals langsam; seit ich Xubuntu installiert habe, nutze ich es durchgehend ohne Performanceprobleme.
    Ich verwende hauptsächlich Emacs und TeX-Tools und schreibe Elisp und LaTeX, dafür reicht es völlig. Ich spiele keine grafiklastigen Spiele, nutze keine GPU-intensiven UIs und mache keine schweren Datenvisualisierungen.
    Einen klaren Maßstab gibt es aber: Das Testautomatisierungs-Framework, das ich für die Arbeit brauche, lässt sich unter Xubuntu problemlos ausführen. Auf den vom Unternehmen bereitgestellten Windows-11- und macOS-Tahoe-Systemen kriecht diese App und ist praktisch unbenutzbar.

  • Schade, dass MGLRU und dessen Konfiguration kein einziges Mal erwähnt werden. Auf Low-End-PCs, besonders mit wenig RAM und langsamer HDD, hat das den größten Einfluss auf die Performance.
    Es gibt einen Beitrag eines Nutzers des „le9“-Patches, den ChromeOS-Entwickler lange vor MGLRU erstellt haben. Er nutzt eine ähnliche Idee: wichtige Datei-Caches so lange wie möglich im RAM zu halten.
    Auf schwachen Maschinen ist der spürbare Unterschied meist dramatisch.
    https://phoronix.com/forums/forum/…
    https://phoronix.com/forums/forum/…

    • Davon habe ich zum ersten Mal gehört, und nach einem Blick darauf ist MGLRU in meinem Kernel standardmäßig aktiviert. Es ist der 6.18.xx-Kernel von Mageia 10.
      Ich frage mich, ob es Distributionen gibt, bei denen es deaktiviert ist. Besonders wenn das auf die im Artikel erwähnten Distributionen zutrifft, müsste man den Kernel neu kompilieren – oder andernfalls wohl einen Bugreport an die Distribution schicken.
  • Ich mag es, alte Hardware auf diese Weise zu nutzen, aber Web-Browsing auf alten Laptops ist schmerzhaft.
    Selbst mit einem leichten Browser und Werbeblocker sind Websites furchtbar langsam. Dinge wie Google Maps oder Google Docs werden praktisch unbenutzbar.
    Ich bin keineswegs grundsätzlich gegen JavaScript im Web, aber wenn einfache Dokumentseiten, Formulare und Tabellen, die nach allem Ermessen in höchstens 1 MB RAM passen sollten, 0,5 GB fressen, muss da irgendetwas gelöst werden.

  • Für alte Hardware sind Void Linux, Xubuntu oder Linux Mint Xfce gut. Wenn man aktuell bleiben und online gehen muss, ist diese Richtung besser.
    AntiX und Puppy Linux empfinde ich persönlich als etwas rau. Da würde ich lieber ein vollständig aktualisiertes älteres Windows, das für diese Hardware gedacht ist, offline behalten.
    Für Retro-Gaming, CD-Ripping und Ähnliches passt das sehr gut.

    • Die KI, die diesen Artikel geschrieben hat, scheint nicht subtil genug zu urteilen, um die rauen Kanten von antiX zu verstehen.
  • Beim Versuch, einen alten Laptop mit 2 GB RAM zu benutzen, habe ich Ähnliches erlebt.
    Ich war überrascht, wie sehr er schon bei grundlegenden Aufgaben kämpfte. Mein erster Computer hatte 32 MB RAM; natürlich ist die Welt heute eine völlig andere, aber ich hatte auch nicht vor, etwas wesentlich Ambitionierteres zu tun als das, was ich damals auf diesem PC gemacht habe.

  • Mein erster Linux-PC war ein 386DX-40 mit 20 MB RAM und einer Festplatte von etwa 80 MB.
    Für Aufgaben im Informatikstudium konnte ich darauf X Windows, Emacs und gcc laufen lassen. Um einen Desktop in einer brauchbaren Größe wie 1024x768 oder 1280x1024 zu nutzen, musste man auf einem guten CRT 8-Bit-Pseudofarbgrafik verwenden.
    Doch sobald ich ein einzelnes JPEG öffnete, das ich von einer akademischen Website heruntergeladen hatte, geriet das System in eine Swap-Orgie. Es war zwar ein hochauflösender Scan eines alten Manuskripts, hatte aber vermutlich weniger Pixel als ein Smartphone-Foto aus diesem Jahrzehnt.
    Selbst bei gewöhnlichen Aufgaben musste man häufige Swap-Verzögerungen hinnehmen, jedes Mal wenn ein neues Programm gestartet wurde und ein altes verdrängt wurde.

    • Es ist schockierend, dass die Lage so schlimm geworden ist. Ich habe ein kleines Linux-Tablet mit 8 GB RAM, das fast nur zum Browsen genutzt wird, und wenn ich mehr als 20 Tabs öffne, geht ihm schnell der Arbeitsspeicher aus. Natürlich hängt das von der jeweiligen Website ab.
      Und wenn man mehr als drei Electron-Apps geöffnet hat, ist es fast immer vorbei.
      Vor 15 Jahren waren 8 GB RAM noch auf dem Niveau von: „Wofür soll ich all diesen Platz überhaupt nutzen?“
    • Im Moment habe ich zwei Browser geöffnet, und der Memory Commit liegt bei 370 MB.
      Wenn ich höre, dass Windows 11 im Leerlauf 3 GB RAM verbraucht, läuft es mir kalt den Rücken herunter. Ich habe keine Ahnung, wie das überhaupt möglich ist.
      Die Aufblähung ist astronomisch, und trotzdem interessiert es die meisten überhaupt nicht.