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  • Seit Ende Januar die Gründung des zweiten Unternehmens in Deutschland begann, wurden bis Ende Juni 9.654,71 € ausgegeben, doch PlentyLabs UG & Co. KG konnte noch keine einzige Rechnung an Kunden verschicken
  • Die Gesamtkosten teilen sich auf in Gebühren und Rechnungen von 7.654,71 € sowie 2.000 € gebundenes, unantastbares Stammkapital; Landesbehörden, Gerichte, Notar, Kanzlei, Steuerberatung und Softwareanbieter haben alle pünktlich abgerechnet
  • Trotz Rechtsmandat, Dokumentenerstellung, Beurkundung, Handelsregistereintrag und steuerlicher Registrierung verzögert sich die VAT ID, sodass seit Einreichung des Steuerfragebogens am 29. Mai bis zum 24. Juni keine Rechnungsstellung möglich ist
  • Für ausländische Kunden ist wegen reverse charge eine VAT ID nötig; deutschen Kunden könnte man zwar jetzt Rechnungen schicken, diese müssten nach Erteilung der VAT ID aber neu ausgestellt werden, weshalb auch inländische Rechnungen aufgeschoben werden
  • Ein Verfahren, das mit einem einfachen Online-Formular erledigt sein könnte, ist durch schrittweise Abhängigkeiten und Kosten verknüpft, sodass Gründer noch vor dem ersten Umsatz zunächst Ausgaben für Rechtsberatung, Notar, Gerichte, Steuerberatung und Software tragen müssen

Gründungskosten über fünf Monate hinweg

  • Ende Januar begann die Gründung eines zweiten Unternehmens in Deutschland, und bis Ende Juni konnte noch keine einzige Rechnung ausgestellt werden
  • In dieser Zeit haben der Staat, zwei Gerichte, ein Notar, eine Kanzlei, eine Steuerberatung und ein Softwareanbieter bereits alle Kosten in Rechnung gestellt
  • Der aufgelaufene Betrag liegt bei 9.654,71 €
    • 7.654,71 €: Gebühren und Rechnungen
    • 2.000,00 €: Auf dem Konto gebundenes und nicht nutzbares Stammkapital
    • 0: Anzahl ausgestellter Rechnungen

Zeitplan der Gründung

  • 23. Januar: Mit dem ersten Gespräch mit der Kanzlei begann die Unternehmensgründung – und zugleich die Abrechnung nach Zeitaufwand
  • 5. Februar: Die Vollmacht wurde unterschrieben, der Ausweis übermittelt und die Dokumentenerstellung begann
  • 18. Februar: Die Struktur wurde als PlentyLabs UG & Co. KG festgelegt
    • Technisch handelt es sich um eine Zwei-Gesellschaften-Struktur
    • Die Dokumentenerstellung dauerte etwa einen Monat
  • 6. März: Die Gründungsdokumente waren fertig
  • 17. März: Die Dokumente wurden freigegeben und die Suche nach einem Notar begann
  • 24. März: Ein Berliner Notar las die Dokumente vor und prüfte die Identität
    • Notarkosten: 1.575,24 €
  • 25. März: Das Stammkapital von 2.000,00 € wurde eingezahlt
    • Dieses Geld ist keine Gebühr, sondern gebundenes, nicht nutzbares Kapital
  • 26. März: Das Registergericht verlangte einen Kostenvorschuss
    • Gerichtlicher Vorschuss: 300,00 €
  • 10. April: Die erste Gesellschaft wurde ins Handelsregister eingetragen
  • 17. April: Die zweite Gesellschaft wurde eingetragen
    • Registerkosten: 260,00 €
  • 20. April: Der Kanzlei, die bereits Kosten verursachte, wurde zusätzlich die steuerliche Registrierung übertragen
  • 6. Mai: Für die steuerlichen Arbeiten waren nun separate Verträge pro Gesellschaft erforderlich
    • Jeweils nötig waren Angebot, Vollmacht und Identitätsprüfung
    • Kostenvoranschlag für die steuerliche Registrierung: 630,00 €
  • 28. Mai: Die Rechnung für die juristischen Gründungskosten traf ein
    • Rechtskosten: 4.462,50 €
  • 29. Mai: Der Steuerfragebogen wurde eingereicht und die Standard-Umsatzsteuer sowie die VAT ID wurden dringend beantragt
  • 3. Juni: Die erste Rechnung der Buchhaltungssoftware traf ein
    • Kosten für die Buchhaltungssoftware: 426,97 €
  • 9. Juni: Es kam die Auskunft, dass die VAT ID per Post eintreffen werde
  • 24. Juni: Sieben Wochen nach Beauftragung der Steuerberatung und fast vier Wochen nach Einreichung des Steuerfragebogens gibt es noch immer weder VAT ID noch Rechnungsstellung

