Im AI-Zeitalter gilt: Wenn es nur eine Standardspezifikation gibt, lässt sich irgendwie eine kompatible App oder ein Renderer bauen. Warum also kann man Verwaltungsdokumente im HWP-Format nicht öffnen?
Als Hancom Office (Hangeul) 1989 zum ersten Mal erschien, gab es noch nicht einmal den Begriff „Open Source“. Open-Source-Schriften? Natürlich gab es die damals nicht. Deshalb sind praktisch alle Dokumente, die der Staat in den vergangenen mehr als 30 Jahren erzeugt hat, an urheberrechtlich geschützte Schriften gebunden.
Open-Source-Renderer und -Editoren dürfen diese Schriften nicht verwenden. Wenn sich die Schrift ändert, verändert sich die Zeichenbreite minimal → Zeilenumbrüche verrutschen → Formulare und Layouts gehen kaputt.
Gerade K-Verwaltungsdokumente sind so aufgebaut, dass Zeichenbreite und Zeichenabstand extrem fein austariert sind. Schon der Austausch einer einzigen Schrift lässt das Ganze zusammenbrechen.
Der Kern des Problems ist dabei nicht, dass es „unschön aussieht“. Wenn man solche Dokumente nicht korrekt öffnen kann, kann man sie auch nicht korrekt bearbeiten. Sobald das Rendering blockiert ist, wird schon das Recht, Verwaltungsdokumente zu bearbeiten, an eine bestimmte Software gebunden.
Die Lösung ist überraschend einfach.
Man braucht keine kopierte „Form der Buchstaben (Glyphen)“, sondern nur eine Schrift, bei der die „Größe der Zeichenfläche (Metrik)“ identisch ist.
Polaris hat einen Generator für metrisch kompatible Schriften (Polaris MCFG) als Open Source veröffentlicht. Das Programm erzeugt Schriften, indem es aus urheberrechtlich geschützten Fonts nur die Größenmetriken übernimmt und darauf die Formen einer Open-Source-Schrift aufsetzt. Trotzdem zögert man, es tatsächlich zu verwenden. Denn eine Schriftdatei ist letztlich auch ein „Programm“ – wenn man sie unbedacht zerlegt, kann das eine Urheberrechtsverletzung sein.
Wie wurde das Problem im Ausland gelöst? Ich habe nachgesehen, weil andere diesen Weg sicher schon vor uns gegangen sind. Dabei stellte sich heraus, dass sich der Begriff „metrisch kompatible Schrift“ (metric-compatible font) dort bereits etabliert hat.
Ich habe unter anderem das Open Source Software Integrated Support Center (OpenUp) und weitere Stellen gefragt: „Darf man so etwas überhaupt erstellen?“ Die Antworten waren durchweg zurückhaltend.
Der Grund ist klar. In Korea gibt es dafür schlicht kein entsprechendes System. Es gibt keinen rechtlichen Mechanismus, mit dem Open Source bei der Entwicklung von etwas zu Kompatibilitätszwecken vorab bestätigen lassen könnte: „Das ist rechtlich sicher.“
Deshalb wollen wir genau diese Lücke füllen. Wir wollen die gesamte Vorgeschichte offenlegen und bei KrIGF gemeinsam einen koreanischen „Mechanismus für vorab rechtliche Gewissheit“ entwerfen.
Aber was ist KrIGF eigentlich?
Das IGF (Internet Governance Forum) ist ein Multi-Stakeholder-Forum, in dem Regierung, Unternehmen, Wissenschaft und Zivilgesellschaft auf Augenhöhe über politische Fragen rund um das Internet diskutieren. Seit seiner ersten Durchführung 2006 unter Federführung der UN wird es mit dem Ziel betrieben, Themen wie Offenheit, Interoperabilität und Zugänglichkeit des Internets nicht von „einer einzelnen Instanz entscheiden“ zu lassen, sondern gemeinsam von verschiedenen Interessengruppen zu behandeln.
Im Geist dieses globalen IGF sind in den einzelnen Ländern eigenständig National/Regional IGFs entstanden; die koreanische Variante davon ist das KrIGF (Korean Internet Governance Forum). In diesem Jahr findet es zum 15. Mal statt.
