Was agentisches SaaS verändert — vom UI-Design bis zum Abrechnungsmodell
Der Softwareentwickler Akash Yap analysiert den Unterschied zwischen „SaaS mit aufgesetztem Chatbot“ und „echtem agentischem SaaS“ entlang dreier Achsen: Interface, Architektur und Geschäftsmodell.
Problembewusstsein: Interaktionssteuer
- Enterprise-SaaS bietet zwar genug Funktionen, aber die „Reibung, bevor man überhaupt mit der Arbeit beginnen kann“ — etwa Buttons finden, Formulare ausfüllen oder Einstellungen konfigurieren — verbraucht in der Praxis mehr Energie als die eigentliche Arbeit.
- Ein Grund, warum Tools wie ChatGPT immer wieder genutzt werden, ist, dass sie genau diese Reibung verringern.
UI: Vom Bedienwerkzeug zur Orchestrierungsebene
- Weg von einer Struktur, in der Nutzer selbst Buttons klicken und Formulare ausfüllen, hin zu einer Struktur, in der sie ihre Absicht ausdrücken und die Ergebnisse des Agenten prüfen oder eingreifen.
- Formulare: Der Agent schließt per Inferenz/Auto-Fill vorab aus → der Nutzer muss nur noch bestätigen
- Tabellen: direkte Datenmanipulation → Ergebnisse der Verarbeitung prüfen und korrigieren
- Dashboards: statisches Reporting → Echtzeitansicht laufender Prozesse
Architektur: Transaktion → Ausführung
- Bisher: Button-Klick → API-Aufruf → Antwort in Millisekunden (Request-Response)
- Agenten: Kontext erfassen → Tools heranziehen → Zwischenentscheidungen → Retries → Nutzerbestätigung (mehrere Minuten, mehrere Systeme)
- Unterstützung für lang laufende Prozesse, Zustandsverwaltung, Fehlerbehebung und Kommunikation mit dem Nutzer sind essenziell.
Geschäftsmodell: Seat-basiertes Pricing → erfolgsbasierte Abrechnung
- Da die Software die Arbeit direkt ausführt und dabei Token- und Compute-Kosten anfallen, verschiebt sich die Grundlage der Abrechnung von der Zahl der Nutzer hin zu Nutzung, erledigten Aufgaben und erzeugten Ergebnissen.
- Der Charakter des Produkts wandelt sich von einem „Ziel, das Nutzer aufsuchen“ zu einem „Operator, der auch ohne Nutzer arbeitet“.
Ersetzt allgemeine KI SaaS?
- Oberflächliche Software-Layer lassen sich ersetzen, doch bei Produkten mit tiefen Domain-Modellen, Berechtigungssystemen, Workflows und hoher Zuverlässigkeit werden diese Aspekte im Gegenteil noch wichtiger.
- Wettbewerbsvorteil: von „den Bildschirm besitzen“ zu „eine vertrauenswürdige Ausführungsumgebung besitzen“
Fazit: Die Gewinner im agentischen SaaS sind nicht die Produkte mit den meisten AI-Funktionen, sondern diejenigen, die die meiste Reibung für den Nutzer beseitigen.
Referenz: https://aisparkup.com/posts/10442
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