Die VAT ID blockiert die Rechnungsstellung

  • Für ausländische Kunden wird die VAT ID für die reverse charge-Abwicklung benötigt
  • An deutsche Kunden könnten jetzt Rechnungen verschickt werden
  • Sobald die VAT ID vorliegt, müssten inländische Rechnungen jedoch neu ausgestellt werden, weshalb auch die Abrechnung mit deutschen Kunden wartet
  • Die eigentliche Arbeit und die Kunden sind vorhanden, aber der normale Rechnungsprozess ist blockiert

Etwas, das mit einem Online-Formular hätte erledigt sein können

  • Dahinter steht die Frage, warum Unternehmensgründung und Vergabe einer VAT ID nicht innerhalb einer Woche nach Ausfüllen eines Formulars und Zahlung einer Gebühr abgeschlossen sein können
  • Als Vergleich werden Estonia und das UK genannt
    • Estonia wickelt es auf diese Weise ab
    • Im UK kann man ein Unternehmen online an einem Tag und zum Preis eines Abendessens registrieren
  • Das deutsche Verfahren verkettet eine Abhängigkeit mit der nächsten und versieht jeden Schritt mit Kosten
  • Gründer müssen bei 0 Umsatz zuerst Rechtskosten, Notarkosten, Gerichtsgebühren, Steuerberater-Retainer und Software-Abos bezahlen
  • Die von der Regierung angeführte Begründung ist Vertrauen; Notare, Stammkapital, Registereinträge und verschiedene Prüfverfahren sollen böswillige Akteure abhalten
  • Dasselbe System konnte den Wirecard-Betrug in Höhe von 2 Milliarden Euro nicht verhindern, erzeugt aber genug Reibung, um neue Gründer aus Deutschland herauszudrängen

Warum auch das Verlassen Deutschlands nicht einfach ist

  • Auch die bloße Entscheidung, Deutschland zu verlassen, ist nicht leicht
  • Das erste Unternehmen Freshflow ist wertvoll genug, dass beim Wegzug aus Deutschland eine hohe sechsstellige Exit Tax auf nicht realisierte Gewinne anfallen würde
  • Eine Struktur, die hohe Steuern auf Ambitionen erhebt, noch bevor Geld verdient wird, trägt dazu bei, warum ambitionierte Menschen das Land verlassen

Das Problem, dass der Firmenname „zu allgemein“ ist

  • Der ursprünglich gewählte Name war Plenty
  • Laut Anwalt müssen deutsche Firmennamen unterscheidungskräftig sein, und Plenty sei ein gewöhnliches englisches Wort, das in Berlin abgelehnt würde
  • Auch Alternativen kamen aus demselben Grund nicht durch
    • Plenty Group: zwei gewöhnliche Wörter
    • Plenty Labs: Auch Labs ist ein gewöhnliches Wort
    • Plenty.is: Auch mit einer Domain an ein gewöhnliches Wort angehängt bleibt es ein gewöhnliches Wort
    • Is Plenty, Its Plenty, IsPlenty und ItsPlenty wurden ebenfalls abgelehnt
  • Am Ende wurde PlentyLabs ohne Leerzeichen genehmigt
  • Mehrere Wochen Schriftverkehr endeten damit, ein einziges Leerzeichen zu entfernen, und diese Regel belohnt eher bedeutungslose Kombinationen als Klarheit