Warum werden Fragen zu Verwaltungsdokumentformaten, Schriften und Open-Source-Kompatibilität ausgerechnet in einem Forum zur „Internet Governance“ behandelt? Weil Themen wie offene Standards, digitale öffentliche Güter und universelle Zugänglichkeit zum Kern der Internet Governance gehören. Dass öffentliche Dokumente an bestimmte Formate oder Schriften gebunden sind, ist im Kern ein Problem der Interoperabilität und des Zugangsrechts.
Veranstaltungsinformationen
- Veranstaltung: 15. Korean Internet Governance Forum (KrIGF 2026)
- Session: [Session 3] Mechanismus für vorab rechtliche Gewissheit für gemeinwohlorientierte Interoperabilität
- Datum: Mittwoch, 2. Juli 2026 / Session 3 13:40–15:00 (80′)
- Ort: Franziskus-Bildungszentrum, Jeong-dong, Seoul (vor Ort)
- Online: Livestream auf YouTube geplant (wenn eine Teilnahme vor Ort schwierig ist, können Sie auch online zuschauen)
- Session-Info: https://igf.or.kr/4095
Jede und jeder kann teilnehmen; nach den Impulsbeiträgen gibt es eine Roundtable-Diskussion gemeinsam mit dem Publikum. Ob vor Ort oder online – Beiträge und Meinungen sind willkommen.
Wer spricht?
- Moderation · Impulsbeitrag — Minseok Jang (KISTI Center for Research Network of Science and Technology / Maintainer von pypandoc-hwpx)
- Diskussion
- Younggwan Kim (Maintainer von rHWP) — Open Source
- Haeseok Lee (CTO, Polaris Office) — kommerziell · Open Source
- Hojun Lee (Dong-eui University) — Jugend · Open Source
- Hyeonje Park (außerordentlicher Professor, Fakultät für Software, Hallym University) — Wissenschaft, Aufnahme in die Internet Hall of Fame 2025
- Kyungsin Park (Direktor, Open Net) — Recht (online), vielfach mit Fragen des Font-Urheberrechts befasst
- Hyeonyeong Kim (Vice President, Boin Information Technology) — Standards, Ausarbeitung des HWPX-Standards
Open-Source-Entwickler, kommerzielle Anbieter, Wissenschaft, Recht, Standardisierung – die Interessengruppen rund um das HWP/HWPX-Ökosystem kommen an einem Tisch zusammen.
Ob vor Ort oder online (YouTube-Livestream): Jede und jeder kann frei teilnehmen. Nach den Impulsbeiträgen folgt eine Roundtable-Diskussion mit dem Publikum; Fragen sind auch über den YouTube-Livechat möglich. Auch wenn Sie nicht vor Ort sein können, können Sie gern Ihre Meinung oder auch Gegenargumente einbringen.
Wenn Sie im Voraus eine Frage oder ein Beispiel einbringen möchten, hinterlassen Sie gern einen Kommentar. Wir greifen das in der Diskussion vor Ort gemeinsam auf.
KrIGF 2026 · Session 3 · 2026.07.02. 13:40–15:00 (80′)
→ https://igf.or.kr/4095
3 Kommentare
Es stimmt zwar, dass es 1985, als das GNU-Manifest entstand, den Begriff Open Source noch nicht gab.
Wenn man jedoch nach der Bedeutung geht, ist das eine andere Frage.
Hallo! Diesmal bin ich ein Nutzer, der in Richtung Jugend geht. Ich freue mich über viel Interesse!
Ist es eine Urheberrechtsverletzung, wenn man eine Leinwand auf Mona-Lisa-Größe zuschneidet? (Untertitel: Eine Frage zu Metric-compatible fonts für rHWP)
Dazu findet offenbar eine Diskussion statt. Ich würde gern als Zuhörer vor Ort teilnehmen, aber leider passt der Termin nicht, sodass ich es online verfolgen muss. Ich hoffe auf ein gutes Ergebnis.