Warum UG & Co. KG gewählt wurde

  • Warum eine Einzelperson zwei Gesellschaften für ein Einzelunternehmen braucht: weil die einfachere Struktur schlechter ist und das Unternehmen größer werden soll
  • Die einfachste Option ist ein Einzelunternehmen
    • Kosten: 30 €
    • Kein Stammkapital nötig und an einem Nachmittag erledigt
    • Allerdings trägt die Person die gesamte Haftung
    • Wenn ein Kunde klagt, sind nicht eine Gesellschaft, sondern die eigenen Ersparnisse, die Wohnung und der Name gefährdet
  • Für Haftungsbegrenzung war eine Gesellschaft nötig, und für eine Einzelperson erschien die sauberste Struktur nicht eine einzelne Gesellschaft, sondern die Kombination aus KG und kleiner UG
    • Die KG fungiert als operativ tätige Partnerschaft
    • Die kleine UG übernimmt die Rolle des haftenden Partners
    • Die in Deutschland häufige GmbH & Co. KG folgt derselben Logik
  • Auch steuerlich wurde diese Struktur als besser eingeschätzt
    • Gewinne der Personengesellschaft werden am Ende einmal als persönliches Einkommen besteuert
    • Eine normale UG wird zuerst auf Gesellschaftsebene besteuert und dann erneut, wenn Gehalt an die Person ausgezahlt wird

Kapitalanforderungen bei UG und GmbH

  • Eine GmbH darf erst existieren, wenn 25.000 € auf einem Bankkonto liegen
  • Eine UG kann fast ohne Kapital starten, aber mit Bedingungen
    • Jedes Jahr müssen 25 % des Gewinns als Rücklage gebunden werden
    • Sobald die Rücklage 25.000 € erreicht, wird in eine GmbH umgewandelt
  • Die Anforderung von 25.000 € verschwindet also nicht, sondern wird eher in Raten eingezogen
  • Auch die UG als günstiger Einstieg hinterlässt zusätzliche Kosten
    • Für manche Kunden signalisiert UG „nicht ernst zu nehmen“
    • Sie machen lieber Geschäfte mit einer GmbH als mit einer UG
  • Diese Struktur erlaubt zwar den Einstieg, markiert das Unternehmen aber dauerhaft damit, dass es diesen Weg gewählt hat

Chat with Work ist noch kostenlos

  • Das vollständig private Work AI Chat with Work ist noch kostenlos
  • Der Grund ist, dass noch keine Rechnungen ausgestellt werden können

1 Kommentare

 
GN⁺ 5 시간 전
Hacker-News-Kommentare
  • 25.000 Euro Stammkapital sind ein Mechanismus, um ein gewisses Maß an Haftung tragen zu können. Wenn man wirklich „meine Firma, mein Risiko“ gewollt hätte, hätte man die einfachste Form wählen können, bei der man mit dem Privatvermögen haftet, aber wenn man so darüber nachdenkt, wirkt das nicht besonders attraktiv
    Deshalb ist es nur natürlich, dass eine UG, bei der noch keine 25.000 Euro auf dem Bankkonto liegen, weniger ernsthaft wirkt als eine GmbH. Ein Unternehmen, das ohne jegliches Kapital startet, ist eher keine GmbH mit beschränkter Haftung, sondern fast schon eine „Firma ohne Haftung“, und es gibt einen Grund, warum es so etwas nicht gibt

    • In anderen Ländern gibt es so eine Form tatsächlich. Eine LLC in den USA verlangt in der Regel kein bestimmtes Vermögen und funktioniert, bis Vermögen aufgebaut ist, faktisch fast wie eine Gesellschaft ohne nennenswerte Haftungsmasse
      Im normalen Geschäftsbetrieb ist das Schlimmste für die Eigentümer meist, die Firma zu schließen; bei schweren Rechtsverstößen sind Ausnahmen natürlich möglich. Solche Firmen bekommen schwerer Kredite, aber es ist auch nicht ungewöhnlich, dass bei einer Schließung die letzte Rechnung unbezahlt bleibt
      Ob es so eine Form geben sollte, darauf gibt es keine klare Antwort. Die deutsche Kultur empfindet die Situation „manchmal geht etwas schief und Schulden werden nicht bezahlt“ als ziemlich unangenehm, während die US-Kultur eher meint, dass man einen gewissen Anteil unbezahlter Forderungen hinnehmen kann, wenn dadurch mehr Neugründungen möglich werden
    • 25.000 Euro sind für manche Branchen zu wenig und für andere viel zu viel. Für Brückenplaner ist das zum Beispiel zu wenig, für ein Geschäft, das online Gewürzmischungen verkauft, zu viel
      Das deutsche Meme der „Ernsthaftigkeit“ klingt eher nach einer Eintrittsbarriere als nach etwas Substanziellem. Wenn Ernsthaftigkeit das Kriterium wäre, warum verlangt man dann nicht 1 Million Euro. Es gab sogar Firmen wie Wirecard, die zusammenbrachen, nachdem über Nacht ein Loch von 2 Milliarden Euro entdeckt wurde
      Sinnvoller wäre es, eine GmbH schon mit 2.000 Euro gründen zu können und das eingezahlte Kapital offenzulegen, damit Kunden selbst urteilen können. In Frankreich läuft das eher so, was Flexibilität schafft, während in Deutschland schon das Wort Flexibilität selbst fast wie ein Tabu behandelt wird
      Der praktische Workaround besteht darin, eine Estonian e-company zu gründen, bei der Gründungs- und Unterhaltskosten fast null sind. Deshalb sollen Deutsche dort die größte Nutzergruppe sein
    • Es ist schwer zu sagen, dass eine GmbH in der Praxis tatsächlich auf diese Weise Haftung garantiert. Früher mag das so gewesen sein, heute aber nicht mehr
      Es gab zum Beispiel Strukturen wie Wirecard Technologies GmbH, Wirecard Sales International Holding GmbH, Wirecard Acquiring & Issuing GmbH und Wirecard Acceptance Technologies GmbH
      Viele regulatorische Strukturen in Europa gehen davon aus, dass gute und schlechte Akteure denselben Regeln folgen. Bad Actors kümmern sich aber nicht um Regeln
    • Hohe Anforderungen an das Anfangskapital haben sich immer wieder als eher schädlich als nützlich erwiesen (https://mariusring.github.io/web/BacherFagerengRingWold_Sele...)
      Deutschland ist ein außergewöhnliches Land, das diese Hürden bewusst hoch halten will. Unternehmerisch tätig zu sein ist in Deutschland etwas für einen geschlossenen inneren Kreis und kein Instrument für mittellose Studierende, die ein Wochenendprojekt in eine Firma verwandeln wollen
    • Wenn der Autor diesen Teil nicht versteht, fragt man sich, wie viele der übrigen Probleme selbst verursacht sind
  • Hier herrscht viel Verwirrung. Wenn man es als Gehalt auszahlt, ist es ein normaler Geschäftsaufwand, also gibt es keine Doppelbesteuerung, und wenn man flexibel Geld aus der Firma ziehen will, ist eine GmbH nicht die richtige Struktur
    Dass jemand zum Start eine UG/GmbH + KG verwendet, habe ich noch nie gehört; das ist sehr ungewöhnlich. Normalerweise gründet man einfach eine einzelne UG oder baut mit zwei getrennten GmbH/UGs eine Holding-Struktur auf
    Wenn man Standardstrukturen verwendet, bleiben die Rechtskosten minimal. Man braucht keinen Anwalt, sondern kann den Notar einfach um eine Standardgründung bitten
    Wenn man die Komplexität einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung nicht möchte, ist der übliche Weg zur Reduzierung des Haftungsrisikos der Abschluss einer Haftpflichtversicherung. Viele machen das statt einer GmbH
    Berechtigte Kritikpunkte sind das Fehlen digitaler Verfahren und dass Schritte, die parallel möglich wären, nacheinander abgearbeitet werden. Früher ging das GmbH-Verfahren schneller, wenn man direkt zum Registergericht ging und bar zahlte; warum genau, weiß ich nicht, aber es war deutlich schneller und sparte ungefähr eine Woche

    • Genau. In den Niederlanden macht man es auch so. Häufig wird die Haftung auch vertraglich begrenzt, und in vielen Situationen kann verhandelt werden, wohin die Haftung fällt
      Für ein Ein-Personen-Geschäft ist eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung übertrieben
    • Würdest du also sagen, dass die Eintrittsbarriere selbst kein legitimer Kritikpunkt ist?
  • Ich habe Tech-Geschäfte auf drei Kontinenten betrieben, aber nichts kommt dem kafkaesken Labyrinth der deutschen Welt auch nur nahe
    Alles ist unglaublich komplex und überkonstruiert, und jede Ebene ist immun gegen Veränderung. Jede Regel war zum Zeitpunkt ihrer Einführung irgendwie vernünftig, und inzwischen gibt es Interessengruppen, die daran verdienen, dass alles weiter kompliziert bleibt
    Deutsche Notare gehören zu den bestbezahlten Notaren der Welt und sind in Deutschland eine der einkommensstärksten Berufsgruppen
    Ich glaube allerdings, dass viel Frust aus falschen Erwartungen entsteht. Deutschland ist nicht dafür gebaut, dass irgendwer einfach eine Firma gründet und der Gesellschaft Veränderung aufzwingt. Die Bürokratie ist ein Filter, und was sie herausfiltert, ist Veränderung selbst
    Von Anfang an wurde nicht erwartet, dass du eine Firma gründest, sondern dass du bei Volkswagen anfängst

    • Exakt. Solche bürokratischen Hürden sind auch Ausdruck der Kultur. Es ist eine Kultur, die dich allein dafür, dass du ein Unternehmen gründest, unbewusst und subtil belächelt, misstrauisch beäugt und ablehnt
      Darunter liegt die Botschaft: „Was stimmt nicht mit dir, dass du meinst, eine Firma gründen zu müssen?“ und „Warum reicht es nicht, es so zu machen wie wir alle?“
    • Deutsche Notare bekommen anders als fast überall sonst auf der Welt einen Prozentsatz des abgeschlossenen Geschäfts. Das ist absurd
    • Der Kern ist dieser Satz: „Es wurde nicht erwartet, dass du eine Firma gründest, sondern dass du bei Volkswagen anfängst.“ Die Leute können sich eine Welt, in der Menschen ihr eigenes Ding machen, gar nicht vorstellen
      Andererseits gibt die Tatsache, dass die deutsche Wirtschaft innerhalb der EU vergleichsweise gut funktioniert, durchaus zu denken
    • Wenn man die Kommentare liest, die dieses absurde System verteidigen und die Verantwortung umkehren, ist die Arroganz geradezu widerlich
  • Der Beitrag selbst erklärt, warum die erste Beschwerde falsch ist und die zweite zutrifft. Ein Einzelunternehmer trägt die volle Verantwortung persönlich, aber der Autor wollte echte Haftungsbeschränkung.
    Die Haftung einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung ist nicht das Risiko des Autors. Wenn die Firma scheitert, tragen nicht der Autor, sondern Kunden, Gläubiger und alle, deren Ansprüche die Rückzahlungsfähigkeit der Firma übersteigen, den Schaden.
    Je mehr Kapital vorhanden ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, in einem Zustand zusammenzubrechen, in dem die Verbindlichkeiten die Vermögenswerte übersteigen.

    • Dieser Teil kam mir auch seltsam vor. Bei einer GmbH kann man bei der Gründung auch nur 50 % von 25.000 Euro einzahlen.
      Für den Rest besteht meines Verständnisses nach weiterhin persönliche Haftung, aber zumindest senkt das die Hürde für die GmbH-Gründung etwas.
    • Es ist in Ordnung, wenn eine Firma in einem Zustand scheitert, in dem ihre Verbindlichkeiten höher sind als ihre Vermögenswerte. Niemand wird gezwungen, dieser Firma Kredit zu geben.
    • Das System ist seltsam. Man kann eine Firma gründen, ein Jahr lang arbeiten, Schulden und Steuerschulden aufbauen und sie dann schließen.
      Dann passiert nichts. Man verkauft das Firmenvermögen, um die Schulden zu begleichen, aber dieses Vermögen kann auch gleich null sein.
    • Der Autor wirkt, als würde er sich über Dinge beschweren, die er nicht versteht. Wenn man eine haftungsbeschränkte Gesellschaft will, ohne Vermögen einzubringen, sollte man eine UG nutzen.
      Aber es ist natürlich, dass Kunden so eine Firma meiden. Wenn sie 5.000 Euro bezahlt haben und die Firma scheitert, gibt es keine Vermögenswerte, die sie zurückholen könnten.
      Kunden handeln mit einer GmbH, weil sie wissen, dass es zumindest einen gewissen Vermögenswert gibt. Wenn sie für 5.000 Euro einkaufen, erwarten sie, dass das wenigstens in dieser Höhe durch Vermögen gedeckt ist.
      Der Autor hat die Gesellschaftsform missverstanden, wurde von der Kanzlei falsch beraten und scheint von ihr über den Tisch gezogen worden zu sein.
  • Bevor man Europa wie ein einziges Land behandelt: Nach meiner persönlichen Erfahrung war die Gründung einer Firma in den Niederlanden und Schweden sehr einfach.
    In Schweden ist es nur etwas seltsam, dass Banken bei Gründungen fast so viel Mitspracherecht haben wie staatliche Stellen. Wenn eine Bank dich nicht als Kunden haben will, kann sie den Start der Firma faktisch verhindern.

    • Wenn das Bankensystem dich nicht mag, ist es überall vorbei.
    • Deutschland, Frankreich und Spanien sind hier die großen Problemfälle.
      Vor ein paar Jahren gab es in Spanien einen ziemlich bekannten Fall: Jemand wollte ein Weingut in ein ökotouristisches Boutique-Hotel mit Weingut-Touren und Erlebnissen umwandeln. Etwas, das theoretisch einfach sein sollte, wurde in der Praxis zu einem Warten von mehr als vier Jahren auf die Betriebsgenehmigung.
      Ich bin seit über zehn Jahren mit Startups und kleinen Unternehmen befasst, habe aber noch nie von einem Ort gehört, an dem wirklich alles zu 100 % regelkonform gemacht wird. Das ist schlicht unmöglich.
      Die Leute legen einfach los und hoffen, dass das Finanzamt nicht auftaucht.
    • Ich habe sowohl Schweden als auch die Niederlande ausprobiert. In Schweden gibt es BankID, und wenn die Bank dich mag, ist es wirklich einfach.
      In den Niederlanden war es nicht ganz so leicht. Ich musste einen persönlichen Termin bei der KVK buchen, aber in Amsterdam war alles ausgebucht, also bin ich mit dem Zug etwa eine Stunde weit zu einem anderen Ort gefahren.
    • Klingt schön zu hören, aber wegen der exit tax kann man nicht weg. Dabei zahlt man Steuer auf nicht realisierte Kapitalgewinne als Preis für das Privileg, das Land zu verlassen.
      Das ist noch viel schlimmer als das, worüber dieser Beitrag spricht, und ich werde bald einen eigenen Beitrag dazu schreiben.
    • In Polen ist es ähnlich bequem. Fast 100 % aller Angelegenheiten rund um Firma oder Privatperson lassen sich online erledigen.
      Ein Einzelunternehmen kann man sogar in der Banking-App gründen, und eine Kapitalgesellschaft dauert etwas länger, ist aber ebenfalls online möglich. Eine Ausnahme ist nur, wenn man eine individuell angepasste Satzung braucht.
  • In Irland kann man für etwa 500 Euro und ein paar Tage eine haftungsbeschränkte Gesellschaft registrieren, und die Körperschaftsteuer ist auch niedriger.
    Ich verstehe nicht, warum man nicht einfach eine normale UG genommen hat. Die Haftung ist auf das Gesellschaftsvermögen begrenzt, ist das also nicht dasselbe? Wenn eine UG schlecht aussieht, sieht dann eine UG & Co. KG nicht auch schlecht aus?
    Man kann auch eine saubere Vorratsgesellschaft kaufen, also eine shelf company.

  • Deutschland ist in Sachen Bürokratie eines der schlimmsten Länder. Wenn man die gesetzlichen Verfahren befolgt und innerhalb des Rechts bleibt, geht fast nichts schnell. Für große Player gibt es andere Wege, aber für Kleine wird es teuer.
    Wenn man ein rein digitales Geschäft starten will, ist es besser, die Gesellschaft woanders zu gründen. Wenn man weiter in Deutschland lebt, ist es deutlich flexibler zu prüfen, ob man an eine Firma in einem anderen Land lizenziert oder als Subunternehmer für sie arbeitet. Auch der Zugang zu Fördermitteln kann leichter sein.
    Steuern sind ebenfalls ein Problem. Das Finanzamt holt sich Geld schnell, aber Erstattungen sind wieder eine andere Verzögerung, und manchmal werden selbst rechtmäßige Ansprüche immer weiter abgelehnt, bis man einen Anwalt einschalten muss. Es scheint vom Sachbearbeiter und dessen Tagesform abzuhängen.

    • Die mythische deutsche Effizienz, von der alle reden, habe ich noch nicht gefunden. Züge, Berlin Brandenburg Airport und solche Dinge eingeschlossen.
      Meiner Erfahrung nach geht es weniger um Effizienz als um Regeln und Regelbefolgung.
    • Eine Gesellschaft anderswo zu gründen, kann in einer Katastrophe enden. Wenn man in Deutschland lebt und Management und Kontrolle von Deutschland aus erfolgen, wird die Firma am Ende in Deutschland steuerlich ansässig.
      Dann muss man die Vorschriften in beiden Rechtsordnungen einhalten und auf beiden Seiten Unterlagen und Jahresabschlüsse einreichen. Im schlimmsten Fall kann man ohne Abkommen sogar doppelt besteuert werden.
      Die beste Lösung ist einfach, Deutschland zu verlassen.
    • Ich kenne weder in der EU noch in Asien viele Länder ohne eine ähnliche Dokumentenhölle. Ich habe in Deutschland und in mehreren anderen Ländern Firmen geführt, aber in Spanien überlebt eine kleine SL kaum, wenn sie alle Regeln einhält, und in der Praxis macht das niemand.
      In Deutschland war es nicht anders. Ich habe nie Bußgelder oder Rügen bekommen, und das größte Bußgeld in Deutschland betraf die falsche Berechnung der VAT auf einige Positionen, war aber im Vergleich zu den erhaltenen Steuervorteilen nicht besonders groß.
    • „Wenn man den Rechtsweg einhält und im Rahmen des Gesetzes bleibt, geht nichts schnell“ und „alles ist teuer“ klingt nach einem für Korruption optimierten System.
      Wenn man die Hälfte des nötigen Geldes zahlen und alles fünfmal schneller erledigen könnte, warum sollte man es nicht tun?
    • Stimme völlig zu. Realistisch betrachtet arbeiten viele deutsche Unternehmen einfach unter dem Radar, weil sie das Steuerchaos und die Bürokratie nicht handhaben wollen oder nicht handhaben können.
  • Ich will die deutsche Bürokratie nicht verteidigen, aber wenn man ernsthaft schnelle Ergebnisse will, macht man es nicht so.
    Wenn man schnell eine GmbH will, gibt es spezialisierte Anwälte, die einen Pool neu gegründeter GmbHs vorhalten und verkaufen. Da ist alles so vorbereitet, dass man sofort loslegen kann, und wenn einem Dinge wie der Firmenname nicht gefallen, kann man das später ändern.
    Ich kenne auch viele Leute, die selbst direkt eine GmbH gegründet haben und bei denen es reibungslos lief. Es ist nicht unmöglich; eher hat der Autor des Originalbeitrags eine übermäßig komplexe und ungewöhnliche Struktur gewählt und war dann überrascht, dass es kompliziert wurde.

    • Dass es überhaupt Anwaltspools zum Kauf neu gegründeter GmbHs gibt, ist an sich schon ein starkes Indiz dafür, dass die Bürokratie außer Kontrolle geraten ist und Deutschland neuen Unternehmen gegenüber unfreundlich ist.
    • Eine Firma zu kaufen und dann den Firmennamen zu ändern, klingt weder einfach noch billig.
      Eine UG & Co. KG hat einige Vorteile, und sie hat zwar Kosten und Zeit hinzugefügt, ändert aber nichts am Kern der Geschichte.
      In den USA kosten notarielle Beglaubigungen ungefähr so viel wie ein Abendessen. Viele haben in Berlin bis zu 6 Monate auf eine VAT ID gewartet.
    • Wenn man keine Haftungsbeschränkung braucht, geht es auch deutlich einfacher. Eine Gewerbeanmeldung kostet normalerweise etwa 30 Euro, dauert weniger als einen Monat, und in Großstädten gibt es auch Online-Formulare.
      Auch die Berichtspflichten sind viel einfacher. ChatGPT und Buchhaltungssoftware helfen ziemlich gut. Trotzdem sind zur Vermeidung böser Überraschungen ein Steuerberater und eine Haftpflichtversicherung empfehlenswert.
    • Vor allem die Kombination UG & Co KG höre ich zum ersten Mal.
    • Ich habe meine GmbH mit Musterprotokollen gegründet, und selbst dann hat es länger gedauert als beim Originalautor.
  • Das war die Entscheidung des Autors. Im Text stand auch, dass man als Einzelunternehmer anfangen könnte, aber dieses Risiko wollte er nicht tragen.
    Die 25.000 Euro sind deshalb erforderlich, weil das Risiko bei einer GmbH dann nicht mehr persönliches Risiko ist, sondern Risiko der GmbH.
    Und die 25.000 Euro sind keine Maut, sondern das Stammkapital der Gesellschaft. Das Geld gehört der GmbH. Soweit ich weiß, muss man in Deutschland nur die Hälfte der 25.000 Euro einzahlen.

    • Genau. Eine GmbH kann mit exakt der Hälfte, also 12.500 Euro, starten. Das Geld muss auch nicht auf dem Bankkonto blockiert bleiben.
      Es kann für den Unternehmenszweck verwendet werden, aber nicht für Gründergehälter.
    • Es ist schwer zu überprüfen, ob der Versuch des Autors überhaupt echt ist. Es wirkt, als habe er sich absichtlich Probleme geschaffen und dann gezeigt, was ihre Lösung kostet.
      Bei einer GmbH sollte man sich einen Buchhalter suchen und den gesamten Prozess Leuten überlassen, die einen durch das Verfahren führen können, bevor man sich selbst verletzt.
    • Die Gläubiger werden diese 25.000 Euro niemals zu Gesicht bekommen. Wenn Insolvenz oder Zahlungsunfähigkeit beantragt wird, verschlingen Insolvenzverwalter und Liquidationsverfahren das Geld, und es verschwindet, bevor es überhaupt jemand sieht.
  • Die Behauptung „Ich habe 9.600 Euro ausgegeben, um ein Unternehmen zu gründen“ ist irreführend. Um Haftung und Kundenrisiko maximal zu senken, wurde eine komplizierte Lösung gewählt, bei der zwei miteinander verbundene Gesellschaften gegründet wurden.
    Außerdem wurden 2.000 Euro Stammkapital als Kosten gerechnet, obwohl das keine Kosten sind. Die „günstige“ UG, die kein hohes Anfangskapital erfordert, wurde aus Reputationsgründen nicht gewählt.
    Auch die Kosten für Buchhaltungssoftware von 426,97 Euro wurden eingerechnet, obwohl das keine Gründungskosten, sondern Betriebskosten sind.
    Es hieß, die Gründung sei über eine Kanzlei erfolgt, daher wäre auch interessant, in welchem Posten diese Dienstleistungskosten enthalten sind. Für eine faire Betrachtung müsste man sie separat ausweisen; bei einer Gründung nur über den Notar würden diese Kosten stark abweichen oder ganz entfallen.
    Auch die Erklärung zur Mindesteinzahlung bei einer GmbH ist unvollständig. Es hieß: „Eine GmbH muss 25.000 Euro auf dem Bankkonto haben, bevor sie die Erlaubnis erhält zu existieren“, tatsächlich muss aber zunächst nur die Hälfte eingezahlt werden, und der Rest erst dann, wenn die Gesellschaft in Schwierigkeiten gerät.
    Die Gesellschaft kann diese Einzahlung dem Gründer sogar wieder zu Marktzinsen leihen. Wenn die Satzung das Halten von Anteilen an anderen Unternehmen erlaubt, kann das eingezahlte Kapital auch zum Kauf von Aktien oder ähnlichen Finanzinvestments verwendet werden. Die Kanzlei hätte auf solche Punkte hinweisen müssen.
    Der Hauptunterschied zwischen einer Standard-GmbH und einer GmbH & Co. KG liegt in einer etwas anderen steuerlichen Struktur. Am Ende hat der Autor 7.227,74 Euro für den Aufbau einer ziemlich komplexen Gesellschaftsstruktur bezahlt, und den Begründungen nach vermutlich aus den falschen Gründen.
    Als ich 2019 ohne Hilfe einer Kanzlei eine GmbH gegründet habe, hat das meiner Erinnerung nach ungefähr 2.000 Euro gekostet.

    • Ich habe im Dezember eine UG gegründet, und die Kosten waren 250 Euro bei beglaubigt.de, 180 Euro für den Notar mit Mustervertrag, etwa 150 Euro fürs Handelsregister und 35 Euro für die Gewerbeanmeldung.
      Die Gewerbeanmeldung ist eigentlich nicht einmal direkt an die eigentliche Gesellschaftsgründung gekoppelt. Auf die UStID warte ich allerdings noch. Angeblich existiert sie seit Januar, aber man konnte den Brief weder zustellen noch sie mir telefonisch mitteilen.
    • Versteht jemand, wie Notarkosten von 1.575,24 Euro zustande kommen? Nach höchstens ein paar Stunden Arbeit wirkt das erstaunlich hoch.